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Berns Trainer Lars Leuenberger erscheint auf dem Anzeigewuerfel waehrend er Anweisungen gibt, im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und dem HC Fribourg-Gotteron, am Freitag, 5. Februar 2016, in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Ein Auswärtsspiel beim SCB? So furchteinflössend wie eine Partie bei den Rapperswil-Jona Lakers – nur mit Mitleid statt Schadenfreude.
Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg ist jetzt auch Schamane: Darum wurde aus dem bösen SCB-Bär «Lars, der kleine Eisbär»

Nicht mehr die «Big Bad Bears» symbolisieren den SC Bern. Sondern «Lars, der kleine Eisbär» – Trainer Lars Leuenberger. Das ist ein Grund zur wirklichen Sorge.

23.02.16, 09:53 23.02.16, 10:22


Der SC Bern hat ein Problem, das auch mit einer Playoff-Qualifikation noch nicht gelöst ist. Gefordert sind nicht nur der Sportchef, die Trainer und die Spieler. Es geht nicht um Transfers oder Taktik. Es gibt auch Arbeit für die Marketingabteilung. Der SCB hat seine Aussenwahrnehmung ruiniert.

Um das Problem besser erklären zu können, machen wir einen kleinen Exkurs (= wissenschaftliche Abhandlung) über eine interessante Besonderheit der Hockeykultur.

Bevor wir zum ernsten Teil kommen: Schaut mal diese Folge von Lars, dem kleinen Eisbär an. Er trifft Lea Braunbär, aber Vogel Pieps darf leider nicht mitkommen.
YouTube/Serina Wellers

Tiere symbolisieren Hockeyteams. In Nordamerika und in Europa. Sie sind Kreaturen aus der Marketing-Abteilung. Aber es gibt auch ein geheimes Wissen der Schamanen über «Krafttiere». Es ist interessant, was uns die alten Medizinmänner über die Bedeutung, über die mystische Kraft dieser Tiere sagen. In vielen indianischen Stammeskulturen lebt gar die Überzeugung, dass Menschen und Tiere seelenverwandt sind und sich lediglich eine Verkleidung (wie ein Hockeydress) anlegen, um eine Kraft sichtbar zu machen.

Der Löwe (ZSC Lions, Lausanne) steht für Stolz, Kraft, Siegeswillen, Tapferkeit, und Weisheit – aber auch für Ausschweifung, Selbstherrlichkeit, Selbstgefälligkeit, Autoritäts- und Machtgehabe.

Der schwarze Panther (Lugano) für Konzentration, Schweigen, Wissen und Einsamkeit – doch ebenso für Macht, Raubzüge, Egoismus und unlautere Absichten.

Luganos Maxim Lapierre, Colin Fontana und Steve Hirschi, von links, im Duell mit ZSC-Topscorer Robert Nilsson, Mitte, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Lugano und den ZSC Lions, am Sonntag, 7. Februar 2016, in der Resega Halle von Lugano. (PHOTOPRESS/Gabriele Putzu)

Schwarze Panther gegen Löwen.
Bild: PHOTOPRESS

Der Tiger (SCL Tigers) ist in der Lehre der Schamanen weise, schweigsam – aber auch aufmüpfig, rücksichtslos, unberechenbar, tyrannische, jähzornig und aggressiv.

Der Drache (Gottéron) steht für Familie, Phantasie und Magie – allerdings auch für Intoleranz, Zerstörungswut, Erschütterung, Rache und Zorn.

Zwischen all den Tieren zur Auflockerung mal Spieler in Filmrollen:

Der Stier (Zug) symbolisiert Schönheit, Vitalität und Intuition – und ebenso Wildheit, Materialismus, Sturheit, Unberechenbarkeit, Angriffslust um des Kämpfens willen und Eitelkeit.

Der Steinbock (Davos) verkörpert Mut, Kraft, Verantwortungsbewusstsein - und Bockigkeit, Trotz, Gerechtigkeitswahn, Flucht und die Neigung, sich allem zu entziehen und die Gesetze zu brechen sowie Eigenabsichten als soziale hilfreiche Aktionen zu tarnen.

Fribourg's Ryan Gardner, right, scores the 2:1 against Zug's Goaltender Tobias Stephan, center, past Zug's Tim Ramholt, left, during the game of National League A (NLA) Swiss Championship between HC Fribourg Gotteron and EV Zug at the ice stadium BCF Arena, in Fribourg, Switzerland, Saturday, January 23, 2016. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Auch immer gut: Drachen gegen Stiere.
Bild: KEYSTONE

Der Adler (Servette) steht für Licht, Freiheit, Intelligenz und Klarheit – und halt auch für Habsucht, falschen Stolz, Arroganz, Einzelgängertum und extremes Machtstreben.

Ich möchte noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich bei dieser Tiersymbolik NICHT um eine boshafte Erfindung eines Chronisten handelt. Sie stammt aus der Literatur über «Krafttiere», die ich sehr empfehlen kann. Jede Ähnlichkeit der «Krafttiere» mit handelnden Figuren aus diesen Klubs wäre also rein zufällig und ungewollt.

Und nun kommen wir noch zum Bären. Dem Symboltier des SC Bern. Wohl kein Stand der Eidgenossen steht dem Wesen seines Wappentieres so nahe wie das Bernervolk mit seinen alten, harten Kriegern, schweren Bauern, blutvollen Dichtern und rauen Hockeyspielern. In der Häufung seiner unzähligen Verkörperungen, landauf, landab, findet der «Mutz» seinesgleichen nur noch im Adler der Habsburger und im Löwen der Briten.

Bär Grizzly

Ein grosser, böser Bär: Das war der SCB einst.

Im Bären erkennen die Medizinmänner Schutz, Halt, Orientierung, triebhaftes und erdnahes Leben, Wildheit und Kraft – aber auch Unmut, Rohheit, Gier, Kompromisslosigkeit, Zerstörung und Gnadenlosigkeit. Wir sehen also, dass der SCB gegenüber seinem «Krafttier» eine ganz besonders grosse Verantwortung trägt.

Die respektvolle Bezeichnung «Big Bad Bears» des rumpelnden einschüchternden, meisterlichen SCB – sie stammt noch aus den späten 1980er und frühen 1990er Jahren des letzten Jahrhunderts – würde also selbst ein Schamane unterschreiben. Ursprünglich stammt der Ehrentitel «Big Bad Bears» aus der NHL. Die Boston Bruins der 1970er Jahre holten als «Big Bad Bruins» zwei Stanley Cups. Sie waren eines der rausten, wildesten Teams aller Zeiten. Bruin ist eine volkstümliche amerikanische Bezeichnung für Braunbären.

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Dieser hart erarbeitete und über die Jahre emsig gepflegte Ruf, «böse» zu sein, dem «Krafttier» Bär würdig zu sein, ist ein wichtiger Teil des SCB-Erfolges in den letzten 30 Jahren. Die Medizinmänner lehren uns, dass das Auftreten eines Teams dem «Krafttier» auf dem Dress entsprechen muss.

Auswärts beim SCB ist so furchteinflössend wie ein Spiel in Rappi

Aber für welches «Krafttier» steht der SCB heute? Der Bär prangt immer noch auf dem schmucken Dress. Aber der Ruf, «böse» zu sein, ist dahin. Einst waren die Gegner froh, wenn sie ein Auswärtsspiel im Berner Hockeytempel halbwegs unbeschadet überstanden hatten. Aber den SCB fürchtet heute niemand mehr.

Die Reise zum Auswärtsspiel nach Bern ist nicht mehr beschwerlicher als eine Fahrt zu den Lakers. Noch schlimmer: Der SCB weckt im Februar 2016 nicht einmal mehr Schadenfreude. Dabei ist die Schadenfreude die allerhöchste Form von Anerkennung. Nur wer gross, mächtig, arrogant, erfolgreich und gefürchtet ist, darf in der Krise die bitteren Früchte der Schadenfreude oder doch wenigstens des beissenden Spottes ernten. Aber davon ist nichts mehr zu spüren.

Ein grosser Spass: Vorher/Nachher-Wahrnehmung des SC Bern.

In 30 Jahren erstmals Mitleid mit dem SCB

Beim Spiel am Sonntag gegen die ZSC Lions nahm ich im Hallenstadion zum ersten Mal in 30 Jahren so etwas wie Mitleid mit dem armen SCB wahr. Mitleid mit dem SCB, der gegen diese mächtigen, reichen und sportlich erfolgreichen ZSC Lions völlig chancenlos war. Und zwar Mitleid von langjährigen, in der Wolle gefärbten ZSC-Anhängern. Mitleid! Ach, der arme kleine Lars! Was muss er sich da antun. Die SCB-Gegner sprechen mitleidig vom «kleinen Lars».

Berns Trainer Lars Leuenberger geht mit seinen Spielern in die Kabine waehrend der Drittelspause im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und dem SC Bern, am Sonntag, 24. Januar 2016, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Selbst eingefleischte ZSC-Fans hatten Mitleid mit Lars Leuenberger.
Bild: KEYSTONE

Gemeint ist der tüchtige Trainer Lars Leuenberger. «Lars, der kleine Eisbär.» Die vom Holländer Hans de Beer kreierte Hauptfigur ist ein kleiner Eisbär, der mit seinen Eltern am Nordpol lebt. Er schlittert von einem Abenteuer ins nächste und muss nicht selten von Erwachsenen gerettet werden.

So weit ist es also gekommen. Ohne jede Boshaftigkeit dürfen wir sagen: Nicht mehr die furchterregenden «Big Bad Bears» prägen die Aussenwahrnehmung des SC Bern. Sondern der «Lars, der kleine Eisbär».

Das ist wahrlich ein Grund zur Sorge.

Alle Schweizer Eishockey-Meister seit Einführung der Play-offs 1985/86

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18
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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mänu Renfer 23.02.2016 17:38
    Highlight alsp mich erfüllt das gegurke de zebe mit ehröicher schadenfreude...
    2 7 Melden
  • Vernon Roche 23.02.2016 11:46
    Highlight Bring back the Bears!
    Klaus Z. und Amboss haben völlig recht.
    Dass man als langjähriger Fan einer anderen Mannschaft mitleid haben muss mit dem SCB ist schon bedenklich..

    Gruss aus Davos
    28 2 Melden
  • Amboss 23.02.2016 11:17
    Highlight Sehr guter, und leider treffender Artikel

    Auch als Nicht-SCB Fan finde ich, ohne den grossen, bösen, furchteinflössenden SCB fehlt in unserer Liga einfach etwas.

    Und leider befürchte ich, dass dies noch längere Zeit so bleiben wird:
    Für mich wirkt alles ziemlich konzeptlos, viele Leistungsträger sind eher alt, junge scheinen kaum in den Startlöchern zu stehen -
    Ich frage sich wirklich, wie es gelingen soll, wieder ein Spitzenteam zu werden.
    Wobei: Ein guter Trainer und ein Top-Goalie und vielleicht sieht alles anders aus.
    30 3 Melden
    • Mia_san_mia 23.02.2016 12:04
      Highlight Den Top Goalie bekommen sie wenigstens :-)
      18 1 Melden
    • Eskimo 23.02.2016 12:19
      Highlight dass der SCB nicht mehr der gleiche ist steht ausser frage. Aber man muss auch bedenken dass wir eine unheimlich ausgeglichene Liga haben. Da kann es halt auch mal einen Grossen erwischen, und das ist gut so... Wer will schon eine Liga in der man bereits vor Saisonhälfte weiss dass der FC Basel Meister wird...
      14 2 Melden
    • Amboss 23.02.2016 12:20
      Highlight Vermutlich ja.
      Aber auch ein Genoni muss den hohen Erwartungen erst gerecht werden...
      6 0 Melden
    • Mia_san_mia 23.02.2016 16:41
      Highlight Ich denke Genoni wird das schon machen..
      5 1 Melden
    • Amboss 23.02.2016 17:04
      Highlight Das denke ich auch.
      Bin auch überzeugt, dass Genoni ein super Rückhalt sein wird.
      Aber auch der beste Goalie ist von den Leistungen seiner Vorderleute abhängig.
      Und wenn sie vorne so spielen wie diese Saison schafft es Genoni vielleicht, dass die Playoff-Quali nie in Frage steht. Mehr aber nicht

      3 1 Melden
    • Mia_san_mia 23.02.2016 19:08
      Highlight Ja da muss ich Dir recht geben...
      1 0 Melden
  • Ordo Malleus 23.02.2016 11:06
    Highlight Genialer Artikel, made my day! Danke Eismeister. Lars, der kleine Eisbär, hahaha, episch :D
    36 2 Melden
  • Thomas J. aus B. 23.02.2016 11:03
    Highlight Das Hauptproblem ist die fehlende Grund-Intensität. Letzte Saison hatte man diese über weite Teile noch, diese Saison bis auf sehr wenige Ausnahmen gar nicht mehr. Vor dem Trainerwechsel nicht, seither mit dem Praktikanten an der Bande ist es noch übler geworden. Intensität im Spiel bedingt einen Plan, der "verhett". Und den muss man diese Saison suchen und finden wird man ihn trotzdem nicht. Diese Saison spielt quasi jede Mannschaft das bessere Hockey als Bern.
    Deswegen wird's auch nichts mit Playoffs. Man muss schon froh sein, wenn man Rang 11 auf Distanz halten kann.
    17 1 Melden
  • Züzi31 23.02.2016 10:33
    Highlight Wann kommt "Grisu der kleine Drache", verbunden mit den Fribourgern? ;-)
    30 5 Melden
    • Schreiberling 23.02.2016 10:37
      Highlight Oder Nepomuk, der Halbdrache aus den Jim Knopf-Geschichten. "Hiii, mini Mueter isch es Nilpferd gsii". :D
      24 4 Melden
    • Pascal Mona 23.02.2016 11:46
      Highlight Vermutlich dann, wenn auch "der kleine Löwe Lambert" für den ZSC oder der kleine Tiger Daniel für Langnau kommen würde, also dann wenn die entsprechende Mannschaft deutlich unter den Erwartungen/Möglichkeiten spielt.
      15 1 Melden
  • Bruno Wüthrich 23.02.2016 10:23
    Highlight Merkt das denn keiner: Der SCB hat seit einigen Wochen nur noch ein einziges, grosses Ziel. Er verfolgt es mit aller Beharrlichkeit bis zur letzten Konsequenz. Es geht um den Gewinn der grossen, einzigartigen Berner-Meisterschaft. Obwohl in der Schweizermeisterschaft vor den beiden Kantonsrivalen klassiert, liegen die Berner bei der Addition der Begegnungen zwichen Berner-Teams nur auf Rang 2. Es führen hier die SCL Tigers mit 15 Punkten vor Bern (13) und Biel (8). Die Berner können diese grosse Meisterschaft nur noch gewinnen, wenn sie an den Playouts teilnehmen.
    65 6 Melden
  • Tikkanen 23.02.2016 10:14
    Highlight Guter Beitrag Chlöisu👍
    26 5 Melden
  • Bettina Lüthi 23.02.2016 10:12
    Highlight Also ich war vor dem Spiel schadenfreudig. Während dem Spiel habe ich mich gefragt was ist nur aus dem SCB geworden. Irgendwann im 3. Drittel taten sie mir ein bisschen Leid wie sie anliefen und versuchten etwas zu reissen ohne auch nur den Hauch einer Gefahr zu erzeugen. Als ZSC Fan wünscht man sich andere Spiele gegen Bern. Ganz neutral gesehen, hat es Bern dieses Jahr einfach nicht verdient die Playoffs zu erreichen. Zu harmlos, zu ideenlos treten sie auf und zu wenig Leidenschaft steckt in diesem Team. Wie sie sich in Zürich in ihr Schicksal gefügt haben war fast ein bisschen traurig.
    44 6 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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