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Filippo Lombardi, CVP-TI, spricht waehrend der Diskussion zum Auslaendergesetz und der Steuerung der Zuwanderung und Vollzugsverbesserungen bei den Freizuegigkeitsabkommen, an der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 1. Dezember 2016, im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Ambri-Boss Filippo Lombardi hat spät die richtige Entscheidung gefällt. Bild: KEYSTONE

Luca Cereda neuer Trainer von Ambri-Piotta

Nach langen Jahren der Irrungen und Wirrungenbesinnt sich Ambri auf seinen wahren Werte. Luca Cereda wird Cheftrainer und Paolo Duca Sportchef. Das jüngste Führungsduo unserer Hockey-Geschichte.

28.04.17, 11:33 28.04.17, 23:10


Der letzte Trainer, der in Ambri wirklich etwas bewegt hat, in der Kabine und im Umfeld, war ein Schweizer. Roland von Mentlen, immer mehr Philosoph als Antreiber, aber ein Mann mit Weitsicht und oft von den Zeitgenossen verkannt. Der mit einer Tessinerin verheiratete Ostschweizer weckte Ambri 1988 aus dem Dornröschenschlaf, vertrieb die Komplexe, nur ein Provinzklub zu sein und die von ihm in anderthalb Jahren geweckten Geister trieben Ambri bis hinauf auf die höchsten Gipfel, bis ins Playoff-Finale von 1999. Heute lebt Roland von Mentlen nach wie vor in der Leventina und versteht sich mit Luca Cereda sehr gut.

Der Eishockey Spieler Luca Cereda wird von Ambri Praesident, Gian-Paolo Grassi, hinten links, und den Ambri-Fans verabschiedet, an der Praesentation der Mannchaft des HC Ambri am Samstag 4. August 2007 in der Valascia Eishalle in Ambri TI. Die Eishalle war gefuellt mit mehreren tausend Fans. Cereda muss seine Sportkarriere wegen Herzproblemen beenden.(KEYSTONE/Karl Mathis)

Luca Cereda musste 2007 seine Karriere wegen Herzproblemen beenden. Jetzt kehrt er als Trainer zurück zu Ambri. Bild: KEYSTONE

Was ist Ambri? Woher kommt Ambri? Wohin will Ambri? Auf diese Frage fanden die Nachfolger von Roland von Mentlen keine Antwort mehr. Die Trainer kamen aus Russland (Jakuschew), Schweden (Hober), aus Tschechien (Cada), sie waren NHL-Generäle (Pagé, Constantine), Kanadier (Lefley, Huras, Pelletier, Laporte), kanadisch-schweizerische Doppelbürger (Kossmann) – und sie alle scheiterten. Weil sie Ambri als gewöhnliches Hockeyunternehmen sahen und die Seele dieses Hockeyunternehmens nicht verstanden.

Symbolisch dabei die bis heute originellste Aufforderung zur Trainerentlassung: Ein erboster Anhänger warf einen Reisekoffer aufs Eis um Benoit Laporte zum Gehen aufzufordern. Da es bei den heutigen Eingangskontrollen wohl nicht möglich ist, einen Koffer in ein Stadion zuschmuggeln, hatte diese Aktion wohl die heimliche Billigung des Managements.

Der grosse Hockey-Populist Filippo Lombardi führt Ambri seit 2009 und über 400 Spielen – länger als jeder seiner Vorgänger seit dem Wiederaufstieg von 1985. Die Kritik, er verstehe das Wesen und Wirken des Eishockeys noch immer nicht, mag etwas für sich haben. Doch er ist als CVP-Ständerat ein «Animal Politique». Spät, nicht zu spät ist er nun zu den Wurzeln Ambris zurückgekehrt und hat zwei Männern aus dem Tal, zwei Einheimischen die Führung der sportlichen Abteilung anvertraut. Luca Cereda wird Trainer, Paolo Duca Sportchef. Die beiden 35-jährigen Leventiner bilden das jüngste Führungsduo in der Geschichte unseres Hockeys.

ZUR ANGEBLICHEN ENTLASSUNG VON HANS KOSSMANN ALS TRAINER DES HC AMBRI-PIOTTA STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Ambris Trainer Hans Kossmann waehrend dem Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel-Bienne und dem HC Ambri-Piotta, am Freitag, 13. Januar 2017, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Hans Kossmann war der einzige Schweizer Ambri-Trainer in den letzten 20 Jahren. Bild: KEYSTONE

Luca Cereda war 1999 der zweite Schweizer Erstrundendraft nach Michel Riesen. Er machte aus gesundheitlichen Gründen keine grosse Spielerkarriere (Herzoperation), war aber immerhin 2004 mit dem SCB Meister. Mit 26 wechselte er ins Trainergeschäft und hat diesen Beruf von Grund auf erlernt. Diese Saison war er Trainer bei Ambris Farmteam «Ticino Rockets».

Paolo Duca kehrte nach Wanderjahren (ZSC Lions, Zug), 2007 nach Ambri zurück und war zuletzt zehn Jahre lang Captain des Teams. Ein Kultspieler.

HCB Rocket's Coach Luca Cereda during the Swiss Ice Hockey Cup round of 16 game between HC Biasca Ticino Rockets and SCL Tigers, at the ice stadium in Biasca, Switzerland, Tuesday, October 25, 2016. (KEYSTONE/Ti-Press/Pablo Gianinazzi)

Luca Cereda war zuletzt Trainer bei den Ticino Rockets. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Es gibt nichts, was gegen den Erfolg von Luca Cereda und Paolo Duca spricht. Die beiden kennen unser Hockeygeschäft und wissen, wie Ambri funktioniert. Und Luca Cereda hat wie kein anderer in Ambri erkannt, dass es eine bessere Leistungskultur braucht. Nun kann er diese Erkenntnis in die Tat umsetzen und beispielsweise ein echtes Sommertraining einführen. Und Paolo Duca wird sich nicht von jedem Agenten bei den Lohnverhandlungen so über den Tisch ziehen lassen wie sein komplett überforderter Vorgänger Ivano Zanatta.

Die Ernennung von Luca Cereda und Paolo Duca ist – wie könnte es bei einem Präsidenten wie Filippo Lombardi anders sein – auch ein genialer sportpolitischer Schachzug. So wird Ambri zur wahren Alternative des grossen Geldclubs Lugano. «Il Ticiono è biancoblû» («Das Tessin ist blau-weiss») – so sagen die Fans und meinen damit: Ambri repräsentiert das Tessin, Ambri ist der wahre Klub der Tessiner – und grenzen sich so gegen den Erzrivalen aus Lugano ab. Und nun führen zwei Tessiner die Helden in den wunderschönen blau-weissen Jerseys – war mag da Ambri noch die Legimitation absprechen, der wahre Klub der Tessiner zu sein? Und wer daran zweifeln, dass Filippo Lombardi und nicht Fabio Abate der wahre Ständerat des Kantons Tessin ist?

Mehr als ein Hockeyunternehmen?

Was Luca Cereda und Paolo Duca die Arbeit erleichtern wird: im ganz besonderen medialen Klima des Tessin sorgen alleine ihre Namen und ihre Herkunft «bisshemmend» auf die Chronisten. Seit Jahren ist es in Ambri Brauch, für die Spieler und gegen die ausländischen Trainer zu sein. Das funktioniert jetzt nicht mehr – wer gegen den Trainer und den Sportchef aus dem Tal der Leventina polemisiert, erhebt seine Stimme gegen die Kultur Ambris, ja, begeht «hockeytechnischen Ladnesverrat».

Eine Erfolgsgarantie gibt es auch mit dem neuen Führungsduo nicht. Aber das Marketing, die Finanzierung der neuen Arena, das «Einsammeln» von Geld, wird nun viel einfacher und mit Luca Cereda und Paolo Duca wird es möglich, eine Strategie der Bescheidenheit zu verkaufen. Mit Luca Cereda und Paolo Duca wird Ambri nicht mehr allein von Siegen und Niederlagen leben – nun ist Ambri endlich wieder mehr als ein Hockeyunternehmen. Ambri ist wieder ein Kulturgut geworden – so wie es die SCL Tigers im Emmental sind.

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Max Dick 01.05.2017 10:52
    Highlight Kann mir der Autor dieses Artikels verraten, inwiefern Lefley und Huras in Ambri gescheitert sein sollen? Weil sie knapp nicht Meister wurden?
    10 0 Melden
  • gunner 28.04.2017 22:10
    Highlight Die identifikationsfiguren in solche positionen einzuspannen finde ich immer ein mutiger, jedoch unwiderruflicher schritt. Unwiderruflich weil im falle des versagens diese figuren entlassen werden müssten und man solche asse nicht mehr einfach aus dem ärmel zaubern könnte. (Wie Fischer beim FCZ) Ich wünsche den beiden aber von herzen alles gute!Forza Ambri!!
    37 1 Melden
  • Eingestein 28.04.2017 19:17
    Highlight Na ja, Viel glück. Es ist halt schon ein Elend, wenn man Rang 11 und 12 in der Tabelle hat ist es sehr schwierig ein Zusammenhalt zu finden. Wie viele Zuschauer und Superfans werden noch in die Valascia stürmen! Da gehen vermutlich die Rettungsaktionen wieder von Vorne an. und dann...Der rüfi der Rechnet schon für sich mal.
    6 33 Melden
  • rüfi 28.04.2017 16:28
    Highlight Gute und vernünftige Lösung.Sicher eine Finanzielle.....wiso schreibt man hier von fünf Ausländern?
    Ambri braucht einen Topback der das Spiel bestimmt....
    Bleibt an Noreau dran.Bern kann dann Brennan aus der AHL verpflichten😂!
    Duca,Kamber,Fuchs und vielleicht noch Guggi weg....sind so ziemlich jene die wenigstens noch ab und zu trafen!
    Da bin ich mal gespannt was Duca holt denn nur mit Rockets.....wirds noch eine schwerere Saison!
    14 15 Melden
    • Yotanke 28.04.2017 18:46
      Highlight die rockets haben doch den scb aus dem cup geworfen. und der scb wurde ch-meister… 😀
      30 3 Melden
    • rüfi 29.04.2017 04:36
      Highlight Ja klr....die hatten Mühe gegen ein SCB Eliteteam 😂
      3 7 Melden
  • Yotanke 28.04.2017 15:50
    Highlight sehr mutig. aber ist es auch schlau? ein greenhorn als trainer zu engagieren?
    8 27 Melden
  • plaga versus 28.04.2017 15:38
    Highlight "...und der mit Einsatz, Engagement und Verbundenheit vorangeht", erklärte Duca. Cereda erhielt einen EINjahresvertrag.

    Ohne weiteren Kommentar
    15 6 Melden
  • MARC AUREL 28.04.2017 13:20
    Highlight Sicher keine schlechte Wahl aber trotzdem ist es nur eine Frage der Zeit bis Ambri mal absteigt...
    24 61 Melden
    • Roaming212 29.04.2017 00:43
      Highlight Deine Lakers sind ja bereits abgestiegen. Aber im Gegensatz zu dir werden sich die Ambri-Fans bestimmt nicht einem anderen erfolgreichen NLA-Klub zuwenden.
      18 5 Melden
    • MARC AUREL 29.04.2017 17:56
      Highlight Kannst es von mir aus jeden Tag sagen das ich Rappifan bin auch wenn nichts dran ist... schon ewigs Bernfan aber Rappi wäre mir lieber im NLA als Langnull.
      4 18 Melden
    • Wakawakawaka 30.04.2017 06:18
      Highlight Hatte das auch so im Kopf, dass du zuerst ein Rappi-fan warst, bis die dann abgestiegen sind.
      7 2 Melden
  • play off 28.04.2017 12:29
    Highlight Theoretisch müsste er auch nächste Saison eine B Mannschaft coachen. Denn für die Lizenzvergabe der NLA müsste die neue Halle schon weit fortgeschritten sein. Aber ich habe noch nicht einmal den Spatenstich gesehen. Aber die Liga wird wie immer wenn es um Ambri geht, beide Augen zudrücken. Soviel zu den Regeln dieser Bananenligabosse!
    42 61 Melden
  • Babylon 28.04.2017 12:24
    Highlight Forza Ambri!!
    60 21 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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