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Swiss-Indoors director Roger Brennwald, left, and Roger Federer, right, after the final match at the Swiss Indoors tennis tournament at the St. Jakobshalle in Basel, Switzerland, 28 October 2012. (KEYSTONE/Urs Flueeler)....

Bild: Keystone

Versöhnung mit Brennwald

Federer und die Kappeler Milchsuppe des 21. Jahrhunderts

Es geht also doch: Roger Federer und Roger Brennwald, die zwei charismatischsten Alphatiere der Sportkultur beider Basel haben sich «tennislebenslänglich» versöhnt. Die Swiss Indoors präsentieren für 2014 ein grandioses Teilnehmerfeld.

Es hat im Hilton keine Suppe gegeben. Die Chronistinnen und Chronisten, im Tennis sowieso alle ein wenig gesitteter und vornehmer als in Proletarier-Sportarten wie Fussball, Eishockey oder Töff, sind zu einem Steh-Lunch geladen worden.

Aber Suppe wäre halt schon passender gewesen. Milchsuppe. Denn wir haben einem historischen Ereignis beigewohnt. Der Versöhnung von Roger Federer und Roger Brennwald. Doch der Reihe nach. Erst einmal die Stars, die wir bei den Swiss Indoors 2014 vom 18. bis 26. Oktober sehen werden:

Top-Besetzung in Basel

Rafael Nadal, ATP 1
Stanislas Wawrinka, ATP 3
Roger Federer, ATP 4
Juan Martin Del Potro, ATP 7
Milos Raonic, ATP 9
Grigor Dimitrov, ATP 16​

Die Swiss Indoors sind vom Budget (rund 18 Millionen Franken, 1,910 Millionen Euro Preisgeld) und der internationalen Ausstrahlung her der grösste jedes Jahr stattfindende Sportanlass der Schweiz. 2013 wurden rund 3300 TV-Stunden in 180 Ländern ausgestrahlt. Der Vorverkauf beginnt am 29. April um 8 Uhr.  

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Das Plakat der diesjährigen Swiss Indoors.  Bild: swissindoors.ch

Roger Federer ist also wieder dabei. Und das ist die grosse Geschichte. Eine schöne Geschichte. Blenden wir zurück. Vor einem Jahr war der gleiche Anlass, die Präsentation des Teilnehmerfeldes, ein unvergessliches Schauspiel. Turniergründer und -präsident Roger Brennwald wollte mit seinen Gehilfen nur darüber orientieren, wer bei den Swiss Indoors 2013 spielen wird. Roger Federer durfte er auch ankündigen.



Aber Roger Federer hatte sich selber beim Turnier angemeldet. Das war ungewöhnlich. Denn bis anhin hatte er mit Roger Brennwalds Swiss Indoors einen Vertrag, war sozusagen fester Bestandteil dieses Turniers und kassierte nebst Preis- auch noch ein sechsstelliges Antrittsgeld. Nun aber kam er erstmals ohne Vertrag und ohne Antrittsgeld nach Basel. Sozusagen gratis.

Das war ungewöhnlich. Roger Federer ist sozusagen als Nachbar von Roger Brennwald aufgewachsen. Die Swiss Indoors und Roger Brennwalds Beziehungen haben bei Federers Aufstieg zur Weltgeltung auch eine Rolle gespielt. Und umgekehrt hat Federers globale Popularität den Swiss Indoors geholfen. Nun wäre es logisch gewesen, wenn Roger & Roger die Weichen für eine gemeinsame Zukunft bei den Swiss Indoors gestellt und den Vertrag über ihre Zusammenarbeit verlängert hätten.

Fans take a photo of Switzerland's Roger Federer during his second round match against Uzbekistan's Denis Istomin at the Swiss Indoors tennis tournament at the St. Jakobshalle in Basel, Switzerland, on Wednesday, October 23, 2013. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

In Basel sind stets alle Augen und Kameralinsen auf Federer gerichtet. Bild: Keystone

Aber diese geregelte Zusammenarbeit war vor einem Jahr in die Brüche gegangen. Wir erlebten in der Nobelbeiz zum Goldenen Sternen bei der Präsentation des Teilnehmerfeldes sozusagen eine Basler Provinzposse auf Weltniveau. Zum ersten Mal legte sich jemand öffentlich mit Roger Federer an. Ja, es erlaubte sich sogar jemand öffentlich einen Scherz auf Kosten der Ikone unseres Sportes.

Die Chronisten fragten im Goldenen Sternen, wie es nun mit Federer stehe und weitergehe. Ob es nach monatelangem Hin und Her doch noch zu einer Versöhnung und einem neuen Vertrag komme. Brennwald sagte damals, die Swiss Indoors seien zwar eines der wenigen Turniere, die Stars Antrittsgeld bezahlen, «aber wir können es nicht verantworten, siebenstellige Beträge zu bezahlen».

Siebenstelliger Betrag gefordert

Federer wollte offenbar einen siebenstelligen Betrag, ja, im kleinen Kreis wurde herumgeboten, sein Manager Tony Godsick habe gar zwei Millionen erwartet. Über Zahlen wurde offiziell nicht geredet. Aber Brennwald sagte, Federer habe die erste und schliesslich auch eine zweite Vertragsofferte abgelehnt und damit sei für ihn das Thema erledigt gewesen. «Es gehört zum Geschäft, dass Offerten nicht angenommen werden.»

Er habe dann aus der Zeitung erfahren, dass sich Federer trotzdem fürs Turnier angemeldet habe. Weil Federer nun keinen Vertrag mehr mit den Swiss Indoors hatte, belastete er die «Antrittsgeld-Kriegskasse» nicht mehr.

Der Schweizer Roger Federer spendiert den Ballkids eine Pizza, beim Swiss Indoors Tennisturnier in der St. Jakobshalle in Basel, am Sonntag, 27. Oktober 2013. (PHOTOPRESS/Kurt Schorrer)

Die Balljungen freut's: Es gibt wohl auch in diesem Jahr Pizza von Roger Federer. Bild: Photopress

Aber eben: Der vertragslose Zustand, diese Tennis-Eiszeit des berühmtesten Baslers mit dem berühmtesten Basler Sportanlass, war eigentlich ein unhaltbarer Zustand. Und die grosse Frage war: Wann kommt es zur Versöhnung?

Nun wissen wir die Antwort. Wir haben am 25. April 2014 im Hilton zu Basel, nicht mehr bei so feinem Essen wie vor einem Jahr im Goldenen Sternen, aber immerhin bei Fingerfood, erfahren, dass sich Roger Brennwald und Roger Federer wieder gefunden haben. Turnier-General Roger Brennwald bestätigte: «Ja, wir haben wieder einen Vertrag.» Über Details werde, wie das im Tennis-Geschäft üblich sein, nicht informiert. Die Gespräche seien in einer angenehmen Atmosphäre konstruktiv verlaufen.

Auf die Frage, ob jetzt Roger Brennwald und Roger Federer Frieden geschlossen haben, sagte der Turnierdirektor: «Ja, wenn Sie wollen, dann können Sie das so sagen.» Gewährsleute sagen, dass Federer gemäss dem neuen Vertrag nun bis zu seinem Karriereende jedes Jahr in Basel spielen werde. Offiziell wir das natürlich nicht bestätigt. Aber wir können davon ausgehen, dass Brennwald und Federer jetzt «tennislebenslänglich» versöhnt sind. 

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Die Kappeler Milchsuppe auf einem Gemälde von Albert Anker. Bild: Wikipedia

Der gute Eidgenössische Kompromiss ist also in Basel gefunden worden. Die Kappeler Milchsuppe des 21. Jahrhunderts. Hier sei der Begriff kurz erklärt: Ende Juni 1529 marschierten die reformierten Zürcher Gotteskrieger über den Albis gegen die katholischen Innerschweizer Talibane und ein Religionskrieg bahnte sich an. Aber es kam zu einer wundersamen Versöhnung.

Gemäss den Berichten stellte das gemeine Fussvolk der beiden Heere, während die Führer verhandelten, in der Nähe von Kappel am Albis genau auf der Kantonsgrenze Zürich/Zug einen grossen Kochtopf auf ein Feuer. Die Zuger sollen die Milch und die Zürcher das Brot für eine Milchsuppe beigesteuert haben, die dann von beiden Heeren gemeinsam verspeist wurde. Der Friede war gerettet. Der Mythos der Kappeler Milchsuppe, jetzt, im 21. Jahrhundert aufgetischt im Hotel Hilton zu Basel. Die Fähigkeit, Streitigkeiten friedlich und freundlich und in Minne beizulegen. So wie das nun Roger Federer und Roger Brennwald getan haben.

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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Skipper 26.04.2014 08:45
    Highlight Highlight Es ging ganz sicher nicht um Geld, sondern um die Nachfolge von Brennwald. Federer kann sich dereinst gut als Turnierdirektor vorstellen und Brennwald möchte noch viel länger den Chef geben.
  • Adonis 25.04.2014 15:43
    Highlight Highlight ...rein physiognomisch gesehen, wirkt der alte Roger neben unserem Roger verbissen, säuerlich, etwas verschlagen aus.. Oder täusche ich mich?

«Diese Ekstase macht süchtig» – Federer holt den neunten Titel in Basel

Roger Federer (ATP 3) ist nicht ganz Hundert. An den Swiss Indoors in Basel feierte er seinen 99. Turniersieg, den 9. in Basel und den 4. hintereinander. Den Final gegen Marius Copil (ATP 93) gewann Federer nach Rückstand in beiden Sätzen in 94 Minuten 7:6 (7:5), 6:4.

Die Siegerehrung zog sich in die Länge. Roger Federer dankte allen - in englisch, französisch und schweizerdeutsch. Er verdrückte am Ende Freudentränen und meinte, er sei der glücklichste Mensch der Welt. Federer war bewegt und bewegte die Massen. «Es ist immer sehr emotional hier», so Federer.

In seiner Dankesrede blieb Federer bei den Offiziellen hängen. Bei jenen Leuten, die hinter den Kulissen arbeiten - wie beispielsweise den Verantwortlichen fürs «Hawkeye» - das «Adlerauge», das die …

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