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Berns Martin Pluess, der seine Eishockey-Karriere beendet, wird geehrt und verabschiedet sich von den Fans, beim Eishockeyspiel der National League zwischen dem SCB Bern und den ZSC Lions, am Freitag, 12. Januar 2018, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Ex-SCB-Stürmer Plüss wird gestern vor dem Spiel gegen die ZSC Lions verabschiedet. Bild: KEYSTONE

Warum Martin Plüss eine «falsche» SCB-Legende ist

Damit Martin Plüss zu einer Legende des SC Bern werden konnte, hat Marc Lüthi kurzerhand die Gesetze geändert. Der SCB-General ist neuerdings auch ein Legenden-Macher.

13.01.18, 08:38 13.01.18, 11:52


Kein Hockeyunternehmen im Land versteht es so gut, seine Helden zu ehren wie der SC Bern. Hier ist eben die Hockeykultur höher entwickelt als anderswo. Aber Achtung: Wer ein Held wird, entscheidet am Ende SCB-General Marc Lüthi, der König von Bern.

Die höchste Ehre beim SC Bern ist der sogenannte «Legendenstatus». Gestern ist Martin Plüss (40) vor dem Spiel gegen die ZSC Lions in einem festlichen Akt dieser Status verliehen worden. Sein Dress mit der Nummer 28 ist unters Hallendach aufgezogen worden. Zu den Klängen des Berner Marsches. Ein kultiges Musikstück aus dem Jahre 1791, das zum Symbol wurde zum Widerstand gegen die napoleonische Besatzung.

Wer eine Legende werden darf, hängt von diesen objektiven, in Stein gemeisselten Kriterien ab:

Vier dieser fünf Kriterien müssen erfüllt sein, um in den SCB-Hockeyhimmel der Legenden aufzusteigen. Vor Martin Plüss sind zwölf Spieler zu Legenden gemacht worden: René Kiener, Peter Stammbach, Martin Rauch, Roland Dellsperger, Sven Leuenberger, Renzo Holzer, Patrick Howald, Marc Reichert, Rentato Tosio, Ivo Rüthemann, Marco Bührer und David Jobin.

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

Für manche sind die Gesetze gleicher

Nun wird der aufmerksame Fan stutzig: Auch Martin Plüss eine SCB-Legende? Kann nicht sein. Er erfüllt nämlich zwei Kriterien nicht. Er hat seine Profi-Karriere nicht beim SCB begonnen und «nur» neun statt der erforderlichen zehn Jahre in Bern gespielt. Martin Plüss, die «falsche» SCB-Legende.

Es ist beim SCB halt wie im richtigen Leben: Die Gesetze sind für alle gleich und für ein paar andere gleicher. Martin Plüss erfüllt tatsächlich die Voraussetzungen für den SCB-Helden-Status nicht. SCB-General Marc Lüthi sagt: «Wir haben die Möglichkeit, den Dress eines Spielers auch dann unter dem Dach aufzuhängen, wenn die Kriterien nicht erfüllt sind. Von diesem Recht haben wir im Fall von Martin Plüss Gebrauch gemacht. Er hat das verdient.» Wenn Marc Lüthi «wir» sagt, dann meint er eigentlich «ich». Entschieden wird in solchen Sachen von der Geschäftsleitung und die macht, was der grosse Vorsitzende und Mitbesitzer sagt.

Holzer, Howald und Rauch keine Legenden mehr?

Rund um den SCB-Legendenstatus gibt es noch eine weitere Besonderheit. Die Geschäftsleitung (also Marc Lüthi) hat im Herbst beschlossen, dass neu ein Kriterium in jedem Fall erfüllt sein muss: das Karriereende in Bern. Das aber bedeutet, dass der Legendenstatus von Renzo Holzer, Patrick Howald und Martin Rauch nach neu gesprochenem Recht subito wieder annulliert werden müsste.

Patrick Howald, SC Bern, schiesst am 4. April 1992 in Bern beim Playoff-Spiel gegen den SC Freiburg bereits nach 38 Sekunden das erste Tor fuer die Berner. (KEYSTONE/Juerg Mueller)

Legendärer Stürmer: Patrick Howald. Bild: KEYSTONE

Dieses Trio hat die Karriere nicht in Bern beendet. Wird nun das Trio aufgrund der neuen Bestimmung wieder aus dem Legenden-Himmel vertrieben und das Leibchen vom Dach heruntergeholt? Lüthi, etwas unwirsch: «Nein. Natürlich nicht.»

Die neue Bestimmung (Karriereende in Bern zwingend) führt dazu, dass beispielsweise Philippe Furrer, wahrlich ein echter SCB-Held, der Legendenstatus verwehrt bleibt. Obwohl er vier von fünf Kriterien bereits erfüllt hat. Aber er verteidigt aktuell für Lugano und ab nächster Saison für Fribourg-Gottéron.

LuganoÕs player Philippe Furrer in action during the preliminary round game of National League Swiss Championship between HC Lugano and HC Ambri Piotta, at the ice stadium Resega in Lugano, Switzerland, on Friday, January 5, 2018. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

SCB-Legende im falschen Dress: Philippe Furrer. Bild: TI-PRESS

Die Vorstellung, dass Furrer keine SCB-Legende werden kann, fällt einem SCB-Fan schwer. Lüthi sagt dazu: «Wer sagt denn, dass er seine Karriere nicht doch beim SCB beenden wird?» Nun ja, vielleicht wechselt der WM-Silberheld nach Vertragsablauf bei Gottéron im Frühling 2021 im Alter von 35 Jahren zurück zum SCB.

Warum ist es eigentlich so wichtig geworden, dass einer die Karriere beim SCB beenden muss, um eine Legende zu werden? Marc Lüthi hat eine Antwort, die in Bern die Antwort auf alle Hockeyfragen ist. Heute und immerdar: «Weil wir es so wollen.»

Wie wird eigentlich Lüthi dereinst geehrt werden?

Aber was, wenn Leonardo Genoni den SCB viermal zum Titel hext und dann die Karriere in Zürich beendet? Dann kann er nach heute geltendem Legenden-Gesetz keine SCB-Legende werden. Aber jede Wette: Dann kommt er dank einer weiteren Gesetzesänderung doch unters Dach und Marc Lüthi wird sagen: «Wir haben die Möglichkeit, den Dress eines Spielers auch dann unter dem Dach aufzuhängen, wenn die Kriterien nicht erfüllt sind. Von diesem Recht haben wir im Fall von Leonardo Genoni Gebrauch gemacht. Er hat das verdient.»

Der SCB-General sollte auch etwas für seinen Nachruhm tun und daran denken, eine zusätzliche Kategorie nach NHL-Vorbild zu schaffen. Für «Builders». Also für jene Männer, die den Schlittschuh-Club Bern gross gemacht haben. Für Mannsbilder wie Fred Bommes und Marc Lüthi. Ehre, wem Ehre gebührt.

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28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Staal 15.01.2018 16:48
    Highlight Dass der Gitterkonfirmant aus dem Züribiet geehrt wurde ist doch erstaunlich, war er doch allerhöchstens ein mittelmässiger Goalie
    1 2 Melden
  • Chloote 14.01.2018 13:40
    Highlight Martin Plüss hat es verdient das man ihn würdigt!
    Ein Vorkämpfer über Jahre der immer alles gegeben hatte für seine Teams.
    Von der Sorte gibt es leider fast keine mehr!
    Danke für alles was du in deiner Profikariere geleistet hast.
    #28 4ever!!!
    7 0 Melden
  • SirMike 13.01.2018 17:46
    Highlight Rüthemann hat seine Profikarriere beim HCD gestartet. Plüss scheint nicht die einzige Ausnahme zu sein...
    1 10 Melden
    • Meiniger 13.01.2018 18:28
      Highlight Man muss 4 der 5 Kriterien erfüllen.
      Dies hat Rüthemann.
      12 0 Melden
  • Italian Stallion 13.01.2018 14:16
    Highlight Irgendwie eine schräge Sache....für mich war Plüss immer ein Klotener, der in Bern spielte, genauso wie Howald immer ein SCB-ler war, egal wo er spielte. Geehrt zu werden verdient Plüss auf jedenfall, er hat wirklich für das Hockey gelebt und in der Schweiz seinen Footprint definitiv hinterlassen.
    39 0 Melden
  • marak 13.01.2018 14:07
    Highlight Schön, haben wir solche Probleme. Nun aber zu den Leibchen. Das mit dem Unters-Dach-Hängen finde ich gut. Das mit dem Nummern für immer sperren, finde ich ganz und gar nicht gut. Das ist dann wirklich zuviel des Guten in Sachen Pathos. Soll doch einer, der die Eier dazu hat die Nummer einer Legende wählen. Dann hat er wenigstens die Motiviation es möglichst gut zu machen.
    25 2 Melden
    • dizzy 13.01.2018 18:46
      Highlight wenn das in bern so weiter geht werden bald kaum noch nummern verfügbar sein.ich wär für ein scb-museum wo die spieler verweigt werden oder sowas wie eine wall of fame und endlich aufhören nummern zu sperren🙄
      14 1 Melden
  • Professor Chaos 13.01.2018 13:53
    Highlight Die Änderung der Kriterien zählt für alle Spieler und wurden nicht schnell für Plüss geändert. Und dass er als "falsche" SCB Legende bezeichnet wird macht mich sauer. Plüss hat für den SCB mehr geleistet als einfach nur lange im Verein zu sein!
    32 6 Melden
  • bärnerin13 13.01.2018 10:51
    Highlight Chli schwach chlous dr jobin ds vergässä! Plüss isch üsi 13. Nummer ungerem dach😊
    "Mir singä für di bis zum tod- üsi farbä 🖤💛❤"
    27 21 Melden
    • hockey_guru 13.01.2018 11:49
      Highlight Dä song geit angers:
      Lieber tod aus schwarz, gäub, rot🙄
      37 45 Melden
  • La12 13.01.2018 10:46
    Highlight Chlöisu's Wirrwarr...wieso sollte jetzt die Nummer eines Spielers nachträglich runtergeholt werden? Plüsch Ferdu hat in 9 Jahren 5 Titel gewonnen und war Captain, wenn dies keine Legende ist...Fippu ist selber Schuld, er wollte ja unbedingt weg und wechselt jetzt sogar zum Erzrivalen.
    60 6 Melden
  • Lümmel 13.01.2018 09:35
    Highlight Wenn alles von dem was der Eismeister hier erzählt die Wahrheit ist, dann muss ich sagen, wird Marc Lüthi immer mehr zu einer Witzfigur.
    31 77 Melden
    • MARC AUREL 13.01.2018 12:41
      Highlight Ein bisschen mehr RESPEKT vor KING LÜHTI. Was er für Bern geleistet hat ist enorm.. Bern hat allen den Weg gezeigt wie man seriös Geld erwirtschaftet!
      41 18 Melden
    • Hockrates 13.01.2018 22:58
      Highlight Respekt vor Peter Lüthi, nicht Marc.
      3 5 Melden
  • Leguan 13.01.2018 09:24
    Highlight Es bringt ja nichts, Spieler zu ehren, die schon jahrelang woanders Spielen und deshalb bei den Fans schon in vergessenheit geraten sind.

    Plüss hat diese Ehre sicher verdient, er war ewiger Vorkämpfer/Vobrbild und gab stets sein bestes!
    163 7 Melden
  • Oban 13.01.2018 09:18
    Highlight Naja in der NFL tretten verdiente Spieler teilweise mit einem Eintagesvertrag zurück, betrift meist Spieler die für ihr letztes Jahr es noch woanders versucht haben oder welche die Aufgrund von Verletzungen längere Zeit Vertragslos waren.
    Mit diesem Modell wäre es also auch für Furrer möglich wenn er dann als SCB Spieler zurücktreten möchte.
    34 6 Melden
  • DerHans 13.01.2018 08:58
    Highlight Hätte der Eismeister eine Nummer, sie würde schon lange unter dem Dach der PA hängen. Goldig eingerahmt.
    69 18 Melden
  • Tikkanen 13.01.2018 08:51
    Highlight ...Plüssi hat die Ehre absolut verdient, auch wenn mir lieber gewesen wäre dass er diese Saison noch den🏆mit Bern holt und somit seine 10 Jahre in Europas Hockeyhauptstadt🐻 vollendet hätte🤔Der Umgang mit den Franchise-Playern in Bern ist vorbildlich, einzig ännet äm grosse Teich werden grosse Spieler derart geehrt wie bei uns in Bern, besonders empfehlenswert diesbezüglich der Besuch eines Heimspieles der Rangers im epischen Madison Square Garden😎🍻
    49 103 Melden
    • Goon 13.01.2018 09:30
      Highlight Bald habt ihr aber keine Nummern mehr zu vergeben wenn dies in dem Tempo weitergeht.
      100 12 Melden
    • LebeauFortier 13.01.2018 09:46
      Highlight Kent Ruhnke hat genau dasselbe auch gesagt. Der SCB ist ein Vorbild für alle Sportvereine der Welt (ausser den Rangers, die sind ähnlich super).
      34 35 Melden
    • gunner 13.01.2018 11:18
      Highlight @goon schon in 80 jahren wird man keine ganze mannschaft mehr stellen können aufgrund der fehlenden nr. Eishockey wird dann über vier viertel gespielt werden müssen mit 3 blöcken. ;)
      26 9 Melden
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Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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