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15.02.2014; Sochi; Olympische Winterspiele Sochi - Eishockey Play-offs Quarterfinals - Schweiz - Russland;
Ueli Schwarz, Direktor Leistungssport verfolgt das Spiel
(Urs Lindt/freshfocus)

Bild: freshfocus

Treffen mit Arno del Curto

«Wie Hockey-Ueli einen Nationaltrainer sucht» – das fast vergessene Lustspiel unseres Eishockeys

Heute trifft sich Eishockey-Verbandsdirektor Ueli Schwarz unter Wahrung grösster Geheimhaltung im Hotel Radisson Blu am Flughafen Kloten mit Arno Del Curto. Ein weiterer Akt in einem ganz besonderen Lustspiel. 

Ach, könnte doch der grosse Dichterfürst Jeremias Gotthelf über unser Bundesamt für Eishockey schreiben. Er fände Stoff für ein Stück Weltliteratur. 

Verbandsdirektor Ueli Schwarz hat den Auftrag, einen neuen Nationaltrainer zu finden. Dabei geht es zu und her wie in der wunderbaren Gotthelf-Erzählung «Wie Joggeli eine Frau sucht». Der reiche Junggeselle Joggeli besitzt im Bernbiet einen schönen Hof. Nachdem die Mutter gestorben ist, merkt der Bauer, es fehlt eine Hausfrau.

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Bei der Wahl der rechten Ehefrau fürchtet Joggeli den Missgriff so wie Hockey-Ueli die falsche Nationaltrainerwahl. Denn die heiratsfähigen Mädchen verstellen sich in der Öffentlichkeit, wie auch die Nationaltrainer sich durch ihre Agenten in ein besseres Licht stellen lassen. Also kündigt Joggeli eine Geschäftsreise ins Luzernbiet an. Doch er zieht inkognito als Kesselflicker kostümiert durchs Berner Land und findet nach allerlei Kurzweil seine Traumfrau.

Der Emmentaler Ueli Schwarz geht gleich vor wie sein literarisches Vorbild Joggeli: Der ehemalige Gewerbeschullehrer tarnt sich, hält alles geheim und hofft so, still und leise einen tüchtigen Nationaltrainer zu finden. Aber er kommt bei seiner Suche nach einem Nachfolger von Sean Simpson einfach nicht voran. Weil jetzt alles Medieninteresse den Playoffs gilt, ist die Suche nach einem Nationaltrainer ein fast vergessenes Lustspiel von allerhöchstem Unterhaltungswert.

Bricht Arno del Curto seinen Vertrag mit dem HCD, um Nationaltrainer zu werden? Bild: Keystone

Denn inzwischen versucht Hockey-Ueli in seiner Verzweiflung erneut, Arno Del Curto irgendwie zu überreden. Obwohl der HCD-Trainer einen bis 2015 weiterlaufenden Vertrag in Davos hat, einen Vertragsbruch explizit ausschliesst und das auch immer wieder so bestätigt hat. Obwohl Pius-David Kuonen, als Verwaltungsrat der Vorgesetzte von Ueli Schwarz, ebenso explizit einen Nationaltrainer im Nebenamt ausschliesst und das so auch wiederholt öffentlich bekräftigt hat.

Das streng geheime Treffen zwischen Hockey-Ueli und Hockey-Arno findet heute im Hotel Radison Blu im Flughafen Kloten statt und wird bis etwa 19 Uhr dauern. So kann sich der rührige Verbandsdirektor nachher rechtzeitig zum Spiel ZSC Lions gegen Servette ins Hallenstadion begeben. Der Nonkonformist Arno Del Curto als Nationaltrainer – ach, wäre das ein Spektakel. Wie Mick Jagger als Schulgesangsbuch-Sachbearbeiter im Bundesamt für Kultur (BAK).



Das Problem bei der ganzen Sache: Ueli Schwarz sucht eigentlich nicht den bestmöglichen Nationaltrainer, sondern einen Nationaltrainer, der bereit ist, sich klaglos in die byzantinische Bürokratie des Bundesamtes für Hockeywesen einzuordnen. Der Trainer muss also nicht nur zur Mannschaft passen, sondern vor allem zu den Funktionären.

Kein Trainer, der bei Verstand ist, lässt sich auf ein solches Abenteuer ein. Deshalb hat ja Sean Simpson das Handtuch geworfen und geht mit seinem Kumpel Colin Muller lieber nach Russland (Jaroslawl).

Sean Simpson, Trainer der Schweizer Eishockey Nationalmannschaft, verlaesst eine Pressekonferenz zur Vertragssituation mit der Swiss Ice Hockey Federation, am Montag, 3. Maerz 2014, in Zuerich. Simpson gibt seinen Ruecktritt als Nationaltrainer bekannt. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Sean Simpson hatte keine Lust mehr. Bild: Keystone

Eigentlich gäbe es ja gute, vertraglich ungebundene Kandidaten, die im Hauptberuf Nationaltrainer sein könnten. Beispielsweise Slawa Bykow. Eine der grossen Spielerpersönlichkeiten des Welteishockeys. Als Spieler mehrfacher Weltmeister und Olympiasieger. Als Coach Russischer Meister und zweimal Weltmeister. Mit Wohnsitz in der Schweiz. Mit unserem Eishockey seit Jahren durch und durch vertraut.

Das Argument, das Ueli Schwarz immer wieder vorbringt: Slawa Bykow spreche nicht Deutsch. Das ist schlichtweg lächerlich: Der Nationaltrainer muss sportlich erfolgreich sein, nicht Deutsch reden. Die Hockeysprache ist international. Die Chancen, dass Slawa Bykow mit unseren Nationalspielern kommunizieren könnte, sind doch recht gross. 

Bild: KEYSTONE

Kaum zu glauben, aber wahr: Hockey-Ueli hat Hockey-Slawa gar nie kontaktiert. «Nein, ich habe nie einen Anruf bekommen», sagt Slawa Bykow auf Anfrage gegenüber watson.ch. Wäre er denn am Job eines Schweizer Nationaltrainers interessiert? Er sagt diplomatisch: «Ich würde ein Gespräch nicht ablehnen.» Zurzeit hat Slawa Bykow noch ein Beratungsmandat für den polnischen Verband. Nächste Saison wird er wohl wieder hauptberuflich ins Hockeygeschäft einsteigen. «Ich habe einige Anfragen.» Aber eben: Keine von Ueli Schwarz.

Wer in unserem Land einen Nationaltrainer sucht und Slawa Bykow einfach ignoriert, macht seinen Job nicht. Mahnt doch der grosse Gotthelf in seiner Geschichte über Joggelis Brautschau, man müsse mit den Menschen reden. «Sonst weiss man gerade so viel von einem Meitschi, als man von einem Tier weiss, das man im Sack kauft: Da weiss ja auch keiner, hat er ein Lämmlein oder ein Böcklein.» 

Aber eigentlich ist es ja logisch, dass Slawa Bykow nicht in die Kränze kommt. Er ist ganz einfach für die Bürokratie unseres Bundesamtes für Eishockey eine Nummer zu gross. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Eisgrau 27.03.2014 19:26
    Highlight Highlight Arno Del Courto als Chef, Patrick Fischer und Kevin Schläpfer als Assistenten. Aber alle im Nebenamt. Einfach mal aufhören ein Nationaltrainer für 1Million. Entlich mal in Nachwuchs investieren das wir in 10 Jahren auch noch Tophockey sehen können. Also bitte Verbandsgrufftis werded mal entlich etwas inovativ!
  • Staal 27.03.2014 09:30
    Highlight Highlight Wahrscheinlich ist Ueli auf dem Gabg nach Cannossa betreffend VIP Eintritt für das Spenglercup Zelt
  • filmorakel 27.03.2014 08:54
    Highlight Highlight Grümpel-Ueli frei nach dem Motto: Stelle niemanden ein, der dann über dir steht. Schlimmer als diese Mutlosigkeit ist wohl nur noch die Arroganz beim SEHV.
    Eine solche Farce lässt eigentlich nur noch einen plausiblen Schluss zu: Soll Gross-Ueli doch selber die Nati ins Verderben führen...
  • manolo 27.03.2014 08:21
    Highlight Highlight dafür ist der dummschwätzer "ueli schwarz" eine nummer zu klein für unser hockey!
    all die leute wie - furrer, schwarz und kuonen sonnen sich in den Leistungen unserer nati unter Simpson. sie sind aber nicht fähig,- wie arno del curto sagt, die unsägliche transferregelung in neue bahnen zu lenken!
    das hin und hergeschiebe während der saison muss endgültig aufhören!
    • salming 27.03.2014 10:31
      Highlight Highlight Hätte ich nicht besser sagen können.
      Die Verbandsbosse sind allesamt Flaschen, die sich verpokert haben und eben genau nicht einen "Plan B" hatten, wie sie grossspurig nach der Absage von Simpson verkündet haben. Jetzt sind alle nervös, auf Biegen und Brechen einen anerkannten Mann zu präsentieren, um nicht vollends das Gesicht zu verlieren und ihre Unfähigkeit preis zu geben. Da ist es schlichtweg das Einfachste, auf AdC zuzugehen.

Der Grösste aller Zeiten geht – im Stil des Grössten aller Zeiten

Arno Del Curto (62) ist nicht mehr Trainer in Davos. Eigentlich unvorstellbar. Ein trauriger Tag für unser Hockey? Nein. Arno Del Curto verlässt die Arena als Sieger.

Die erste spontane Reaktion kommt von Chris McSorley: «One of the saddest days I've had since 2001».

Der Kanadier, der im Wesen und Wirken Arno Del Curto am nächsten kommt, hat recht und wieder auch nicht. Natürlich ist es hockeytechnisch ein trauriger Tag, wenn Del Curto sein Amt niederlegt. Nun ist McSorley der «Dinosaurier» der Liga. Er arbeitet seit 2001 in Genf und es passt, dass ausgerechnet er am Freitag der nächste Meisterschafts-Gegner der Davoser ist.

Aber es gibt auch eine andere …

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