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Hans Kossmann kann auch mal ganz schön laut werden. Bild: KEYSTONE

Fribourg in der Krise

Die Lotter-Goalies und sein Führungsstil bringen Gottéron-General Hans Kossmann in Not

Wie lange kann sich Gottéron-General Hans Kossmann noch im Amt halten? Die Parallelen zu Mike Keenan, dem «härtesten Hund» der Trainerbranche, sind beunruhigend.

30.09.14, 09:10

Ist Hans Kossmann (52) die Schweizer Antwort auf Mike Keenan (64)? Nach der 1:4-Niederlage in Zürich stellt sich diese Frage immer dringender. Der HC Fribourg-Gottéron steht jetzt nach Verlustpunkten zusammen mit den Rapperswil-Jona Lakers auf dem letzten Tabellenplatz. Sechs Niederlagen in acht Spielen. Eine arge Enttäuschung. Im Selbstverständnis ist Gottéron ein Spitzenteam und sieht sich auf Augenhöhe mit den Titanen der Liga.

Fribourg war trotz mehr Torschüssen gegen den ZSC eigentlich chancenlos. Bild: KEYSTONE

Tatsächlich war Gottéron den Zürchern optisch keineswegs unterlegen: 33:25 Torschüsse für die Freiburger. Der Teufel steckte im Detail. Die ZSC Lions spielten konstanter, verlässlicher, disziplinierter und machten weniger Fehler. Die grosse, mächtige Titelmaschine. Und erstaunlich: Die Zürcher traten leidenschaftlicher auf als die Gäste, die doch sonst für ihren «heiligen Zorn» in kritischen Situationen landesweit berühmt sind.

Aber wir sind vom Thema abgeschweift. Warum der Vergleich mit Mike Keenan? Nun, der Kanadier gilt als «härtester Hund» der Trainerbranche. Keiner faltet die Spieler so zusammen. Dabei wirkt «Iron Mike» ausserhalb der Kabine zurückhaltend, höflich und gebildet. Er setzt das Führungsprinzip des ehemaligen US-Präsident Theodore Roosevelt im Eishockey um: «Sprich sanft und trage einen grossen Knüppel bei dir, dann wirst du weit kommen.» Will aufs Eishockey übertragen heissen: Höflich gegenüber den Medien und den Klubbesitzern – aber unerbittlich im Umgang mit den Spielern.

Mike Keenan war nie ein Kind von Traurigkeit. Bild: AP CP

Mike Keenan, aktuell Trainer von Metallurg Magnitogorsk, hat mit Philadelphia und Chicago den Stanley-Cup-Final erreicht. Aber den Cup holte er nur mit den Rangers (1994). In Philadelphia, Chicago, St. Louis und Florida kam es jeweils im vierten Jahr zum Bruch, die Rangers verliess er bereits nach einem Jahr. Letzte Saison holte er mit Magnitogorsk den KHL-Titel. Nach russischen Führungs-Massstäben ist Mike Keenan wohl ein netter Onkel.

Keine Gefühlsregung nach aussen

Hans Kossmanns Wesen und Wirken mahnt stark an Mike Keenan. So wie er tobt bei uns keiner in der Kabine und im Einzelgespräch. Nicht Arno Del Curto, nicht Guy Boucher, nicht Marc Crawford und nicht Chris McSorley.

Wie Mike Keenan ist auch der «eiserne Hans» dazu in der Lage, seine Spieler an die Belastungsgrenze zu treiben. Fachtechnisch und taktisch ist er über alle Zweifel erhaben. In den letzten drei Jahren erreichte der kanadisch-schweizerische Doppelbürger mit Gottéron die Ränge drei, eins und zwei plus 2013 das Playoff-Finale gegen den SC Bern. Nur während der «Belle Epoque» mit Slawa Bykow in den 1990er-Jahren war Gottéron noch erfolgreicher.

Wie Mike Keenan ist auch Hans Kossmann ein guter Kommunikator. Er parliert fliessend Französisch und Deutsch und spielt in Fribourg auf den lokalen Medien wie auf einer Fidel. Wer so sanft redet, kann doch gar nicht so böse mit den Spielern sein. Nach der Niederlage im Hallenstadion liess er sich keine Gefühlsregung anmerken und brachte geschickt die Entschuldigungen vor, die wir von allen Trainern in dieser Situation kennen.

Hans Kossmann will kein harter Hund sein. Bild: Andy Mueller/freshfocus

Man habe gut gespielt und die Tore halt nicht gemacht. Im September sei noch nie ein Titel verspielt worden. Einige Spieler seien wegen Verletzungen in der Vorsaison noch nicht in Form. Und so weiter und so fort. Wenn seine Spieler solche Entschuldigungen vorbringen würden, dann ginge Hans Kossmann durch die Decke.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich Hans Kossmann keineswegs als Schweizer Antwort auf Mike Keenan sieht. Der «eiserne Hans» sagt sogar: «Ich kann mir nicht erklären, wie Sie darauf kommen, mein Führungsstil als hart zu bezeichnen und mich mit Mike Keenan zu vergleichen.» Als wolle er einen Beweis für kuschligen Führungsstil liefern, sagt er auch: «Am Dienstag habe ich den Spielern frei gegeben. Sie sollen sich jetzt etwas erholen.» Ob von den Anstrengungen oder von ihrem Trainer hat er nicht gesagt.

Die Gottéron-Spieler geniessen am Dienstag einen freien Tag. Bild: KEYSTONE

Hans Kossmanns Bewunderer sagen, nur er sei mit seiner unerbittlichen Härte dazu in der Lage, den welschen Schlendrian auszutreiben. Die guten Resultate der letzten drei Jahre seien ausschliesslich mit diesem ganz besonderen Führungsstil möglich geworden. Seine Kritiker hingegen monieren, er übertreibe es. Im vierten Amtsjahr beginne sich dieser extreme Führungsstil abzunützen.

Fatale Fangquoten

Aber möglicherweise wird Hans Kossmann nicht an seinem Führungsstil scheitern. Die Torhüter könnten sein Schicksal werden. Um den Ehrgeiz des genügsamen welschen Jahrzehnttalents Benjamin Conz (23) anzustacheln, hat er den Junioren-Nationaltorhüter Melvin Nyffeler (19) von den ZSC Lions geholt. Das Resultat ist vorerst verheerend: Beide haben Fangquoten von unter 87 Prozent (Conz 86,53, Nyffeler 86,42).

Wenn der Torhüter nicht mindestens 90 Prozent der Schüsse hält, kann seine Mannschaft fast nicht gewinnen. Auch beim 1:4 gegen die ZSC Lions war Benjamin Conz mit einer Fangquote von 84,00 Prozent ein Lottergoalie. Mit Conz und Nyffeler drohen Gottéron ganz unabhängig vom Führungsstil des Trainer die Playouts.

Alles andere als ein sicherer Rückhalt: Gottéron-Goalie Benjamin Conz. Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

Bei Mike Keenan kamen die Schwierigkeiten in der Regel in der 4. Saison. Nun steht auch Hans Kossmann bei Gottéron im kritischen vierten Amtsjahr. Soeben hat ihm der Verwaltungsrat den Vertrag als Trainer und Sportchef bis Ende der nächsten Saison verlängert. Aber inzwischen sind nicht mehr alle davon überzeugt, dass Hans Kossmann im Frühjahr 2016 noch bei Gottéron an der Bande stehen wird.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Yotanke 30.09.2014 13:03
    Highlight Die Frage ist, wer S. Simpson zuerst aus dem Ruhestand holen wird. Fribourg oder Flyers. Wahrscheinlich wird es Fribourg sein, weil in Kloten Fige eine "heilige Kuh" ist. Obwohl in Kloten sämtliche Spieler ausser Form sind und Kloten die einzige Mannschaft ist, die keine Anpassung an Ihrem Spiel vorgenommen hat, obwohl die neuen Regeln (grösseres Angriffsdrittel) förmlich nach Anpassungen schreien.Der Fachverstand von Fige muss somit angezweifelt werden. Letztes Jahr konnte die Mannschaft die fehlende Intelligenz von Fige noch kaschieren. Mit den Regeländerungen werden die nun offensichtlich.
    8 1 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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