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Alle Rufe nützten nichts: Glen Hanlon bei der Niederlage gegen Lettland. Bild: KEYSTONE

Glen Hanlon kann ein Held wie Ralph Krueger werden – er hat drei letzte Chancen dazu

Die Hockeygötter sind fair. Sie geben jedem Coach eine letzte Chance, um ein Held zu werden. Ralph Krueger hat seine Gelegenheit im Mai 2000 gepackt. Glen Hanlon hat nun sogar drei dieser letzten Chancen.

07.05.15, 21:08

Nationaltrainer Ralph Krueger ist bei der WM 2000 in St.Petersburg nach einer 2:4-Niederlage gegen Frankreich in Not geraten. Er kann die Viertelfinals nur noch durch ein Wunder erreichen. Die Schweiz müsste eine der nominell besten russischen Nationalmannschaften seit dem Untergang der Sowjetunion besiegen. Das scheint ganz und gar unmöglich. Denn auch die Russen brauchen den Sieg. Die NZZ schreibt, eher werde der Zar wieder an die Macht gelangen.

Doch Ralph Krueger schafft das Unmögliche. Die Schweiz gewinnt gegen Russland 3:2 und zieht auf Kosten der Russen in die WM-Viertelfinals ein. Dort ist gegen Kanada (3:5) Endstation. Seither ist Ralph Krueger ein Held und heute gar eine der charismatischsten Führungspersönlichkeiten im Mannschaftsport überhaupt.

Natitrainer Ralph Krueger bei der Ankunft von der WM 2000. Bild: KEYSTONE

Hanlon kann ein Held wie Krueger werden

Glen Hanlon befindet sich jetzt in einer ganz ähnlichen Situation. Nach dem 1:2 n.V. gegen Lettland ist die Lage beinahe aussichtslos. Holen die Letten in den drei letzten Partien gegen die Hinterbänkler Frankreich, Österreich und Deutschland mindestens sechs Punkte, dann schaffen sie auf unsere Kosten das Viertelfinale – aber nur dann, wenn wir gegen Schweden, Kanada und Tschechien nicht mehr punkten.

Glen Hanlon kann ein Held werden wie Ralph Krueger, wenn er unsere Nationalmannschaft nun gegen die Grossen zu «unmöglichen» Punktgewinnen führt. Am besten so, dass uns ein Sieg gegen Schweden, Kanada oder Tschechien die Viertelfinals beschert. Der freundliche Kanadier hat also nicht nur eine Chance wie Ralph Krueger gegen Russland. Er hat gleich drei: Gegen Schweden, Kanada und Tschechien.

Scheitern in Prag kostet Hanlon kaum den Kopf

Rein hockeytechnisch sind die Chancen für Siege gegen die Grossen hier in Prag viel grösser als damals in St.Petersburg. Die Schweiz ist inzwischen WM-Finalist geworden (2013). In der Mannschaft von Prag 2015 steckt immer noch genug Stockholm 2013 für eine Sensation gegen Schweden, Kanada oder Tschechien.

Die Schweizer waren 2000 in St.Petersburg von Ralph Krueger meisterhaft gecoacht. Das ist auch die Voraussetzung für eine Sensation hier in Prag. Ralph Krueger ist 2000 mit einem Sechsjahresvertrag (bis 2006) belohnt worden. Glen Hanlon wird, wenn er in Prag die Viertelfinals doch noch schafft, nicht mit einem solchen Vertrag rechnen können. Aber mit einer Verlängerung, wenn sein Kontrakt in einem Jahr ausläuft.

Ein Scheitern hätte Ralph Krueger 2000 das Amt wahrscheinlich nicht gekostet. Wir können davon ausgehen, dass unsere Verbandsgeneräle Glen Hanlon im Falle eines Scheiterns nach Prag 2015 auch nicht des Amtes entheben werden.

Ein Quartett trägt die Verantwortung

Aber zum Wohle unseres Hockeys sollte im Falle eines Scheiterns die Debatte um die Amtstauglichkeit von Glen Hanlon geführt werden. Scheitern wir hier in Prag, dann ist es das schmählichste Verpassen der Viertelfinals seit der Rückkehr in die A-WM 1998. Scheitern wir, dann müssen wir sagen: Noch nie ist seit 1998 bei einer WM so viel Talent so schlecht gecoacht und gemanagt worden. Die Verantwortung dafür tragen Verbandspräsident Marc Furrer, der ehemalige Sportdirektor Ueli Schwarz, SCB-Sportchef Sven Leuenberger und ZSC-Manager Peter Zahner zu gleichen Teilen.

Marc Furrer hatte die Vertragsverhandlungen mit Sean Simpson öffentlich zur Chefsache erklärt – und schaffte es nicht, den Silberschmied von 2013 zu halten. Der inzwischen abgesetzte Sportdirektor Ueli Schwarz präsentierte Glen Hanlon als Nachfolger und die in der entsprechenden Kommission sitzenden Sven Leuenberger und Peter Zahner winkten diese Wahl durch. Peter Zahner hat die Wahl von Glen Hanlon ausdrücklich begrüsst, obwohl sich die internationale Hockeywelt bis heute über diese Trainerwahl wundert. Verbandspräsident Marc Furrer darf zu recht sagen: Wenn mir mein Sportdirektor Ueli Schwarz und so kompetente Hockeykenner wie Sven Leuenberger und Peter Zahner einen Trainer empfehlen, dann ist es wohl die richtige Wahl.

Besucher der Expo02 betrachten das riesige Panoramabild der Schlacht von Murten, welches im Innern des Rostwürfels im Murtensee ausgestellt war. Bild: KEYSTONE

Journalist spricht Hanlon Mut zu

Noch hat Glen Hanlon drei letzte Chancen. Solange wir eine Chance haben, «so lange noch eine Ader ins uns lebt» (General Adrian von Bubenberg bei der Verteidigung von Murten gegen die Burgunder), bleiben Marc Furrer, Ueli Schwarz, Sven Leuenberger und Peter Zahner von jeglicher Polemik verschont.

Die Erinnerungen an Ralph Kruegers Wunder von 2000 als Motivation für Glen Hanlon. Ein Chronist hat dem Nationaltrainer mit dem Hinweis auf das Wunder von St.Petersburg Mut gemacht: «Die Geschichte ist auf deiner Seite.» Worauf Glen Hanlon mehr zu sich selbst sagte: «Wenigstens das …»

Das Schweizer WM-Team 2015

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    Alle Leser-Kommentare
  • urano 08.05.2015 10:52
    Highlight mit diesem trainer ist kein blumentopf zu gewinnen. Punkt !
    2 3 Melden
  • chandler 08.05.2015 07:39
    Highlight Jetzt war während einer Woche lang Hanlon die Witzfigur von KZ, und plötzlich wieder fast auf dem Niveau von Krueger. Also ich verstehe diese Achterbahnfahrt nicht... ;-)
    6 7 Melden

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