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Biel bodigte die Lions gestern zum dritten Mal in dieser Saison. Bild: KEYSTONE

Gibt es eine Verschwörung gegen Kloten?

Elvis Presley lebt nicht mehr und Biel kann auf dem Planeten Playoff landen

Nach zwei Siegen gegen Kloten verlieren die ZSC Lions ausgerechnet in Biel 2:3. Gibt es eine Verschwörung gegen die Kloten Flyers? Eine berechtigte Frage. Die Suche nach Antworten ist interessant und fördert ein paar seltsame Begebenheiten ans Tageslicht.

17.01.15, 10:02 17.01.15, 15:19

Es gibt eine lange Liste von interessanten Verschwörungstheorien. Angeblich waren die Amerikaner nie auf dem Mond und haben die Landung auf dem Erdtrabanten bloss in einem Hollywood-Studio inszeniert. In einem Hangar auf der amerikanischen Luftwaffenbasis Wright-Patterson in der Nähe von Dayton (Ohio) lebt angeblich ein Ausserirdischer. Und Elvis Presley soll immer noch leben.

Nun können wir diese Liste um eine Einheit erweitern: Es gibt eine Verschwörung gegen den Milliardär Philippe Gaydoul. Es gibt Fakten, die das vermuten lassen.

Erst die Aufhebung vom Euro-Mindestkurs um sein Vermögen zu schädigen. Und nur einen Tag später der Versuch sein Hockeyunternehmen – die Kloten Flyers – durch dunkle Machenschaften in die Abstiegsrunde zu versenken. Die ZSC Lions haben nämlich zweimal hintereinander gegen Kloten gewonnen (4:2 und 3:2) und nun in Biel (absichtlich?) verloren. Damit die Bieler auf Kosten von den Flyers die Playoffs schaffen.

Biel oder Kloten? Das Ringen um die Playoff-Plätze ist mitten in der heissen Phase. Bild: KEYSTONE

Gibt es tatsächlich eine Verschwörung gegen Kloten? Der Amerikaner Dan Brown schreibt «Kirchenthriller» über allerlei dunkle Machenschaften («Illuminati», «Sakrileg»). Er ist also einer der berühmtesten Verschwörungstheoretiker. Nehmen wir mal an, er wäre von Einzelrichter Reto Steinmann nach Biel entsandt worden um die Partie auf allfällige Verschwörungen zu untersuchen. Die Fragestellung ist einfach: Haben die Zürcher, immerhin Schweizer Meister, absichtlich 2:3 verloren?

Nun, die Löwen wirkten vor allem im Mitteldrittel, als sie noch 1:0 führten und zu gewinnen drohten (der 1:1-Ausgleich fiel in der 30. Minute), irgendwie lustlos. Die Abschlussversuche zaghaft. Das Abwehrverhalten nachlässig. Und den zweiten und dritten Treffer hätte Torhüter Niklas Schlegel verhindern können. Er musste nach dem 1:3 seinen Platz Luca Boltshauser überlassen. Trainer Marc Crawford war ganz und gar nicht zufrieden und monierte nach dem Spiel vor allem im Mitteldrittel Lauffaulheit und viel zu wenig direktes Spiel.

Biel hat den besseren Torhüter

Also genug Indizien für die Erhebung einer Anklage bei Einzelrichter Reto Steinmann wegen Verdacht auf Verschwörung. Was käme dabei heraus? Ein Freispruch von erster Klasse. Denn Reto Steinmann würde beim Videostudium sofort sehen, dass die ZSC Lions in den beiden vorangegangenen Partien gegen die Kloten Flyers zwar gewonnen, aber keineswegs besser gespielt haben als nun in Biel. Die Seeländer waren eben viel besser als die Kloten Flyers. Deshalb haben sie richtigerweise 3:2 gewonnen.

Trotz schwacher Fangquote: Lukas Meili kann Spiele im Alleingang gewinnen. Bild: KEYSTONE

Schon beim Vergleich von den Torhütern wird klar, dass es keine Verschwörung geben kann. Lukas Meili von Biel spielte gegen die ZSC Lions – wie schon beim 5:1 in Bern – famos. Er ist halt eine Nummer grösser als Jonas Müller von Kloten. Die Statistik sagt zwar etwas anderes. Die Saison-Fangquote von Jonas Müller (88,66 %) ist besser als die von Lukas Meili (87,67 %).

Aber was die Statistik verschweigt: Der letzte Mann von Biel ist ein Goalie, der ab und zu ein Spiel für seine Mannschaft gewinnt. Jonas Müller hingegen verliert ab und zu ein Spiel für seine Mannschaft. Kommt dazu: Die ZSC Lions hatten ja den Kloten Flyers am letzten Sonntag eine 2:0-Führung geschenkt. Nur wussten diese damit im Schlussdrittel nichts anzufangen. Selbst Dan Brown würde sagen: Nein, keine Verschwörung. Nicht im Vatikan und nicht in der Nationalliga A.

Wetzel, der «Seeland-Messier»

Die Bieler überzeugten einmal mehr mit Leidenschaft und Disziplin und defensiver Organisation und starker und schon fast charismatischer physischer Präsenz. Sie stecken den Ausfall von Topskorer Per Arlbrandt und Ahren Spylo weg und setzten erstmals ihren neuen Kandier Jérôme Samson ein – der allerdings kraftlos spielte wie ein kahl geschorener alttestamentlicher Samson – und siegten verdient.

Wieder einmal war der ehemalige SCB-Junior Philipp Wetzel, ein smarter und wehrhafter Riese mit erstaunlich feinen Händen (198 cm und 104 kg), auch dank seiner schier unheimlichen Kampfkraft der wahre Leitwolf bei den Bielern. Ein «Seeland-Messier».

Philipp Wetzel überragt in Biel derzeit alle. Bild: KEYSTONE

Was auch gegen eine Verschwörungstheorie spricht: Es war bereits der dritte Sieg von Biel gegen den Meister in dieser Saison nach dem 3:2 n. P. am 20. September und dem 3:2 n. V. am 18. November 2014 – Siege zu einem Zeitpunkt, als noch gar niemand auf den Gedanken um eine Verschwörung kam.

Es ist, wie es ist: Elvis Presley lebt nicht mehr und die Amerikaner waren auf dem Mond und in Wright-Patterson lebt kein Ausserirdischer und vielleicht werden die Bieler sogar auf dem Planeten Playoff landen. Sie haben jetzt neun Punkte Vorsprung auf Kloten.

Biel noch nicht durch – wie lange bleibt Simpson?

Neun Punkte sind auf den ersten Blick viel. Aber auf den zweiten Blick eben nicht. Die Kloten Flyers spielen noch zweimal gegen die Lakers (17. und 20. Februar). In diesen zwei Spielen wird es mehr oder weniger sechs Gratispunkte geben. Zudem hat es Kloten am 13. Februar in der Hand, in der Direktbegegnung Biel drei Punkte abzuknöpfen. Auch wenn nur noch 12 Partien zu spielen sind – die Bieler sind noch nicht in Sicherheit.

Sean Simpson muss sich dringend etwas einfallen lassen, wenn er seine Flyers noch in die Playoffs führen will. Bild: KEYSTONE

Wenn es in Kloten eine Kontinuität in der Geschäftspolitik gäbe, wäre jetzt wieder eine Trainerentlassung fällig. Tomas Tamfal musste in der Schlussphase in der Saison 2012/13 nach einer Serie von vier Siegen in zehn Spielen (darunter ein 12:0 gegen die Lakers) gehen. Zu diesem Zeitpunkt stand die Mannschaft noch auf Platz 8. Felix Hollenstein ist diese Saison nach zwei Siegen in vier Spielen ebenfalls auf dem 8. Platz des Amtes enthoben worden.

Der neue Trainer Sean Simpson hat bereits sechs von den letzten sieben NLA-Spielen verloren und wird noch immer im Amt gehalten. Spass beiseite – die Krise bei den Kloten Flyers ist bitterer Ernst. Kein Schelm, wer wettet, dass Sean Simpson seinen Dreijahresvertrag nicht erfüllen wird.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Darkside 18.01.2015 05:31
    Highlight Manchmal mögen gewisse Ereignisse auf dem Eis komisch aussehen. Aber dennoch, ich behaupte kein Team hat je absichtlich ein Spiel verloren. Und ich bin mir sicher dass Zaugg das auch weiss und hier einfach seine übliche Polemik, die ich im Übrigen durchaus zu schätzen weiss da sie unterhaltsam ist, zum Besten gibt. Im Übrigen gibt es keinen einzigen Grund warum der Z absichtlich gegen Biel verlieren sollte. Um den Qualisieg geht es nun wirklich nicht, einzig um den Heimvorteil und den hat der Z eh schon auf sicher. Was sollte ihn also Biel oder Kloten kümmern.
    3 0 Melden
  • BillieJoe 17.01.2015 20:33
    Highlight Alles schön und gut, aber der Schwedische Topscorer heisst PÄR Arlbrandt! Ansonsten schön zu lesen, der Artikel! :-)
    1 0 Melden
  • Senftube 17.01.2015 11:50
    Highlight Treffend analysiert, Klaus. Und in den Schlussminuten hat der Z' nocheinmal ordentlich gepowert, den Goalie rausgenommen und die über 4000 Bieler Fans zum zittern gebracht. Nichts da, von Verschwörung und kein Vergleich zum 7:0 vor 2 Jahren. Damals durfte man durchaus rätseln, ob die Zürcher die Provokation von Kloten ("der ZSC solle gegen Biel gefälligst mit voller Kraft spielen...") nicht goutiert und extra verloren haben. Nicht so gestern, Biel hat verdient und doch auch glücklich gewonnen. PS: Samson, ausgepsrochen wie "ohne Ton" auf Französisch ("sans son") heisst Jérôme nicht Jordane.
    10 1 Melden
  • manolo 17.01.2015 10:12
    Highlight ha ha ha klaus du bist ein Märchenerzähler!
    5 11 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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