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ZUR EISHOCKEY WM 2015 IN PRAG UND OSTRAVA, TSCHECHIEN, VOM 1. BIS ZUM 17. MAI 2015 STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Der neue Headcoach der Schweizer Eishockey Nationalmannschaft, Glen Hanlon, beim Training mit der Nationalmannschaft in Kloten am Dienstag, 4. November 2014. Hanlon steht am Deutschland Cup zum ersten Mal an der Bande. Er bietet für das Turnier in Muenchen zwei Torhueter, acht Verteidiger und 15 Stuermer auf. Neun Spieler stehen zum ersten Mal im Aufgebot. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Glen Hanlon weiss jetzt, mit welchen Spielern er die WM in Angriff nehmen will – aber auch mit der richtigen Taktik? Bild: KEYSTONE

Das WM-Aufgebot unserer Hockey-Nati ist bekannt: Hanlon wagt sich damit auf taktisches Glatteis

Glen Hanlons erstes WM-Aufgebot unterscheidet sich nur wenig von den WM-Teams seines Vorgängers. Aber wie riskant ist sein Stilwechsel?



Jeder Nationaltrainer hat seine taktischen Vorstellungen. Glen Hanlons Vorgänger Simon Schenk (bis 1997), Ralph Krueger (bis Olympia 2010) und Sean Simpson (bis 2014) waren, jeder auf seine Art, taktische Trendsetter. Jeder hatte seine Erfolge und seine Niederlagen. Aber sie bauten die Nationalmannschaft unbeirrbar nach einer klaren Philosophie.

Bereits Simon Schenk entwickelte einen «Schweizer Riegel». Dieses Defensivsystem perfektionierte Ralph Krueger und machte unsere Nationalmannschaft zur taktisch besten der Welt. Sean Simpson riskierte eine taktische Perestroika und diese offensivere Ausrichtung bescherte uns die wundersame Silber-WM von 2013. Aber auch das Scheitern, das Verpassen der Viertelfinals von 2011, 2012 und 2014.

Das Schweizer Aufgebot für die WM 2015 in Prag

Hanlon: «Ich glaube nicht an Konfrontation»

Simon Schenk, Ralph Krueger und Sean Simpson blieben ihren taktischen Grundsätzen treu und riskierten schon mal die Konfrontation mit den Verbandsgenerälen. Das ist nicht Glen Hanlons Art. Der Kanadier sagt: «Meine Rolle ist es, die Voraussetzungen zu schaffen, damit wir alle besseres Eishockey spielen können. Es ist nicht mein Stil, die Konfrontation zu suchen. Ich glaube nicht an die Nützlichkeit von Konfrontationen.» Dazu passt, dass Glen Hanlon im Laufe dieser Saison für Vorbereitungspartien 65 verschiedene Spieler in die Nationalmannschaft berufen hat. Das ist absoluter Rekord. Aber letztlich ist sein Aufgebot recht konservativ. Nur für Cody Almond, Dino Wieser und Tristan Scherwey ist es die erste WM. Den Mut, Zugs Tanzmaus Lino Martschini (5 Punkte in 10 Länderspielen) für die WM aufzubieten, hatte er dann doch nicht.

03.04.2015; Basel; Eishockey - Schweiz -  FIN;
Lino Martschini (SUI) (Sandro Stutz/freshfocus)

Youngster Lino Martschini bleibt erneut aussen vor. Bild: Sandro Stutz/freshfocus

Der freundliche Kanadier (Opportunist wäre eine polemische, unfaire Bezeichnung) hat schon eigene Vorstellungen, wie «seine» Nationalmannschaft spielen soll. Er sagt es so: «Wir wollen physisch, aggressiv spielen und die Checks fertig machen. Wir setzen auf Tempo, wir wollen den Puck jagen und dem Gegner den Puck so schnell wie möglich in der Vorwärtsbewegung wieder abnehmen. Wir wollen unser Spiel durchsetzten, dominieren, wir wollen die Könige des Dschungels sein.»

Die Könige des Dschungels sein. Blumig und treffend. Glen Hanlon ist der erste Nationaltrainer der Neuzeit, der darauf vertraut, dass wir auf WM-Niveau dazu in der Lage sind, Gegner zu dominieren. Er begibt sich auf taktisches Glatteis. Unser WM-Glück wird mit ziemlicher Sicherheit in den ersten vier Partien gegen Österreich, Frankreich, Deutschland und Lettland entschieden. Mannschaften, die weniger talentiert sind als wir. Siege werden erwartet, Niederlagen wären Pleiten. In einzelnen WM-Vorbereitungspartien gegen nominell starke Gegner (Finnland, Russland) haben die Schweizer begeistert und das Spektakel-Konzept des neuen Trainers erfolgreich umgesetzt. Gegen Frankreich, das spielerisch nicht ganz unser Niveau erreicht, hatten wir Mühe und verloren die letzte Vorbereitungspartie 5:6 n.V.

Bessere Verteidigung als beim Silber-Gewinn – dafür fehlt Niederreiter schmerzlich

Damit kommen wir zur entscheidenden Frage: Sind wir wirklich gut genug, um gegen Österreich, Frankreich, Deutschland und Lettland die Könige des Dschungels zu sein? Oder geht er ein zu hohes taktisches Risiko ein? Auf WM-Niveau hat ein defensiv gut organisierter, schlauer und geduldiger Aussenseiter gegen einen talentierteren, aber taktisch unvorsichtigen Gegner hohe Erfolgschancen. Das haben Glen Hanlons Vorgänger auf WM- und Olympia-Niveau immer wieder auf eindrückliche Art und Weise gezeigt. Wir haben immer wieder die Titanen besiegt, 2006 beim Olympischen Turnier sogar die kanadischen NHL-Profi. Und 2013 bei der Silber-WM nacheinander Schweden, Kanada, Tschechien (zweimal) und die USA.

Wer auf glattem WM-Eis König des Dschungels sein will, braucht Spieler, die offensiv eine Partie dominieren und entscheiden können. Am besten Mittelstürmer. 2013 hatten wir mit Luca Cunti, Martin Plüss, Morris Trachsler, Andres Ambühl, Ryan Gardner und Julian Walker eine starke Mittelachse bzw. genug Stürmer, die, wenn nötig, Center spielen konnten.

Glen Hanlon, head coach of Switzerland's national ice hockey team, left, speaks to his players Timo Helbling and Mark Streit, right, during friendly ice hockey game between France and Switzerland, at the ice stadium Charlemagne, in Lyon, France, Sunday, April 26, 2015. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Glen Hanlon kann auch an dieser WM auf eine schlagkräftige Offensive bauen. Bild: KEYSTONE

Jetzt haben wir Andres Ambühl, Reto Schäppi, Cody Almond, Morris Trachsler und Kevin Romy. Diese Mittelachse ist ungefähr gleich gut wie jene von 2013. Auch auf den Aussenbahnen hat das Aufgebot von Glen Hanlon eine ähnliche Qualität wie die WM-Silbermannschaft. Mit Kevin Fiala und Damien Brunner sind zwei Flügel dabei, die, wenn sie in guter Form sind, auf den Flügelpositionen Spiele entscheiden können. Am schmerzlichsten werden wir die durch Durchschlagskraft von Silberheld Nino Niederreiter vermissen. Damien Brunner, 2013 nicht dabei, hat zwar im Laufe seiner Karriere in der NHL 30 Tore erzielt, aber keines während der WM-Vorbereitung. In der Verteidigung ist das WM-Team von Glen Hanlon sogar eher besser besetzt als die Silber-Mannschaft von 2013. Roman Josi, der beste Einzelspieler des gesamten Turniers von 2013 (MVP), ist wieder dabei. Und zusätzlich Mark Streit, der bei der Silber-WM fehlte. Diese beiden Titanen waren noch nie in so guter Form gemeinsam in einem WM-Team. Zusammen haben die beiden ehemaligen SCB-Junioren diese Saison in der NHL 107 Skorerpunkte gebucht. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werden sie auch bei der WM produktiv sein.

In der Verteidigung ist das WM-Team von Glen Hanlon sogar eher besser besetzt als die Silber-Mannschaft von 2013. Roman Josi, der beste Einzelspieler des gesamten Turniers von 2013 (MVP) ist wieder dabei. Und zusätzlich Mark Streit, der bei der Silber-WM fehlte. Diese beiden Titanen waren noch nie in so guter Form gemeinsam in einem WM-Team. Zusammen haben die beiden ehemaligen SCB-Junioren diese Saison in der NHL 107 Skorerpunkte gebucht. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werden sie auch bei der WM produktiv sein.

Die WM 2015 wird an der Bande entschieden

Die Torhüter haben ebenfalls das Niveau von 2013. Reto Berra gehört zu den Silberhelden von 2013 (und hexte die Schweiz im Halbfinale zum 3:0 gegen die USA). HCD-Meistergoalie Leonardo Genoni ist mindestens gleich gut wie 2013 Martin Gerber.

Switzerland's goaltender Leonardo Genoni during a friendly ice hockey game between France and Switzerland, at the ice stadium Pole Sud, in Grenoble, France, Friday, April 24, 2015. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Der frischgebackene Schweizer Meister Leonardo Genoni befindet sich in blendender Form. Bild: KEYSTONE

Der langen Analyse kurzer Sinn: Ob wir die Viertelfinals in Prag schaffen, hängt nicht von der Qualität der Mannschaft ab. Die ist trotz der Absagen von so wichtigen Spielern wie Martin Plüss oder Roman Wick bei weitem gut genug. Entscheidend ist das taktische Konzept des Trainers. Die WM 2015 in Prag wird an der Bande entschieden. Es wird Glen Hanlons Triumph sein – oder sein Scheitern. Und gleichzeitig auch Erfolg oder Niederlage für die Verbandsgeneräle, die bei den Verhandlungen mit «Silberschmied» Sean Simpson keine Lösung gefunden und Glen Hanlon im Amt installiert haben. Gelingt die Viertelfinal-Qualifikation, sind auch sie Könige des Dschungels.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Tom Garret 29.04.2015 00:02
    Highlight Highlight Ich bin positiv eingestellt, es wird zwar nach meiner Einschätzung den einen oder anderen Dämpfer geben in den ersten vier Spielen, aber wir holen die nötigen Punkte gegen die "Grossen". Die Schweiz hatte wohl noch nie eine so breite Auswahl an Topp Spieler wie im Jahr 2015...
  • Tom Garret 29.04.2015 00:00
    Highlight Highlight Ich musste den Bericht zweimal lesen, aber das war tatsächlich ein längerer Hockeybericht aus Zaugs Feder ohne einmal das Wort "Langnau" in den Mund zu nehmen. Super, weiter so!
    • hereal 29.04.2015 09:12
      Highlight Highlight klar zougg/scl bashing aus "insiderdemonstration"...
      -gähn!-
      schad füre 1. kommentar...
  • marak 28.04.2015 21:18
    Highlight Highlight Nun, neben der Bande ist auch entscheidend, ob man die Fähigkeit und auch das Glück hat Siege gegen potentiell schwächere Teams irgendwie hinzuwürgen. Da könnte es schon sein, dass man Niederreiter vermisst, denn erst ist schwer vor dem Tor vom Puck zu trennen. Aber alles in allem ein ausgeglichenes Aufgebot. Immerhin haben wir mittlerweile genügend Spieler, die eine gute Leistung erbringen können. Einfach den Einstieg ins Turnir ein Spiel früher als 2014 schaffen, bitte ...
  • cicala 28.04.2015 19:04
    Highlight Highlight Inti Pestoni?
  • holden27 28.04.2015 18:50
    Highlight Highlight martschini nicht aufzubieten war/ist ein riesen Fehler!
    • goldmandli 28.04.2015 21:03
      Highlight Highlight er spricht von geschwindigkeit und lässt einen der flinksten spieler der nla zu hause. Der beste schweizer skorer der saison. unverständlich.
    • Thomas J. aus B. 28.04.2015 22:15
      Highlight Highlight Der, trotz aller Qualitäten und einer hervorragenden Quali, in den Playoffs komplett vom Radar verschwand, als es etwas rabiater zu und her ging und die Räume enger wurden. Und an der WM wird's von Anfang an wohl eher Richtung Playoff-Intensität als in Richtung Quali-Trott gehen. Von daher kann ich den Entscheid nachvollziehen.
      Seien wir froh, sind wir mittlerweile in der Lage, auf solche Spieler verzichten zu können, ohne dass das Ganze von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

    • holden27 29.04.2015 11:37
      Highlight Highlight @Thomas:
      in seinen bisherigen WM Spielen hat er 5 Punkte in 10 Spielen verbucht...
      apropos Playoffs vom Radar verschwunden.... seine Linie mit holden und Suri funktionierte sehr gut und martschini hat 4 assists und 1 Tor in 6 Partien verbuchen können! völlig vom Radar verschwunden ist für mich was anderes... ;)
  • manolo 28.04.2015 18:31
    Highlight Highlight wir wollen mit tempo spielen- bessere verteidiger als 2013 ¨!??
    mit oder ohne Helbling ?
    • Thomas J. aus B. 28.04.2015 22:17
      Highlight Highlight Bin kein Riesenfan von Helbling, aber es ist schon erstaunlich. Krueger, Simpson, Hanlon; unterschiedliche Typen, unterschiedliche Trainer, aber Helbling ist und war (fast) immer mit dabei. Also irgendetwas muss er können.
    • goldmandli 29.04.2015 14:55
      Highlight Highlight Es waren auch 3 kanadische trainer und helbling entspricht dem kanadischen bild eines verteidigers: gross, böse, hart. Hockeytechnisch gäbe es aber zig bessere. Tim Ramholt zum beispiel hat wohl seine beste saison gespielt, aber es gäbe auch noch viele andere die ich helbling jeder zeit vorziehen würde.

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