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Lugano kann am Spengler Cup das nötige Selbstvertrauen für die Liga holen. Bild: SPENGLER CUP

Der HC Lugano – ein ewiges Spengler-Cup-Team

Luganos Trainer Doug Shedden kann beim Spengler Cup mit einem Turniersieg seinen Job retten.

27.12.16, 16:37 28.12.16, 05:44


Lugano besiegte Jekaterinburg 4:2 (1:1, 2:0, 1:1) und braucht nur noch einen Sieg zur Halbfinal-Qualifikation. Der SC Bern, die ZSC Lions und Zug, die Titanen aus dem Unterland, sollten Luganos Spengler-Cup-Auftritte aufmerksam verfolgen.

Lugano erkämpft sich gegen Jekaterinburg den Sieg zum Start des Spengler Cup. Bild: SPENGLER CUP

Lugano ist nach wie vor eine der grossen negativen Überraschungen dieser Saison. Nach Verlustpunkten stehen die Tessiner nicht einmal auf einem Playoffplatz – obwohl sie spielerisch wahrscheinlich nach wie vor die beste Mannschaft der Liga haben. Es kann also sehr wohl sein, dass der SC Bern, die ZSC Lions oder Zug im Viertelfinale nicht mit einem leichten Gegner belohnt werden. Sondern ausgerechnet gegen Lugano antreten müssen. Was, wenn Lugano aus dem Tabellenkeller zum Titel stürmt, wie vor einem Jahr der SCB?

Die bisherige Saison zusammengefasst

Deshalb lohnt es sich für die Berner, Zürcher und Zuger, in diesen Tagen Luganos Spektakelauftritte beim Spengler Cup sorgfältig zu beobachten, zu analysieren und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Wir haben gestern ein Lugano gesehen, wie es singt und lacht. Die ganze bisherige Saison in 60 Minuten zusammengefasst.

Serienweise Chancen, die ungenützt bleiben, Konzentrationsmängel in der Abwehr, die den Gegner ins Spiel zurückbringen (wie beim ersten Gegentreffer zum 1:1) und am Schluss viel Operettenhockey, gekrönt vom 4:2 ins leere Netz. Das Publikum ist vortrefflich unterhalten worden. Lugano ist die perfekte Spengler-Cup-Mannschaft – schliesslich spielt Lugano schon während der ganzen Saison Spengler Cup-Hockey. Lugano – ein ewiges Spengler Cup-Team.

Nach dem Spiel feierte Goalie Elvis Merzlikins mit den Fans. Bild: SPENGLER CUP

Wir können an einem guten Abend den SCB, die ZSC Lions und Zug ein wenig mit einem gut abgestimmten Sinfonieorchester vergleichen. Wenn nur einer falsche taktische Töne spielt, dann fällt es auf. Und wenn der Dirigent (der Trainer) keine klare Linie durchsetzen kann, verliert er sofort an Autorität.

Doug Shedden im Fokus

Das Spiel des HC Lugano lässt sich hingegen am ehesten mit einer Oper vergleichen. Die Präzision eines Sinfonieorchesters erreicht es auch an einem guten Abend wie gestern nicht. Dafür fehlen Ordnung, Disziplin und Harmonie. Zu stark sind die Emotionen. Enttäuschungen, Intrigen, Konflikte – aber eben auch Leidenschaft und Begeisterungsfähigkeit.

Alles klappt bei Lugano aber auch am Spengler Cup nicht. Bild: SPENGLER CUP

Wenn der Vorhang nach der Aufführung, nach den verpassten Titeln fällt, dann stehen die gestürzten Helden wieder auf. Und fragen entweder «Wie hoch ist die Abfindung?» oder «Gibt es nun mehr Lohn?». Seit 2006 hat Lugano nie mehr eine Meisterschaft gewonnen. Und letzte Saison den Final beim Spengler Cup und den Playoff-Final verloren.

«Nein, ich fühle mich nicht in Sicherheit. Ich hab ja keinen Fünfjahresvertrag. Sichere Jobs haben nur Arno Del Curto und Chris McSorley.»

Doug Shedden, Trainer HC Lugano

Im Zentrum der Polemik steht hier in Davos nach wie vor Trainer-Feuerkopf Doug Shedden, einst (2008 bis 14) ein charismatischer Bandengeneral in Zug. Der Sieg gegen Jekaterinburg, ein Operetten-Team, das in der KHL nicht auf einem Playoffplatz steht, hat die in letzter Zeit erschlafften Segel seines Selbstvertrauens wieder gestrafft.

Doug Shedden sitzt nicht sattelfest in seinem Trainerstuhl bei Lugano. Bild: SPENGLER CUP

Einen Chronisten, der ihm nach dem Spiel freundlich frohe Festtage und ein gutes neues Jahr wünscht, blafft er an: «Ist okay, aber Sie meinen es ja ganz sicher ehrlich.» Und er sagt auf eine entsprechende Frage frei heraus: «Nein, ich fühle mich nicht in Sicherheit. Ich hab ja keinen Fünfjahresvertrag. Sichere Jobs haben nur Arno Del Curto und Chris McSorley.»

Doug Shedden steht zum achten Mal in Serie beim Spengler Cup an der Bande. Fünfmal mit dem Team Canada, einmal mit Zagreb und nun zum zweiten Mal mit Lugano. 2013 gewann er mit den Kanadiern das Turnier. Noch viel mehr würde ihm jetzt ein Turniersieg nützen.

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  • 25%HC Lugano
  • 28%Dinamo Minsk
  • 2%Jekaterinburg
  • 7%Mountfield HK

Ein Triumph in Davos kann seine Autorität im Umfeld wieder so festigen, dass er im Amt bleibt und sich die Spieler fügen müssen. Dann kann er mit Lugano doch noch in die Playoffs taumeln und dann aus dem Tabellenkeller heraus die Titanen stürzen wie vor einem Jahr der SC Bern. Im Rückblick auf diese Saison werden wir vielleicht gar erkennen, dass die Meisterschaft auch beim Spengler Cup entschieden worden ist.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Amboss 27.12.2016 22:48
    Highlight Ich finde nicht, dass Jekaterinburg ein KHL-Operettenteam ist. Immerhin haben die zuletzt immer die Playoffs erreicht. Und zwar bei 15 Teams pro Konferenz, nicht bei 12 wie bei uns.
    Klar, diese Saison läuft es nicht so richtig, aber die Playoffs sind noch erreichbar.

    Metallurg Novokusnetsk, das wäre echt ein Operettenteam.
    12 0 Melden
    • Torriani 30.12.2016 09:02
      Highlight Wenn der HCD gewinnt gegen das russische Team, dann spricht das Emmentaler-Schrieberbüabli von einer Weltklasseleistung, gewinnt Lugano ist ein Operettenteam.
      2 0 Melden

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