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SC Bern Torhueter Leonardo Genoni waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Kloten und dem SC Bern am Samstag, 10. September 2016, in der SWISS Arena in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Er verliert zwar die Spiele nicht, aber er gewinnt sie eben auch nicht: Leonardo Genoni. Bild: KEYSTONE

Langnaus logischer Sieg dank Lego-Prinzip – aber die Frage ist: Was ist mit Genoni los?

Langnau gelingt ein logisches Wunder und wieder kann Leonardo Genoni für den SCB ein Spiel nicht gewinnen.

16.10.16, 13:51 17.10.16, 04:38


Ist es ein Wunder? 24 Stunden nach einem kläglichen 1:4 in Bern demütigen die SCL Tigers den SC Bern 4:0.

Nein, es ist kein Wunder. Die scheinbar unerklärliche Wende ist sogar logisch. Der SCB gewinnt am Freitag mit rein spielerischen Mitteln ein Laufderby mit einer geringeren Intensität als eine Meisterschaft im Synchronschwimmen. Wer locker den Gegner vom Eis fegt und 4:1 gewinnt, hat allen Grund zur Annahme, dass es am nächsten Tag so weitergehen wird. Und keinen Grund, an seiner Spielphilosophie oder Mannschaftsaufstellung etwas zu ändern. Erst recht nicht die Stadtberner, die zur Arroganz neigen.

Wer hingegen so kläglich verloren hat wie die Langnauer, der muss alles ändern. Ein guter Trainer ist dazu in der Lage, die notwendigen Lehren zu ziehen und eine Änderung herbeizuführen.

Tigers Head Coach Heinz Ehlers gibt Topscorer  Chris DiDomenico Anweisungen, waehrend dem Eishockey National League A Spiel zwischen den SCL Tigers und dem SC Bern, am Samstag, 15. Oktober 2016, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Heinz Ehlers hat seinen Langnauern die richtigen Worte geflüstert. Bild: KEYSTONE

Eishockey, so einfach wie im Lego-Land

Heinz Ehlers ist ein guter Trainer. Er gab sich nach dem 4:0-Triumph, einem nahezu perfekten Spiel bescheiden: «Ich bin nach der Niederlage in Bern nicht laut geworden. Ich war enttäuscht, aber ich wusste, was möglich ist, wenn sich alle ans System halten und diszipliniert spielen. Aber ich habe ja nicht gespielt. Meine Spieler haben diese Partie gewonnen.»

«Lego-Heinz» ist der treffende Künstlernamen des Nachfolgers von Scott Beattie. Das Hockey, das er spielen lässt, ist so einfach zu verstehen und anzuwenden wie Lego, das Bausteinsystem mit den bunten Klötzen. Aber Legoburgen können auch Kinder nur bauen, wenn sie konzentriert bei der Sache sind. Heinz Ehlers Lego-Hockey funktioniert eben auch nur, wenn jeder bei der Sache ist. Am Freitag waren Langnaus Lego-Buben nicht bei der Sache. 24 Stunden später waren sie bei der Sache, mutierten zu Lego-Männern und siegten.

Mit Legos kann man übrigens nicht nur Eishockey spielen, sondern auch Fussball-Siege nachstellen:

Das 2:1 der Schweiz gegen Litauen war damals der Anlass dazu. Video: watson.ch

Dreimal geführt, dreimal gewonnen

Als die SCL Tigers noch keinen richtigen Trainer hatten, waren sie nicht dazu in der Lage, eine Führung über die Zeit zu bringen. Sie führten gegen die ZSC Lions bis kurz vor Schluss 1:0, gegen Zug im Schlussdrittel 3:0, sie führten in Lugano und Ambri und gegen 2:1 – aber nur in Kloten resultierte aus einer Führung ein Sieg. Unter Heinz Ehlers haben die Langnauer bisher dreimal geführt und dreimal gewonnen (gegen Davos, Fribourg und gestern gegen den SCB) und zweimal keinen Treffer kassiert.

Wenn die SCL Tigers seit Beginn des Eistrainings von einem richtigen Trainer taktisch geschult und gecoacht worden wären, dann hätten sie jetzt mindestens neun Punkte mehr und wären auf einem Playoffrang klassiert. Die Langnauer haben mit dem Lego-Spiel zu spät begonnen. Das mag Pascal Berger zwar so nicht bestätigen. «Wir haben halt am Anfang unglücklich verloren und sind dann in eine Negativspirale geraten.» Aber es ist, wie es ist: Mit einem richtigen Trainer hätten sie diese Niederlagen zum Auftakt nicht kassiert. Aber das sagt ein Musterprofi einem Chronisten nicht.

Zwei Mängel im SCB-Spiel

Der SCB zelebriert, wenn der gegnerische Widerstand nicht zu gross ist, auf begeisternde Art und Weise das finnische «Kreiselhockey». Dann sausen und brausen die Berner übers Eis, ziehen das Spiel auseinander und verengen es wieder als sei es eine Handharmonika, passen mit erstaunlicher Präzision und einige drehen sich um die eigene Achse wie beim Wiener Walzer.

SC Bern Cheftrainer Kari Jalonen waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Kloten und dem SC Bern am Samstag, 10. September 2016, in der SWISS Arena in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Kari Jalonen: Ein Kontrollfreak sondergleichen. Bild: KEYSTONE

Aber eben: vorerst funktioniert das nur in lichten Momenten. Nach wie vor gibt es zwei Mängel im SCB-Spiel: der latente Hang zur Selbstüberschätzung (der durch den leichten Sieg am Freitag noch verstärkt worden war), eine gewisse interne Hektik und die defensiven Schwächen.

Zur internen Hektik: der «Kontrollfreak» Kari Jalonen hat durchaus einen guten Einfluss. Allerdings ist beim Management die gleiche fleissige Hektik zu beobachten wie zuletzt unter Guy Boucher. Die völlig überstürzte Verpflichtung des kanadischen Nonvaleurs Maxime Macenauer (5 Spiele, ein Assist) ist reine Geld- und Lizenz-Verschwendung. Da hat Langnaus Sportchef Jörg Reber mit Eero Elo (7 Spiele/4 Tore/4 Assists) den besseren Ersatzmann geholt.

Fast noch besser als sein Name: Langnaus Eero Elo. Bild: KEYSTONE

Leonardo Genoni noch immer nicht in Davos-Form

Das zeitweise liederliche Verhalten in der eigenen Zone – bei dieser exzellenten Besetzung der blauen Linie erstaunlich – wirkt sich beim SCB immer wieder aus, weil Leonardo Genoni nach wie vor nicht sein bestes Hockey spielt. Der SCB hat auch in Langnau nicht wegen Leonardo Genoni verloren. Aber der SCB hat in Langnau eben auch nicht dank Leonardo Genoni gewonnen. Ein Torhüter seiner Gehaltsklasse (er ist nach Jonas Hiller der bestbezahlte Schlussmann der Liga) muss dazu in der Lage sein, zwischendurch einen Sieg zu stehlen.

Eine Fangquote von 87,67 Prozent im Derby (oder eine von 87,10 Prozent bei der Niederlage in Biel) ist nicht akzeptabel. Leonardo Genoni steht zurzeit etwa bei 70 Prozent seiner besten Leistungen im Dress des HC Davos.

Berns Torhueter Leonardo Genoni beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und Lausanne HC, am Freitag, 23. September 2016, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Leonardo Genoni: In Bern passt es einfach noch nicht. Bild: KEYSTONE

Kritik am mehrfachen HCD-Meistergoalie ist indes beim SCB und zugewandten Kreisen absolut tabu. Allerdings wird intern moniert, SCB-Torhütertrainer Reto Schürch versuche seinem Schützling eine Stiländerung – effizienteres Winkelspiel, weiter aus dem Tor herausfahren, aktiveres mitspielen – beizubringen. Was der ehemalige NLA-Goalie (Bern, Lausanne, Langnau, Basel) durchaus bestätigt: «Man muss immer wieder etwas probieren.»

Ob es wirklich klug ist, am Stil eines Klasse-Torhüters wie Leonardo Genoni herumzubasteln? Am Stil eines Torhüters, der sich mehr als andere Goalies auf seinen Instinkt und seine Reflexe als auf ein ausgeklügeltes Winkelspiel verlässt und verhältnismässig tief im Tor steht?

Noch bleibt viel Zeit, alles ins Lot zu bringen und playofftauglich zu werden. Trotzdem: Affaire à suivre.

Wir haben – jetzt wo das Wetter kalt wird – die Postkarten aus dem Sommer nochmals hervorgekramt: Wenn Eishockey-Spieler Ferien

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • fan-crack2 22.10.2016 11:42
    Highlight Die ganze siason, setzen die teams mit den guten goalis auf diese guten, doch beim HCD ist es nicht so, denn die beiden torhüter sind jung in müssen noch viel lernen!
    Genoni ist müde mit der zeit, wenn er jedes mal im tor steht, doch wenn er verletzt ust, und sie den ersatz torhüter ins tor stellen, wird es nicht so schön für den SCB aussehen!
    2 0 Melden
  • Eishockeycrack 20.10.2016 10:43
    Highlight Dieses Resultat ist eine logische Folge, denn der SCB Trainer setzt seit der ganzen Saison auf Genoni, habe noch nie den Ersatztorhüter im Tor gesehen. So wie es aussieht braucht Genoni mal eine Auszeit, ein oder zwei Spiele. Doch was mach der Ersatztorhüter, wenn Genoni verletzt ist, wurde noch nie eingesetzt, also konnte auch keine weiteren Erfahrungen mehr sammeln.
    2 1 Melden
  • Züzi31 17.10.2016 01:49
    Highlight Haha, die überbezahlten Stürmer bekommen in Langnau keine Kiste hin, aber der Goalie ist Schuld?
    59 4 Melden
  • Blister 16.10.2016 19:54
    Highlight Ach was. Beide Teams stehen da wo sie nach advanced stats hingehören. Bern wird sich sogar eher gegen Platz 7/8 orientieren müssen. Sackschwacher Saisonstart.
    9 34 Melden
    • Mario le magnifique 17.10.2016 11:46
      Highlight Wo hast du die advanced stats her? Die würden mich interessieren
      11 1 Melden
  • Brian 16.10.2016 19:44
    Highlight Wieso schreibt KZ immer nur über Langnau oder SCB statt mal andere Clubs zu thematisieren? Und dieser Beitrag ist meiner Meinung nach sackschwach!!! Einen der besten Torhüter in der Schweiz so zu kritisieren? Was soll das?
    37 36 Melden
    • Thomas J. aus B. 17.10.2016 10:21
      Highlight Ohne den Eismeister übermässig in Schutz nehmen zu wollen: er hat zuletzt nicht nur über Bern und Langnau geschrieben. Die Reaktionen in Form von Kommentaren auf Artikel, in denen es nicht um Bern, Langnau, ZSC oder Davos geht, sind nicht gerade zahlreich, ums nett zu formulieren.
      Dann wird halt publiziert was Klicks bringt (verständlicherweise).
      15 2 Melden
  • Herren 16.10.2016 17:42
    Highlight Billige, inhaltslose Polemik.
    88 17 Melden
  • Ordo Malleus 16.10.2016 16:36
    Highlight «Lego-Heinz», ein neuer Kultbegriff vom Eismeister :D
    73 8 Melden
  • Thomas J. aus B. 16.10.2016 15:53
    Highlight Interessanterweise liefen am Wochenende fast alle 'Rückspiele' anders als die 'Hinspiele'.
    Und Genoni hat Bern diese Saison bereits genügend Punkte gestohlen/gewonnen, so dass auch mal ein schlechter Abend drinliegt. Aber man kann 'Probleme' auch herbeischreiben, wenn man sonst nix zu schreiben hat oder weiss.
    Macenauer ist ein Nullfaktor, dem ist hingegen so.
    93 10 Melden
  • geissenpetrov 16.10.2016 15:29
    Highlight "Der SCB hat auch in Langnau nicht wegen Leonardo Genoni verloren. Aber der SCB hat in Langnau eben auch nicht dank Leonardo Genoni gewonnen."
    Ich liebe diese Füllsätze des Eismeisters. Ich brauche den Satz immer nur zur Hälfte zu lesen und weiss dann schon, was folgen wird ;)
    Die beiden Spiele haben mir im übrigen sehr gut gefallen, zeigt es doch, wie wichtig die kleinen Dinge in diesem Sport sind. Spieltag A: der 'CB dominiert, bei Langnau muss man sich fragen, ob die nicht in der B besser aufgehoben wären. Dann folgt Spiel B und unsere Tigers demontieren mal eben den Meister.
    78 3 Melden
  • Tikkanen 16.10.2016 14:41
    Highlight ...war gestern eher ein Spiel für die Buvette🍻kein Kampf, keine Emotionen aber gutgelaunte Chäsli an und hinter der Theke👍 Item, bis Februar werden alle Schwächen überwunden sein und genüsslich können die PO's angegangen werden. Zumal spätestens im Dezember der Cory wieder im Tempel aufläuft...😁👏🏻
    35 60 Melden
    • Patrick59 17.10.2016 13:25
      Highlight Denkst Du, dass sich Conacher bei Tampa nicht durchsetzen wird? Es wäre für den SCB schon eine tolle Sache, wenn sie ihn wieder zurückholen könnten.. und für Cory wäre es wie heimkommen... jetlag überwinden, Dress schnappen und los..... ich bin gespannt ob Deine Prophezeiung eintrifft..
      5 2 Melden
  • manolo 16.10.2016 14:09
    Highlight Logisches Wunder ?!?!?!
    43 5 Melden
  • Grinder 16.10.2016 14:02
    Highlight Mensch, Leo hat uns wohl schon 6-8 Punkte gestohlen, wenn man 0 Tore schiesst muss man den Fehler wohl nicht beim Goalie suchen... fast wie die Szenen Bubis das gejammere über Leo ...
    123 10 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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