Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Germany's Thomas Oppenheimer, top, scores the 1:1 against Switzerland's goaltender Reto Berra, past Switzerland's players Luca Cunti, Tim Ramholt, 2nd left, and Germany's Marcel Noebels, bellow, during the 2014 IIHF Ice Hockey World Championships preliminary round game Switzerland vs Germany, at the Minsk Arena, in Minsk, Belarus, Wednesday, May 14, 2014. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Oppenheimer setzt sich gegen Ramholt durch und trifft zum zwischenzeitlichen 1:1. Bild: Keystone

Schweizer Eishockey-Nati

Der Unterschied zwischen 2013 und 2014 – erklärt am Beispiel von zwei NHL-Verteidigern

Wir können die Differenz zwischen der grandiosen Silber-WM 2013 und der mühseligen WM 2014 personifizieren. Was Raphael Diaz im letzten Jahr war, das ist nun in Minsk Tim Ramholt.

15.05.14, 06:46 15.05.14, 11:46

Bei der Silber-WM in Stockholm gelang alles. Jeder neue Spieler machte das Team besser. Raphael Diaz war der letzte Verteidiger, den Sean Simpson während des Turniers ins Team holte.

Auch in Minsk hat Sean Simpson jetzt den letzten Verteidiger nachnominiert. Und wie 2013 ist es ein Verteidiger mit NHL-Erfahrung. Tim Ramholt. Aber in Minsk macht nicht jeder neue Spieler das Team besser.

Es macht auf höchstem internationalem Niveau einen Unterschied, ob der Verteidiger, den der Trainer nachträglich ins Team integrieren kann, Tim Ramholt oder Raphael Diaz heisst. Damit ist nichts gegen Ramholt gesagt. Es geht nur darum, an diesem Beispiel ganz objektiv und ohne jede Polemik die Differenz zwischen 2013 und 2014 aufzuzeigen.

Diaz an der Silber-WM in Stockholm. Bild: Keystone

Ramholt: Oft nah dran, aber doch nie dabei

Raphael Diaz integrierte sich in Stockholm von der ersten Sekunde an ins Spiel, erhielt durchschnittlich 19:34 Minuten Eiszeit und gehörte in den vier letzten Partien zu den Schlüsselspielern. Ein wahrer Silberheld.

Hier in Minsk ist Tim Ramholt gegen Deutschland endlich, endlich zu seinem ersten WM-Spiel gekommen. Schon 2011 war er ganz nahe dran. Er flog damals sogar mit dem WM-Team nach Kosice. Aber dann kam aus der NHL Luca Sbisa als WM-Verstärkung und er musste wieder heimreisen. Vor der Silber-WM 2013 strich ihn Sean Simpson erst nach dem letzten WM-Vorbereitungsspiel aus dem Kader. Es fehlte also nicht viel und auch er wäre ein Silberheld geworden.

Ganze 43 Sekunden auf NHL-Eis

Tim Ramholt hat zwischen 2003 und 2009 mit Unterbrüchen (zwischenzeitliche Rückkehr in die NLA zum ZSC und zu Kloten) viel Erfahrung in Nordamerika gesammelt (224 AHL-Partien/48 Punkte). Im Laufe der Saison 2007/08 bekam er in Calgary seine Chance in der NHL. Er ist also ein Verteidiger mit NHL-Erfahrung wie Raphael Diaz. Aber der Aufenthalt auf dem höchsten Gipfel des Profihockeys dauerte nur 43 Sekunden: Tim Ramholt kassierte gleich einen Gegentreffer und Trainer Mike Keenan gewährte dem Schweizer nur diesen einzigen Einsatz.

Ramholt ist als der Schweizer in die Geschichte eingegangen, der in der NHL nur eine einzige «Shift» gespielt hat. Raphael Diaz hat bisher 152 NHL-Partien (45 Punkte) bestritten und hat soeben mit den New York Rangers die zweite Runde der Stanley-Cup-Playoffs überstanden.

Ramholt (rechts) reichte es bei den Calgary Flames unter Headcoach Mike Keenan nur zu einem einzigen Einsatz in der NHL. Bild: AP CP

«Klar, das Tor muss ich auf meine Kappe nehmen»

Nun ist es Tim Ramholt bei seiner WM-Première gegen Deutschland ähnlich ergangen wie damals beim NHL-Debüt in Calgary. Diesmal dauerte der Aufenthalt auf dem höchsten Gipfel des internationalen Hockeys immerhin 94 Sekunden. Sean Simpson gewährte ihm nur zwei Einsätze. Weil er am 1:1-Ausgleich der Deutschen, nur 100 Sekunden nach unserer 1:0-Führung, mitschuldig war.

Tim Ramholt konnte seinen Gegenspieler Thomas Oppenheimer nicht am Einnetzen hindern. «Klar, das Tor muss ich auf meine Kappe nehmen.» Der Abpraller sei Oppenheimer sozusagen vor die Füsse gefallen. «Da hätte ich einfach abräumen müssen.»

Ramholt war nach dem Spiel selbstkritisch. Bild: freshfocus

Es ist noch nicht alles verloren an dieser WM

Dieser Gegentreffer ist durchaus typisch für die vielen defensiven Aussetzer der Schweizer bei dieser WM. Auch so gesehen verkörpert Tim Ramholt halt schon ein wenig unser WM-Team 2014. Die Schweizer haben nur einen einzigen Spieler, der auf WM-Niveau ein Spiel entscheiden kann: Verteidiger Roman Josi.

Entscheidend ist über die gesamte Dauer eines Titelturniers deshalb das Kollektiv. In letzter Konsequenz machen die Spieler aus dem vierten Block das Wetter. Oder jene, die im Falle von Nachnominationen oder Ausfällen nachträglich ins Team kommen.

Tim Ramholt mit 94 Sekunden statt Raphael Diaz mit 19:34 Minuten durchschnittlicher Eiszeit. Das bedeutet eben auch: Zittern um den Einzug ins Viertelfinale statt WM-Endspiel. Immerhin hat es gegen Deutschland trotz allem zu einem 3:2-Sieg gereicht. Es ist noch nicht alles verloren.

Die Schweizer Spieler bedanken sich nach dem Zittersieg gegen Deutschland bei den mitgereisten Fans. Bild: Keystone



Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.

Abonniere unseren Daily Newsletter

1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • geistfrei 15.05.2014 09:58
    Highlight sehr schöner bericht. ganz sachlich, ohne grosse polemik. merci klaus!
    2 0 Melden

3 Tore in 4 Minuten – wie die Schweiz in den WM-Halbfinal stürmte

Das Eishockey-Nationalteam steht an der WM in Dänemark in den Halbfinals. Die Schweizer besiegten Finnland nach einem 0:1-Rückstand bis zur 30. Minute mit 3:2. Im Halbfinal trifft die Schweiz am Samstag auf Kanada.

In magischen 235 Sekunden wurde das Fundament für den historischen Sieg gelegt. Gegen Finnland hatte die Schweiz an Weltmeisterschaften seit 1972 nie mehr gewonnen. In den 46 Jahren seither gab es bloss an den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary einen glückhaften 2:1-Sieg über die Suomi.

Mit Glück und Fortune hatte der Schweizer Sieg in Herning wenig zu tun. Die Schweizer rissen im zweiten Abschnitt die Initiative vehement an sich und wurden für ihre mutige Spielweise mit drei Toren …

Artikel lesen