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Ambris Trainer Hans Kossmann waehrend dem Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel-Bienne und dem HC Ambri-Piotta, am Freitag, 13. Januar 2017, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Freigestellt: Ambri-Trainer Hans Kossmann. Bild: KEYSTONE

Lügen, Illusionen und Führungsschwäche – Ambris billigste Trainerentlassung der Neuzeit

Die Versuchung war zu gross, der Preis zu niedrig: Ambri ersetzt Trainer Hans Kossmann (54) durch Gordie Dwyer (39). Die Geschichte einer unnötigen Trainerentlassung.

30.01.17, 14:43 31.01.17, 16:51


Am Sonntagnachmittag haben sich drei Männer in Melide am Hauptsitz von Filippo Lombardis Medienimperium in einem Sitzungszimmer versammelt. Dort, wo sich auch die Studios des Operetten-TV-Senders «Tele Ticino» befinden. Aber die Herren trafen sich nicht für eine der beliebten Talkshows über Hockey. Es ging ums Eingemachte.

Filippo Lombardi, Praesident CVP-Fraktion und Staenderat CVP-TI, haelt eine Rede zur Parole

Wenn nicht in der Eishalle, dann oft am Rednerpult: Ambri-Präsident und CVP-Politiker Filippo Lombardi. Bild: KEYSTONE

Ambris Präsident Filippo Lombardi, Sportchef Ivano Zanatta und Trainer Hans Kossmann einigten sich am Sonntagnachmittag darauf, die Zusammenarbeit zu beenden. Schade, dass die Sitzung nicht live im Lokalfernsehen übertragen worden ist. Hans Kossmann, der den Sinn für Humor nicht verloren hat, sagt: «So viel ich weiss, gibt es auch keine Video-Aufzeichnung von unserer Sitzung.»

Die Trainerentlassung wurde, wie das im Tessin so üblich ist, erst einmal verheimlicht. Ja, Filippo Lombardi sprach seinem Trainer wider besseren Wissens noch nach der Entlassung am Sonntagabend in der Öffentlichkeit (im staatstragenden Tessiner Fernsehen) das Vertrauen aus. Aber er ist halt ein Politiker.

Verkündet wurde Hans Kossmanns Entlassung erst heute Vormittag. Lügen in Zeiten der Trainerentlassungen. Hans Kossmann nimmt seinen ehemaligen Präsidenten in Schutz. «Er wollte es wohl zuerst noch der Mannschaft sagen und das war halt erst am Montag möglich.»

Woran ist Hans Kossmann gescheitert? «An zu vielen Niederlagen», sagt er ohne Umschweife. 24 Partien endeten mit nur einem Tor Differenz – 14 davon hat Ambri verloren. Zuletzt 1:2 gegen Zug und 1:2 gegen Langnau. «Wir haben gutes Hockey gespielt. Aber es ist mir nicht gelungen, das Zauberwort zu finden, um diese knappen Spiele zu gewinnen.»

Kossmann ist das Opfer seiner Tüchtigkeit

Es gibt verschiedene Formen der Trainerentlassungen. Notwendige, wie die von Scott Beattie in Langnau und Doug Shedden in Lugano, schmerzliche aber unvermeidliche, wie die von Kevin Schläpfer in Biel und billige, wie die von Hans Kossmann in Ambri.

Zum verspäteten Trainerwechsel in Langnau:

Hans Kossmann hat keine Fehler gemacht, die seine Amtsenthebung rechtfertigen würden. Er hat zu viele Partien verloren – aber nicht, weil er die Mannschaft geschlossen gegen sich hatte wie Doug Shedden. Oder weil er nicht dazu in der Lage war, das richtige taktische Konzept zu finden und die Mannschaft zu organisieren wie Scott Beattie. Er ist das Opfer der Mangelwirtschaft geworden, die auch Sportchef Ivano Zanatta zu verantworten hat. Zu wenig Talent, zu wenig leistungsfähiges ausländisches Personal und Torhüter, die im entscheidenden Augenblick danebengreifen und zu viele der knappen Niederlagen verursachen – wie zuletzt in Langnau.

Ja, Hans Kossmann ist ein Opfer seiner eigenen Tüchtigkeit geworden. Er hat aus so wenig Talent zu viel herausgeholt und so unrealistische Erwartungen geweckt. Ambri hat bis ins neue Jahr um die Playoffs gespielt. Eigentlich ein Hockey-Wunder. Aber die Führung sieht das anders und glaubt, es müsste mehr möglich sein. Knappe Niederlagen können auch gegen den Trainer ausgelegt werden. Selbstbetrug in Zeiten der Trainerentlassung.

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Mehr ist in Ambri mit dieser Mannschaft nicht möglich. Der neue Trainer Gordie Dwyer wird den Liga-Erhalt sichern – nicht mehr und nicht weniger. Und wenn er in seinen Gehaltsforderungen vernünftig ist (mehr als 250'000 Franken netto sollte er nicht fordern), dann wird er auch nächste Saison an der Bande stehen. Er hat zuletzt für das KHL-Team Zagreb gearbeitet und war Assistent von Dave King beim Spengler-Cup-Sieger Team Canada. Unter ihm wird in Ambri alles bleiben wie es ist, so wie es in den letzten Jahren immer war – es sei denn, es gelingt, alle vier Ausländerpositionen erstklassig zu besetzen.

epa05688939 Canadas Assistant Coach Gordie Dwyer, left, and Headcoach Luke Richardson, during the game between HK Dinamo Minsk and Team Canada  at the 90th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Monday, December 26, 2016.  EPA/MELANIE DUCHENE

Gordie Dwyer (l.) an der Bande des Team Canada am Spengler Cup 2016. Bild: EPA/KEYSTONE

Billigste Trainerentlassung

Warum ist also wider besseren Wissens der Trainer nun doch noch gefeuert worden? Weil die Versuchung zu gross und die Entlassung zu billig geworden ist. Hans Kossmanns Vertrag läuft aus, er kostet nur noch drei Monatsgehälter. Die Fans sind im Tessin ungeduldig. Der Präsident hätte nun seinem aufgebrachten Fussvolk erklären können, dass mehr nicht möglich ist, dass Bescheidenheit das Gebot der Stunde und der Zukunft ist. Aber diese Konfrontation mit der Wirklichkeit scheut der Populist und Politiker Filippo Lombardi. Es wäre nicht klug, die Leute zu entmutigen, die er schon bald wieder mit einer Bettelaktion erfreuen wird und die auch nächste Saison ihre Eintrittskarten kaufen sollen. Ein Präsident in Ambri muss immer auch ein guter Verkäufer sein, ein «Hoffnungshändler». Die Hoffnung, dass nächste Saison alles besser wird, ist der Sauerstoff der Leventiner Hockeykultur. Illusionen in Zeiten der Trainerentlassung.

Ambri ist dem lateinischen Kulturkreis zuzuordnen. Hier gilt: Ein starker Mann handelt. Mit der Entlassung des Trainers hat der Präsident wieder mal gezeigt, wo der Hammer hängt und dass er ein grosser Macher ist. Auf dieses Theater fallen seine Anhänger regelmässig herein. Und wieder einmal ist der Trainer schuld. Nicht der Präsident, dem es nicht gelingt, eine Leistungskultur von den Junioren bis zur ersten Mannschaft aufzubauen. Nicht Sportchef Ivano Zanatta, dessen Verhandlungsungeschick dazu führt, dass die Löhne viel zu hoch und die vier Ausländerpositionen nie erstklassig besetzt sind. Dem es nicht gelingt, vor der Konkurrenz Talente zu entdecken und Ambri zu einem Ausbildungsklub zu machen. Und natürlich sind auch die Spieler aus dem Schneider. Politik in Zeiten der Trainerentlassung.

Ivano Zanatta, neuer Sportchef des Eishockey Klubs HC Ambri-Piotta, praesentiert sich am Montag, 4. Mai 2015, den Medien in Tenero TI.  (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Ambris Sportchef Ivano Zanatta. Bild: TI-PRESS

Ambri hat sich soeben die billigste Trainerentlassung seiner Geschichte geleistet. Billig, weil sie nichts kostet. Billig, weil es dazu keine Notwendigkeit gibt. Es ist eine Trainerentlassung, die der besonderen Kultur Ambris geschuldet ist. Ständerat Filippo Lombardi ist ein charismatisches «Animal Politique», diese Trainerentlassung sei ihm gerade im Wissen um die ganz besonderen Verhältnisse in der lateinischen Sportkultur verziehen. Aber unverzeihlich ist, dass er nach wie vor an seinem völlig überforderten Sportchef Ivano Zanatta festhält. Führungsschwäche in Zeiten der Trainerentlassung.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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21
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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Toastbrot 30.01.2017 19:27
    Highlight Unglaublich dass so ein Club dann noch ein Stadion für 50 Mio. stemmen will....
    30 7 Melden
    • Eingestein 31.01.2017 15:20
      Highlight Ja Toastbrot, Sowas verstehen wir zwei nicht, weil wir ein wenig wirtschaftlich denken.
      Geht man davon aus dass da ca. 200 Selen wohnen. Ohne Hund und Katz. Gebe es für jeden 250000.- Fr.
      1 5 Melden
  • Eingestein 30.01.2017 18:44
    Highlight Lügen, Illusionen und Führungsschwäche – Ambris billigste Trainerentlassung der Neuzeit !
    Und das Titelbild mit dem falschen Lächeln.
    Herr Eismeister: Den Nagel genau auf dem Kopf getroffen,
    einfach genial.

    38 5 Melden
  • Harald Juhnke 30.01.2017 15:49
    Highlight Kossmann selbst sagte im August, er sieht Ambri auf dem 5. Platz...
    13 21 Melden
    • mrcharliebrown 30.01.2017 16:28
      Highlight was soll er denn sonst sagen? dass es wahrscheinlich wieder nicht für die playoffs reicht?
      66 4 Melden
  • Amboss 30.01.2017 15:26
    Highlight Treffender Kommentar. Kossmann hat wirklich gute Arbeit geleistet, eine Entlassung eigentlich unnötig. Aber eben. Das ist das Business.

    Aber was mich wundernähme. Wieso eigentlich Dwyer?
    Medvescak spielt ja eigentlich eine ziemlich gute Saison, auch wenn das Team nie wirklich in den Kampf um die Playoffs eingreifen konnte.
    Wurde der in Zagreb entlassen? Oder möchte er wechseln?
    Oder möchte der Verein sparen und die Saison, jetzt wo es um nix mehr geht, auf Sparflamme beenden?
    34 5 Melden
    • Hockrates 31.01.2017 14:38
      Highlight Laut NZZ seien Salärzahlungen bei Medvescak optional.

      Vermutlich wollte er deshalb weg.
      3 1 Melden
    • Amboss 31.01.2017 15:06
      Highlight "Salärzahlungen sind optional" Hehe, witzige Formulierung :)


      Hab eben auch schon gelesen, dass gerade die kleinen KHL Vereine gegen Ende der Regular Season, wenn die Playoffs nicht mehr erreichbar sind, Spieler verkaufen und so aus ihrem Kader Geld machen - aus purer Not, denn so eine Saison ist teuer mit all den Reisen.
      Dann wird wohl Dwyer auch so ein Fall sein...
      2 0 Melden
  • Töfflifahrer 30.01.2017 15:25
    Highlight Da hat Lombardi wohl alternative Fakten zur Hand!
    Sorry konnte das einfach nicht lassen.
    41 3 Melden
  • Yotanke 30.01.2017 15:02
    Highlight Das einzige was diese Entlassung bewirken kann, ist das sich alle Spieler beim neuen Trainer neu beweisen müssen. So kzfr. die Leistungskultur etwas gefördert wird. Diese Effekte halten aber nicht lange an. Ambri gehört wohl einfach dort hin, wo sie aktuell sind. Was ich nicht verstehe: wieso holt Ambri immer wieder alte, ausgediente Spieler, die sonst keiner will (Ngoy, Guggisberg)? Und setzt nicht auf (günstigere) Junge? Bin gespannt, wie das Finanzergebnis von Ambri aussehen wird. Aber auch bei Biel, Fribourg. Dort scheint man Geld auszugeben, welches erst nächste Saison reinkommt.
    45 11 Melden
    • ChrisRock 30.01.2017 15:40
      Highlight Wie kommst du auf Biel?
      13 10 Melden
    • Yotanke 30.01.2017 16:10
      Highlight @ChrisRock: sinkende Zuschauerzahlen, Abfindung bzw. weiterhin Lohnzahlung an Schläpfer. Lohn von Hiller (soll angeblich zwischen 700k bis 1000k verdienen) Zahlreiche Vertragsverlängerungen von umworbenen Spielern. Damit sicher höhere Lohnbezüge dieser Spieler in Zukunft. Zuzug von Jason Fuchs etc. etc. Irgendwie kann da die Rechnung nicht aufgeben. Biel will unbedingt Platz aus dem gesicherten Mittelfeld aufgeben und wohl unter den Top 4 mitspielen. Vermute, dass sich diese finanziell "überlupfen".
      44 13 Melden
    • andre63 30.01.2017 16:52
      Highlight bil hat sich seit dem konkurs nie mehr "überlüpft"
      7 24 Melden
    • andre63 30.01.2017 16:58
      Highlight biel, natürlich 😊
      1 9 Melden
    • ChrisRock 30.01.2017 17:25
      Highlight ... die Vertragsdetails kennen wohl nur der EHCB und Hiller selber... aber klar, Hiller ist sicher gut bezahlt.
      Haas, Wellinger, Sutter, Rossi... alle weg... wie erklärst du dir das? Welche V'verlängerungen meinst du?
      8 7 Melden
    • hockey_guru 30.01.2017 18:00
      Highlight Yotanke, schläpfers abfindung (resp. Lohnzahlung) wird sich wohl bis ende saison von selbst auflösen. Mc namaras lohn ist ja eh monatlich fällig, was ja heisst sie müssen nicht 2 trainer finanzieren...
      Hillers Gehalt ist wohl über die dauer des vertrages ziemlich penibel kalkuliert.. der VR des EHC biel hat mit dem einzug in die neue arena so einiges an fehler gemacht, aber den rappen immer 2x umgedreht😉.. und mit dem erreiche der playoffs würden wir wohl den Zuschauer schnitt auf gleiche ebene der letzten saison realisieren.👍
      7 6 Melden
    • Kaner 30.01.2017 18:26
      Highlight Danke ChrisRock. übrigens, Biel ist nie Konkurs gegangen (@andre) und ich denke, dass biel wohl sehr seriös geführt wird. Budget ist Budget! Und wird auch eingehalten. Es könnten sich andere Clubs ein Vorbild nehmen, damit müssten sie im Sommer nicht auf betteltour gehen...
      10 5 Melden
    • andre63 30.01.2017 20:19
      Highlight sorry kaner, meinte natürlich die rettung/sanierung durch herrn landtwing (oder so) 😊👍
      5 0 Melden
  • Tikkanen 30.01.2017 14:59
    Highlight ...Schmierentheater😩 Konnte den Kossmann einst in Bern als äusserst integren Coach mit einer herausragenden Arbeitsethik kennenlernen👍🏻 Schade für Housi, schade für die Anhänger des maroden Dorfklüblis😳 Früher gings da anders ab. Erinnere mich an den Serien QF Rauswurf des sich damals im Sinkflug befindenden SCB durch die Tessiner😦 Oder noch vorher an den Indianischen 1st Overall und Ex Red Wings Captain McCourt, den schnauzigen Bullard, den kleinen Millen der dann bei den Kings an der Seite vom Wayne ins Finale 93 stürmte oder die Russkis um Petrov. Damals machte Ambri noch Freude😭
    62 10 Melden
  • f303 30.01.2017 14:58
    Highlight ausnahmsweise einmal volle Zustimmung
    44 3 Melden
  • Sloping 30.01.2017 14:53
    Highlight Für den Oscar des am schlechtesten geführtesten NLA Clubs würde ich Ambri, Lugano und Fribourg nominieren. Bei allen dreien liegen die Probleme gleich: Katastrophale und einer Profiliga nicht gebührende Vereinsführung des Präsidiums, Verwaltungsrates und des Sportchefs. Die ewig gestrigen Trainer, fehlende Leistungskultur, überzahlte Spieler und keine Teamstruktur haben diese zu verantworten. Eine alleinige Trainerentlassung löst das eigentliche Problem dieser Vereine nicht oder nur kurzfristig.
    106 8 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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