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Die Fans der Stehrampe warten gespannt auf den Anpfiff zum fuenften Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem SC Bern und den ZSC Lions, am Donnerstag, 12. April 2012 in der Postfinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Bild: KEYSTONE

Keine Revolution geplant

Warum der SCB seine Krise nicht lösen kann

Der SCB versucht im medialen Windschatten der Playoffs seine Krise in aller Ruhe zu lösen. Nun haben wir es schwarz auf weiss: Das Scheitern ist programmiert. 

27.03.14, 19:19 28.03.14, 10:33

SCB-General Marc Lüthi hat in einem «Hirtenbrief» (SCB-Newsletter) der SCB-treuen Gemeinde erklärt, wie er die Krise lösen will. Dabei hat er unfreiwillig offenbart, warum das Scheitern programmiert ist. 

Aber lesen wir zuerst die Kernbotschaft in Marc Lüthis Hirtenbrief: «Unsere Sportabteilung (Sportchef, Scouts, sportlicher Beirat) hat in einer ersten Phase alle Probleme aufgelistet und besprochen. In einer zweiten Phase machen unsere Coaches das Gleiche. Separat finden Einzelgespräche mit allen Spielern und dem Staff statt. Zudem haben die Mitglieder der Geschäftsleitung ihre Einschätzung zur Saison schriftlich abgegeben, um das Blickfeld zu erweitern. Diese Aussenansicht wird zusammengefasst und ergibt ein Papier für den Verwaltungsrat.

SCB-CEO Marc Lüthi zur Lage seines Klubs auf der SCB-Homepage Bild: scb.ch

Sie dient parallel zur Analyse aus dem Fachbereich Sport als Gedankenanregung, um allfällige Gefahren aber auch Chancen aufzeigen. Das Sportmanagement und die Trainer ziehen ihre Schlüsse und formulieren konkrete Anträge. Diese Anträge kommen – je nachdem in Varianten – am Ende des Prozesses in den Verwaltungsrat, wo schliesslich die Beschlüsse für das weitere Vorgehen gefasst werden.» 

Politiker statt Sportmanager

Marc Lüthi handelt wie ein Politiker. Nicht mehr wie ein mutiger Sportmanager. Alles absichern und so lange bereden bis sichergestellt ist, dass niemand mehr schuld ist. Dieses strukturierte Vorgehen führt in einem normalen Unternehmen – beispielsweise beim Aufbau der SCB-Gastronomie - zum Erfolg. Im Sportbusiness aber in die Sackgasse. Warum? 

Das Problem bei dieser auf den ersten Blick so vernünftigen Vorgehensweise: Je länger das Scheitern vorbei ist, desto mehr wird es relativiert. In einem Sportunternehmen gibt es starke Loyalitäten. Die Erfahrung lehrt, dass bei den vielen Besprechungen nicht mit offenen Karten gespielt und der Kumpel geschont wird. Man weiss ja nie, ob man nicht wieder aufeinander angewiesen ist. 

Und beim SCB kommt noch etwas dazu: Marc Lüthi ist inzwischen allmächtig geworden und merkt es nicht. In seinem Unternehmen haben die Jungs begonnen, in vorauseilender Gehorsam, ihm nach dem Munde zu reden und sich so den Job zu sichern. 

Sind die SCB-Angestellten gefangen im Erfolgsmodell SCB?  Bild: KEYSTONE

Dienst nach Vorschrift

Kürzlich habe ich mich mit einem sehr erfahrenen Spieler, der den SCB gut kennt und dessen Name zu kennen nicht nötig ist, über die SCB-Krise unterhalten. Seine Analyse ist hoch interessant und deckt sich mit Marc Lüthis «Hirtenbrief». 

«Marc Lüthi mischt sich in alles ein und wird von der Mannschaft als strafender Racheengel wahrgenommen. Inzwischen hat jeder kapiert: Ich muss mich so verhalten, dass mich der Zorn von Marc Lüthi nicht trifft. Dann passiert mir nichts. Das führt zu einem ähnlichen Verhalten wie im Militärdienst: Nur nicht auffallen. Immer grad durchschlüpfen. Nichts mehr riskieren, nichts mehr kreieren und so reden wie ein Politiker.»

In der Heimat von Trainer Guy Boucher gäbe es ein «House Cleaning». Bild: KEYSTONE

Genau so opportunistisch haben die Berner diese Saison gespielt. Und das von Marc Lüth im «Hirtenbrief» skizzierte Vorgehen bei der Krisenbewältigung fördert dieses opportunistische Verhalten auf allen Stufen. Um eine solche Entwicklung zu verhindern, veranstalten die Teambesitzer bei der Krisenlösung im nordamerikanischen Sport oft ein sogenanntes «House Cleaning»: Alle müssen gehen. Vom General Manager bis zum Materialwart und darüber hinaus werden noch Schlüsselspieler in Tauschgeschäften wegtransferiert. 

Fehlender Mut aufgrund der erfolgreichen Vergangenheit

Diese Methode führt oft, aber nicht immer zum Erfolg. Und bei uns ist dieses Vorgehen nicht machbar. Der SCB ist jetzt ein Hockey-Imperium im Niedergang. Es ist der Preis für beispiellosen sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg in der Vergangenheit. Vier Qualifikationssiege und drei Titel in zehn Jahren. Marc Lüthi ist in seinem Erfolgsmodell gefangen. 

Beim SCB ist auch aus Rücksicht auf die vielen Businesspartner und Freundschaften auch mit Spielern, der Mut zur Unvernunft, zum mutigen Entscheid, zum Bruch mit der Vergangenheit verloren gegangen. 

Aber die meisten grossen, richtigen, epochalen Entscheidungen unseres Hockeys der letzten 20 Jahre waren nicht das Resultat von strukturiertem Vorgehen (wie es Marc Lüthi in seinem «Hirtenbrief» skizziert). 

Revolution oder Wohlstandsgesellschaft?

Bild: KEYSTONE

Sondern spontane, mutige, ja manchmal sogar verrückte und oft auch gegen starken Widerstand durchgesetzte Entscheide: Die Wahl von René Fasel zum Verbandspräsidenten, die Anstellung von Ralph Krueger als Nationaltrainer, die Verpflichtung von Arno Del Curto als HCD-Coach, die Verpflichtung von Marc Lüthi als SCB-Manager, die Installierung von Chris McSorley als Hockey-General in Genf oder die Ehe zwischen dem ZSC und GC

Nicht ein einziger dieser Entscheide wäre nach strukturiertem Vorgehen und wochenlangen Diskussionen noch möglich gewesen. 

Der SCB ist durch den Erfolg vernünftig und Manager Marc Lüthi zu mächtig geworden. Deshalb wird die SCB-Krise lange andauern. Es sei denn, Marc Lüthi findet doch noch den Mut zu unbequemen, harten Entscheidungen auch auf Kosten seiner Kumpels, wagt die sportliche Revolutionierung der SCB-Wohlstandsgesellschaft und macht den Bären beim Waschen gründlich nass. Aber er hat im «Hirtenbrief» soeben alle beruhigt und mitgeteilt, dass dies nicht der Fall sein wird.  

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    Alle Leser-Kommentare
  • länzu 17.04.2014 01:44
    Highlight Wie recht doch Zaugg hat. Und wenn schon nicht ein komplettes Houswcleaning, dann doch ein partielles. Anfangen müsste man definitiv bei Sven Leuenberger, der total überfordert ist. Er hat keine Kontakte, ist schlecht vernetzt und will partout ohne Agenten arbeiten. So kriegt er immer nur die Restposten (bei den Ausländern) und in der Schweiz die Spieler, die McSorley nicht mehr haben will. Ausserdem hat er sich mit seinen Rückholungsaktionen selber disqualifiziert. Weder ein Krüger, Collenberg, Neuenschwander, Reichert haben sich bei ihrem jeweils ersten Auftritt in Bern für ein zweites Engagement empfohlen. Aber, Sven holt sie zurück. Der Weg des geringsten Widerstandes. Gleiches gilt für die Vertragsverlängerungen. Nur weil man Randegger vorne und hinten einsetzen kann, kriegt der eine Vertragsverlängerung, obwohl er auf beiden Positionen nicht genügt. Es würde mich nicht verwundern, wenn demnächst der Zuzug von Martin Rauch, Andreas Beutler, Alan Haworth und Gilles Montandon bekanntgegeben würde. Auch die kennt er ja gut. Und mit dem hohen Durchschnittsalter könnte der SCB dann auch gleich bei der Seniorenmeisterschaft punkten.
    Aber eben, Leuenberger ist für Lüthi unantastbar. Wieso, weiss keine Sau.
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  • rüfi 28.03.2014 10:33
    Highlight Filmorakel...du scheinst es noch nicht mitbekommen zu haben.
    Die playoffs ohne den scbern ist etwa so spannend wie die derzeitig laufende bundesliga.
    Dass sich M.L. halt dann sich noch angemast hat chloisu eins ans bein zu pinkeln mit seiner bemerkung kam dem lieben hockeygott chloisu der ja die weisheit mit dem löffel gefressen hat ein wenig schräg rein.
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  • manolo 28.03.2014 09:09
    Highlight mut wäre - wenn sich lüthi von allen sportlichen entscheiden die denklub betreffen zurückziehen würde!
    es hat sich bewahrheitet, dass lüthi vom hockey wenig bis nichts versteht! das ist nicht verwunderlich, da lüthi nicht einmal gerade auf schlittschuhen stehen kann!
    also bitte, kümmern sie sich ausschliesslich um den gastrobetrieb und eventuell um die buchhaltung!
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    • länzu 17.04.2014 01:37
      Highlight Da wird eher der Rhein durch Bern fliessen, als dass sich Lüthi zurücknimmt.
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  • filmorakel 28.03.2014 08:09
    Highlight Wer oder was ist der SC Bern...? Ach ja, das ist ja das Team, welches mit der Entscheidung in der NLA schon längst nichts mehr zu tun hat.
    Dass es Klaus Zaugg trotzdem nicht lassen kann, über seine Lieblinge zu schreiben, ist angesichts der laufenden Halbfinals einfach nur arm.
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    • cannucks 28.03.2014 09:45
      Highlight Der SC Bern ist derjenige Verein, welcher in jedem einzelnen der 3 bedeutungslosen Relegationsheimspiele mehr Zuschauer hatte als die beiden Halbfinalpartien zusammen. Und scheint daher halt doch nach wie vor einige zu interessieren. Und es wird nun mal über den- und diejenigen geschrieben, die interessieren. Was nun hier arm ist und was nicht soll jeder für sich entscheiden.
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    • Pascal Mona 28.03.2014 16:00
      Highlight ach wirklich cannucks? Soviel ich weiss war selbst die offizielle Zuschauerzahl in den ersten beiden Platzierungsspielen des scb zuhause jeweils unter 15'000 (bei den beiden Halbfinalspielen waren zusammen über 15'000) wie genau kommst du zu dieser Aussage? Zudem waren tatsächlich anwesend (je nach Quelle) zwischen 7'000 bis 9'000 (bei den ersten beiden, beim letzten waren es dann etwas mehr)!
      2 0 Melden
  • klugundweise 27.03.2014 21:16
    Highlight Schön, wie sich Herr Zaugg in epischer Breite die internen Abläufe beim SCB beschreibt. Nur fehlen konkrete Aussagen zu a) den Ursachen und b) erfolgsversprechenden Massnahmen, wie man es besser machen kann!
    Was wir nach der Lektüre wissen: Herr Zaugg beisst (wie üblich) mit seinem Giftzahn auf Herrn Lüthi rum. Das ist seine altbekannte Masche, weder mutig noch kreativ. Schade.
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