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Der Zuercher Topscorer Robert Nilsson, links, vergibt einen Penalty gegen Luganos Goalie Elvis Merzlikins, waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem HC Lugano, am Donnerstag, 19. Oktober 2017, im Hallenstadion in Zuerich. (PPR/Christian Merz)

Robert Nilsson scheitert mit seinem Penalty an Lugano-Goalie Elvis Merzlikins – trotzdem gewinnt der ZSC locker. Bild: PPR

ZSC mit beeindruckendem Tempo- und Kreiselhockey gegen Luganos «Maserati-Traktor»

Ein bisschen Nostalgie und freundliche Hockey-Götter: Die ZSC Lions besiegen Lugano 4:1. Aber es geht um mehr als einen Sieg. Es geht immer um die Frage: Reicht das im Frühjahr gegen den SC Bern?



Auf den ersten Blick war es fast so wie einst in der guten alten Zeit. Als das Hallenstadion noch eine Kultarena, der HC Lugano ein Titan und die Deutschschweiz eine verschworene Hockey-Gemeinschaft waren. Vereint nach der Devise: Alle gegen Lugano.

ZSC Lions' Michel Zeiter, unten, fliegt am 5. April  2001 im 6. Playoff Finalspiel zwischen den ZSC Lions und dem HC Lugano in Zuerich  gegen den Torhueter des HC Lugano, Christobal Huet.  (KEYSTONE/Steffen Schmidt)  === ELECTRONIC IMAGE ===

Zu Beginn der 2000er-Jahre war die Rivalität zwischen der ZSC Lions und dem HC Lugano auf dem Höhepunkt. Hier das Duell zwischen Michel Zeiter und Cristobal Huet. Bild: KEYSTONE

Operettenhockey? Es scheint so: 9 Zweiminutenstrafen gegen Lugano und nur eine einzige gegen die ZSC Lions. 48:2 Strafminuten, Disziplinarstrafen und den Restausschluss von Coach Greg Ireland eingerechnet. Plus ein Penalty für die ZSC Lions, den Robert Nilsson nicht am mittelmässigen Elvis Merzlikins vorbeibringt (Fangquote 89,74 %).

Drei Powerplaytore für die Zürcher, eines für die Tessiner, die ihr einziges Überzahlspiel nützen. Das Schlussresultat (4:1) steht bei extremer «Strafenverteilung» bereits nach 41 Minuten und 2 Sekunden fest. Das alles mahnt in der Tat an Operetten-Hockey.

Verständlich, dass es Luganos Sportchef Roland Habisreutinger nicht mehr auf seinem Tribunensitz hält. Er eilt kurz vor der zweiten Pause zur Spielerbank hinunter. Wahrscheinlich ahnt er, dass sich sein Cheftrainer Greg Ireland aufregt. Entschuldbar, dass Greg Ireland tatsächlich mit einer Spieldauer-Disziplinarstrafe belegt und fürs Schlussdrittel auf die Tribune geschickt wird. Lugano-Trainer sind auch nur Menschen.

Lugano’s Head Coach Greg Ireland reacts during the preliminary round game of National League during the game between HC Lugano and HC Ambri Piotta, at the ice stadium Resega in Lugano, Switzerland, on Friday, September 8, 2017. (KEYSTONE/TI-PRESS/Samuel Golay)

Auch Greg Ireland kann sich mal aufregen. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Ganz am Schluss ist es noch ein bisschen wie früher im alten, kultigen, wilden Hallenstadion. Ein paar Zürcher beschimpfen Luganos Spieler beim Verlassen des Eisfeldes. Gut sind Sicherheitsleute da und beruhigen.

Eine vaterländische Auseinandersetzung zwischen den mit Stöcken bewaffneten und wie Ritter gepanzerten harten Männern und den unanständigen Zuschauern hätte womöglich ausbrechen können. Mit dem Stock wären die Beleidiger gut zu erreichen gewesen. Nun denn: Hockey ist ein emotionales Spiel. Für Fans und Spieler. Ende gut, alles gut.

Enttaeuschte Lugano-Spieler nach der 4-1 Niederlage, waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem HC Lugano, am Donnerstag, 19. Oktober 2017, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Merz)

Die Lugano-Spieler mussten eine Niederlage einstecken – und wurden von den Fans angepöbelt. Bild: KEYSTONE

Trotz Strafenflut: Lugano nicht benachteiligt

Operettenhockey? Nein. Ganz und gar nicht. Selbst ein der Polemik zugetaner Chronist muss sagen, dass alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Auch wenn Tobias Wehrli und Marc Wiegand etwas kleinlich gepfiffen haben – jede Strafe war auf der Grundlage des Hockeystrafgesetzes (des Regelbuches) gerechtfertigt. Auch der Penalty-Entscheid. Die Statistik mag etwas anderes sagen – aber die tüchtigen Schiedsrichter haben Lugano nicht benachteiligt. Es gab keine Verschwörung gegen Lugano.

Der Zuercher Chris Baltisberger, links, stoesst Luganos Luca Cunti an die Bande, waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem HC Lugano, am Donnerstag, 19. Oktober 2017, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Merz)

Chris Baltisberger macht sich an Luca Cunti zu schaffen. Bild: KEYSTONE

Warum dann doch diese einseitige Strafenstatistik? Nun, die Zürcher zelebrierten in der Defensivzone Luganos phasenweise ein begeisterndes Lauf-, Tempo- und Kreiselhockey. Und weil sie die Scheibe dabei auch noch gut abdeckten, zäh verteidigten und hart zur Sache gingen, war es schwierig, sie auf legale Art und Weise zu stoppen. Die ZSC Lions waren für Luganos Defensive zu schnell. Sie hätten so auch die SCB-Abwehr ins Wanken gebracht.

Die offensive spielerische Substanz Luganos ist zwar beeindruckend – aber die Balance stimmte in diesem Spitzenspiel im Hallenstadion nicht. Vorne war Lugano in lichten Momenten ein Maserati –und hinten permanent ein Traktor mit stotterndem Dieselmotor.

Sitterdorf TG, 10. Oktober 2016, 15:40 Uhr: Ein 39-Jähriger pflügte sein Feld, als der Motor des Traktor plötzlich ausging und zu rauchen begann. Der Fahrer konnte rechtzeitig aussteigen, wenig später stand der Traktor in Flammen. (Bild: Kapo Thurgau)

Symbolbild der gestrigen Lugano-Defensive.

Wer ist gut genug für den SC Bern?

Was ist dieser Sieg der ZSC Lions wert? In gewöhnlichen Zeiten viel. Denn Lugano war trotz defensiver Überforderung keine Operetten-Mannschaft. Immer wieder blitzte spielerische Klasse auf. Gegen dieses Lugano gibt es keine Gratissiege.

Immerhin hatte die Mannschaft in diesem Herbst schon sechsmal hintereinander gewonnen – gegen Ambri, Langnau, Servette, Biel, Fribourg und Davos. Ehe am letzten Dienstag in Kloten gegen das Schlusslicht eine Schmach (1:3) folgte. Aber die ZSC Lions waren am Dienstag ja auch keine Helden gewesen (2:3 in Langnau).

Der Zuercher Fabrice Herzog, links, gegen Luganos Stefan Ulmer, Mitte, und Luganos Goalie Elvis Merzlikins, waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem HC Lugano, am Donnerstag, 19. Oktober 2017, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Merz)

Lugano kassierte gegen die ZSC Lions die zweite Niederlage in Serie. Bild: KEYSTONE

Nicht nur nach jedem Sieg, grundsätzlich nach jedem Spiel stellt sich bei den ZSC Lions und Lugano die Frage: wird das gegen den SC Bern reichen? Sind wir gut genug, um den Meister herauszufordern?

Gehen wir also dieser Frage nach. Stehen die ZSC Lions, wenn sie so bei der Sache sind wie an diesem Donnerstagabend, auf Augenhöhe mit dem SCB? Der SCB ist diese Saison das Mass aller helvetischen Hockeydinge.

Ja, wahrscheinlich schon. Immerhin haben die Zürcher kürzlich in Bern erst in der Verlängerung (3:4) verloren. Das Problem ist allerdings, dass die ZSC Lions bisher nur ausnahmsweise während einer ganzen Partie konstant auf diesem Niveau gespielt haben. Der SCB hingegen erreichte diese Saison das gestrige Niveau der Zürcher auch mit «Werktagshockey».

Und da ist noch etwas: Der SC Bern hat Leonardo Genoni. Die ZSC Lions haben Lukas Flüeler und Niklas Schlegel (gegen Lugano spielte Flüeler).

Und Lugano? So wie am Donnerstag in Zürich reicht es bei weitem nicht. Aber wir sollten nicht den Fehler machen, Lugano zu unterschätzen. In Bern hat Lugano diese Saison im Schlussdrittel ein 1:4 und in ein 5:4 nach Penaltys verwandelt. Aber auch Lugano fehlt die schon fast unheimliche Konstanz und Systemsicherheit des Meisters.

Der Zuercher Mattias Sjoegren, rechts, jubelt nach seinem Tor zum 0:1, Berns Maxim Noreau und Goalie Leonardo Genoni, von links, bleibt das Nachsehen, im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und den ZSC Lions, am Freitag, 13. Oktober 2017, in der PostFinance Arena in Bern.  (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Es geht für die ZSC Lions und Lugano nicht um die Qualifikation, es ist alles nur ein Üben für die Partien gegen den SCB. Bild: KEYSTONE

Weder die ZSC Lions noch Lugano müssen um die Playoffs-Qualifikation zittern. Wenn Lugano und die ZSC Lions spielen, dann ist es diese Saison eigentlich immer ein Üben für die Partien gegen den SC Bern. Siege gegen Davos oder Zug sind nett, zählen aber für jemanden nicht, der Meister werden will.

Und nicht vergessen, was für alle gilt: Nur der SCB hat Leonardo Genoni.

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    Alle Leser-Kommentare
  • MARC AUREL 20.10.2017 12:54
    Highlight Highlight Lugano und der Z sind stark genug, vorallem die Lions die am meisten breite und tiefe im Kader besitzen! Beide Klubs sind hingegen mental nicht auf Augenhöhe mit Bern. Das Wichtigste, Berns Spielweise ist für die Playoffs perfekt massgeschneidert und keiner blockt soviele Schüsse wie Bern! Eben mehr Handwerker als Schönwetterhockey!
  • chefchoch 20.10.2017 11:59
    Highlight Highlight Da hat der Zett, aus Sicht des Chronisten immerhin das ZH-SCB-Team des armen Mannes, mit dem Leuenberger eine Rolex auf dem Transferwühltisch gefunden. Sag mir, wie das Team spielt umd ich sag dir, ob sie Meister werden.
  • Ville_16 20.10.2017 09:46
    Highlight Highlight Lieber Eismeister
    Die Schiedsrichter waren gestern eine einzige Katastrophe.
    Lapierre wirft mit Wattebäuschen und muss für übertriebene Härte raus? WTF?! Operettenhockey ist in der Tat falsch, Operettenschiris aber nicht.
    • supi 20.10.2017 10:01
      Highlight Highlight Ich teile diese Meinung von Ville 16 nicht.
      Lapierre, Decloux, Walker und Vauclaire .. Waren unglaublich .. So wie man sie halt kennt ..
    • Ville_16 20.10.2017 10:44
      Highlight Highlight Decloux? Wo spielt der? Somit haben Sie ihre Fachkenntnisse genügend unter Beweis gestellt, danke dafür.
    • Altorez 20.10.2017 11:38
      Highlight Highlight Nun ja das mit Decloux war jetzt natürlich eine dumme Aussage von supi .. Aber Walker und Lapierre sind ja wirklich die beiden Idioten vom Dienst ..
    Weitere Antworten anzeigen
  • Tikkanen 20.10.2017 08:47
    Highlight Highlight ...Playoff-Chancen gegen die Hockeymaschine SCB?🤔
    Keine ernstzunehmende Gegnerschaft in Sicht, weder die Schachschweden mit ihren Lottergoalies noch Vickys Kuschelzoo haben in einer Best of Seven Serie nur annähernd Erfolgsaussichten😳Der dritte🏆in Serie wird vermutlich der einfachste, Angesichts der Herausforderer gehe ich von 12 bis 🐻🏆aus. Sprich mit 3 Sweeps zum 3. 🏆!! History will be made😎🍻
    • Tan Long 20.10.2017 09:21
      Highlight Highlight Wo der Tikkanen recht hat, hat er recht.
    • burki der 1. 20.10.2017 13:23
      Highlight Highlight Träumen tu ich auch gerne :)
  • Züzi31 20.10.2017 08:27
    Highlight Highlight Ohne Goalie der sich halbwegs auf Genoni Niveau bewegt und mal ein Spiel für das Team gewinnt, keine Chance. Nilsson kann es auch nicht immer alleine richten.
    • Altorez 20.10.2017 08:46
      Highlight Highlight Vor allem müsste einer unserer Goalies mal richtig konstant gut spielen. Beide haben ihre wirklich starken Momente aber halt nicht wie Genoni durchgehend.
      Und naja Nilsson und Pettersson können es nicht immer zu zweit richten ....
  • Amboss 20.10.2017 08:22
    Highlight Highlight Bin ich echt der einzige, der von Genoni nicht so wahnsinnig viel hält?
    Gewiss, er ist ein sehr guter konstanter Goalie, aber nicht einer, der im entscheidenden Moment zu hexen beginnt.
    SeineFehler waren es ja auch, die in der letzten Finalserie den EVZ zumindest ein birebizeli in die Serie zurückbrachten.

    Sich im entscheidenden Moment nochmals zu steigern, und genau dann das allerbeste Hockey zu spielen, wenn es nötig ist, dies traue ich einem Flüeler und Schlegel viel mehr zu, als Genoni.
    • 123und456 20.10.2017 08:55
      Highlight Highlight bin auch nicht soooo begeistert von ihm wie chlöisu und die mehrheit der CH-hockeyexperten...
      er ist sicherlich der konstanteste Goalie der letzten Saison auf enorm hohen Niveau. Aber der Überflieger ist er auch nicht. Und er profitiert natürlich auch enorm von der starken Abwehr vor ihm.
    • das Otzelot 20.10.2017 11:03
      Highlight Highlight Das ist hoffentlich nicht euer Ernst? Genoni ist mit grossem Abstand der Beste Schweizer Goalie. Der letzte Titel von Davos war ALLEINE Genonis Verdienst. Der ZSC war eigentlich in allen Spielen gleich gut oder sogar viel besser.
      Bei Bern muss er im Moment gar nicht so spektakulär und überragend spielen da es der Mannschaft allgemein gut läuft. Aber die letzten 3 Spiele von Bern wären mit einem anderen Goalie möglicherweise anders ausgegangen.
    • goldmandli 20.10.2017 12:04
      Highlight Highlight @Ozelot Der Beste? ja. Mit grossem abstand? Nein
    Weitere Antworten anzeigen
  • Einer Wie Alle 20.10.2017 08:03
    Highlight Highlight Ich konnte aus dem Artikel leider nicht herauslesen welchen Goalie der SCB hat.

    Bern ist zwar auch diese Saison wieder überlegen, aber ob es am Ende reicht entscheiden die Playoffs und das ist das Schöne am Eishockey. Am Ende kann auch noch jemand Meister werden, der noch um die Qualifikation zittern musste.
  • der Mann 20.10.2017 07:58
    Highlight Highlight Hallenstadion und Kultarena...sage ich als Zürcher😂😂🙈
    • Damogles 21.10.2017 11:38
      Highlight Highlight Der Chronist meinte vor 2003😉 — Da war sie noch Kult mit Näbel und Co.

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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