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Der HC Lugano: Mal im Tal der Tränen, ... Bild: KEYSTONE

Und täglich grüssen die Kantersiege – eine Warnung der Hockey-Geschichte

Ist das 8:1 gegen Gottéron der Befreiungsschlag für Luganos Trainer Doug Shedden? Nein. Dieses 8:1 bleibt vorerst bloss Blendwerk, das seine Entlassung lediglich verzögert.

05.12.16, 10:44


Resultate wie Tag und Nacht. Manchmal in der Zeitspanne von 48 Stunden. Was einst Klubs in den Grundmauern erschütterte, ist heute nur noch eine Randnotiz wert. 0:7 gegen Zug. Ach, kein Problem. Kloten gewinnt am nächsten Abend in Bern 8:1. Die Berner reagieren darauf mit vier Siegen in fünf Spielen.

... dann plötzlich im Jubel-Rausch. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

1:6 gegen Servette nach der jämmerlichsten Leistung unter Heinz Ehlers. Kein Problem. Langnau gewinnt am Folgetag in Ambri 3:2. Ein Grandioses 6:1 in Langnau? Darauf kann Chris McSorley nicht bauen. Er verliert tags darauf gegen Davos zu Hause 1:7. Lugano gewinnt gegen Gottéron 8:1. Na und? Durchaus möglich, dass Gottéron-Trainer Larry Huras länger im Amt bleibt als Luganos Doug Shedden.

Alles halb so schlimm

Von all den extremen Resultaten der letzten Wochen ist das 8:1 von Lugano gegen Gottéron das interessanteste. Eine heftige Reaktion auf ein 3:8 in Kloten und ein 0:5 in Bern und ein Grund zur Sorgen für Gottérons Trainer Larry Huras. Oder? Er müsste am Tag danach eigentlich miserabel gelaunt und in Sorge sein. Aber er ist es nicht. Mit staatsmännischer Gelassenheit analysiert der Hockey-Weltenbummler mit der Weisheit seiner 61 Jahre den spektakulären Untergang seines Teams und kommt zum Schluss: Alles halb so schlimm.

Larry Huras bleibt nach der Kanterniederlage gegen Lugano ruhig. Bild: KEYSTONE

Ein unglückliches, frühes Tor. Ein paar Powerplays zu viel und fünf Powerplaytreffer. Kein Glück, der Puck glitt auf der rutschigen Unterlage für Lugano. «Shit happens». Ein Abend zum Vergessen. Aber kein Abend um sich Sorgen zu machen. «Wir müssen bloss wieder Wege finden, um Spiele zu gewinnen und dann läuft es wieder.»

Larry Huras sagt, sein Team sei dazu in der Lage, auf Augenhöhe mit den Besten zu spielen – in der Liga und in der Champions Hockey League. «Aber wir müssen wieder die Konstanz finden um dies 60 Minuten lang zu tun.» Ein Grund für diese fehlende Konstanz sei die fehlende mentale Stärke. Gottéron sei mental zu wenig robust.

Verteidiger sollen in erster Linie verteidigen

Oder ist es am Ende ganz simpel: Kommt Gottéron wegen seiner Lottergoalies nicht mehr vom Fleck? Larry Huras fordert den Chronisten auf, die Goaliestatistik selber zu lesen. Und in der Tat: Die Fangquote von Benjamin Conz steht bei 89,89 und jene von Denis Saikkonen bei 87,79 Prozent. So werden die Playoffs nicht möglich sein. «Wir müssen besser werden» sagt Larry Huras. «Das gilt für alle. Auch für die Torhüter.»

Benjamin Conz muss sich noch steigern. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Und es gilt vor allem auch für Yannick Rathgeb (21), Gottérons interessantesten Einzelspieler. Der begehrteste Verteidiger auf dem Transfermarkt hat mit -14 eine verheerende Plus/Minus-Bilanz. Er ist in dieser Wertung die Nummer 118 aller NLA-Verteidiger. Wenn einer der wichtigsten Abwehrspieler defensiv so liederlich arbeitet, ist es schwierig, Konstanz zu erreichen.

Larry Huras ist gnädig. Er sagt: «Yannick kann eine grosse Karriere machen. Er ist ehrgeizig und belastbar. Aber er muss seinen Offensiv-Drang zügeln und akzeptieren, dass er nicht bei jedem Einsatz zu einer Torchance kommt, und dass die wichtigste Aufgabe des Verteidigers das Verteidigen ist.»

«Traumfabrik» Gottéron?

In der Meistersaison mit den ZSC Lions (2000/01) hatte Larry Huras einen jungen Verteidiger namens Mark Streit im Team. Der ehemalige SCB-Junior hat ungefähr die gleiche Postur (er ist sogar vier Zentimeter kleiner als Rathgeb) und ist längst helvetischer NHL- Rekordhalter (am meisten NHL-Spiele, am meisten verdient).

Sieht Larry Huras Gemeinsamkeiten mit Mark Streit? «Sie sind ähnlich talentiert. Mark Streit verdankt seine Karriere jedoch mehr seiner mentalen Härte und seinem Willen als seinem Talent. Ich erinnere mich gut, wie er und Mathias Seger vor und nach jedem Training Extraschichten eingelegt haben. Und wie hart Mark Streit jeden Sommer gearbeitet hat.»

Mark Streit hat sich seit längerem in der NHL etabliert. Bild: Jae C. Hong/AP/KEYSTONE

Dieser Weg stehe auch Yannick Rathgeb offen. «Sein Weg in die NHL wird, wie bei Mark Streit, über gute Leistungen in der Nationalmannschaft führen. Sein nächstes Ziel muss es sein, erst einmal einer der wichtigsten Verteidiger im Nationalteam zu werden. Und dann braucht er Glück und jemanden in der NHL, der an ihn glaubt.»

Ein bisschen Small-Talk nach einer 1:8-Schmach. Unterschätzt Larry Huras am Ende den Ernst der Lage in der «Traumfabrik» Gottéron? Er ist in einer delikaten Situation. Beim Titelgewinn in Bern (2010) war er als Trainer der Chef des Schillerfalters Christian Dubé. Nun ist der Christian Dubé als Gottéron-Sportchef der Boss von Larry Huras. Kann das gut gehen? Larry Huras sagt, das sei kein Problem. «Wir verstehen und sehr gut und sind bei der Beurteilung der Spieler und bei den Diskussionen, was wir brauchen um wieder ein Spitzenteam zu werden, meistens gleicher Meinung.» Das Ziel sei es, eine Meistermannschaft aufzubauen.

Sorglos, oder doch nicht?

Was Larry Huras nicht sagt: Er und sein Sportchef sitzen im gleichen Boot. Sie bilden sozusagen eine Schicksalsgemeinschaft. Christian Dubé hat diese Saison schon einmal den Trainer gewechselt (Larry Huras für Gerd Zenhäusern). Wenn er nun erneut den Trainer absetzt, dann könnte der Verwaltungsrat auf den Gedanken kommen, der Sportchef zu hinterfragen.

Doug Shedden sollte nicht an Kent Ruhnke zurückdenken. Bild: KEYSTONE

Wenn sich Larry Huras nach einem 1:8 keine Sorgen macht – ob zu Recht oder nicht, sei dahingestellt - dann müsste Luganos Doug Shedden nach einem 8:1 erst recht sorglos sein. Er sollte es nicht sein. Vorerst bleibt dieses 8:1 ein Muster ohne Wert und selbst ein «Stängeli» ist keine Jobgarantie für den Trainer. Am 25. Oktober 1990 fegte ein kriselnder EV Zug den EHC Olten gleich mit 11:0 vom Eis. Doch Trainer Kent Ruhnke war bei den Spielern ähnlich unbeliebt wie jetzt Doug Shedden in Lugano. Ein paar Tage später wurde Kent Ruhnke gefeuert.

Das ist keine boshafte Nostalgie. Bloss eine kleine Warnung der Hockey-Geschichte.

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lindros88 05.12.2016 12:35
    Highlight Ich denke auch, dass Shedden vor Huras entlassen wird! Denn Huras wird diese Saison mit grosser Sicherheit eh nicht gefeuert. Sein Vertrag läuft ja nur bis Ende Saison. Und nächste Saison kommt bestimmt ein neuer (Bykow??) Coach!
    18 6 Melden
  • Sensei 05.12.2016 12:23
    Highlight @einsiedler äh ja aber es kommen von 12 teams ja nur 8 in die playoffs. Ich denke grad für Fribourg und Lugano spielt es schon eine Rolle, ob sie Achter oder Neunter werden, von dem her gehts in diesen Spielen auch um sehr viel.
    18 1 Melden
  • Einsiedler 05.12.2016 11:17
    Highlight In der Schweiz geht es darum in die Playoffs zu kommen. Der Platz ist egal. Ob Zweiter, Vierter oder Siebter spielt keine Rolle. Läuft es mal nicht an einem Abend lässt man den Match sausen. Darum lieben die Hockeyaner auch den Cup nicht. Da zählt jedes Spiel. Darum sollte man die Qualifikation massiv (am besten auf 33 Runden) verkürzen. Und die Playoffs könnte man Best of 3 austragen. So hätten alle Spiele wieder einen sportlichen Wert und es würde nicht nur den Zuschauern das Geld aus der Tasche gezogen!
    15 126 Melden
    • Bruno Wüthrich 05.12.2016 11:45
      Highlight In der Schweiz würden wir dann nur noch «Opperetten-Eishockey» (um es in den Worten von Klaus Zaugg zu sagen) sehen können.

      Die Eishockey-Arenen sind bei 50 Qualispielen jeweils gut gefüllt, und in den Playoffs (best of seven) oft ausverkauft. Weshalb also das Angebot verknappen? Auf so eine Idee kann nur ein Gelegenheits-Konsument kommen.

      Wegen des deutlich kleineren Verdienstes würden noch mehr Spieler ins Ausland abwandern. Unser Mittelmass würde dann sogar in Österreich, Deutschland, Italien oder Frankreich mehr verdienen, und wir in der Schweiz dürften dem kläglichen Rest zuschauen.
      85 4 Melden
    • Hoppla! 05.12.2016 11:55
      Highlight Oder man spielt die Meisterschaft einfach in Ligaform. Da zählt dann auch jedes Spiel.

      Btw: Ein Jahresabo beim SCB kostet 350.-. Finde ich eigentlich ganz human und nicht "den Fans das Geld aus der Tasche gezogen".
      50 7 Melden
    • niklausb 05.12.2016 12:08
      Highlight Genau die leute die jetzt blitzen sind diejenigen welche über zu teure Saisonkarten motzen bzw. Durch das kauffen dieser zu teuren Karten den Vereinen signalisieren das noch mehr geht... Es sin leider bereits Zustände die mehr und mehr der Entwicklung im Fussball ähneln.
      5 56 Melden
    • Einer Wie Alle 05.12.2016 12:35
      Highlight @Hoppla:
      Mit der Absetzung der Playoffs würde es verdammt langweilig werden, vielleicht nicht in allen Saisons, aber in vielen.
      35 3 Melden
    • Bruno Wüthrich 05.12.2016 12:50
      Highlight @ niklausb

      Zwei Fragen:

      Wie kommen Sie auf den Zusammenhang mit den Blitzen und dem Motzen über die Saisonkarten?

      Wie viel sollte denn Ihrer Meinung nach ein Saisonabi eines NLA-Eishockeyklubs kosten?
      33 3 Melden
    • niklausb 05.12.2016 13:24
      Highlight Das Mit dem Saisonabi ist eine Fangfrage denn es gibt sicher in jedem Stadion "billige" plätze die aber meines erachtens nicht jedem Fan zumutbar sind denn meist sind das dann plätze in der Stehrampe im "Mob" wo sich nicht alle unbedingt wohl fühlen bzw. Wo ein Vater mit dem unter 10-12 jährigen Kind nicht hin kann weil s da Verbal doch eher in der unteren Kategorie zugeht. Ich habe es selbst erlebt mit dem EHC Basel angefangen hats mit wechsel in die Halle 150.- hoch mit dem Preis dann einmal aufsteigen nochmals 100.- hoch am schluss hätte mich ein Platz auf der gegentribüne 450.- gekostet
      7 13 Melden
    • zwan33 05.12.2016 13:55
      Highlight Eishockeyspieler arbeiten eben für ihr Geld, darum auch 3 Spiele pro Woche. dafür wird den Fans auch einiges an Unterhaltung geboten und man muss nicht den Sonntag opfern um ein Spiel schauen zu gehen.
      17 2 Melden
    • scnoters 05.12.2016 14:32
      Highlight Saisonabo teuer? Ich denke, dass jedes Fussballabo auf den Match runter gerechnet teurer ist. Zudem viel Spass bei einem NHL Match in Montreal, New York, Toronto da zahlst du für einen Match mehr als die Hälfte des Jahresabo für einen Stehplatz in der Schweiz;-)
      20 1 Melden
    • niklausb 05.12.2016 18:39
      Highlight @scnator da ich weder in NYC, Montreal oder sonstwo meinen Wohnsitz habe und da dementsprechend auch höchstens an ein spiel gehe hinkt dieser vergleich eine jahreskarte im Fussball kostet mich in der Tat etwa 150.- weniger als eine im Hockey wobei hier mein vergleichswert vom abi beim fussball aus diesem jahr stammt und der vom hockey aus dem jahr 2004/5 und da währen die preise kaum gesunken wenn dann nur weil der EHC Basel nichtmehr im A ist. Und der mit den Spielerlöhnen ist Lachhaft denn wenn die mit eintrizten bezahlt werden müssten wärs wahrscheinlich noch teurer
      1 9 Melden
    • joe 06.12.2016 00:02
      Highlight Was hat der FC Basel und der EHC Basel gemeinsam?

      Beide können nicht Eishockey spielen!

      Den EHC Basel als Argument oder Erfahrung ins spiel zu bringen, disqulifizert dich als Experte!
      10 1 Melden
    • niklausb 06.12.2016 07:05
      Highlight Haha Experte.... Sind hier ja alle das hab ich ganz vergessen.
      6 1 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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