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Die Visper Fans aus dem Wallis jubeln, nach dem Sieg im 7. Playoff-Halbfinal-Spiel der NLB, zwischen dem SC Langenthal und dem EHC Visp, am Sonntag, 23. Maerz 2014, in der Schorenhalle in Langenthal. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Bild: KEYSTONE

Liga-Qualifikation

Biel noch eine Niederlage vor der Panik – Visp wie vor 52 Jahren

52 Jahre nach dem einzigen Titel (1962) und 15 Jahre nach dem «Weltuntergang» sorgt Visp wieder für nationale Aufmerksamkeit. Biel steht noch eine Niederlage vor der Panik. 

14.04.14, 13:31 14.04.14, 14:37

Der sportliche Weltuntergang fand vor 15 Jahren statt. Der Jahrgang 1999 gilt im Walliser Sport nicht als «Grand cru». In diesem Jahr sorgt ein Schweizer Rekord für nationale Schlagzeilen. Leukerbads Kommunalpolitiker stellen mit Schulden in der Höhe von 360 Millionen einen Schweizer Rekord auf. 

Im Herbst des gleichen Jahres zieht das Hockey-Team aus dem gleichen Dorf seine Nennung für die Erstliga-Meisterschaft zurück. Es fehlen 75 000 Franken in der Kasse. Und in der Hauptstadt Sion erlischt vorübergehend der fussballerische NLA-Wirbel im Tourbillon. Der FC Sion steigt in die NLB ab. Schliesslich verliert das Wallis im Juni 1999 auch noch die Olympiabewerbung für 2006 gegen Turin. 

Utopisches Plakat.  Bild: KEYSTONE

Ein Stern geht im Wallis auf

Just in diesen struben Zeiten beginnt einer der Fixsterne des Walliser Sportes wieder zu leuchten – und ist bis heute nicht mehr erloschen. Nach 14 Saisons (!) in der 1. Liga kehrt Visp 1999 in die NLB zurück. Aber die Rückkehr in die NLA ist dem Kanton Wallis bis heute noch nicht gelungen. Sierre hat die höchste Spielklasse 1991, Visp bereits 1972 verlassen. Sierre spielt nach einem Konkurs inzwischen in der 3. Liga.  

Die Helden in Visp zwischen NLA-Aufstieg (1960), Titel (1962) und Abstieg (1972) sind bis heute unvergessen: Torhüter Werner Bassani und das offensive Dreigestirn Kurt Pfammatter, Walter Salzmann und Herold Truffer. Dieses Trio erwarb eine Popularität, von der später selbst ein Bundesrat wie Roger Bonvin oder ein Sozialist wie Peter Bodenmann nur träumen konnte. 

Walter Salzmann hat für Visp das erste (gegen Davos) und das letzte NLA-Tor für Visp (gegen Ambri) erzielt. Dazwischen 117 andere. Zeitweise bildeten die fünf Brüder Amandus, Otto, Richard, Anton und Erwin sowie ihr Cousin Herold Truffer das Herzstück der Mannschaft.

Fifa-Präsident Blatter erinnert sich.

Die regionale Hockeykultur-Vielfalt als Hürde

Eigentlich wäre eine Rückkehr des führenden Walliser Hockeyunternehmens in die höchste Liga logisch. Fast ein Drittel der spielerischen Ressourcen der Romandie entfallen auf das Wallis. Die Ablenkung durch neumodische Freizeitangebote ist geringer als in urbanen Zentren.

Die Walliser werden nicht von ungefähr mit den Bernern verglichen, als «chächi» (gesunde) Burschen angesehen, die dem Zweikampf entlang der Bande mutig entgegengehen. Die Emotionen für das Eishockey lodern. 

Aber es ist bis heute nicht gelungen, die regionale Hockeykultur-Vielfalt mit zeitweise drei NLB-Teams (Visp, Sierre, Martigny) zu überwinden. Der HC Wallis, der wohl um den Titel spielen könnte, ist nach wie vor nicht über den Stand eines Sitzungsthemas hinausgekommen. Allerdings reift inzwischen auch bei den russischen Investoren in Martigny der Gedanke, dass es Sinn machen würde, alle Kräfte in Visp zu bündeln. 

Bild: KEYSTONE

Spannende Liga-Qualifikation

Ein Zusammenschluss wäre auch im Interesse der Nachwuchsförderung. Dann wäre es möglich, auch im Wallis ein Elite-Juniorenteam zu führen. In den zwei höchsten Juniorenligen (Elite, Novizen) sind die Walliser nicht vertreten. 

Nun bringt Visp in der Liga-Qualifikation auch ohne Unterstützung des restlichen Wallis Biel ins Wanken. Der bessere Torhüter (Matthias Schoder) und die grössere Leidenschaft heben die Mannschaft auf Augenhöhe mit dem NLA-Letzten. Anders als bei der Liga-Qualifikation 2011 gegen Ambri (1:4 verloren) ist diesmal Entschlossenheit da, den Aufstieg zu wagen. 

Wallis, ein Kanton bekannt für Berge und leidenschaftliches Eishockey. Bild: KEYSTONE

Kevin Schläpfer hat wieder einen vollen Energietank

Biel steht nach dem 2:5 in Visp noch eine Niederlage vor der Panik. Sportchef Martin Steinegger erweist sich jetzt wohl als Glücksfall. Der «schlachterprobte» Haudegen, einst auch charismatischer Leitwolf beim SC Bern, bleibt in der Krise ein Pragmatiker. Er hat sich am Sonntag noch einmal lange mit seinem Trainer Kevin Schläpfer unterhalten und ist überzeugt, dass die Mannschaft mit diesem Trainer aus der Krise herauskommen kann. 

Bild: KEYSTONE

«Kevin war während der Saison einige Male nicht so gut drauf. Aber jetzt ist er wieder da und er hat die Energie, um diese Krise zu meistern». Er geht davon aus, dass die Autorität des Cheftrainers ungebrochen bleibt, wenn der Liga-Erhalt gelingt. «Wir werden nach dieser Saison einiges zu besprechen haben. Aber der Trainer wird nicht das Thema sein». Die Serie steht 1:1. 

Biel kann mit Siegen in den vier Heimspielen den Ligaerhalt sichern. Das müsste doch zu schaffen sein. Aber das haben die Langenthaler im NLB-Halbfinale und die Langnauer im NLB-Finale gegen Visp auch gedacht.  

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Senftube 15.04.2014 08:17
    Highlight Lieber Hr. Zaugg, kein Journalist in der Schweiz, beschreibt die hiesige Hockeyszene so amüsant, pikant, provokativ und doch meistens tiefgründig durchleuchtet wie Sie und nennt die Dinge beim Namen, was Ihnen wohl nicht nur Freunde gebracht hat. Der windschlüpfrige Gel-Kopf und der polternde Bier & Wurstverkäufer mögen Sie deswegen wohl auch nicht besonders.
    Daher fände ich es sehr interessant, wenn Sie sich einmal ihre Berufskollegen und deren Medien vorknöpfen würden und die Qualität von gewissen, sog. "Hockeyexperten" vorknöpfen würden.
    Besonders die beiden Pausenclowns bei Teleclub, Samuelson & Ruhnke (alias Waldorf & Stattler) gehen mir zuweilen mit ihrem schäbigen Biel und Schläpferbashing mächtig auf den Wecker. Der eine ist ein mieses Würmchen, welcher seine Entlassung noch heute nicht verdaut hat (ganz im Gegensatz zu Ehlers, der sich stets wie ein Gentleman verhalten hat), der andere ist einfach ein elender Schnurri der seine Meinung von Morgans bis Abands ändert wie die Fahne im Wind. Aber auch die Reporterqualitäten gewisser Möchtegernhockeykommentatoren von Teleclub sind ein Graus. Keine Ahnung von Hockey und Taktik und am Ende der Partie hat der Sieger immer alles richtig gemacht und die Verlierer sind immer die Dummen.... Kein Vergleich zu Kommentatoren in der NHL, welche auch mit viel mehr Emotionen bei der Sache sind, als die faden TV-Schnurris, die nicht viel mehr sind als vokabulare Hintergrundberieselung.
    Danke im Voraus bestens! RNR


    2 0 Melden
  • Mean Machine 14.04.2014 20:11
    Highlight Hinnsichtlich auf die neue Saison wäre Biel für die NLB viel attraktiver als Visp. Mit Biel, Langenthal, Langnau und Olten wären 4 Mittelland-topteams an der Spitze die den Titel wohl unter sich ausmachen würden.

    Oder die " Mittelland-NHL " würde noch stärker werden. Wie es KZ so schön zu sagen pflegt ;) .
    4 3 Melden
  • Steve Rogers 14.04.2014 19:16
    Highlight Egal wie. Das B bei EHCB steht für National League B !
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  • TheManOfSteel 14.04.2014 14:32
    Highlight Die Serie ist praktisch schon entschieden.

    Biel begeht momentan die gleichen fatalen Fehler wie Langnau vor einem Jahr. Man hält am Trainer fest. Ich stelle auch andere Parallelen fest. Torhüterposition, erstes Spiel "locker" gewonnen und sich in falscher Sicherheit gewiegen, etc...

    Das ein Trainerwechsel jetzt auch nichts mehr bringt hat man in Langnau auch gesehen. Deswegen muss man schon fast auf ein Wunder (Heimsieg, Break folglicher Stand von 3:1) der Bieler hoffen.

    Ich hoffe, dass die Bieler es trotzdem irgendwie schaffen. Wäre für beide Ligen schade um die jeweiligen Vereine. :P
    5 5 Melden
    • BillieJoe 14.04.2014 15:33
      Highlight Wieso soll diese Serie nach 2 Spielen bereits entschieden sein? Biel hatte damals in einer Liga-Quali gegen Genf auch 2 Spiele gewonnen und trotzdem nie wirklich eine Chance gehabt! Wer die Spiele gesehen hat, hat auch gesehen, dass die Bieler eigentlich konstant überlegen waren. Das Spiel hat sich praktisch nur im Drittel der Visper abgespielt. Nur hat den Bieler die Effizienz gefehlt. Diese hatten dafür die Walliser! Aber so viel Glück werden die Visper nicht in allen Spielen haben. Ausserdem bin ich überzeugt, dass Visp nicht unbedingt aufsteigen will - Keine Geld, kein Stadion, zu wenige Fans!
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    • Against all odds 14.04.2014 16:02
      Highlight Es braucht absolut kein Wunder! Das einzige was es braucht ist eine konzentrierte Leistung und eine einigermassen brauchbare Chancenauswertung ...und vielleicht ein bisschen Pech auf Visper Seite ;-)
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    • filmorakel 14.04.2014 16:15
      Highlight Ich denke auch, dass die Serie schon praktisch entschieden ist - allerdings sehe ich das andere Team im Vorteil.

      Visp wird über 7 Spiele wohl kaum 4 Mal als Sieger vom Eis gehen, dafür reicht im Wallis die Qualität meiner Meinung nach nicht aus. Klar hat sich Biel bislang nicht direkt mit Ruhm bekleckert - doch am Ende wird's wohl doch reichen.
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    • Senftube 15.04.2014 07:47
      Highlight Ein Vergleich mit dem SCL hinkt in jeder Hinsicht. Biel hat Visp nie unterschätzt oder sich in falscher Sicherheit gewähnt. Wie Peter unmissverständlich vor dem 2. Spiel bemerkte, war man sich der grossen Heimstärke von Visp mit dem frenetischen Publikum und den "eckigen" Banden der Litterna bewusst, aber fand leider kein Mittel und hatte auch Pech. Schläpfer machte auch nicht den gleichen Fehler wie Langnau, welches andauernd den Torhüter wechselte. Schläpfer ist zudem der bessere Kommunikator als der holprige Kölliker. Und noch ein Vergleich der hinkt: Visp ist nicht Lausanne!
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Das denken die Kloten-Fans von Hollenstein. Und er reagiert, naja: eiskalt

Servette holt einen wichtigen Zusatzpunkt im Strichduell gegen Ambri. Auch Langnau, Lausanne und Biel holen Siege im Kampf um die Playoffs.

Kloten ist nach 25 Runden bei 18 Niederlagen angelangt. Der siebtplatzierte EHC Biel hingegen erreichte beim 3:2 gegen den Tabellenletzten im zweiten Spiel unter Interims-Coach Martin Steinegger den zweiten Sieg.

Zu reden gab aber vor allem die Fan-Akton gegen Denis Hollenstein. Er meinte ziemlich trocken: «Ich muss Profi bleiben. Ich war lange in Kloten. Der Wechsel ist vielleicht etwas speziell. Aber so ist das Business.»

Im Derby gegen die ZSC Lions (1:4) war Kloten mit einer Gegentor-Triplette …

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