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Die Praesidentin des HC Lugano, Vicky Mantegazza, links, und dem Team Sportdirektor, Roland Habisreutinger, beobachten das erste Training des HCL nach der heutigen Pressekonferenz an der die sofortige Freistellung des Headcoachs Patrick Fischer und seines Assistenten Peter Andersson bekannt gegeben wurde, am Donnerstag, 22. Oktober 2015, in Lugano. Der Tessiner HC Lugano ist NLA-Tabellenletzter und bleibt mit fuenf Siegen aus den ersten 15 Runden deutlich unter den Erwartungen. (KEYTONE/Gabriele Putzu)

Pokern hoch: Sportchef Roland Habisreutinger und Präsidentin Vicky Mantegazza.
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Mein Gott Roland, warum? Lugano verlängert mit Doug Shedden

Lugano lernt auch im Jahr seines 75-jährigen Jubiläums nicht aus seiner Geschichte und verlängert den Vertrag mit Trainer Doug Shedden vorzeitig. Macht nichts, Präsidentin Vicky Mantegazza ist Milliardärin. Aber es schadet dem sportlichen Reizklima.



Ich gehe davon aus, bald am Gotthard im Stau zu stehen. Seit 2006 war dies nicht mehr der Fall. Weil der grosse HC Lugano nie mehr über die Viertelfinals hinausgekommen ist. Die Reise durch die steinerne Seele unseres Landes konnte ich mir ersparen.

Die Gefahr, nach Süden zu fahren, wenn die Vögel nach Norden fliegen, ist inzwischen gross. Schon alleine deshalb, weil Lugano schon so lange «untitelbar» ist, dass wir uns daran gewöhnt haben. Das ist gefährlich. Es passiert immer dann, wenn alle glauben, es passiere sicher nicht mehr. So war es auch bei den Lakers.

Die Luganesi mit dem Assistenztrainer Ivano Zanatta, vorne rechts, und Spieler Sandy Jeannin, vorne links, feiern mit dem Meisterpokal den soeben gewonnenen 7. Meistertitel nach dem fuenften Playoff-Finalspiel der Eishockey NLA zwischen dem HC Lugano und dem HC Davos, am Donnerstag, 13. April 2006, in Lugano. Das Spiel endet 3:1 zugunsten von Lugano.  (KEYSTONE/PHOTOPRESS/Karl Mathis)

Schon eine Weile her: Den letzten Meistertitel feierte Lugano 2006.
Bild: PHOTOPRESS

Aber der wichtigste Grund für den Glauben (oder, je nach Standpunkt: für die Befürchtung), dass es in Lugano wieder ein Leben jenseits der Viertelfinals geben könnte, heisst Doug Shedden (54). So viel guter Rock’n’Roll wie seit seiner Ankunft in Lugano war bei ihm noch nie und in Lugano schon lange, lange nicht mehr.

Der Kanadier ist nicht gerade einer wie George Best oder Todd Elik. Da sei Gott davor. Aber Doug Shedden ist cool, er ist locker, er ist auf einer Mission. Auf der gleichen wie seine Chefin Vicky Mantegazza: Endlich, endlich, endlich einmal Meister werden.

Druck macht erfolgreich

Nichts schärft die Sinne eines Coaches – seinen «Winnerinstinkt» – so sehr wie ein auslaufender Vertrag. Warum das so ist, weiss ich nicht. Wahrscheinlich gibt erst das Wissen, dass nach der Saison Schluss sein könnte, dem Coach eine Denk- und Handlungsfreiheit, die er nicht hat, wenn er zu viel Rücksicht auf die kommenden Zeiten nehmen muss.

Wir haben 2000 bei den ZSC Lions und 2004 beim SC Bern den besten Kent Ruhnke aller Zeiten erlebt (das will etwas heissen, der Mann hatte viel Erfolg). Er wusste in Bern und Zürich, dass er keinen neuen Vertrag bekommt. Er wurde 2000 und 2004 Meister. Bengt Ake Gustafsson hätte in Langnau vor einem Jahr gerne die vorzeitige Vertragsverlängerung gehabt, bekam sie nicht und schaffte das Aufstiegswunder.

Arno Del Curtos Vertrag lief im letzten Frühjahr aus und wurde erst im Mai verlängert. Wir haben in den letzten Playoffs den vielleicht besten Arno erlebt. Harold Kreis hat mit Lugano 2006 und mit den ZSC Lions 2008 die Meisterschaft gewonnen – vielleicht gerade deshalb, weil er wusste, dass er Lugano bzw. Zürich nach der Saison verlässt. Und der legendäre Bill Gilligan, der erfolgreichste Coach seit Einführung der Playoffs (vier Jahre, drei Titel) wollte in Bern von sich aus jeweils nur Einjahresverträge.

L'entraineur grisons Arno Del Curto lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League A, entre le Lausanne HC, LHC, et le HC Davos, HCD, ce vendredi 22 janvier 2016 a la patinoire de Malley a Lausanne.  (KEYSTONE/Cyril Zingaro)

Arno Del Curto: Der Davoser Erfolgscoach verlängert jeweils nur um ein Jahr.
Bild: KEYSTONE

Doug Shedden in Lugano, wie Gilligan in Bern, wie Ruhnke in Zürich und Bern, wie Kreis in Lugano und Zürich, wie Gustafsson in Langnau und, oder Del Curto zuletzt in Davos? Ja, das war die Hoffnung oder, je nach Standpunkt, die Befürchtung.

Riskant, unnötig, fahrlässig

Aber nun hat Sportchef Roland Habisreutinger mit seinem Trainer ohne jede Not den Vertrag vorzeitig bis 2018 verlängert. Mein Gott, Roland, warum nur? Es gehört zum Verhängnis der Menschheit, nicht aus der Geschichte zu lernen. Es ist noch nicht lange her, da hat Lugano seinem Trainer Patrick Fischer den Vertrag auch bis 2018 verlängert – und ihn ein paar Wochen später gefeuert.

Den Vertrag mit seinem neuen kanadischen Trainer hätte Lugano auch noch im Juli verlängern können. Doug Shedden würde Lugano nie freiwillig verlassen. Und wenn er bei den Vertragsverhandlungen ein bisschen pokern sollte, was soll’s? Dann kostet er halt ein bisschen mehr. Aber das ist immer noch billiger, als den Vertrag bei einer Entlassung auszuzahlen.

Lugano's head coach Doug Shedden captured during the game between Switzerland's HC Lugano and Russia's Avtomobilist Yekaterinburg at the 89th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Wednesday, December 30, 2015. (KEYSTONE/Pascal Muller)

Rock 'n' Roll in der Resega: Gewinnt Shedden mit Lugano erstmals seit 10 Jahren eine Playoff-Serie?
Bild: SPENGLER CUP

Ich gehe davon aus, dass Doug Shedden seinen Vertrag in Lugano erfüllen wird. Aber kein Schelm, wer im Wissen um Luganos Trainergeschichte denkt, dass der Kanadier eventuell und unter Umständen das Schicksal seines Vorgängers Patrick Fischer teilen könnte. Wobei auch das keine Rolle spielt. Gemäss dem Wirtschaftsmagazin «Bilanz» verwaltet Präsidentin Vicky Mantegazza ein Vermögen von mindestens zwei Milliarden.

Tja, wie heisst es doch sinngemäss im Buch der Bücher: Eher schlüpft ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass der Reiche durch den Triumphbogen der Meisterfeier schreitet.

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • supi 04.02.2016 20:48
    Highlight Highlight 2006 ... war das nicht als Lugano massiv mit den Steuern betrogen hatte ...

    ... ansonst ist Lugano sicher ein Meisterkandidat ...
  • Staal 03.02.2016 11:34
    Highlight Highlight @Nummelin: ich glaube länger in Davos gelebt zu haben als Du in Lugano. Und wahrscheinlich auch mehr Spiele meines Vereins besucht zu haben. Also komm mir nicht mit Modefans.
    Dass man Lugano mit seinen Fans nirgendwo gerne sieht ist eine andere Sache wie auch die Dummheit des SC OK diesen Club einzuladen. Man erinner sich als Gastfan in den Playoffs in Lugano ;-)
    übrigens ist der Spenglercup sogar älter als euer Guru Mantegazza
  • RoJo 02.02.2016 18:53
    Highlight Highlight Schauen wir einmal, wie weit es Lugano reicht! Trotzdem, die Playofftauglichkeit muss die Mannschaft zuerst beweisen! Oder wie war das 2013 mit Fribourg?! Sie brannten während der Quali auch ein Feuerwerk ab! Und dann im Final?! Wenn man Schweizermeister werden will, muss jeder Einzelne fähig sein über die (Schmerz-)Grenzen zu gehen! Ob Damien Brunner und einige seiner Kollegen dazu fähig sind, werden wir sehen! Ich bezweifle es....
  • Thomtackle 02.02.2016 16:15
    Highlight Highlight Kann man durchaus differenziert sehen. Gehen wir mal davon aus, dass Lugano die Playoffs schafft. Dann wird die Trainerdiskuskussion plötzlich zum Thema und lenkt die Mannschaft ab. Auch dann werden Kritiker kommen und sagen, dass man dass doch vorher lösen soll. Ich glaube es kein Richtig oder Falsch. Es gibt nur Erfolg oder eben nicht. Und für jede Situation ist vielleicht eine andere Lösung die richtige.
  • Staal 02.02.2016 15:49
    Highlight Highlight jedes Aus dieser Retortentruppe im Viertelfinale ist ein Segen, alleine schon wegen ihren 'Fans'
    • Amboss 02.02.2016 16:12
      Highlight Highlight Was soll das?
      Sag mal, lieber Staal. Wer ist für dich kein Retortenverein?
      Wer hat denn aus deiner Sicht eine Daseinsberechtigung in der NLA?

      Manchmal habe ich das Gefühl, du wünschst dir die Zeit zurück, als man Schweizermeister nach 6 Spielen wurde.


    • Nummelin 02.02.2016 16:21
      Highlight Highlight Die dümmsten Fans hat der HCD. Haben sie ja vor dem Spengler-Cup wieder mal bewiesen mit Ihren billigen Transparenten und Stimmungsmache gegen einen Grümpeli-Turnier-Teilnehmer. Ein vom Spenglercup abhängiger Verein, dessen Fans solchigen boykottieren, da kann man nur sagen, ihr habt die dümmsten Fans. Aber was erwartet man schon anderes von einem Haufen Modefans, die keinen Monat im Bündnerland gelebt haben.
    • --Sevi-- 02.02.2016 16:55
      Highlight Highlight @Nummelin Da würde ich ihnen gerne widersprechen. Nur weil wir Erfolg haben und andere nicht heisst das noch lange nicht, dass alle Mode/ Erfolgsfans sind. Klar gibt es bei uns etwas mehr, aber auch wir haben richtige Fans die sogar schon in Davos gelebt haben. Und klar bietet uns der Spenglercup einen Vorteil gegenüber anderen, aber im Grossen und ganzen sollte man es doch eher als gute Werbung fürs Schweizer Eishockey ansehen. -> Und zum Thema billig Transparente: Ich denke alle brauchen für solche die gleichen Materialien also müssen wir ums nicht nur dann aufregen, wenn es Hcd- Fans tun.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Sloping 02.02.2016 14:39
    Highlight Highlight Und sie scheinen es nie zu lernen... Als langjähriger Lugano Anhänger kann ich über solches Gebaren nur noch den Kopf schütteln. Seit Jahren wird in diesem Verein durch inkompetente Führungskräfte (Sportchef, Präsidentin etc.) Geld durch irrationale Entscheidungen (Spieler- und Trainerverträge) konzeptlos aus dem Fenster geworfen. Kaum gewinnt ein Trainer ein paar Spiele erhält er einen Mehrjahresvertrag. Was passiert, wenn im Viertelfinale wieder Endstation ist? Hätte Lugano Kompetenz in der Führung und ein Konzept (ZSC, HCD) wäre man jedes Jahr Titelkandidat. Aber so...
    • Amboss 02.02.2016 14:58
      Highlight Highlight Ihr Kommentar (und Zauggs Artikel) sind absolut treffend.

      Und meiner Meinung nach ist das Risiko bei einem Trainer wie Shedden noch viel höher.
      Shedden ist ein "Alles-oder-nichts" Trainer. Entweder es passt oder es passt nicht.

      Und ich bin übezeugt, mit Shedden hätte man Jahresverträge machen können/müssen. Er ist ein Gambler. Hätte gepokert, aber auch akzeptiert, wenn man einen anderen Trainer angestellt hätte.

      Wie auch immer. Ich hoffe auf ein Spektakel mit Lugano in den Playoffs. Auch wenn ich nicht Lugano-Anhänger bin
    • Hayek1902 02.02.2016 15:11
      Highlight Highlight Ich finde es grundsätzlich nicht schlecht, den Vertrag mit ihm zu verlängern, aber ich hätte ihn nur für die nächste Saison verlängert mit einer Option auf ein weiteres Jahr (oder auch ohne, seis drum). Wieso 2 Jahre? Leuchtet mir aus Lugano Sicht nicht ein. Einen besseren Arbeitgeber findet er so schnell nicht mit einer ähnlich anständigen Mannschaft und vergleichbarer Lebensqualität. Und sollte er das doch schaffen, dann knallt man halt 100k drauf.
    • Sloping 02.02.2016 15:37
      Highlight Highlight Shedden war nach seinen Misserfolgen mit dem EVZ/ KHL nicht in einer starken Verhandlungsposition. Einzig die Ergebnisse der letzten Monate sprachen für ihn. Man hätte problemlos bis nach den Playoffs warten können. Auch gäbe es Alternativen auf seinem Niveau, er ist kein Del Curto oder Crawford. Zu den Playoff-Chancen: Es scheint wie die vergangenen Jahre alles möglich. Was gegen einen Coup spricht: Fragliche Playofftauglichkeit der offensiven Schillerfalter (Klasen, Pettersson, Brunner etc.), defensive Überalterung und Langsamkeit (Vauclair, Hirschi etc.) und Sheddens Playoff Track Record.
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  • Vernon Roche 02.02.2016 13:47
    Highlight Highlight Gut verwerteter Steilpass, Herr Zaugg.
    • Hayek1902 02.02.2016 14:19
      Highlight Highlight ah, ein Verbündeter Temeriens
    • Vernon Roche 03.02.2016 09:12
      Highlight Highlight @Hayek1902 Jemand muss sich Radovid ja entgegenstellen;)

Unsere Hockey-Manager haben den Intelligenztest bestanden

Weiterhin vier Ausländer. Ein Votum für unser Hockey und für unsere Klubkassiere. Ein anderer Entscheid war eigentlich undenkbar.

Die Abstimmung der NL-12-Klubs über eine Erhöhung von vier auf sechs Ausländer war eigentlich keine demokratische Entscheidungsfindung. Es war ein Intelligenz-Test für unsere Klubmanager.

Niemand, der noch bei Verstand ist, konnte für eine Erhöhung auf sechs Ausländer sein. Es gab dafür weder wirtschaftliche noch sportliche Gründe. Der klare Ausgang der Abstimmung von 9:3 zeigt: Die meisten Klubmanager können denken und rechnen. Den Hockey-Göttern sei Dank.

Der Entscheid stärkt die Marke …

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