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Lars Leuenberger wartet trotz Meisterehren weiter auf ein Jobangebot in der NLA. Bild: KEYSTONE

Eigentlich ist es ein Skandal, dass Lars Leuenberger nicht Langnau-Trainer geworden ist. Oder?

Was für bittere Tage für Schweizer Hockey-Trainer. In Fribourg und in Langnau war SCB-Meistertrainer Lars Leuenberger nicht eine Sekunde ein Thema. Wie kann das sein?

03.10.16, 11:44 03.10.16, 15:45

Arno Del Curto und Kevin Schläpfer geniessen Kultstatus. Ihre Popularität täuscht darüber hinweg, dass Schweizer Trainer in unserem Hockey geringgeschätzt und nicht ernst genommen werden. Ja, selbst «Hockeygott» Kevin Schläpfer ist immer wieder dem leisen Spott respektloser Chronisten ausgesetzt.

Wie erwartet ...

Seit heute morgen ist es definitiv: Der neue Trainer der SCL Tigers heisst Heinz Ehlers. Der 50-jährige Däne unterschrieb bei den Emmentalern einen bis 2018 laufenden Vertrag mit Option für eine weitere Saison. In Langnau wird Ehlers Nachfolger des entlassenen Scott Beattie. (pre/sda)

Während Larry Huras immer und immer wieder ins Gespräch kommt, bleiben selbst höchstdekorierte Schweizer Trainer arbeitslos. Als diese Saison begann, hatte Lars Leuenberger keine Arbeit. Weder Langnau (dort bekam Scott Beattie den Job!) noch die ZSC Lions oder Kloten wollten ihn. Dabei hat er im letzten Frühjahr mit dem SC Bern die Meisterschaft gewonnen und ein Hockeymärchen geschrieben.

Arno del Curto: Anders als viele andere Schweizer Trainer umweht ihn eine mystische Aura. Bild: KEYSTONE

Und nun war er weder bei Fribourg-Gottéron noch bei den SCL Tigers als Nothelfer ein Thema. Als Patrick Fischer im letzten Herbst in Lugano gefeuert wurde, fand er nur noch im Bundesamt für Eishockey als Nationaltrainer Unterschlupf. Weil dort «Swissness» als Weltanschauung gepflegt wird. Und Lars Leuenberger durfte letzte Saison beim SCB den gefeuerten Guy Boucher nur beerben, weil SCB-General Marc Lüthi die Saison sowieso schon abgeschrieben und mit Kari Jalonen bereits den Trainer für die neue Spielzeit verpflichtet hatte.

Unsere Hockey-Präsidenten und -Sportchefs mustern jeden Schweizer Trainer, als sei er ein seltenes Insekt. Bis sie einen Grund finden, doch einen Ausländer zu nehmen. Ausländische Trainer klopfen den Misserfolg von ihren Massanzügen mühelos ab wie Staub. Schweizer Trainern bleibt Scheitern wie Schwefelgeruch auf alle Zeiten haften. Ausländische Trainer erstrahlen medial im Erfolg als Supermänner. Bei anderen Schweizer Trainern als Arno Del Curto und Kevin Schläpfer heisst es nach einem Erfolg bald einmal: Na und?

Die Langnau-Trainer der letzten vier Jahre

Heinz Ehlers (Dä): seit 3. Oktober 2016
Scott Beattie (Ka): März 2016 bis Oktober 2016
Benoît Laporte (Ka): April 2015 bis März 2016
Bengt-Ake Gustafsson (Sd): Oktober 2013 bis April 2015
Tomas Tamfal (Tsch): Mai 2013 bis Oktober 2013
Jakob Kölliker (Sz): Mitte bis Ende April 2013
Alex Reinhard (Sz): Dezember 2012 bis April 2013
John Fust (Sz): Mai 2010 bis Dezember 2012

Selbst beim Verband traut man einheimischem Schaffen inzwischen nicht mehr über den Weg. Weil Patrick Fischer nicht mehr zugetraut wird, die Nationalmannschaft führen zu können, ist er unter schwedische Vormundschaft gestellt worden. Der Schwede Tommy Albelin überwacht jetzt als Assistent Fischers Arbeit.

Mystifizierung des Trainerberufs

Diese Geringschätzung des einheimischen Trainerhandwerkes ist wirtschaftlich dumm. Anders als ihre ausländischen Kollegen bezahlen Schweizer Trainer in der Regel ihre Steuern selber. Sie kosten nur halb so viel wie Ausländer. Sie sind während des ganzen Jahres vor Ort, kümmern sich auch in der Zwischensaison um das Wohlergehen des Klubs und verschwinden im Sommer nicht einfach für mehrere Monate in die Ferien. Sie kennen keine Sprachkurse, ihre Kinder keine teuren ausländischen Privatschulen und keine Flugtickets für die An- und Heimreise.

Warum gibt es trotzdem keinen Markt für Schweizer Trainer? Der gängige Spruch, dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt, liefert uns keine Erklärung.

Was hat Larry Huras, was Lars Leuenberger nicht hat? Einen ausländischen Akzent! Bild: KEYSTONE

Der Grund für die Schwierigkeiten der eidgenössischen Trainer ist ein ganz simpler. Das Trainerhandwerk ist keine exakte Wissenschaft. Im Eishockey braucht ein Trainer nicht einmal ein Diplom. Die Tätigkeit zwischen Kabine und Bande besteht zu einem schönen Teil aus ein bisschen «Voodoo». Also aus der Kunst, den Trainerberuf zu mystifizieren. Daraus eine Kunst zu machen, die nicht erklärbar ist – und das geht am besten, wenn man dem Präsidenten oder dem Sportchef mit stark fremdländischem Akzent erklärt, wie schwierig alles ist.

Diese unerlässliche Mystifizierung ist fast unmöglich, wenn der Trainer im gleichen Dialekt parliert wie seine Vorgesetzten und die Spieler. Dann erscheint alles ganz banal. Schweizer Trainer sind hockeytechnisch einfach zu wenig sexy.

Der Präsident und der Sportchef können mit einem ausländischen Namen im Umfeld sowieso viel besser punkten. Hartley, Huras, Crawford, Ehlers, Jalonen, McSorley, Shedden, Beattie, Wallson, Ratushny oder Tirkkonen – das tönt einfach besser, magischer, hockeyerotischer als Leuenberger.

Namen machen Trainer

Nicht Kleider machen in unserem Hockey Leute bzw. Trainer. Namen machen Trainer. Hiesse Lars Leuenberger Lee Mountainlion oder Laser Lionhill und würde nur Englisch sprechen, dann wäre er auf diese Saison Trainer der ZSC Lions geworden oder er hätte in den letzten Tagen mit etwas Geduld Christian Dubé und Jörg Reber, die Sportchefs in Fribourg und Langnau, gegenseitig ausspielen und einen Vierjahresvertrag herauspokern können. Und statt als «Lars, der kleine Eisbär» karikiert, würde er als «Hockey-Napoléon» umworben, verehrt, respektiert und gefeiert.

Umgekehrt hätte Scott Beattie in Langnau nicht einmal den Job des zweiten Assistenten bekommen, wenn er Samuel Haueter oder Simon Berger heissen würde. Und als Lars Hurni wäre Larry Huras nicht Gottéron-Zampano geworden.

P.S. Eigentlich ist es ein Skandal, dass Lars Leuenberger nicht Langnau-Trainer geworden ist. Oder?

Heinz Ehlers übernimmt in Langnau, nicht Lars Leuenberger. Bild: Christian Pfander/freshfocus

Nein. Wenn ich Langnaus Sportchef wäre, dann hätte ich keine Sekunde gezögert, Heinz Ehlers als Nachfolger von Scott Beattie zu verpflichten, und Lars Leuenberger nicht mal höflichkeitshalber angefragt. Warum? Ich kann es nicht alleine mit meiner Wertschätzung für Heinz Ehlers Arbeit in Langenthal und Lausanne erklären – Lars Leuenberger verdient ja für sein Meister-Märchen mit dem SCB eher noch grösseren Respekt.

Es ist einfach ein Bauchgefühl, ein bisschen «Voodoo» halt. Ich bin eben auch nicht klüger als die Sportchefs und die Präsidenten ...

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    Alle Leser-Kommentare
  • Eishockeycrack 18.10.2016 00:08
    Highlight Lars Leuenberger währe vom Typ her der geborene Langnau Trainer. Letzte Saison, den Meistertitel mit dem SCB und Langnau hätte er vielleicht aus der Missere holen können und mit SCL Tigers CH-Meister werden können.
    4 0 Melden
  • Yano 04.10.2016 10:58
    Highlight Lars macht jetzt in Ontario den gleichen Sprachkurs, wie Hans Kossmann auch schon absolviert hat.
    3 0 Melden
  • MARC AUREL 03.10.2016 22:40
    Highlight Für Langnau ist Ehlers ein Geschenk.
    4 4 Melden
  • manolo 03.10.2016 16:56
    Highlight Lars l. soll kleiner anfangen als in der nationallige a.
    er soll sich im b seine sporen abverdienen und zeigen was er drauf hat in sachen taktik, spielverständnis und coaching!
    14 11 Melden
  • Darkside 03.10.2016 16:07
    Highlight Leuenberger weiss doch selber nicht wie er den Pott geholt hat. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort und alles lief gut zusammen. Bewiesen hat er damit nicht viel und das wissen offenbar auch die Sportchefs.
    25 10 Melden
    • MARC AUREL 04.10.2016 19:05
      Highlight Ein bisschen übertrieben! Wer ZSC,HCD und HCL ausschaltet macht vieles richtig! Leuenberger hat sicher potenzial aber sicher wäre es gut wenn er mit ein Schwanzklub erwas beweisen könnte!
      3 1 Melden
  • Sloping 03.10.2016 14:14
    Highlight Der Hauptgrund pro Ehlers liegt doch in der Risikoabwägung des Sportchefs von Langnau. Reber ist mit den sagen wir mal unkonventionellen Anstellungen von Laporte und Beattie aus unterschiedlichen Gründen Risiken eingegangen, die sich nicht ausbezahlt haben und er mitverantwortet. Einen dritten gescheiterten Versuch übersteht er als Sportchef nicht. Darum hat er sich dieses Mal für die logische und sicherste Lösung entschieden. Ehlers hatte im Vergleich zu Leuenberger bei verschiedenen Vereinen und über eine lange Zeit Erfolg.
    46 2 Melden
  • Lueg 03.10.2016 14:08
    Highlight Sorry aber das Thema lässt mir keine Ruhe. Die Reduktion auf den Akzent oder den Kaugummi greift verdammt kurz. Was unterscheidet die ausländischen Trainer von den CH Trainer? Sie gehen ins Ausland. Sie gehen persönliche Risiken ein, sammeln Erfahrung und lernen sich durchzusetzen. Warum soll das ein Schweizer auf sich nehmen? Wenn es nicht klappt, gibt es genügend Optionen in den Nachwuchsorganisationen, beim Verband oder als Sportchef. Wenn sich diese Grundhaltung nicht ändert, bleibt alls so wie es ist, ausser Bundesrat kürzt die Kontingente für ausländische Trainer.
    35 4 Melden
  • Pana 03.10.2016 13:37
    Highlight Ganz nette Theorie. Aber wieso hat dann Thurgau einen ausländischen Trainer mit dem Namen Mair? ;)
    3 10 Melden
  • joe 03.10.2016 13:20
    Highlight "Es ist einfach ein Bauchgefühl, ein bisschen «Voodoo» halt. Ich bin eben auch nicht klüger als die Sportchefs und die Präsidenten ..."

    Jeder KZ Artikel sollte mit diesen Sätzen enden! :-D

    Schade das Schweizer Trainer weniger Kredit bekommen. Aber HE finde ich im Fall Langnau die bessere Wahl!
    45 3 Melden
  • Lueg 03.10.2016 12:50
    Highlight LL hat als Nachlassverwalter grosses geleistet. Er wird in jedem Buch des CH Hockey lobend erwähnt sein. Doch lieber Hr. Zaugg, für welches Hockey steht LL? wie baut er eine Mannschaft auf? Bisher hat er nur bewiesen, dass er das Kanadische Korsett dosiert lösen kann. Das hat ML vermutlich schnell gemerkt und umentschieden. Ansonsten hätte ML nicht den Sportchef auch noch opfern müssen. Das der SCL dieses Risiko nicht einging ist vernünftig. LL soll erstmal in der NLB zeigen was er kann. Denn wenn er als Nothelfer versagt ist der Ofen aus. Auch Fischer hätte solider von unten aufbauen sollen.
    54 4 Melden
  • Hayek1902 03.10.2016 12:44
    Highlight Heinz Ehler hat schon x-saisons als Trainer von kleinen Teams bestritten, mit Erfolg. Er ist ein taktischer Meister der es schafft, mit limitierten Spielern ein System zu Zimmern, dass viel talentierteren Teams ihre Grenzen aufzeigt. Lars Leuenberger ist zwar Meistertrainer, hat aber noch nie eine ganze Saison als Cheftrainer bestritten. In der Saison, als er am längsten Cheftrainer war, kam er nur mit Ach und Krach gegen Heinz Ehler in die Playoffs (Torverhältnis!). Der SCL ist momentan letzter, da hat man nicht viel Raum für Experimente wenn ein bewährter Trainer auf dem Markt ist.
    63 2 Melden
  • Yano 03.10.2016 12:28
    Highlight Möglicherweise kann Heinz Ehlers seinen Job in Langnau gar nicht antreten, da im "Hirschen" kein Zimmer mehr frei ist! Könnte ihn eventuell der selbsternannte Eismeister für die 3 - 4 Wochen bei sich aufnehmen? Das wäre nur ein Tigersprung bis an die Ilfis. Ein sehr erfolgreicher Hockey-Publizist aus Bern macht das auch immer so.
    45 3 Melden
  • Amboss 03.10.2016 12:08
    Highlight Wahrscheinlich ist es wirklich so, dass es CH-Trainer einfach schwieriger haben.
    Dieses englische Akzent, verbunden mit übermässigem Kaugummikauen und diesem "alles-nervt-mich"-Blick, gehört einfach zu einem rechten Hockey-Coach dazu :)

    Aber die Entscheidung, dass die Tigers Ehlers statt Leuenberger verpflichten, das hat nichts mit Voodoo zu tun. Dafür sprechen Handfeste Gründe: Ehlers hat mit Lausanne genau das gezeigt, was die Tigers genau jetzt brauchen: Defensiv solides Betonhockey spielen.
    44 2 Melden
  • deed 03.10.2016 12:07
    Highlight Bei allem Respekt für Leuenberger, aber Ehler's Leistungsausweis ist für eine Anstellung in Langnau um einiges aussagekräftiger als Leuernberger's, dessen Anteil am diesjährigen Meistertitel des SCB's weitherum als eher gering eingestuft wird, insbesondere in Bern selber.
    47 6 Melden
    • TheMan 03.10.2016 13:18
      Highlight In Bern wird der Leistungsausweis von LL nicht geschätzt? Seit wan das?
      23 10 Melden
    • deed 03.10.2016 19:31
      Highlight @TheMan man hat LL in Bern nach dem Meistertitel in die Wüste geschickt, zum Beispiel...
      7 4 Melden
    • TheMan 03.10.2016 19:52
      Highlight deed falsch. Ganz klar wurde LL bevor er das Team als Trainer übernahm, gesagt: es ist nur bis Ende dieser Saison. Danach kommt Jalonen. LL wusste dies. Nichts mit, in die Wüste schicken.
      11 2 Melden
  • RoJo 03.10.2016 12:06
    Highlight Herr Zaugg, langsam sollte es jetzt auch ihnen dämmern! Der Anteil von Lars am Meistertitel ist viel geringer, als sie immer wahrhaben wollen! Er mag ein guter Motivator gewesen sein. In taktischer Hinsicht liess er die Mannschaft unter der Führung einiger Spieler gewähren, respektive, sie nahmen das Heft einfach selber in die Hand! Und, haben sie schon einmal ein Spieler in einem Interview gehört, der sagte, Lars sei ein guter Trainer?! Nein, noch nie! Praktisch jeder betont aber, dass Boucher einer ihrer besten Trainer gewesen sei!! Noch Fragen?!😉
    39 16 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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