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Reto Berra, Raphael Diaz, Nino Niederreiter, Mark Streit, Jonas Hiller, Yannick Weber und Roman Josi: Die Wege in die NHL waren unterschiedlich, aber es zeichnet sich ein Trend ab. Bild: PHOTOPRESS

Geduld zahlt sich aus

Welches ist für Schweizer der Königsweg in die NHL? 

Die verschiedenen Schicksale der Schweizer in der NHL provozieren einmal mehr die Frage nach dem «Königsweg» in die wichtigste Liga der Welt.

11.12.14, 11:11 11.12.14, 11:57

Für einen talentierten Schweizer Spieler gibt es grundsätzlich zwei Wege in die NHL. Er kann früh in nordamerikanische oder skandinavische Juniorenligen wechseln und über einen frühen Draft in die NHL kommen. Oder er schliesst seine spielerische Entwicklung in der Schweiz oder in einer anderen europäischen Liga ab und wechselt nach dem 23. Altersjahr sozusagen auf dem «zweiten Bildungsweg» in die NHL. 

Welcher Weg ist der bessere? Diese Frage nach dem «Königsweg» beschäftigt inzwischen eine ganze Schweizer Spielergeneration. Beide Wege können zum Ziel führen.  

Mark Streits NHL-Karriere dürfte für einen Schweizer einzigartig bleiben. Bild: Kostas Lymperopoulos/freshfocus

NLA lockt NHL-Scouts an

Mark Streit hat es auf dem «zweiten Bildungsweg» zum bestverdienenden Schweizer Spieler aller Zeiten gebracht. Nach einem ersten gescheiterten Anlauf in den Farmteamligen wechselte er erst im Alter von 28 Jahren direkt und ohne weiteren Umweg übers Farmteam in die NHL (zu Montréal). Jonas Hiller, Reto Berra, Martin Gerber, Damien Brunner und Raphael Diaz stiegen ebenfalls nach Abschluss ihrer spielerischen Ausbildung in Europa als «fertige» Spieler direkt in die NHL ein. 

Die NLA ist inzwischen so gut, dass ein dominierender NLA-Spieler von den NHL-Talentsuchern beachtet wird. Wer sich an der WM durchsetzt, hat noch bessere Chancen – denn die meisten Spieler an einer WM kommen ja aus der NHL. 

Jonas Hiller wechselte als «fertiger» Spieler in die NHL. Das ist bei Goalies eher möglich. Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

Torhüter besser über die NLA, Feldspieler über Draft

Nino Niederreiter, Luca Sbisa, Yannick Weber, Mirco Müller, Sven Bärtschi und Sven Andrighetto haben sich in einer der drei grossen nordamerikanischen Juniorenliga bewährt, sind durch den Draft gegangen und so in die NHL gekommen. Roman Josi war beim SCB schon mit 20 der smarteste Verteidiger der NLA und kam in den Draft. Bevor er in der NHL zum Star und Dollar-Millionär wurde, spielte er erst einmal eine ganze Saison im Farmteam. Kevin Fiala wird über den Umweg Schweden (Junioren und höchste Liga) ebenfalls in der NHL ankommen. 

Was lernen wir daraus? Für Torhüter ist der «zweite Bildungsweg» aus der NLA direkt in die NHL gut machbar. Für Feldspieler ist es hingegen besser, über die Junioren oder im Juniorenalter den längeren Weg in die NHL zu gehen. Eine Garantie ist auch das nicht. Viele Schweizer, die sich in den nordamerikanischen Juniorenligen bewährten, sind nicht in die NHL gekommen. Aber für eine Karriere in der NLA reicht es allemal (z.B. Alain Berger, Lino Martschini, Timo Helbling, Tim Ramholt, Roman Wick, Denis Hollenstein, Robert Mayer oder Daniel Manzato). 

Früher Draft kann entscheidend sein

Ein früher Draft (1. oder 2. Runde) kann entscheidend sein. Nino Niederreiter geriet bei den New York Islanders in die Sackgasse. Aber als Erstrundendraft hatte er so viel Prestige, dass sein Agent Andy Rufener einen Transfer provozieren konnte. Der Wechsel zu Minnesota hat diese Karriere gerettet und soeben hat Nino Niederreiter mit Minnesota gegen die Islanders den Siegestreffer erzielt (5:4). 

Ein General Manager kann einen Transfer eines anderorts ausser Traktanden gefallenen Erstrunden-Draftes immer verantworten. Mit dem Hinweis, es sei ein Spieler mit einem enormen Potenzial und ein Versuch lohne sich. Aber wie das Beispiel von Michel Riesen zeigt, ist auch ein Erstrunden-Draft keine Garantie für eine NHL-Karriere (er versauerte in der Organisation der Edmonton Oilers).

Das dürfte auch Sven Bärtschis Karriere retten. Er steckt in Calgary in einer ganz ähnlichen Situation wie Nino Niederreiter damals bei den Islanders. Die Chancen, dass auch er seine Karriere durch einen Transfer retten kann, stehen sehr gut. Denn auch er ist ein Erstrunden-Draft und es wird sich ein anderer General Manager finden, der bereit ist, ihm eine zweite Chance zu geben. Auch Luca Sbisa und Yannick Weber haben bereits mehrere Transfers hinter sich – sie gehören inzwischen zum System. 

Sven Bärtschi (r.) muss zwar leiden, aber er dürfte eine gute NHL-Karriere hinlegen. Bild: X02835

Die schwierige Situation von Brunner und Diaz

Damien Brunner, der direkt aus der NLA nach Nordamerika wechselte, ist inzwischen bei den New Jersey Devils nach vielversprechendem Beginn im Farmteam gelandet. Raphael Diaz ist in seiner vierten NHL-Saison in Calgary nach wie vor bloss ein «Joker». 

Brunner und Diaz haben keine Junioren-Vergangenheit in Nordamerika und wenig politisches Gewicht und Prestige durch einen frühen Draft. Sie haben in jeder Beziehung einen geringeren Stellenwert. Bei sportlicher Durchschnittsleistung bedeutet dies oft das Ende einer NHL-Karriere. Andres Ambühl ist als Direkteinsteiger in der Organisation der New York Rangers buchstäblich im Farmteam versauert. 

Damien Brunner hat es als Direkteinsteiger schwer in der NHL. Bild: Pius Koller/freshfocus

Top-Agent rät zum frühen Wechsel, warnt aber auch

So zeichnet sich inzwischen ab: Torhüter können auf dem direkten Weg NHL-Dollarmillionäre werden. Wer sich hingegen als Feldspieler bereits in den nordamerikanischen Juniorenligen bewährt und früh in den Draft kommt, hat bessere NHL-Karriere-Chancen. Der «zweite Bildungsweg» führt bei Feldspielern nur in Ausnahmefällen zu einer dauerhaften NHL-Karriere und Dollar-Millionen. 

Andy Rufener, der mehr Schweizer in die NHL gebracht hat als jeder andere Agent, ist ein Befürworter des Weges durch die Junioren-Ligen. Er warnt aber auch: «Der Schritt nach Nordamerika oder Skandinavien im Juniorenalter muss sehr gut überlegt sein und macht nur Sinn, wenn einer wirklich von diesem Abenteuer überzeugt ist und die dazu erforderliche persönliche Reife und mentale Stabilität hat.»

Kevin Fiala: Über Skandinavien nach Nordamerika. Bild: Simon Hastegard/freshfocus

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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