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Ryan Shannon, Mitte, von Zuerich, gegen Cristobal Huet, links, von Lausanne beim Eishockeyspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und Lausanne HC im Hallenstadion am Samstag, 17. Januar 2015 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Christobal Heut zeigt in Lausanne noch einmal, was in ihm steckt. Bild: KEYSTONE

Huet und Ehlers die zentralen Figuren

Das vergessene Wunder in Lausanne oder der Irrtum, der unsere Hockey-Landkarte für immer verändert hat

Jetzt auch noch die ZSC Lions auswärts besiegt: Lausanne hat sich in der NLA etabliert. Dank des grössten Irrtums unserer neueren Hockeygeschichte.

18.01.15, 09:16 18.01.15, 15:14

Im Laufe der Saison 2011/12 entscheidet Gottérons Trainer und Sportchef Hans Kossmann künftig auf den alternden Cristobal Huet (36) zu verzichten und alles auf den 16 Jahre jüngeren Benjamin Conz zu setzen.

Es ist damals der richtige Entscheid. Der eingebürgerte Franzose hat die Zukunft hinter sich. Benjamin Conz hingegen gilt als einer der besten jungen Goalies der Welt. Er war der beste Torhüter der U20-WM.

Die Fribourger, mit Goalie Christobal Huet, Mitte sind enttaeuscht, beim fuenften Playoff-Halbfinalspiel der National League A zwischen dem HC Fribourg-Gotteron und dem SC Bern am Dienstag, 27. Maerz 2012 in der BCF-Arena in Fribourg. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)..

Das hat ein Hockey-Erdbeben ausgelöst: Christobal Huet wird 2012 bei Fribourg aussortiert.  Bild: KEYSTONE

Im Oktober 2012 zeigt sich noch einmal, wie richtig dieser Entscheid war. Nach einer 1:4-Niederlage in Langenthal rutscht Aufstiegsanwärter Lausanne auf den 6. Platz ab. Trainer John van Boxmeer wird gefeuert. Ich erinnere mich noch lebhaft, wie er nach dem Spiel resigniert sagte, was er denn machen solle mit einem wie Cristobal Huet im Tor. Der habe ja in der NHL längst seine Millionen gemacht und man könne nicht mehr erwarten, dass ein 36-jähriger, ehemaliger Stanley Cup-Sieger in der NLB motiviert sei.

Heute wissen wir: Auf Cristobal Huet zu verzichten, war einer der grössten Irrtümer unserer neueren Hockeygeschichte.

Falsche Einschätzungen eines Spielers durch hochkarätige Kenner gibt es immer wieder:

Aber keine andere Fehleinschätzung hat so weitreichende Folge wie Hans Kossmanns Verzicht auf Cristobal Huet. Der SCB ist auch ohne Mark Streit das mächtigste Hockeyunternehmen im Land geworden. Kloten erreichte ohne Damien Brunner den Playoff-Final und Zug ist auch mit Damien Brunner nicht Meister geworden.

ARCHIV --- ZUR MELDUNG, DASS HANS KOSSMANN NICHT MEHR FRIBOURG-TRAINER IST, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG ---L'entraineur fribourgeois Hans Kossmann marche decu au milieu de ses joueurs a la fin du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League A, entre  Lausanne HC, LHC, et le HC Fribourg-Gotteron ce lundi 23 decembre 2013 a la patinoire de Malley a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Hans Kossmann wurde bei Fribourg im Oktober 2014 entlassen. Bild: KEYSTONE

Aber wenn Hans Kossmann damals den Vertrag im Frühjahr 2012 mit Cristobal Huet verlängert hätte, sähe die Hockey-Landkarte heute anders aus.

Nach der Entlassung von John van Boxmeer hat Gerd Zenhäusern Lausanne in die NLA zurückgeführt. Huet machte den wundersamen Triumph über die SCL Tigers in der Liga-Qualifikation und den Aufstieg erst möglich.

le gardien lausannois Cristobal Huet, gauche, et le top scorer lausannois Juha-Pekka Hytoenen, deuxieme depuis la gauche, celebrent la victoire avec leurs coequipiers a la fin du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League A, entre  Lausanne HC, LHC, et le HC Fribourg-Gotteron ce lundi 23 decembre 2013 a la patinoire de Malley a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Lausanne: Starkes Kollektiv und ein überragender Torhüter. Bild: KEYSTONE

Huet vollbringt seither Wunder. Er hat Lausanne als Aufsteiger 2013 auf Kosten des SC Bern in die Playoffs gehext und jetzt sein Team nach einer schweren Krise wieder auf Kurs gebracht. Lausanne hatte 10 von 11 Spielen verloren, nur noch zwei Punkte Reserve auf Kloten und war nach Verlustpunkten unter den Trennstrich gerutscht. Das Management dachte daran, Trainer Heinz Ehlers durch Hans Kossmann zu ersetzen.

Inzwischen hat Lausanne acht der letzten zehn Partien gewonnen, führt auf Platz 6 die zweite Tabellenhälfte an und hat auf Kloten 17 Punkte Reserve. Soeben hat Cristobal Huet in Zürich 97,37 Prozent der Schüsse abgewehrt, das Penaltyschiessen und damit das Spiel gegen die ZSC Lions 2:1 gewonnen. Und im Team stehen vier Spieler aus Langnaus Abstiegsmannschaft (Genazzi, Lardi, Rytz, Froidevaux).

Die zweitstärkste Defensive der Liga

Cristobal Huet und Heinz Ehlers sind die zentralen Figuren des vergessenen Hockey-Wunders Lausanne. Die Waadtländer haben erst 87 Tore erzielt. Gleich viele wie die Lakers und 25 weniger als Biel. Lausannes Topskorer finden wir in der Liga-Skorerliste erst auf dem 33. Platz. Aber Lausanne hat lediglich 89 Gegentreffer zugelassen.

Nur die ZSC Lions sind defensiv noch stabiler (82). Es ist der ultimative Beweis, dass im Eishockey das Kollektiv über bessere Gegenspieler triumphieren kann. Dass Eishockey tatsächlich der letzte wahre Mannschaftssport ist, wie die Nordamerikaner immer wieder betonen.

Le coach lausannois Heinz Ehlers reagit lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League A, entre Lausanne HC, LHC, et le HC Fribourg-Gotteron, ce vendredi 10 octobre 2014 a la patinoire de Malley a Lausanne.  (KEYSTONE/Valentin Flauraud)

Heinz Ehlers ist der Architekt des Lausanner Hockey-Wunders. Bild: KEYSTONE

Es lässt sich auch darüber spekulieren, was wäre, wenn Heinz Ehlers im Frühjahr 2013 Trainer in Zug, Lugano oder Kloten geworden wäre. Aber als NLB-Trainer hatte er nur einen geringen Marktwert.

Wir können mit einem Blick auf die Statistik sagen, dass Heinz Ehlers in Lausanne «Beton-Hockey» spielen lässt und als Beweis dafür den jüngsten Sieg gegen die ZSC Lions anführen. Es war tatsächlich kein grosses Spiel – aber das lag mehr an den ZSC Lions als an Lausanne.

Tatsächlich ist Heinz Ehlers ein Alchemist des Defensivhandwerkes, dem die Herstellung von taktischem Gold gelungen ist. Die Alchemisten haben einst versucht, Steine in Gold zu verwandeln. Sie erfanden bei ihrer Arbeit nebenbei zwar das Schiesspulver und das Porzellan. Ansonsten aber scheiterten sie. Doch Heinz Ehlers hat das defensive Gold gefunden.

Die Lausanner «Tempo-Defensive»

Viele Trainer, die auf «Beton-Hockey» setzen, sind gescheitert. Weil das Einüben eines Defensiv-Systems leicht zu passivem Verhalten der Spieler und zu destruktiver Spielweise führen kann. Stark vereinfacht gesagt: Heinz Ehlers Erfolgsgeheimnis ist die laufende, die aktive Defensive. Wir können seine Philosophie auch als «Tempo-Defensive» bezeichnen.

Will heissen: Lausanne spielt ein aktives und kein abwartendes oder destruktives Defensivhockey. Lausannes Spieler stehen immer auf den Zehenspitzen, immer sprungbereit und nie abwartend auf den Fersen.

Lausanne's players form left to right, Etienne Froidevaux, Daniel Bang, of Sweden, goaltender Cristobal Huet, of France, Caryl Neuenschwander #71, Philippe Seydoux, and Larri Leeger, celebrate their victory after beating Fribourg Gotteron, during a National League A regular season game of the Swiss Championship between Lausanne HC and the HC Fribourg Gotteron at the Malley stadium in Lausanne, Saturday, January 10, 2015. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Lausanne kann sich schon mal auf den Playoff-Jubel vorbereiten. Bild: KEYSTONE

Es ist die taktisch anspruchsvollste Spielweise. Die Laufwege müssen gut einstudiert und eingeübt sein. Jeder muss wissen, wo er zu stehen und wohin er zu laufen hat. Der Trainer muss dazu in der Lage sein, ein Höchstmass an taktischer Disziplin durchzusetzen. Die Spieler für dieses Hockey müssen sorgfältig rekrutiert werden Leicht zu erkennendes Talent ist nicht die entscheidende Qualität. Sondern die Einsatzbereitschaft, die Disziplin und die Spielintelligenz. Lausannes Jan Alston ist der meistunterschätzte Sportchef der Liga. Noch selten ist mit so wenig Geld so gut gemanagt worden wie in Lausanne.

Aber am Ende des Tages gilt, was der kanadische Hockey-Weltreisende und Trainer Dave King jeweils zum Schluss seiner Vorträge sagt: «…und wenn Sie keinen guten Torhüter haben, dann vergessen Sie alles, was wir heute besprochen haben.» Heinz Ehlers hat Cristobal Huet. Umgekehrt gilt auch: Cristobal Huet hat mit Heinz Ehlers einen Trainer, der die Mannschaft so organisiert hat, dass er mit 39 Jahren immer noch der beste Torhüter der Liga sein kann.

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Senftube 20.01.2015 10:54
    Highlight Ehlers ist in der Tat ein sehr guter Trainer und wir Bieler verdanken ihm den NLA-Aufstieg von 2008. Hätte er in seiner ersten NLA Saison, mit einer praktisch unveränderten, NLA-unerfahrenen NLB-Mannschaft, bereits einen Reto Berra im Tor gehabt, er wäre wohl noch heute Coach des EHC Biel und Kevin Schläpfer immer noch Sportchef. Als man wegen dem drohendem Abstieg reagieren und ihn entlassen musste, hat er sich sehr sportlich und wie ein Gentleman verhalten. Ich mag ihm als Trainer daher den Erfolg in Lausanne gönnen.
    2 0 Melden
  • flursen70 18.01.2015 12:29
    Highlight Herr Zaugg: Bitte ein paar Jahreszahlen ordnen, sie bringen da vieles durcheinander. Der SCB wurde 2013 Meister. Das Playoff verpasst hat er 2014. Und Sie wollten in der Auflistung sicher auch schreiben, dass Gottéron mit Huet 2013 Meister geworden wäre, nicht 2014. 2014 lag es nicht am Goalie, da standen die Kloten Flyers im Halbfinal im Weg.
    12 2 Melden
  • Ralphster 18.01.2015 12:01
    Highlight Endlich mal wieder einen Artikel über ein "kleineres" Team, das nicht aus Bern oder Zürich kommt...

    Dass jedoch John Fust kein einziges Wort gewidmet wird, erstaunt mich jedoch...
    14 2 Melden
  • WC-Entchen 18.01.2015 10:20
    Highlight Haha ☻
    So ein dummer Artikel.
    Lausanne ist gut, aber eine solche Beweihräucherung ist ja schrecklich.
    19 17 Melden

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