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Der ehemalige Langnau-Spieler Todd Elik diskutiert mit dem Schiedsrichter. Wie verhält sich Elik als Trainer? Bild: KEYSTONE

Ehemaliger Kultspieler nun Trainer in St. Imier

Todd Elik in der Provinz – kann dieses Abenteuer gut gehen? 

Er stürmte einst mit Wayne Gretzky und sass mit Hollywood-Stars zu Tische. Jetzt ist er als Trainer in St. Imier, in der tiefsten Hockeyprovinz, gestrandet. Wann bricht Hockey-Rockstar Todd Elik (48) aus dieser engen Welt aus?

25.09.14, 07:07

Er war in der NHL kein Superstar. Aber er hat in der wichtigsten Liga der Welt immerhin exakt 500 Spiele bestritten. Und Charisma hatte er im grossen Hockeyspektakel auch in Nebenrollen. Wie zu Beginn der 1990er Jahre, als die Los Angeles Kings zum ersten Höhenflug ihrer Geschichte ansetzten und selbst in Hollywood en vogue waren. In diesem Team stürmte Todd Elik zeitweise neben Wayne Gretzky. Dem Grössten aller Zeiten.

Todd Elik in St. Imier? Das lag damals, als ich ihn zu Beginn der 1990er Jahre im Great Western Forum sah, ausserhalb meiner Vorstellungskraft. Aber die Wirklichkeit übertrifft im Eishockey jede Fiktion.

Das Gesicht verrät, dass Elik schon viel (Eishockey) erlebt hat. Bild: PHOTOPRESS

Kultspieler mit zwei Gesichtern

Todd Elik stürmte zwischen 1997 und 2010 für Lugano, Langnau, Zug, Davos, Langenthal und Thurgau. Er genoss Kultstatus. Denn er war nicht nur ein exzellenter, eigenwilliger, unberechenbarer und bisweilen genialer Spieler, der im Alleingang Partien entscheiden konnte. Er war mehr als ein Spieler. Er inszenierte Hockey. Er verkörperte das Böse und das Gute, lehnte sich als Rebell gegen vermeintliches und echtes Unrecht auf. In 315 NLA-Partien hat er 1274 Strafminuten abgesessen.  

2010 kehrt er nach Nordamerika zurück. Er trainiert Juniorenteams und arbeitet in Regina in einem Stahlwerk. «Die Arbeit war höllisch. Zwölf Stunden am Tag. Aber die Bezahlung gut.» Er erinnert sich wieder die guten Zeiten in der Schweiz. Schliesslich gelingt es dem Spieleragenten Ludwig Lemmenmeier Todd Elik einen Job als Trainer beim Erstligisten St. Imier zu vermitteln. Dort ist Todd Elik am 26. August 2014 eingetroffen. Der HC St. Imier ist sein erster Job als Trainer von Erwachsenen. Der erste Trainerjob im richtigen Hockey.

St. Imier: Mehr (Hockey-) Provinz geht nicht. Bild: KEYSTONE

Todd Elik in St. Imier, einem 5000-Seelen-Städtchen im Berner Jura. Verrückt. Er ist sozusagen heimgekehrt zu den Ursprüngen dieses Spiels. Eishockey wie in der tiefsten kanadischen Provinz. Auf den Banden wenig und auf dem Eis gar keine Werbung. Das Spielfeld weiss. Das Stadion einfach, aber funktionell.

Ligaerhalt als Ziel

Knapp 300 Zuschauer sind im Stadion. Darunter solche, die aus Langnau angereist sind, um ihrem Idol zu huldigen. Todd Eliks Mannschaft ist im zweiten Saisonspiel chancenlos. Nach einem 8:1 im Startspiel gegen Vallée de Joux setzt es jetzt am zweiten Spieltag gegen Forwards Morges eine 1:6-Pleite ab. Am Ende der Saison werden alle froh sein, wenn der Ligaerhalt gesichert ist.

Immer noch äusserst populär in der Schweiz. Bild: KEYSTONE

Der Spielfluss tritt am Ende über die Ufer. Alleine im letzten Drittel verhängen die Schiedsrichter gegen Todd Eliks überforderte Mannschaft 13 Zwei- und 2 Zehnminuten-Strafen. Aber Todd Elik tobt nicht. Hin und wieder tigert er war an der Bande auf und ab. Aber er hat sich im Griff. Keine abschätzigen Gesten gegen die Schiedsrichter. Keine Zornesausbrüche gegen die eigenen Spieler. Der Mann, der einst als Spieler die Arena zum Kochen brachte, bewahrt als Coach Ruhe.

Seht zu Beginn seiner Karriere in der Schweiz brav aus, ist es aber sicher nicht. Kommt jetzt als Trainer die Läuterung? Bild: KEYSTONE

Todd Elik sagt nach dem Spiel, die wilde Zeit sei vorbei. Er nimmt seine Spieler in Schutz. Es seien gute Jungs. Ein tolles Team. Er wolle sein Wissen weiter geben und den Spielern helfen, besser zu werden. «Manchmal ist es nicht einfach. Es ist schon vorgekommen, dass ich einem den Stock weggenommen und gezeigt habe wie es geht.» Es gehe jetzt um die ganz einfachen Dinge.

Kann dieses Abenteuer auf Dauer gut gehen?

Hundertprozentig sicher ist das nicht. Todd Elik ist ein Winner-Typ. Sollte es Niederlage um Niederlage absetzen – was nicht ganz ausgeschlossen werden kann – dann ist irgendeinmal das Mass voll.

Wo Elik draufsteht, ist auch Elik drin. Hier in Davos. Bild: KEYSTONE

Der Kanadier wohnt alleine im benachbarten La Chaux-de-Fonds. Vorerst alleine. Im Oktober erwartet er Besuch von seiner Tochter. Trainiert wird in St. Imier nicht jeden Tag. Schliesslich geht jeder einer geregelten Arbeit nach. Todd Elik sagt, er verbringe viel Zeit, um den Alltag zu bewältigen. «Ich wasche selber, gehe einkaufen …» Daneben laufe er viel um sich in Form zu halten.

Es ist offensichtlich, dass Todd Elik unterfordert ist. Die Frage ist nicht, ob die welsche 1. Liga, die Patinorie d‘Erguel und das 5000-Seelen-Städtchen St. Imier für diesen charismatischen Leitwolf zu klein sind. Die Frage ist wohl nur, wann Todd Elik aus dieser Welt ausbricht. Oder wann er irgendwohin zu höheren Hockey-Aufgaben berufen wird.  



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