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Philippe Furrer (l.) weiss, wie man grosse Gegner stoppt. Bild: KEYSTONE

Warum Philippe Furrer Gottérons wichtigster und riskantester Transfer seit Bykow ist

Luganos Verteidigungsminister Philippe Furrer (32) wechselt für drei Jahre zu Fribourg-Gottéron und nicht zu Biel und wird zum «Porzellan-Bubenberg». Warum? Ganz einfach: des Geldes wegen.

26.10.17, 13:26 26.10.17, 14:13

Luganos sportliche Wiederauferstehung hat viel mit dem Transfer von Philippe Furrer zu tun. Im Sommer 2015 zügelte der WM-Silberheld von Bern nach Lugano. Nach dem letzten Titel von 2006 hatte Lugano nie mehr eine Playoffrunde überstanden und gar zweimal die Playoffs verpasst.

Philippe Furrer (unten) verlor mit Lugano im Playofffinal 2016 gegen Bern. Bild: TI-PRESS

Mit Philippe Furrer erreicht Lugano 2016 sogleich das Finale gegen den SC Bern. Und im letzten Frühjahr kippte Lugano die ZSC Lions aus den Playoffs und brachte den SC Bern im Halbfinale in Not. Diese Saison hat der Meister mit keinem anderen Gegner so viel Mühe wie mit Lugano. Die Tessiner haben den SCB bereits zweimal besiegt – einmal auch in Bern.

Philippe Furrers Dreijahresvertrag läuft Ende Saison aus. Er hat ein Haus in der Nähe von Murten, der Heldenstadt, die lange von Fribourg und Bern gemeinsam verwaltet wurde und heute zum Kanton Fribourg gehört.

Die heldenhafte Verteidigung von Murten

Nicht nur der Sieg in der Schlacht von Murten bleibt unvergesslich. Die Eidgenossen vernichteten 1476 das Heer von Karl dem Kühnen, eine der stärksten Armeen Europas. Vor allem aber ist die heldenhafte Verteidigung Murtens in die Geschichte eingegangen.

Adrian von Bubenberg zumindest bei diesem Theater auf dem Rücken. Bild: KEYSTONE

Bern und Fribourg verwalteten das Städtchen gemeinsam. Unter der Führung des bernischen Schultheissen Adrian von Bubenberg hielt Murten auf wundersame Weise der Belagerung stand. Schossen die Burgunder mit ihren Kanonen Lücken in die Mauern, so liess der heldenhafte Anführer die Lücken mit Tücher schliessen und wenn die Belagerer einzudringen versuchten, wurden sie wieder hinausgeworfen.

Wenn wir diese Geschichte nicht vergessen hätten, dann wäre der Transfer von Philippe Furrer von Lugano zu Gottéron keine Überraschung. Nun schliesst sich der Kreis. 542 Jahre nach Adrian von Bubenberg kommt mit Philippe Furrer wieder ein bernischer Anführer in den Kanton Fribourg. Diesmal nicht um Murten gegen die Burgunder zu verteidigen. Sondern das Tor von Gottéron gegen die Titanen aus Bern, Lugano, Davos, Zürich und Kloten.

Gegen niemanden verteidigen die Fribourger leidenschaftlicher als gegen den SCB. Bild: KEYSTONE

Wechsel nach Biel schien logischer

Aber was sind, nun mal abgesehen von der netten historischen Parallele die wahren Gründe für Philippe Furrers Wechsel zu Gottéron?

Lange hatte Biel um seine Dienste geworben. Philippe Furrer hatte ja erklärt, dass er nach der dreijährigen Dienstzeit in die Deutschschweiz zurückkehren und sich in der Nähe von Murten niederlassen würde. Ein Rücktransfer zum SCB war kein Thema mehr. Und so ging es primär um Biel und Gottéron. Biel ist etwas weiter entfernt vom neuen Wohnort Philippe Furrers. Aber die Differenz von 20 Minuten Fahrzeit war nicht transferentscheidend. Ja, der Wechsel nach Biel, einem aufstrebenden Hockeyunternehmen schien logischer als ein Transfer zum unberechenbaren Gottéron.

Hier ist Biel und hier werden keine exorbitanten Gehälter bezahlt. Bild: KEYSTONE

«Ganz einfach des Geldes wegen»

Die Frage geht deshalb an Biels Manager Daniel Villard. Warum wechselt Philippe Furrer nun doch zu Gottéron und nicht zu Biel? «Ganz einfach des Geldes wegen. Fribourg zahlt mehr. Er hat uns offen gesagt, unsere Vertragsofferte genüge finanziell nicht.» Warum hat Biel die Offerte nicht nachgebessert? «Weil wir unsere Linie haben. Wir offerierten ihm, was wir verantworten können. Er wäre bei uns in die Gehaltsklasse von Jonas Hiller und Beat Forster gekommen.» Wie sagen doch die Nordamerikaner so schön: «Money talks». Und Zyniker fügen an: «Bullshit walks.»

Phillippe Furrer dürfte bei Gottéron nach Romain Loeffel (Servette, nächste Saison Lugano), Raphael Diaz (Zug) und Eric Blum (Bern) der bestbezahlte Schweizer Verteidiger der Liga sein. Die Gehaltsklasse dieser Verteidiger liegt zwischen 500'000 und 850'000 Franken brutto pro Saison. Gottéron ist damit wenigstens finanziell wieder einer der Titanen der Liga – wenn es um Löhne geht, auf Augenhöhe mit dem SC Bern, den ZSC Lions, Zug, Lausanne und Lugano.

Eric Blum und Raphael Diaz gehören zu den Topverdienern der Schweizer Verteidiger. Bild: KEYSTONE

Mit Bykow und Furrer zum Titel?

Philippe Furrer ist Gottérons wichtigster Transfer seit der Verpflichtung von Slawa Bykow und Andrej Chomutow im Sommer 1990. Die beiden Russen machten Gottéron zu einer der offensiv besten und spektakulärsten helvetischen Mannschaften aller Zeiten. Dreimal reichte es während der «russischen Flugjahre» fürs Finale – aber der SC Bern und zweimal Kloten waren besser. Gottéron scheiterte an der Defensive. Dino Stecher war ein sensibler Torhüter, an manchen Tagen der beste der Liga. Aber als es um alles ging, versagte er – sozusagen als Tobias Stephan seiner Zeit.

Keine Frage: Mit Slawa Bykow und Andrej Chomutow vorne und Philippe Furrer hinten hätte es Gottéron wohl zum Titel gereicht. Reicht es mit Philippe Furrer hinten und Slawa Bykows Sohn Andrej vorne in den nächsten drei Jahren zum Titel?

Slawa Bykow und Andrej Chomutow. In Fribourg träumt man noch heute von jener Zeit. Bild: KEYSTONE

Das Risiko lohnt sich

Wir sollten diese Möglichkeit nicht ganz ausschliessen. Vor allem dann nicht, wenn Reto Berra nächste Saison doch noch zu Gottéron wechseln sollte. Aber Philippe Furrer ist nicht nur Gottérons wichtigster Transfer seit Slawa Bykow und Andrej Chomutow. Es ist auch Gottérons riskantester Transfer der Klubgeschichte. Philippe Furrer hat in den letzten neun Jahren nur noch einmal mehr als 38 der 50 Qualifikationspartien bestritten (43 in der Saison 2011/12). Noch nie in seiner Karriere ist er ohne Verletzungen durch eine Saison gekommen.

Schafft der Sohn – auch dank Philippe Furrer –, was Vater Bykow nie gelang? Bild: PPR

Philippe Furrer ist ein charismatischer Verteidiger, der jede Mannschaft mit seinem Wesen und Wirken auf und neben dem Eis besser macht. Das Risiko lohnt sich. Er kann bei Gottéron die gleiche Rolle übernehmen wie einst Adrian von Bubenberg bei der Verteidigung von Murten. Sozusagen als «Porzellan-Bubenberg».

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
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30Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Thomtackle 26.10.2017 16:12
    Highlight Furrer hat mir sehr gut gefallen beim HCL. Grosse Persönlichkeit! Allerdings muss man auch festhalten, dass er in den Playoffs nicht immer über alle Zweifel war. Oft sehr fehleranfällig und dumme Strafen. Ich würde meinen Lugano hat mit Loeffel gut kompensiert.
    51 5 Melden
    • Sloping 26.10.2017 17:25
      Highlight Ja, Furrer war gerade in den letzten PO eher enttäuschend. Gerade von einem Defensivverteidiger erwartet man eine defensive Sattelfestigkeit. Loeffel ist ein Offensivverteidiger. Von dem her kann er kein 1:1 Ersatz für Furrer sein, sondern den wohl zurücktretenden Vauclair.
      21 1 Melden
    • Thomtackle 26.10.2017 17:29
      Highlight Da hast du natürlich recht. Somit könnte eher Wellinger in diese Rolle wachsen.
      14 1 Melden
    • Sloping 26.10.2017 17:47
      Highlight Ja, Wellinger ist eine Option oder Kparghai, wenn er nach seiner schweren Verletzung hoffentlich wieder sein ursprüngliches Level erreicht. Mittel- und langfristig evtl. auch einer der Jungen Riva, Sartori, Ronchetti oder Fontana.
      12 0 Melden
    • Larionov 26.10.2017 19:25
      Highlight Ronchetti? Vieleicht in ein paar jahren! Er ist mommentan die schwachstelle in der abwehr von lugano! Meist überfordert...
      7 0 Melden
    • Sloping 26.10.2017 22:21
      Highlight @Larionov. Das meinte ich mit Mittel- und Langfristig und auch eventuell, da sicherlich nicht alle der genannten Furrers Niveau erreichen werden. Riva hat das höchste Potential.
      8 0 Melden
    • Thomtackle 27.10.2017 09:34
      Highlight Riva sehe ich auch mit Abstand vorne. Unglaublich talentiert für sein Alter. Kommt super!
      6 1 Melden
    • Larionov 27.10.2017 18:35
      Highlight Kann ich so unterschreiben! Riva könnte ein grosser werden... ich hoffe mal das sartori in finnland sich weiterentwickeln wird... aber furrer kann man nicht einfach so ersetzen!😇
      3 0 Melden
  • Stirber 26.10.2017 15:28
    Highlight Wie jeder "Chronist" ist auch Klaus Zaugg ein wenig ein Fähnchen im Wind (nicht böse gemeint). Noch vor einigen Wochen wettet er drauf, dass Philippe Furrer zu Biel wechselt. Nur ein finanziell unmoralisches Angebot von Lugano könnte dem im Weg stehen. Im selben Artikel zeigte er sich überzeugt, dass Furrer nicht zu Fribourg wechselt. Da gehe es "mit und ohne Furrer drunter und drüber". Jä nu, nun hat KZ die Meinung geändert, mit Furrer könnte Gotteron gar zu einem Meisterkandidaten werden.. Wenn alles passt..
    Trotzdem guter Artikel, v. a. der Vergleich mit Bubenberg gefällt mir :P
    50 6 Melden
  • vingt-cinq zero deux 26.10.2017 14:34
    Highlight Kloten als Titan zu bezeichnen gleicht an Blasphemie
    137 8 Melden
    • uicked 26.10.2017 15:39
      Highlight Dachte ich au ;)
      14 1 Melden
    • olllli 26.10.2017 16:12
      Highlight Es ging da um Meistertitel im Play Off Zeitalter und da hat nunmal Kloten als einzige Mannschaft 4 X in serie ich wiederhole 4 x zwischen 1993 - 1996 die Meisterschafft gewonnen.
      15 24 Melden
    • MARC AUREL 26.10.2017 16:40
      Highlight Ja, top, muss man würdigen was Kloten damals erreichte. Doch jetzt ist so was kaum möglich da unsere Liga viel zu ausgeglichen ist!
      23 2 Melden
  • Atze 26.10.2017 14:28
    Highlight Furrer hat Lugano besser gemacht? Vielleicht, aber er hat mit seinem Abgang definitiv den SCB gestärkt. 2 Meistertitel seit seinem Weggang sprechen doch definitiv dafür. Lugano wird also ab nächster Saison zum ernsthaften Titelkandidaten und Fribourg beweis einmal mehr, dass sie gar nie Meister werden wollen und sich mit der Verliererrolle arrangiert haben.
    25 62 Melden
  • dechrigi 26.10.2017 14:20
    Highlight Sehr witzig, seit Schläpfer Trainer in Kloten ist gehören wir wieder zu den Titanen?
    Da ist wohl etwas an mir vorbei.
    77 1 Melden
  • RoJo 26.10.2017 13:48
    Highlight Da muss ich dir widersprechen, Chlöisu👎🏻! Während der Bykov Zeit verteidigte und orchesterisierte Sämi Balmer die Verteidigung. Und dieser war, nichts gegen Furrer, doch eine andere Schuhnummer..... und, wenn die Salärzahlen wirklich stimmen sollten, dann wäre Furrer deutlich überbezahlt! Da gibt es Verteidiger in der Schweiz, die wesentlich besser spielen und weniger verdienen!....
    113 19 Melden
    • San_Fernando 26.10.2017 15:14
      Highlight Absolut richtig. Gegen Kloten hätte auch Furrer nichts ausrichten können. Ich denke an Spieler wie Eldebrink, Johansson, Hollenstein, Wäger, usw.
      Und auf der Goalieposition war Kloten damals mit Pavoni auch deutlich stärker!
      28 3 Melden
    • Sloping 26.10.2017 16:31
      Highlight Balmer war ein hervorragender Offensivverteidiger. Einen solchen mit einem sehr guten Defensivverteidiger wie Furrer zu vergleichen ist schwierig oder kaum möglich. Das gleiche wären Vergleiche mit Diaz, Löffel oder Blum, die aufgrund ihrer Spielweise und Skorerpunkte viel mehr auffallen. Furrer ist einer der wohl drei besten Defensivverteidiger in der NLA. Und trotzdem ist ein Lohn von wohl ca. 700'000 eine Hausnummer. Aber die besten in einem Bereich verdienen halt massiv mehr als der Duchschnitt. Das ist überall im Sport so.
      17 0 Melden
    • RoJo 27.10.2017 10:21
      Highlight Sloping. Ein Defensiv-Verteidiger ist Furrer meiner Meinung gar nicht. Ein Defensiv-Verteidiger ist, wenn wir beim SCB bleiben, Beat Gerber!! Und dessen Fehlerquote ist seit 2002 einfach unglaublich tief!! Und nur weil Furrer als NHL-tauglich eingestuft wurde, sagt das nicht viel über ihn aus! Ausserdem war und ist er sehr verletzungsanfällig. Und so ist die Aussage bezüglich den Top3 auch relativiert.....
      5 2 Melden
    • Sloping 27.10.2017 12:51
      Highlight Furrer ist ein Defensivverteidiger, vielleicht in Richtung Allround Defender, der in allen drei Zonen zu Hause ist. Auch Zaugg bezeichnete ihn im untenstehenden Artikel als Defensivverteidiger und auch in The Hockey Week wurde er so diskutiert. Da er meistens in der ersten Linie bei Lugano spielt und dort den Offensivverteidiger absichert, hat er mehr Skorerpunkte als der noch defensivere Beat Gerber.

      http://www.watson.ch/Sport/Eismeister%20Zaugg/875114065-Ein-stiller-Titan-–-Philippe-Furrer-ist-der-wichtigste-Schweizer-Verteidiger
      4 0 Melden
  • Santale1934 26.10.2017 13:35
    Highlight "Sondern das Tor von Gottéron gegen die Titanen aus Bern, Lugano, Davos, Zürich und Kloten."

    Kloten? Titan?
    Was habe ich verpasst oder verstehe ich hier was komplett falsch?
    239 4 Melden
    • Steven86 26.10.2017 13:56
      Highlight Kloten sind wieder Titanen, den sie haben jetzt Kevin Schläpfer 😂
      40 5 Melden
    • DerSeher 26.10.2017 14:05
      Highlight Habe ich auch gedacht, habe im Büro laut aufgelacht! Der war echt gut Chläusi! ^^
      44 0 Melden
    • Pegi9999 26.10.2017 14:07
      Highlight Musste ich auch zweimal durchlesen 😂
      35 0 Melden
    • Ohniznachtisbett 26.10.2017 14:08
      Highlight Der Eismeister lebt halt in der Vergangenheit. Karl der Kühne, Gotthelf, Ueli der Knecht, Köbi Kölliker, Bykow/Chomutow, die Klotener Meisterjahre... alles lange her.
      Ah und könnte man sagen, dass wenn der Zürcher Berra den langen Weg nach Fribourg macht um das Schloss zu schützen, ihm eine ähnliche Funktion zukommt, wie seinerzeit Hans Waldmann, der mit seinen Zürcher Mannen, die Berner und Fribourger gegen Karl den Kühnen unterstützt und zum Sieg gebracht hat?

      Boah, jetzt fühle ich mich fast etwas eismeisterlich ;)
      62 0 Melden
    • Eduard Laser 26.10.2017 14:14
      Highlight Jetzt wo sein Busenfreund dort Trainer ist, muss er nett über Kloten schreiben.
      48 1 Melden
    • Lindros88 26.10.2017 14:51
      Highlight Jetzt mit Schläpfer an der Bande zählt Kloten für Zaugg wohl schon wieder zu den Titanen....
      39 1 Melden
    • das Otzelot 26.10.2017 15:39
      Highlight @Ohniznachtisbett

      Dein Kommentar hat den Schwefelgeruch eines Klugscheisserchronisten. ;- )
      Geschichte: 6
      29 2 Melden
    • goldmandli 26.10.2017 16:52
      Highlight Der Schläpfer effekt. Kloten spielt nun um den Titel.
      16 3 Melden
    • Pajassfan 27.10.2017 11:56
      Highlight Da wurde bei Kloten aus Versehen die Namensverschweizerung-App für Freunde aus dem Balkan aktiviert und aus Titanic wurde Titan
      1 3 Melden

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