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Der SCB musste gestern bereits ein erstes Mal unten durch.
Bild: KEYSTONE

Der SCB wie die Lakers – ein ungeheuerlicher Vergleich, aber ...

Vor einem Jahr die Lakers, jetzt der SC Bern. Die Saison-Ouvertüre der ZSC Lions wirft Fragen auf und provoziert zu einer gewagten Behauptung.

10.09.15, 10:25 10.09.15, 11:14

Die ZSC Lions gegen den SC Bern. In einer geordneten Hockey-Welt könnten wir davon ausgehen, dass das erste Spiel der Saison auch das letzte sein wird. Also die letzte Partie im Finale. So wie zuletzt 2013. Denn auf dem Papier handelt es sich um Titanen. Durchwegs grösser als die Konkurrenz. Die Berner in erster Linie als mächtige Hockey-Geldmaschine mit einem Konzernumsatz von über 50 Millionen Franken und mit schwarzen Zahlen seit 16 Jahren. Die ZSC Lions als mächtiges Hockey-Imperium, abgesichert von Milliardären, mit mehr als 600 Junioren und eigenem Farmteam (GCK Lions).

Auston Matthews, der Hockey-Popstar aus Amerika, wird in ein paar Tagen 18 Jahre alt und kann deshalb erst am 18. September gegen Fribourg erstmals spielen. Kein Problem. Vorerst ersetzt ihn der Kanadier Chris Foulcault von den GCK Lions. Und soeben haben die Zürcher die erste Phase der Champions Hockey League mit vier Siegen erfolgreich abgeschlossen. Wahrlich ein Titan.

Auston Matthews muss sich noch etwas gedulden. 
Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

Der SCB hat ein Goalie-Problem

Vor einem Jahr haben die ZSC Lions die Meisterschaft auch an einem Mittwoch eröffnet. Mit einem 4:1 gegen die Lakers. Am Ende gewannen sie die Qualifikation und die Lakers landeten auf dem letzten Platz und in der NLB. Damals war bereits im ersten Spiel ersichtlich, dass es so enden würde. Und jetzt?

Der SCB ist ein verwundbarer Titan. Die Berner haben sich in der Champions Hockey League blamiert, zum Abschluss mit einem 1:7 auf eigenem Eis. Der autoritäre SCB-Trainer Guy Boucher ist in den letzten Wochen ärger kritisiert worden als vor einem Jahr der antiautoritäre Lakers-Chef Anders Eldebrink.

Nicht genug, dass die Berner in Zürich lediglich mit drei Ausländern antreten können, weil es Trevor Smith im Rücken zwickt. Zum ersten Mal seit dem Wiederaufstieg (1986) beginnt der SCB die Saison nicht mit der Nummer 1 im Tor. Marco Bührer, die Legende, steht an der Bande. Janick Schwendener hat seinen Platz übernommen. Er wird in diesem Spiel ein Durchschnittsgoalie sein. Der SCB verliert nicht wegen ihm. Aber der SCB gewinnt eben auch nicht dank ihm. Also kein grosser Torhüter. Es ist nicht die Frage, ob der SCB diese Saison erstmals seit 29 Jahren ein Torhüterproblem haben wird. Sondern nur wann.

Nicht Marco Bührer, sondern Janick Schwendener stand gestern beim SCB zwischen den Pfosten. 
Bild: PHOTOPRESS

Wir blenden jetzt alles aus, was wir über die Macht und das Geld und den Einfluss und die Tradition der beiden Teams wissen. Wir verwandeln uns in einen hockeybegeisterten Zaungast, der schon vor einem Jahr das Eröffnungsspiel gegen die Lakers gesehen und sich gestern wieder einmal ins Hallenstadion verirrt hat.

Tja, dann kommen wir zu einem Schluss, den wir fast nicht publizieren dürfen. Der SCB beginnt die Partie schlechter als die Lakers vor einem Jahr (die führten immerhin 1:0). Die ZSC Lions sind so überheblich wie beim Saisonauftakt im September 2014 gegen die Lakers (4:1). Sie wären gestern zu packen gewesen.

Aber der SCB hat nicht viel mehr Stilsicherheit als damals die Lakers. Selbst als die Hockeygötter dafür sorgen, dass der Puck vorübergehend den Weg der Berner geht (der SCB braucht nur 76 Sekunden, um aus dem das 0:2 ein 2:2 zu machen), verändert sich die Struktur des Spiels nur vorübergehend. Am Ende siegen die ZSC Lions 5:3 und erzielen ein Tor mehr als vor einem Jahr gegen die Lakers. Wenn wir berücksichtigen, dass dem 3:2 ein Abseits vorangegangen ist, dann sind es gleich viele wie gegen die Lakers.

Dem 3:2 der ZSC Lions ging wohl ein Abseits voraus.
gif: srf/watson

Die Berner sind zu wenig arrogant

Der SCB gar wie die Lakers? Nein, das ist eine gewagte, eine ungeheuerliche Behauptung. In der zweiten Hälfte des Spiels konstatiert der ahnungslose Beobachter immerhin eine beinahe wundersame zwischenzeitliche Steigerung. Am Ende wird er sagen, der SCB habe ein sportliches Drama zwischen blankem defensivem Entsetzen und befreiendem Jubel aufgeführt. Das Boxplay war vorzüglich. Kämpferisch waren die Berner auch. Aber letztlich haben wir einen braven, biederen SCB gesehen. Es fehlte Charisma, Selbstvertrauen und Stilsicherheit, die früher den grossen SCB auszeichneten.

Immerhin gibt es statistischen Trost. Letztmals ist der SCB im September 2012 beim Saisonauftakt in Genf mit einer 1:3-Pleite so punktelos geblieben wie am Mittwoch in Zürich. Im Frühjahr 2013 haben die Berner den Titel geholt.

Der SCB legte einen biedern Auftritt hin. 
Bild: Marc Schumacher

Wenn wir denn diese erste Partie partout zum Erklärstück für die neue Saison machen und ein wenig philosophieren wollen, so können wir orakeln: Es ist durchaus noch möglich, dass die ZSC Lions und der SCB auch das letzte Spiel der Saison bestreiten werden. Aber nur dann, wenn der SCB einen Fehlstart vermeidet und zu seiner Stilsicherheit findet. Eine Auswärtsniederlage in Zürich erschüttert den SCB nicht. Eine Heimpleite am Freitagabend gegen die SCL Tigers hingegen schon.

Es gab eigentlich nur einen wesentlichen Unterschied in diesem Startspiel zwischen den vermeintlichen Titanen. Die Zürcher gewinnen diesen Saisonauftakt «nur» 5:3 und nicht mit vier oder fünf Toren Differenz, weil sie arrogant sind. Die Berner sind es nicht. Aber dass das so ist mit den Zürcher und Bernern, wissen wir ja auch aus dem richtigen Leben. Oder?

Alle Schweizer Eishockey-Meister seit Einführung der Play-offs 1985/86

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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21
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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • danno 11.09.2015 07:52
    Highlight Ich glaube Jannick Schwendener hat in der letzten Saison definitiv gezeigt, was für ein Potenzial er hat!
    3 1 Melden
  • Staal 10.09.2015 21:41
    Highlight mit dem dünnsten Trainer der Liga möglich
    0 2 Melden
  • Brian 10.09.2015 17:41
    Highlight Wieder mal typisch KZ. Provokation und Polemik pur. ZSC hat verdient gewonnen, doch auch der SCB hat gut gespielt. Aber eben KZ kritisiert bei jeder möglichen Gelegenheit den SCB, weil der Trainer eben den KZ ignoriert, was ich übrigens auch machen würde! Wenn Davos an der Stelle vom SCB gegen den ZSC verloren hätte, ja dann? Niemals Kritik gegenüber Davos oder AdC, da ja das die Lieblinge von KZ sind!!
    26 5 Melden
    • Hayek1902 10.09.2015 20:16
      Highlight lustig wie der zaugg gemäss leser fan ist von jedem verein ausser dem eigenen
      9 3 Melden
    • Staal 10.09.2015 21:41
      Highlight Logo, AdC hat ja auch Leistungsausweis. Boucher gar nix.
      5 4 Melden
    • Thomas J. aus B. 11.09.2015 00:30
      Highlight AdC hat auch 15 Lebensjahre Vorsprung. Allenfalls wird's auch bei Boucher noch was. AdC hatte mit 44 Jahren auch noch nichts gerissen in Sachen Titel.
      4 0 Melden
  • tösstaler 10.09.2015 15:55
    Highlight endlich Mitte September!
    Endlich wieder richtiger Sport ;-)
    Und endlich wieder Chlöis mit seinen Kolumnen dazu!
    Trotz des geilen Sommers: Hockey und Zaugg versüssen mit den Herbst-Eintritt wesentlich
    28 3 Melden
  • Albi Gabriel 10.09.2015 13:45
    Highlight Auch wenn sich viele, viele, viele, ja sogar sehr viele Leute (inklusive mir...) freuen würden, wenn der SCB den Weg der Lakers gehen würde, wird es leider wohl kaum so werden. Aber wir können uns dann beim Ausscheiden des SCB im Viertelfinal wieder freuen.
    17 32 Melden
    • MARC AUREL 10.09.2015 16:05
      Highlight Ohne SCB wäre Eishockey nur langweilig und du könntest wie andere SCB Hasser dich auf die Misserfolge der Berner nicht mehr ergötzen obwohl sie klar mehr Erfolg haben..
      27 13 Melden
    • Albi Gabriel 10.09.2015 16:38
      Highlight Da gebe ich dir recht. Ohne eine Mannschaft, die mit dem meisten Geld (sogar quasistaatliches: Postfinance...) auf keinen grünen Zweig kommt und eine Ohrfeige nach der anderen kassiert, wäre das Schweizer Eishockey wirklich weniger unterhaltsam... ;-P
      18 18 Melden
    • Patrick59 10.09.2015 20:33
      Highlight Wer keine anderen Freuden hat als sich über den Misserfolg einer anderen Mannschaft zu freuen hat ja wohl eh ein Problem... aber vielleicht ist es ja der pure Neid, den Du spürst.. Ich weiss nicht, was Dein Verein in seiner Geschichte schon alles erreicht hat, aber wir SCB Anhänger sind stolz auf den Club und unterstützen ihn in allen Höhen und Tiefen...Ob Davos, der ZSC oder sonst wer Meister wird, werden wir sehen.. Wenn der SCB eine gute Saison spielt ohne Schweizer Meister zu werden, ist das auch ok, für mich.. Und ich verfolge die Spiele seit den 70er Jahren...
      13 2 Melden
    • MARC AUREL 10.09.2015 21:03
      Highlight Zürich und Lugano haben ganz klar mehr Geld oder werden jederzeit mit Geld überschwemmt (Mäzen) wenn sie ein Defizit oder ein Spieler umbedingt wollen! Da kann auch Bern nicht mithalten!
      12 6 Melden
    • Thomas J. aus B. 11.09.2015 00:24
      Highlight Dir ist schon klar, Albi, dass PostFinance in die ganze Liga Geld investiert?
      Und eine Ohrfeige nach der anderen geht anders. Playouts vorletzte Saison war eine, sonst sehe ich keine weiteren.
      3 1 Melden
  • Amboss 10.09.2015 13:43
    Highlight Die Saison geht noch lange. Aber die Analyse passt vermutlich ziemlich gut.

    Während das Unternehmen SCB wirtschaftlich total überzeugt, ist sportlich irgendwie kein Konzept erkennbar.
    22 7 Melden
  • SCRJkkanen 10.09.2015 11:40
    Highlight Aussagekräftig wie eh und je.
    32 3 Melden
  • Nothingtodisplay 10.09.2015 11:12
    Highlight Der SCB brauchte eigentlich bloss 34 Sekunden um auszugleichen (für die beiden SCB-Tore)
    20 1 Melden
  • Boston5 10.09.2015 10:52
    Highlight Der Schiri unten im GIF zeigt noch Abseits an. Grober Fehler, da hätte er einfach Konsequent peiffen müssen. Aber Fehler passieren auch den Schiedsrichtern, sowie den Spielern, gehört genauso zum Eishockey.
    27 6 Melden
    • HabbyHab 10.09.2015 12:15
      Highlight Er kann den Arm vielleicht nicht so schnell runternehmen, denn im GIF sieht man, dass die Abseits-Position aufgehoben wurde. Ging jedoch sehr schnell. Und wenn er nicht abpfeifft, geht das Spiel weiter..
      11 12 Melden
    • Patrick C. 10.09.2015 12:29
      Highlight Was wir auch nicht sehen, ist ob der Berner die Scheibe in die Zone spielt oder ob es der Zürcher ist, der Schiri ist da ja gut postiert und sieht deutlich mehr...
      5 11 Melden
    • 6f7Dude 10.09.2015 15:43
      Highlight Anhand der SRF-Bilder ist zu erkennen, dass es ein klares Offside war. Der Schiri stand nicht gut und hat deswegen gezögert. Egal, kann passieren, Bern hat wohl nicht wegen dieser einen Szene verloren...
      11 2 Melden
  • Aareschwumm 10.09.2015 10:35
    Highlight Come on, sie können mehr als nur provozieren. Zeigen Sie mal, was Sie fachlich drauf haben und nicht nur polemisch
    52 11 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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