Sport

Arno Del Curto: Sein Triumph verändert die Schweizer Liga wieder. Bild: KEYSTONE

Was Indiana Jones mit dem HCD und der Chef des Bundesamtes für Archäologie mit dem SCB zu tun haben

Was bedeutet der Titelgewinn des HC Davos für die Zukunft? Die Hockeymanager müssen den Kompass neu richten.  

13.04.15, 21:09 14.04.15, 08:51

Dreimal hintereinander war der HC Davos in den Viertelfinals gescheitert. Im Frühjahr 2014 schien das letzte Jahrzehnt der Hockey-Romantik mit den fünf HCD-Titeln zu Ende zu gehen. Die Hockey-Manager richteten unseren Kompass nach Bern und Zürich aus. Auch wenn der SCB 2014 nicht einmal die Playoffs erreicht hatte – die Zukunft schien den Titanen mit dem grossen Geld und Publikum zu gehören. Sie hatten die Titel seit 2011 unter sich ausgemacht. 2012 die ZSC Lions, 2013 der SC Bern, 2014 wieder die ZSC Lions

Aber die grossen Hockey-Generäle müssen den Kompass neu justieren. Richtung Davos und Zug. Wir feiern die Rückkehr der Hockey-Romantiker aus den Bündner Bergen. Arno Del Curto funktioniert also doch noch. Wie ein Indiana Jones des Eishockeys ist der ruhelose Hockey-Abenteurer auf der ewigen Jagd nach den verlorenen meisterlichen Schätzen wieder erfolgreich. Nach 2002, 2005, 2007, 2009 und 2011 bereits zum 6. Mal.  

Der HC Davos ist zum 31. Mal Schweizer Meister

Eishockey nicht neu erfunden, aber gezeigt, worauf es ankommt

Der ewige Trendsetter hat das Eishockey zwar nicht neu erfunden. Er hat nur aufgezeigt, worauf es ankommt: Eishockey als emotionales, dynamisches Lauf- und Tempospektakel, präzis und diszipliniert gespielt, aber befreit aus der taktischen Zwangsjacke des letzten Jahrhunderts, abgesichert durch einen grossen Torhüter. 

Noch sind die meisterlichen Feierlichkeiten nicht verklungen. Aber wir können jetzt schon vorwärts schauen und uns Gedanken darüber machen, wie dieser HCD-Titel die Liga verändert. Was nächste Saison sein wird. Ob die erste Titelverteidigung seit 2001 (ZSC Lions) vielleicht doch möglich wird. 

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Indiana Jones und der Chef des Bundesamtes für Archäologie

Am hilfreichsten ist es, wenn wir nachsehen, wo auch Eishockey wie in Davos gespielt und nicht, als anderes Extrem, gearbeitet wird wie beim SCB. Eine Auseinandersetzung zwischen dem HC Davos des Arno Del Curto und dem SC Bern des Guy Boucher ist wie ein Duell zwischen Indiana Jones und dem Chef des Bundesamtes für Archäologie. Als Spieler möchte ich auch lieber mit dem Harrison Ford aus Davos als mit dem taktischen Jack Nicholson aus Bern arbeiten.  

Alle Schweizer Eishockey-Meister seit Einführung der Playoffs 1985/86

Aussichtsreichste Meister-Herausforderer aus Zürich, Lugano und Zug

Die aussichtsreichsten Herausforderer des neuen Meisters werden aus Zürich, Lugano und ... Zug kommen. Unabhängig davon, ob mit oder ohne Trainer Marc Crawford (mit NHL-Ausstiegsklausel per 15. Juni) – die ZSC Lions werden nächste Saison die aussichtsreichsten Herausforderer sein. Sportchef Edgars Salis muss bloss ein paar Retuschen vornehmen. Der Besetzung der frei werdenden Ausländer-Position kommt entscheidende Bedeutung zu. Und Torhüter Lukas Flüeler sollte wieder besser werden. 

Optisch haben die ZSC Lions auf Augenhöhe mit dem HC Davos gespielt und den neuen Meister zeitweise dominiert. Aber keine andere Mannschaft hat den HC Davos so stark gefordert wie der EV Zug. In den Playoffs haben nur die Zuger den HCD zweimal besiegt – beide Male in Davos. Und sie verloren das sechste Viertelfinalspiel erst, als Torhüter-Titan Tobias Stephan das Eis blessiert verlassen musste. Als er ging, führten die Zuger in Davos noch 2:1 – und verloren dann erst 3:4. 

Wird Jarkko Immonen zum entscheidenden Meisterpuzzle-Teilchen?

Vor einem Jahr hatten die Zuger die Playoffs noch verpasst. Jetzt scheiterten sie im Viertelfinale am späteren Meister. Aber sie waren im Frühjahr 2015 dem zweiten Titel seit 1998 näher als es das frühe Scheitern in der ersten Runde vermuten liesse. Und sie haben alles, um nächste Saison sogar die gefährlichsten Herausforderer des Meisters zu werden. 

Tobias Stephan kann die Rolle von Leonardo Genoni auch spielen. Bild: KEYSTONE

Torhüter Tobias Stephan kann auf Augenhöhe mit Leonardo Genoni spielen. Daniel Sondell ist einer der meistunterschätzten Spieler der Liga, wahrscheinlich der beste Verteidiger in der NLA. Der alternde Josh Holden bringt die Prise des Bösen ins Spiel. Reto Suri ist ein charismatischer Leitwolf und Lino Martschini der spektakulärste und torgefährlichste Stürmer mit Schweizer Pass. Mit Jarkko Immonen haben die Zuger Finnlands Antwort auf den Reto von Arx der besten Jahre verpflichtet. Der Transfer, der das entscheidende Teilchen zu einem Meisterpuzzle werden kann.

Alle Werkzeuge, aber keine Werkzeugkiste

Der EV Zug hat alles, was der neue Meister hat. Die Zuger haben im Laufe dieser Saison auch meisterliches Eishockey gespielt, sie waren in der Spielanlage dem neuen Meister ähnlicher als jedes andere Team. Sie sind schliesslich ganz knapp gescheitert. Knapper als die Titanen SC Bern und ZSC Lions. 

Die Nordamerikaner bringen den Ist-Zustand auf dem Hockeyplaneten Zug mit einem Satz auf den Punkt: All the tools but no toolbox. Was wörtlich übersetzt heisst: Alle Werkzeuge, aber keine Werkzeugkiste. Will heissen: Alles ist da. Aber jetzt geht es noch darum, alles in die Kiste zu verpacken. Alles auf eine Reihe zu bringen.  

Es liegt nun an Cheftrainer Harold Kreis ein Meisterteam zu formen. Dem Deusch-Kanadier fehlt zwar Arno Del Curtos Temperament. Aber auch er verfügt über das Herrschaftswissen des Meistermachens: er ist der letzte Meistertrainer des HC Lugano (2006) und hat auch mit den ZSC Lions den Titel errungen (2008).  

Wer würzt die Emotionen von Harold Kreis? Bild: KEYSTONE

Boucher und Fischer wissen nicht, wie man Titel gewinnt

Berns Guy Boucher und Luganos Patrick Fischer wissen hingegen nicht, wie man Meisterschaften gewinnt. Es wäre allerdings hilfreich, wenn Harold Kreis sein Wesen und Wirken mit ein bisschen mehr Emotionen würzen würde. So gesehen muss dem EV Zug für den Gewinn der nächsten Meisterschaft vielleicht nur noch den emotionalen Salzstreuer im Kreis herumreichen. 

So stehen die Dinge zwei Tage nach Ende der Saison. Davos, die ZSC Lions und Zug haben alles für den Titel. Allen anderen fehlt etwas. Lugano und Bern haben die Substanz, aber nicht den Trainer und nicht mehr die Torhüter für den Gewinn einer Meisterschaft. Die Kloten Flyers haben den Trainer, das Geld und die Substanz für den Titel. Aber nicht mehr den Torhüter. Servette hat den Trainer, aber nicht die Kadertiefe und den Goalie für den ersten Titel der Klubgeschichte, und Gottéron hat weder Trainer noch Torhüter noch Kadertiefe für einen erneuten Anlauf auf die Meisterschaft. 

Alle anderen müssen froh sein, die Playoffs zu schaffen. 

Der Schweizer Eishockey-Meisterpokal im Wandel der Zeit

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Staal 15.04.2015 12:21
    Highlight Interessant wie man in Bern an Boucher glaubt. Nur weil er ein ehemaliges Meisterteam in die Playouts versenkt hat und ein Jahr später mit Steinzeithockey bis ins HF. Und der Cupsieg zählt gar nix.
    0 4 Melden
    • MARC AUREL 16.04.2015 12:32
      Highlight hm.. nur dumm Herr Staal das Bern in den letzten Jahren mit die Lions die Erfolgreichsten waren nur so nebenbei und das mit Opas.. und was heisst schon steinzeithockey.. Der Erfolg zählt.. wie ist egal.. wer hätte auf die Steinböcke gesetzt?? Kaum jemanden! Der Herr Zaugg kann sagen was er will! Morgens ändert er seine Meinung und huldigt die Berner wieder..
      3 0 Melden
  • rüfi 15.04.2015 03:09
    Highlight Ich wünsche mir von Herzen dass die ganze Hockeyschweiz uns nichts zutraut und unterschätzen!
    Kein Problem damit!Wir lassen uns nicht einreden dass dann sowas von alles schlecht gewesen sein soll!
    Bis im September ihr die Hockeyweisheit gefressenes Pöbel!
    8 0 Melden
  • supi 14.04.2015 12:50
    Highlight .. Gute Analyse ...
    Endlich können wir uns emotional mit der neuen Saison befassen ...
    Spanned wäre noch die Ergänzung gewesen ... wer den Jungen eine Chance geben wird ... Hier sehe ich FRI, LUG, ZUG und KLO ganz weit hinten
    3 5 Melden
  • tower204 14.04.2015 08:52
    Highlight Die Saison ist vorbei Herr Zaugg wer wo wann Gut gespielt hat Spielt doch gar keine Rolle. Davos ist Meister Pasta. Sport ist bei weitem nicht so berechenbar wie Sie das Gefühl haben. Niemand weiss wie nächst Saison aussehen wird keiner wirklich keiner. Wer hätte im April 2014 erwartet das Kloten + Fribourg die Playoffs verpassen? . Schluss Ende Aus Zeit für WM.
    7 5 Melden
  • Staal 14.04.2015 08:43
    Highlight die Berner haben mittlerweile ein Uralt Team. zu guter Letzt geben sie noch Gardner ab und tauschen ihn gegen Helbling (!!!). jungspunt Bärtschy verlässt das Team, der Gitterkonfirmant im Tor wird kaum besser. Ein Trainer mit Steinzeithockey Philosophie.
    Eher werden Lugano oder Kloten vorne mitmischen als der alte Bär
    10 11 Melden
    • MARC AUREL 14.04.2015 11:28
      Highlight Lieber Staal! Eigentlich gibt es nur gute oder schlechte Spieler. Ob alt spielt weniger eine Rolle. Und die Mannschaft wurde schon verjüngt und wird es weiter.. Dies betrifft vorallem die Centerpositionen. Und Bern wurde nach der Quali auch knapp 2er und das mit Steinzeithockey das angeblich untauglich ist wie Sie behaupten!!
      11 2 Melden
  • kinna 14.04.2015 06:42
    Highlight Das Zug und Lugano (mit gleichen beziehungsweise grösseren Mitteln) schon im Viertelfinal gescheitert sind stört die Medien offenbar nicht. Aber der grosse und ach so gute SCB muss jedes verd***** Jahr Meister weder oder wie? Lasst doch diesem Klub Zeit, damit auch er eine Möglichkeit zum Neuanfang hat.
    18 8 Melden
    • supi 14.04.2015 12:56
      Highlight .. der grössere Druck bei Bern .. Ist auch ein Kompliment an diese Organisation .. bei den Grossen wird einfach mehr erwartet. ..
      Doch auch ZUG und LUG müssen jedes Jahr zumindest HF erreichen mit Blick auf ihre finanziellen Möglichkeiten ..
      4 0 Melden
  • Staal 14.04.2015 06:33
    Highlight ZUG niemals. Man ist zwar wieder fast vorne dabei aber es fehlt überall ein bisdchen. Auch Stephan ist gut aber noch lange kein Meistergoalie ( siehe Servette Finals ). Mit Typen wie Grossmann hat man Unruheherde im Team, mässige Soldaten und nur ein guter Ausländer. das wird nix
    10 12 Melden
  • Max Pauer 13.04.2015 23:26
    Highlight Kein einziges Mal Langnau gelesen. Dafür gefühlte 50mal Zug. Sehr schön. Auch Herr Zaugg scheint noch im lernfähigen Alter zu sein
    19 8 Melden
  • Thomas J. aus B. 13.04.2015 22:48
    Highlight Dass Zug und Davos die Richtung für den SCB vorgeben, hat vor gut 14 Tagen bereits einer geschrieben... Guy Boucher auf der offiziellen SCB-HP in seinem Beitrag zur Saison 14/15 nach dem Ausscheiden im HF.
    Zudem dürften Boucher und Fischer mit Anfang 40 noch im lernfähigen Alter sein, so wie es auch Törmänen war, dem man auch dauernd am Zeug rumgeflickt hat und der als Meistertrainer von dannen ziehen musste, auch wenn dauernd auf dem 'Verlierer-Sein' rumritt.
    19 0 Melden
    • Thomas J. aus B. 13.04.2015 22:50
      Highlight Tschuldigung, Doppel-Post (aller Anfang ist schwer...)
      7 1 Melden
  • Thomas J. aus B. 13.04.2015 22:42
    Highlight Dass Zug und Davos die Richtung für den SCB vorgeben, hat vor gut 2 Wochen bereits ein anderer geschrieben. Guy Boucher selber in seinem Beitrag auf der offiziellen SCB-HP
    4 1 Melden
  • rüfi 13.04.2015 22:15
    Highlight Lecavalier zum SCB und Chloisu wird sein Fähnchen grausam drehen
    15 6 Melden
  • Adrian Bürgler 13.04.2015 22:13
    Highlight Die Analyse trifft ziemlich genau zu beim jetzigen Stand. Aber wie Zaugg selbst erwähnt, es ist kurz nach der Meisterschaft. Auf dem Transfermarkt kann sich noch einiges tun, und die Ausgangslage wieder verändern. Ich freue mich auf jeden Fall jetzt schon wieder auf den September!
    24 2 Melden
  • Gelöschter Benutzer 13.04.2015 21:54
    Highlight seit ich zauggs kommentare lese, ist mein interesse fürs eishockey wieder entflammt. danke.
    27 7 Melden

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