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Wie im letzten Jahr: Chris McSorley trifft mit Servette im Playoff-Halbfinal auf die ZSC Lions. Bild: Andy Mueller/freshfocus

Chris McSorleys berechtigte Angst vor der chinesischen Armee

Servette hat noch nie einen Titanen aus den Playoffs gekippt. Trainer Chris McSorley weiss warum. Der Kanadier wird wahrscheinlich auch diesmal gegen die ZSC Lions verlieren.

17.03.15, 06:30 17.03.15, 11:01

Die Halbfinal-Analysen des Eismeisters

Heute Morgen: ZSC Lions – Servette HC; Finaltipp: ZSC Lions
Heute Nachmittag: SC Bern – HC Davos; Finaltipp: SC Bern

Servette hat seit seinem Wiederaufstieg in die NLA (2002) schon fünfmal die erste Playoff-Runde überstanden und zweimal (2008 und 2013) sogar das Finale erreicht.

Aber dabei nie einen Titanen besiegt. Chris McSorley triumphierte bisher in den Playoffs gegen Fribourg, die Lakers, Ambri, und Lugano (2x). Aber gegen die wahren Titanen (Bern, ZSC Lions) war immer Endstation.

Was sind in diesem Zusammenhang wahre Titanen? Gut zwischen Defensive und Offensive ausbalancierte Teams mit einer guten Mischung aus verschiedenen Spielertypen, die mit vier Linien das Spiel dominieren und entscheiden können. Im 21. Jahrhundert gilt das nur für zwei Mannschaften: Den SC Bern und die ZSC Lions.

Servette-Trainer Chris McSorley steht vor einer taktischen Mammut-Aufgabe. Bild: EPA/KEYSTONE

Chris McSorley ist um griffige Formulierungen nie verlegen. Der Kanadier weiss warum es gegen die ZSC Lions und Bern noch nie gereicht hat. «Gegen Bern oder Zürich zu spielen ist wie gegen die chinesische Armee zu kämpfen. Immer wenn Du glaubst, es ist überstanden, rollt eine neue Welle heran.» Was er damit meint: Er kann coachen wie er will: Seine Jungs müssen immer und immer wieder gegen gleichwertige oder überlegene Gegenspieler antreten.

Es gibt keine Verschnaufpausen. Bei den Zürchern stürmen in der 3. und 4. Linie Reto Schäppi, Mike Künzle, Morris Trachsler und Chris Baltensberger (alles Nationalspieler) oder Dan Fritsche. Bei Servette sind es auf der gleichen Hierarchiestufe Floran Duoay, Timothy Kast, Noah Rod, Roland Gerber oder Auguste Impose.

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Servette: Hoffen auf ein schnelles Ende

Die Ausgeglichenheit über vier Linien kostet viel Geld. Dieses Geld investieren nur die ZSC Lions, der SC Bern und der HC Lugano. Zuletzt hatte Chris McSorley keinerlei Mühe, die weichen und verspielten und von einem unerfahrenen Coach geführten Tessiner zweimal hintereinander in den Playoffs zu überwältigen. Aber gegen die ZSC Lions und den SC Bern verlor er jede Serie.

Diese Unterlegenheit gegen die Titanen ist logisch. Chris McSorley ist Cheftrainer, Manager und Mitbesitzer des Klubs. Deshalb geht er haushälterisch mit seinem Geld um. Den Luxus einer starken vierten Linie und ausreichend Ersatzspielern kann er gar nicht finanzieren. Die Titanen können mehrere Positionen drei- oder vierfach besetzen – Chris McSorley kann sich für eine Position nur einen Spieler leisten.

Wenn die ZSC Lions auf Servette treffen geht es meist hoch zu und her. Bild: KEYSTONE

Chris McSorley hat gegen einen Titanen wie die ZSC Lions nur dann eine Chance, wenn es ihm gelingt, den übermächtigen Gegner zu bodigen, so lange seine Kräfte reichen. Ab Spiel 6 ist er mit ziemlicher Sicherheit verloren. Vor einem Jahr ist ihm im Halbfinal gegen die ZSC Lions mit einem 4:0 in Zürich ein Blitzstart gelungen. Am Ende verlor er Spiel 7 im Hallenstadion 1:4. 2008 half ihm bei Heimvorteil auch eine 2:0-Führung im Final nicht – die ZSC Lions holten den Titel (4:2).

ZSC: bestes Hockey noch nicht gespielt

Die ZSC Lions sind selbstsichere Titanen. Die mutigen, offensiv frechen Bieler rangen dem Favoriten immerhin ein siebtes Spiel ab – und waren am Ende chancenlos. Ein Titelgewinn verändert in den Köpfen der Spieler vieles – die Zürcher sind ein bisschen weicher, taktisch ein wenig nachlässiger als im letzten Frühjahr.

Hin und wieder waren während diesem Viertelfinal auch Anzeichen von Überheblichkeit zu sehen. Sie haben ihr bestes Hockey im Frühjahr 2015 noch nie von der ersten bis zur letzten Minute gespielt. Hier liegt die grösste Gefahr.

Wer muss am Ende wem gratulieren? Bild: KEYSTONE

Servette kann ein oder zwei, vielleicht sogar drei Spiele gewinnen – aber kaum die Serie. Am Ende verliert Servette die Auseinandersetzung gegen die chinesische Armee erneut. Zumal das gegnerische Team jetzt nicht mehr, wie im Viertelfinal, von einem Zauberlehrling geführt wird, sondern von einem grossen Meister. Von Marc Crawford (Stanley-Cup-Sieger und Schweizer Meister).

In einem einzelnen Spiel mag Chris McSorley diesen Bandengeneral auscoachen. So wie er es beim Spengler Cup mit Guy Boucher (Team Canada) getan hat. Aber eben nicht in vier Spielen.

Die Kennzahlen

ZSC Lions

Servette HC

Die Playoff-Duelle

Die Direktduelle der Saison

Die NLA-Playoffs 2015

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Nothingtodisplay 17.03.2015 13:24
    Highlight Der Blitzstart war ein 5:0!
    4:0 haben die Genfer dann im Spiel 7 dann verloren.
    0 0 Melden
  • rYtastiscH 17.03.2015 08:45
    Highlight Lieber Herr Zaugg

    Was soll diese Anti-Davos Berichterstattung? Ihren Finaltipp werde ich nicht kommentieren, am Ende ist es ja auch nur ein "Tipp". Doch von lediglich zwei Titanen im 21. Jahrhundert zu sprechen, ist eine Beleidigung für jeden Fan des Bündner Traditionsvereins. Ich zähle nämlich im 21. Jahrhundert 5 Titel für den Z, 5 Titel für den HCD und gerade mal 3 Titel für ihren ach so tollen SCB. Der HCD mag zwar 3 mal hintereinander nicht über die VF hinaus gekommen sein, doch wir wissen ja wo der SCB letztes Jahr stand. Hinzu kommt, dass der HCD mit das attraktivste Hockey spielt!
    24 36 Melden

Das denken die Kloten-Fans von Hollenstein. Und er reagiert, naja: eiskalt

Servette holt einen wichtigen Zusatzpunkt im Strichduell gegen Ambri. Auch Langnau, Lausanne und Biel holen Siege im Kampf um die Playoffs.

Kloten ist nach 25 Runden bei 18 Niederlagen angelangt. Der siebtplatzierte EHC Biel hingegen erreichte beim 3:2 gegen den Tabellenletzten im zweiten Spiel unter Interims-Coach Martin Steinegger den zweiten Sieg.

Zu reden gab aber vor allem die Fan-Akton gegen Denis Hollenstein. Er meinte ziemlich trocken: «Ich muss Profi bleiben. Ich war lange in Kloten. Der Wechsel ist vielleicht etwas speziell. Aber so ist das Business.»

Im Derby gegen die ZSC Lions (1:4) war Kloten mit einer Gegentor-Triplette …

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