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Peter Guggisberg (vorne) stürmt nächste Saison für Ambri-Piotta. Bild: Marc Schumacher

Peter Guggisberg wechselt zu Ambri – Langnau fehlte der Mut zum vernünftigen Risiko

Ist der Kampf um die letzten Playoffplätze im Juli entschieden worden? Durchaus möglich. Ambri hat mit der Verpflichtung von Peter Guggisberg ein Zeichen gesetzt – und Langnau mit dem Verzicht auf den Nationalstürmer auch.

14.07.16, 15:49 14.07.16, 16:02

Peter Guggisberg (31) verpflichten? Nein, lieber nicht. So haben fast alle Sportchefs reagiert, als der offensive Schillerfalter im Frühjahr in Kloten nicht mehr erwünscht war und sein hochdotierter, weiterlaufender Vertrag aufgelöst und ausbezahlt wurde. Einer sagte es etwas boshaft so: «Guggisberg wäre ja ein toller Spieler – aber halt wie ein Unfallauto. Wir lassen die Finger davon».

Ein bisschen Wahrheit steckt in dieser Einschätzung ja schon: wegen einer langwierigen Knieverletzung konnte Peter Guggisberg zwischen 2010 und 2013 in drei Saisons insgesamt nur 41 Partien (22 Punkte) bestreiten. Er hatte sich diese Blessur in der letzten Meisterschaftspartie vor dem Olympischen Turnier von 2010 zugezogen.

Voller Einsatz: Der damalige HCD-Topskorer Guggisberg fährt in der Saison 2009/10 Langnau-Goalie Matthias Schoder über den Haufen.
Bild: PHOTOPRESS

Der Emmentaler gilt auch als schwieriger Spieler. Er braucht einen einfühlsamen Trainer (wie einst in Davos mit Arno Del Curto). Aber diese Einschätzung ist nicht ganz richtig: Peter Guggisberg ist auch ein leidenschaftlicher Spieler. Leidenschaftliche Spieler sind bei kluger Führung durch den Trainer nie schwierig.

Vertretbares Risiko

Ambri hat Inti Pestoni an die ZSC Lions verloren. Er hat in der letzten Qualifikation 40 Punkte gebucht. Peter Guggisberg wird mit ziemlicher Sicherheit nicht so produktiv sein. Aber er wird über die Aussenbahnen fegen und Ambris Spiel dynamisieren, die Fans elektrisieren und – wenn alles gut geht – mit seinem Wesen und Wirken für zusätzliche 40 Punkte sorgen.

Inti Pestoni wechselt von Ambri zu den ZSC Lions.
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Es kann sein, dass Ambri auf Augenhöhe mit den SCL Tigers um die letzten Playoffplätze spielen wird. Das ist die optimistische Prognose. Aber es kann auch sein, dass Ambri und Langnau die Playouts bestreiten. Das ist die pessimistische Prognose. Wenn es knapp wird, kann ein Spieler wie Peter Guggisberg die Differenz machen. Die Differenz für Ambri und gegen Langnau.

Peter Guggisberg ist vor 13 Jahren in Langnau ein NLA-Stürmer geworden, ehe er 2003 nach Davos wechselte. Die Langnauer haben in der vergangenen Saison einen Bruttogewinn von fast einer Million erwirtschaftet. Sie hätten die Mittel, um den «verlorenen Sohn» heimzuholen. Die Rückkehr des Spektakelflügels wäre zwar, wie ich oben ausgeführt habe, mit einem Risiko verbunden gewesen. Aber mit einem vertretbaren Risiko.

Partyaffiner Rock'n'Roller

Langnaus Sportchef Jörg Reber hat sich nie um Peter Guggisberg bemüht. Er ist auch nicht sonderlich an einem «Coming home» von Daniel Steiner (in Biel freigestellt) interessiert. Er hat dafür gute Gründe: Die Chemie im Team ist dem tüchtigen Sportchef wichtig. Wenn er schon nicht genug Geld hat, um das Talent für die Playoffs einzukaufen, dann achtet er wenigstens darauf, dass niemand kommt, der die gute Stimmung trübt. Auf sorgfältige Auswahl der Dienstboten achteten einst schon die Bauern im Emmental. Auch Ueli der Pächter.

Dagegen ist nichts einzuwenden. Das Problem ist bloss, dass Jörg Reber dieser an und für sich klugen Philosophie längst untreu geworden ist. Er hat nämlich ausgerechnet Rob Schremp (30) verpflichtet. Der Amerikaner spielte in den letzten fünf Jahren für acht verschiedene Teams – darunter für 2013/14 für den EV Zug, für den er fast einen Punkt pro Spiel produzierte.

Rob Schremp jubelte in der Saison 2013/14 oft für den EV Zug.
Bild: KEYSTONE

Die vielen Klubwechsel sind kein gutes Zeichen. Und tatsächlich lassen die Geschichten, die über den Rock’n’Roller erzählt werden, keinen pflegeleichten, hart für die Mannschaft arbeitenden Musterprofi erwarten. In Zug wird erzählt, er sei wegen seiner Eskapaden nur knapp der fristlosen Entlassung entkommen. Die Einschätzungen lassen sich etwa so zusammenfassen: Göttliches Talent, aber ein Rock’n’Roller mit Hang zu Partys. Spielerisch brillant, aber nur auf offenem Eis, weil er den Zweikampf scheut. Wenn es so sein sollte, dann ist der Eklat, der Zusammenstoss mit Leitwolf Chris DiDomenico programmiert.

Wer nichts wagt...

Jürg Reber sagt, er habe über Rob Schremp nur beste Auskünfte bekommen. Er setzt auf Läuterung im Herbst der Karriere. Warum auch nicht? Im beschaulichen Emmentaler Dorf hat schon so mancher wilde Mann in der «Gotthelf-Idylle» wenigstens vorübergehend seine innere Ruhe gefunden. Und wir können auch davon ausgehen, dass der talentierte kanadische Zweiweg-Center Brendan Shinnimin (er komplettiert das Ausländer-Quartett) als hart arbeitender Vorkämpfer und Vize-Leitwolf einen stabilisierenden und beruhigenden Einfluss auf Rob Schremp haben wird.

Der ehemalige NHL-Spieler Brendan Shinnimin komplettiert bei Langnau das Ausländer-Quartett.  Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

Aber wer Rob Schremp eine Chance gibt, müsste erst recht Peter Guggisberg eine Chance geben. Und Daniel Steiner sowieso. Im Vergleich zum Amerikaner sind die beiden Ur-Emmentaler bloss Chorknaben.

Vermeintlich «kleine» Hockeyunternehmen wie die SCL Tigers können den Mangel an Geld ab und zu mit dem Mut zum Risiko wettmachen – ein hohes Risiko allerdings, weil es im Falle eines Scheiterns keine finanziellen «Auffangnetze» gibt wie bei den Grossen. Aber wie der Dichterfürst Friedrich Schiller schon sagte: Wer nichts wagt, darf nichts hoffen.

Jörg Reber wagt viel mit Rob Schremp (aber mit ziemlicher Sicherheit ahnt er gar nicht, was er mit dem Amerikaner für ein Risiko eingeht), aber er wagte nichts mit dem Trainer (er hat den braven Scott Beattie SCB-Meistertrainer Lars Leuenberger vorgezogen), er wagte nichts mit Peter Guggisberg und er mag nichts mit Daniel Steiner wagen.

Der neutrale Beobachter macht sich im Juli grössere Sorgen um Langnau als um Ambri.

Inti Pestoni hat dem ZSC auch schon eine schöne Karte geschrieben:

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    Alle Leser-Kommentare
  • RoJo 20.07.2016 01:27
    Highlight Bin immer noch der Meinung, dass Lars Leuenberger überbewertet wird! Seine Stärke war, dass er das Team einfach laufen liess..... Das hätten sie Herr Zaugg und ich weit günstiger auch getan!😁... Bei Steiner weiss man inzwischen beim hintersten und letzten Klub, dass er Unruhe in die Garderobe bringt und die grosse Verletzungsanfälligkeit von " Guggi" wird doch Jahr für Jahr (leider!!) eindrücklich bewiesen!... Also, in Langnau wurde in allen Belangen absolut richtig gehandelt!👍🏻😁
    11 5 Melden
  • Robert E. Lee 15.07.2016 11:56
    Highlight Guggisberg dürfte nicht der billigste Spieler sein. Mich würde wirklich brennend interessieren woher Ambri den Zaster hernimmt. Die verpflichten ja alles was nicht bis 10 auf den Bäumen ist....
    21 10 Melden
    • hanibal79 15.07.2016 20:40
      Highlight Geld haben und Geld ausgeben ist nicht das selbe.
      26 2 Melden
  • MARC AUREL 15.07.2016 08:47
    Highlight Langnau??? Können die was?
    12 31 Melden
  • Sven Bürki 14.07.2016 21:22
    Highlight Zum glück wissen die nich dass die tigers die ganze zeit noch einen 4. Ausländer suchten. Den sie auch gefunden haben (brendon shinnimin)somit ist das budget aufgebraucht. Tolle berichterstattung. Niiiicht!!!
    5 24 Melden
  • manolo 14.07.2016 19:08
    Highlight "Klausi" du machst dir Sorgen um Langnau als Fan, du bist kein neutraler Beobachter!
    Aber das ist schon ok! Ich bin aber der Meinung, dass Reber richtig gehandelt hat in Sachen " Steiner und guggisberg l
    33 5 Melden
  • Tikkanen 14.07.2016 17:47
    Highlight Hey Chlöisu. Langnau, Ambri🤔 Wen interessiert das Gerangel um des Güggus nächstes Team?? 😴😴Schreib besser über die Geschehnisse rund um den epochalen Meister 2016!!
    11 74 Melden
    • mukeleven 14.07.2016 22:55
      Highlight verbrennti zaine - jetzt isch der tikk usam winterschlaf verwachet! 🖖😉😂
      37 1 Melden
  • Tubel500 14.07.2016 16:59
    Highlight LangnauLangnauLangnauLangnauLangnauLangnauLangnauLangnau LangnauLangnauLangnauLangnauLangnau
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    54 67 Melden
    • Todd E. 14.07.2016 20:04
      Highlight Geil !!!!!!!!!!!!!!!!!!€😄😄😄😄😄
      11 27 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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