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06.04.2015; Zuerich; Eishockey NLA Playoff ZSC Lions -  HC Davos; Trainer Arno Del Curto (Davos) (Daniela Frutiger/Freshfocus)

Arno Del Curto fehlt noch ein Sieg zum grössten Triumph seiner Karriere. Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

Arno Del Curtos bester Play-off-Final: Macht am Ende doch der Trainer die Differenz?

Der HC Davos übertrifft in den Play-offs alle Erwartungen und braucht nur noch einen Sieg zum 31. Meistertitel der Klubgeschichte. Es wäre der grösste Triumph für Arno Del Curto.

11.04.15, 12:48 11.04.15, 14:11


Die Behauptung, dass noch nie ein Trainer so viel Anteil an einem Titelgewinn hatte wie Arno Del Curto beim HC Davos in diesem Frühjahr, wäre gewiss ein wenig übertrieben. Aber sie hätte einen Kern Wahrheit.

Es gibt einen ganz simplen Vergleich, der uns zeigt, dass die ZSC Lions die talentiertere, also im volkstümlichen Sinne bessere Mannschaft haben. Sechs Spieler des Titelverteidigers kamen beim letzten WM- oder Olympiaturnier zum Einsatz (Trachsler, Seger, Cunti, Wick, Blindenbacher, Schäppi). Aber nur ein einziger HCD-Spieler (Ambühl). Leonardo Genoni war hinter Reto Berra bei der WM nur Ersatzgoalie. Der HC Davos hat auch nicht die besseren Ausländer.

06.04.2015; Zuerich; Eishockey NLA Playoff ZSC Lions -  HC Davos; Andres Ambuehl (Davos) schiesst gegen  Henrik Tallinder, Ryan Shannon, Ryan Keller, Torhueter Lukas Flueeler und Patrick Geering (ZC) das Tor zum 1:0 (Daniela Frutiger/Freshfocus)

Die ZSC Lions hätten eigentlich mehr Potenzial als der HCD. Aber nur eigentlich ... Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

Wie ist es möglich, dass der HCD trotzdem nur noch einen Sieg für den Titelgewinn braucht? Diese Überraschung hat einen Namen: Arno Del Curto. Der Trainer macht die Differenz. Der Chronist, der bei seinen Prognosen oft danebenliegt, hat aber auch gesagt, dieses Finale sei die Ehrenrunde für den besten Arno Del Curto aller Zeiten. Genau so ist es.

Der HC Davos hat dank der besseren Spielanlage drei Finalpartien gewonnen. Es dürfte weltweit nicht viele Teams geben, die das sogenannte «Transition Game» so perfekt spielen wie der HCD. Also das schnelle Konterspiel. Das blitzschnelle Umschalten von der Defensive auf die Offensive, um im Idealfall einen Gegner zu überrumpeln, der sich noch in der Vorwärtsbewegung befindet.

Diese Spielanlage ist Arno Del Curtos Meisterwerk. Daran arbeitet er seit 1995 Tag für Tag. Nie ist er zufrieden. Immer und immer und immer wieder fordert er noch mehr Präzision, Tempo und Intensität.

Nie zufrieden: Arno Del Curto macht seinen Mannen Feuer unter dem Hintern. gif: SRF

Ein Team aufgebaut, das gegen die Besseren gewinnt

Nie mehr seit den Zeiten von Wiktor Tichonow, dem Nationaltrainer der sowjetischen Nationalmannschaft, hat ein Trainer am gleichen Ort seine Ideen während einer so langen Zeitspanne umsetzen können. Wiktor Tichonow hatte es dabei viel einfacher als Arno Del Curto. Er konnte beim Armeesportklub ZSKA Moskau die besten Spieler des Landes per militärischem Aufgebot in seine Mannschaft holen.

Arno Del Curto muss hingegen jedes Jahr wieder neue Spieler ausbilden und in sein System integrieren. Auf diese Saison verlor er so viele bewährte Spieler (Grossmann, Bürgler, Back, Guggisberg, Rizzi), dass ein fachkundiger Beobachter zum Schluss kommen musste: Für den Titel reicht es 2015 nicht.

Der Meisterpokal, aufgenommen vor dem vierten Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem HC Davos und den ZSC Lions, am Donnerstag, 9. April 2015, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Das Objekt der Begierde: Holt der HCD den Pott in die Berge? Bild: KEYSTONE

Nun hat Arno Del Curto doch ein Team aufgebaut, das die Meisterschaft gewinnen kann. Bereits im Viertelfinal (gegen Zug) und vor allem im Halbfinal (gegen den SC Bern) besiegte der HCD Mannschaften, die nominell gleich gut oder sogar besser besetzt waren. Nun kann dieses Kunststück auch gegen die besseren ZSC Lions gelingen.

So etwas ist nur in Davos möglich

Ist der grosse NHL-Bandengeneral Marc Crawford also ein Versager, wenn ihm Arno Del Curto eine taktische Lektion erteilt und den Play-off-Final gewinnt? Wenn zum ersten Mal in der Hockeyweltgeschichte ein NHL-Bandengeneral ein Finale gegen einen Schweizer Trainer verliert? Nein.

Die ZSC Lions bieten zwar ihrem Trainer die bestmöglichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit. Aber auch dann, wenn alle alles richtig machen, ist es nicht möglich, in Zürich das gleiche Umfeld zu schaffen wie in Davos. Der HC Davos ist das einzige professionelle Hockeyunternehmen der Welt, das seinen ganzen Betrieb bereits seit dem letzten Jahrhundert (seit 1995) ganz auf seinen Trainer zugeschnitten hat.

Die Davoser bedanken sich bei ihren Fans nach dem verlorenen zweiten Playoff-Viertelfinalspiel der National League A zwischen dem HC Davos und dem EV Zug, am Dienstag, 3. Maerz 2015, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Davos ist im Schweizer Eishockey ein eigenständiger Mikrokosmos. Bild: KEYSTONE

Das ist in dieser extremen Form nur in den Bündner Bergen, in diesem «Disneyland des Hockeys» möglich. Und es funktioniert auch nur, weil der Trainer Arno Del Curto heisst. Mit keinem anderen Trainer funktioniert dieses System. Kein anderer Trainer kann über einen so langen Zeitraum mit so viel Macht richtig umgehen.

Bei jedem anderen Cheftrainer würde das «System Arno» nach ein paar Jahren zusammenbrechen – wie einst in Lugano, als John Slettvoll nach vier Titeln und neun Jahren im hockeytechnischen Sinne grössenwahnsinnig wurde und schliesslich als zornige Karikatur seiner selbst scheiterte.

Noch ist nichts entschieden

Manager Peter Zahner, sein Sportchef Edgar Salis und Trainer Marc Crawford haben alles richtig gemacht. Wenn sie scheitern, dann nicht wegen taktischer Fehler, wegen eines falschen fliegenden Wechsels, eines verpassten Time-outs oder einer verfehlten Transferpolitik. Sondern ganz einfach darum, weil beim Gegner der beste Arno Del Curto an der Bande steht.

06.04.2015; Zuerich; Eishockey NLA Playoff - ZSC Lions - HC Davos; Mathis Seger (ZSC) feuer seine Mannschaft an (Patrick Straub/freshfocus)

Matthias Seger und seine Löwen wissen, wie man Serien dreht. Bild: Patrick Straub/freshfocus

Das wäre im besten Wortsinne eine ehrenvolle Niederlage. Aber noch ist es nicht vorbei. 2012 holte NHL-General Bob Hartley nach einem 1:3-Rückstand den Titel am 17. April gegen den SCB im siebten Spiel im Berner Hockeytempel durch einen Treffer zwei Sekunden vor Schluss (2:1). Diesmal würde das siebte Finalspiel am 16. April im Hallenstadion ausgetragen.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Levimi 11.04.2015 18:38
    Highlight Del Curto ist unbestritten eine Legende! Aber bei den letzten Zwei Niederlagen der Zürcher bisher, hatte der HCD auch immer etwas das Glück auf seiner Seite!! Ein 4:1 Finalsieg wäre dieser packenden Serie mehr als unwürdig!! Ich hoffe auf sieben Spiele!!
    3 1 Melden
  • Dominik Ambühl 11.04.2015 16:05
    Highlight de arno isch e legende
    10 2 Melden
  • mukeleven 11.04.2015 15:11
    Highlight holy cow - what a blast!
    bringend de kübal wieder ind berga!
    heja HCD!
    ... sackstarki finalspiel vo beidna teams
    dangga vielmol: ZSC und HCD
    tolli leistig fuers ganzi CH-hockey.
    17 3 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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