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Vier Männer, ein Trikot, eine Leidenschaft: Eishockey. Bild: AP/dpa

Darum ist es perfekt, dass jedes Jahr eine Eishockey-WM stattfindet

Warum wird die Hockey-WM eigentlich jedes Jahr gespielt? Die Antwort auf diese so oft gestellte Frage ist ganz einfach: Weil es so gut, ja perfekt ist.

16.05.18, 19:17

Es gibt ein Ritual, das zum Hockey gehört wie der Handschlag nach dem Spiel. Jedes Jahr, in der zweiten Hälfte der WM, wenn die Themen langsam ausgehen, wird der jährliche Austragungsmodus kritisiert. Manchmal gibt es auch hockeypolitische Versuche, daran etwas zu ändern. Die Hunde bellen, die Hockey-Karawane zieht weiter. Um Jahr für Jahr an der «Oase Eishockey-WM» zu rasten und ein Fest zu feiern. Das ist gut so.

Es geht gar nicht anders. Das Eishockey steckt in der «Veranstaltungs-Falle». Im Fussball ist es möglich, deutlich mehr Geld mit Titelturnieren zu verdienen als im Eishockey. Der TV-Sport-Fussball beschert Klubs und Verbänden Millionen-Einnahmen durch den Verkauf von TV-Rechten. Wenn die Eishockey-Klubs oder der internationale Verband Geld verdienen wollen, müssen sie viel mehr Spiele und Turniere austragen, als im Fussball notwendig sind, um genug Geld zu verdienen. Sie kommen selbst bei einer alljährlichen WM nur auf den Bruchteil der Einnahmen der Fussball-WM, die bloss alle vier Jahre stattfindet. Das wird in den nächsten 100 Jahren so bleiben.

Strömen in Massen ins Nachbarland: Fans aus Schweden. Bild: AP/Ritzau Scanpix

Tschüss, schöner Verbandssitz!

Fände die Eishockey-WM nur alle zwei Jahre statt, dann würden sich einfach die ohnehin bescheidenen Einnahmen – rund 20 Millionen Franken pro WM – für den Internationalen Verband (IIHF) halbieren. Der schöne Verbandssitz in Zürich müsste geräumt, der Personalbestand um drei Viertel reduziert und die Förderung des Spiels in Hockey-Entwicklungsländern gestrichen werden.

Der internationale Eishockeyverband wird nie mit einer WM so viel Geld verdienen, dass er davon zwei – oder wie der Fussball – vier Jahre leben kann. Also ist er dazu verurteilt, die WM alle Jahre wieder zu veranstalten. Er steckt in der «Veranstaltungs-Falle».

Selbst Hockey-Zwerg Südkorea lockte einige Fans ins Stadion. Sie sahen in sieben Spielen vier Tore ihrer Lieblinge. Bild: AP

Eishockey ist und bleibt ein lokaler Sport. Vielleicht gelingt es einmal, den riesigen Markt Asien zu erobern. Aber davon sind wir noch so weit entfernt wie eine 1.-August-Rakete vom Mond. Eishockey bleibt auf weniger als 20 Länder beschränkt. Dort rockt das unberechenbare Spiel auf rutschiger Unterlage. Aber eine globale Vermarktung und Bedeutung wie im Fussball wird es nie geben. Deshalb ist es auch nicht möglich, in Jahren ohne WM eine Qualifikation durchzuführen. Weil ja im vornherein feststeht, wer sich qualifizieren wird – und in Ländern, für die diese Qualifikation sportlich eine Herausforderung wäre, ist Eishockey eine periphere Randsportart.

Ein Hype ist beim Randsport Eishockey nicht möglich

Das Eishockey kann gewisse wirtschaftliche Grenzen nicht sprengen. Eishockey kann nie werden wie Fussball. Das ist gut so. Eishockey ist ein Sport geblieben, der die Bodenhaftung nicht verloren hat – und nicht verlieren wird. Es gibt zu wenig Geld, um richtig arrogant und ignorant zu werden. Und jene, die es hin und wieder werden, kommen eher früher als später wieder an der Kasse vorbei und müssen zahlen.

Die WM würde auch sportlich keine grössere Bedeutung erlangen, wenn sie nur alle zwei oder wie im Fussball alle vier Jahre organisiert würde. Sie wäre auch kommerziell nicht erfolgreicher und hätte keine grössere öffentliche Beachtung. Ein Hype wie bei einer Fussball-WM ist beim internationalen Randsport Eishockey nicht möglich.

Beim Eishockey gekleidet wie beim Schwingen: Schweizer Fans in Kopenhagen. Bild: KEYSTONE

So wird die WM jedes Jahr organisiert. Wie ein alljährliches Klassentreffen der Hockey-Verrückten. Und das ist gut so. Die Eishockey-WM ist ein fröhliches Fest. Mit friedlichen, fröhlichen und freundlichen Fans. Fast wie das «Eidgenössische Schwingfest des Weltsportes». Was beim Eidgenössischen die Innerschweizer, Berner, Appenzeller, Toggenburger, Bündner, Mittelländer, Oberländer oder Oberaargauer, das sind im Eishockey die Schweden, Finnen, Letten, Slowaken, Schweizer, Dänen, Tschechen oder Russen. Und so wie beim Eidgenössischen Gastschwinger aus fernen Ländern wie den USA und Kanada eingeladen werden, so sind bei der Hockey-WM auch die Kanadier und Amerikaner dabei. Im Unterschied zum Eidgenössischen kommen sie aber sportlich immer in die Kränze.

Der Alkoholkonsum ist übrigens bei einer Eishockey-WM vergleichbar mit jenem des Eidgenössischen – und wie beim Schwingen wird viel, aber eben nicht zu viel vom fröhlichen Wasser getrunken.

Im Eishockey wird zelebriert statt gearbeitet

Ohne alljährliche Eishockey-WM würde dieser Sport den internationalen Zusammenhalt und in vielen Ländern die sportpolitische Bedeutung verlieren. Es gilt der Grundsatz: Wir haben eine Eishockey-WM, also sind wir. Wenn Eishockey-WM ist, registriert auch die nicht am Eishockey interessierte Öffentlichkeit, dass es ja dieses Spiel auch gibt. Das gilt bis zu einem gewissen Grad sogar für die Schweiz.

Was wäre eine Hockey-WM ohne einen tschechischen Fan, der gut getankt hat und halbnackt feiert? Bild: EPA/SCANPIX DENMARK

Dazu kommt, dass die WM vorzüglichen Sport bietet. Weil der Titel jedes Jahr vergeben wird und weil es für die Titelanwärter schon in einem Jahr eine neue Chance gibt, fehlt die «totale Verbissenheit» und die ausschliesslich aufs Resultat ausgerichtete Taktik wie in den Playoffs. WM-Spiele sind inzwischen oft ein wenig wie Spengler-Cup-Partien geworden. Im Eishockey wird zelebriert und gespielt und nicht gearbeitet.

Die Eishockey-WM Jahr für Jahr mit einer Stimmung wie beim Eidgenössischen Schwingfest und mit spektakulären Spielen wie beim Spengler Cup – es ist gut, so wie es ist. Es ist perfekt.

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Video: watson

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • asdf asdf 17.05.2018 10:04
    Highlight Eishockey vs Fussball Teil 2

    Der Reiz am Fussball liegt in seiner Einfachheit. Deshalb wird er auf der ganzen Welt gespielt und das Interesse (->Geld) ist entsprechend hoch. Was die FIFA damit abzieht ist logischerweise jenseits von Gut und Böse. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es bei der IIHF umgekehrt genau so wäre. Nehmen wir doch einfach das beste aus den Sportarten. Die Begeisterung die sie auslöst. Schliessen wir uns zusammen und geniessen die Spiele und kritisieren bei beiden die kommerziellen Auswirkungen, welche mit dem Sport an der Basis wirklich nix zu tun haben.
    4 2 Melden
  • asdf asdf 17.05.2018 10:04
    Highlight Eishockey vs Fussball Teil1

    Ich liebe Eishockey und Fussball. (Den Fussball ein bisschen mehr). Was mich beim Eishockey und seinen Jüngern jedoch stört, ist dieser latente Minderwertigkeitskomplex gegenüber dem Fussball. Hört doch endlich auch Eishockey und Fussball zu vergleichen! Es sind beides Teamsportarten wo es darum geht ein Tor mehr als der Gegner zu erzielen. Da hören die Gemeinsamkeiten aber auf. Mich nervt es wenn so getan wird als sei Eishockey der Sport der Bodenständigen und der Fussball total abgehoben.
    3 5 Melden
  • kupus@kombajn 17.05.2018 08:28
    Highlight Irgendwann gibt es wieder eine Eiszeit, die ganze Welt spielt Eishockey und wir können uns eine WM mit 32 Mannschaften reinziehen. Dann liegt eine WM im Vierjahresrythmus auch finanziell drin. Bis dahin bitte beibehalten.
    8 0 Melden
  • RiiseHolzchopf 17.05.2018 01:24
    Highlight Mich stört es ehrlich gesagt nicht, dass die WM jedes Jahr ist und wenn das der Grossteil der Hockeyfans so gut findet, dann soll es auch so bleiben. Ich denke aber, dass sich so Leute wie zB. Ich es bin, kein Hockeyfan, aber jemand der sich immer wieder mal über die Ligaspiele informiert und hin- und wieder die wichtigen WM-Spiele schaut, mehr Spiele anschauen würde, wenn die WM alle 2 Jahre wäre. Würde so definitiv auch mehr mitfiebern. Die Spieler wahrsch. auch, irgendwie sollte ein Spieler schon lieber an eine WM wollen, als in der Liga die Play-Offs zu Ende zu spielen. Nur meine Meinung.
    5 4 Melden
  • frantiscus 16.05.2018 22:46
    Highlight Kann man so unterschreiben. Die Jahreszeit scheint zwar unorthodox, was aber nicht weiter tragisch ist. Eine bessere Alternative zu suchen, wird sehr schwierig. Für viele Hockeyfans passt es und das ist auch gut so. Freuen wir uns auf die nächste WM hier in der Schweiz im 2020!
    13 0 Melden
  • Ass 16.05.2018 22:12
    Highlight Ich freue mich jedes Jahr auf die Hockey WM! Die WM könnte auch alle 100 Jahre sein und es würde nicht mehr Leute interessieren. Aber dadurch gibt es dafür kein Kravalltourismus wie im Fussball.
    11 3 Melden
  • Bruno Wüthrich 16.05.2018 21:59
    Highlight Ein schöner PR-Text unseres hoch geschätzten Eismeisters für den alljährlichen WM-Event des IIHF. Ich frage mich allerdings, wie ernst denn dieser Text gemeint sein kann, wenn er die WM mit einem Grümpelturnier vergleicht. Der Vergleich WM - Spengler Cup stimmt zwar, wenn man rein die Attraktivität der Partien für Spektakel-Liebhaber vergleicht. An der WM liegt der Grund hierfür darin, dass eben (fast) die Besten der Welt gegeneinander um Titelehren spielen. Der Spengler Cup dagegen ist ein zugegebenermassen gut vermarktetes Einladungsturnier, an welchem kaum je ein Landesmeister antritt.
    10 4 Melden
  • Gooner1886 16.05.2018 21:35
    Highlight Ich liebe Eishockey. Allerdings jedes Jahr eine WM ist übertriebeb, besonders im selben Jahr wo Olympia ist. Ich denke der Stellenwert würde auch steigen wenn diese nicht jedes Jahr wäre.

    Ich bin für einen zweijahres Rhythmus. Selbstverständlich am besten in den ungraden Jahren.
    9 63 Melden
    • Redly 16.05.2018 22:11
      Highlight Olympia? Die Veranstaltung eines korrupten Verbands?
      Mit 357 Schwimmwettbewerben, Ringen und weiteren Randsportarten, oder Skisport in einem Land ohne bestehende Pisten?
      Mit Milliardengrab und ungebrauchten Ruinen fürs Veranstaltungs-Land?

      Ich wüsste was überflüssig ist!
      26 3 Melden
    • Gooner1886 17.05.2018 06:18
      Highlight Man Olympia mögen oder nicht. Findet diese in einem Wintersportland statt unterbricht sogar die NHL. Ach ja ich bezweifle das die IIHF weniger korrupt ist, es geht nur um weniger Geld.
      5 9 Melden
  • Avalanche89 16.05.2018 21:31
    Highlight Ich gehöre zu dem Lager was nicht so eine Begeisterung für die WM aufbringen kann. Oftmals schaue ich die Spiele nicht einmal. Warum kann ich nicht genau sagen🤷‍♀️. Die Euphorie hält sich Jahr für Jahr in Grenzen.
    7 44 Melden
  • Steven86 16.05.2018 21:25
    Highlight Die Hockey WM ist bei uns ein fester bestandteil. Städtetrip mit Hockey, was möchte man mehr 😊 Friedliche Fest mit viel gesang und Bier.
    60 0 Melden
  • Amboss 16.05.2018 21:18
    Highlight Es ist gut so wie es ist. Das trifft es doch genau.

    Und jedes Mal im April verdreht man die Augen a la "ojee jetzt kommt noch Eishockey-WM".
    Und kaum ist der erste Puck gespielt ist es einfach nur geil
    54 1 Melden
  • glointhegrat 16.05.2018 21:05
    Highlight Die wm ist doch super. Ich kann in meinem lieblingssport die besten der welt zu einem günstigen preis sehen und die reisen mit städtedtripps verbinden in die ich sonst nie käme. Die gratulationen der schweden vor uns oder die schulterklopfer der finnen hinter uns wenn die schweiz ein tor schiesst sind einfach etwas wundervolles (auch wenn wir am schluss gegen sie verlieren😂) und nicht zuletzt sind die vorbilder wie josi oder niederreiter für unsere kinder sehr wertvoll. Ich staune immer wieder wie trotz so viel alkohol (bier) die fans auch trotz niederlagen zusammen feiern können.. Legendär
    106 2 Melden
  • morax 16.05.2018 20:36
    Highlight Ich versuche jedes Jahr an die WM zu fahren.

    Die Eishockey-WM ist nicht nur sportlich ein Erlebnis, auch die Zeit in der Fanzone mit den verschiedensten Nationen eine riesen Freude! Ein friedliches Fest, wahnsinnige Stimmung (bspw. nach dem Spiel Schweiz-Schweden) die alles toppt, Bier und Hot Dog's und einfach nur Spass!

    Ich freue mich jedes Jahr auf eine neue, spannende WM!
    67 2 Melden
  • Hanns Wipf 16.05.2018 20:28
    Highlight Das hat jetzt der Eismeister schön gesagt. Und absolut richtig.
    46 2 Melden
  • Nelson Muntz 16.05.2018 20:16
    Highlight und die Chronisten hätten schon Sommerloch...
    28 2 Melden
    • salamandre 16.05.2018 21:54
      Highlight das Sommerloch kommt ja schliesslich noch früh genug
      3 0 Melden
  • MikeT 16.05.2018 20:16
    Highlight Nur wer noch nie an einer Hockey WM dabei war (und zwar etwas länger als nur gerade ein für ein Spiel der Schweiz im eigenen Land), kann etwas gegen die WM haben. Seit ich an der WM 90 in Bern Steve Yzerman und Jaromir Jagr bewundern durfte und 1993 in München mit Deutschen, Schweden und Schweizern tagelang feierte, weiss ich die WM zu schätzen. Hier macht Hockey Spass, und das auf höchstem Niveau.
    46 2 Melden
  • Lumina 16.05.2018 20:04
    Highlight Entfernt. Bitte beachte die Kommentarregeln. Danke, die Redaktion.
  • Pana 16.05.2018 19:30
    Highlight Bitte nicht ändern. Für mich ist die WM Jahr für Jahr ein (Hockey) Highlight. Und, dank IIHF, kann man dies erst noch komplett live, in HD, auf Youtube verfolgen. Ganz grosses Kino. Zumindest in den Ländern, wo es sonst nicht im TV kommt. Damit wächst der Sport auch in neuen Regionen.

    Die Hockey-WM ist nicht die riesen Kommerz-Show wie die Fussball-WM, und das ist gut so. Sympathisch, und doch jedes Jahr wieder spannend und unterhaltsam.
    188 12 Melden

3 Tore in 4 Minuten – wie die Schweiz in den WM-Halbfinal stürmte

Das Eishockey-Nationalteam steht an der WM in Dänemark in den Halbfinals. Die Schweizer besiegten Finnland nach einem 0:1-Rückstand bis zur 30. Minute mit 3:2. Im Halbfinal trifft die Schweiz am Samstag auf Kanada.

In magischen 235 Sekunden wurde das Fundament für den historischen Sieg gelegt. Gegen Finnland hatte die Schweiz an Weltmeisterschaften seit 1972 nie mehr gewonnen. In den 46 Jahren seither gab es bloss an den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary einen glückhaften 2:1-Sieg über die Suomi.

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