Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Barcelona's Lionel Messi reacts during their Spanish First Division soccer match against Granada at Nuevo Los Carmenes stadium in Granada, April 12, 2014. REUTERS/Marcelo del Pozo (SPAIN - Tags: SPORT SOCCER)

Bild: Keystone

Lahmer Zauberfloh

Mit erst 26 Jahren wird Lionel Messi nur noch schlechter statt besser

Nach der bitteren Niederlage im Final der Copa del Rey folgt für Lionel Messi die nächste Demütigung. Erzrivale Cristiano Ronaldo tröstet den Argentinier gönnerhaft. Bei Messi häufen sich die laschen Auftritte und seine Statistiken sind im Sinkflug. Ist der vierfache Weltfussballer gelangweilt oder gestresst?

18.04.14, 13:00 24.06.14, 13:22

Diese eine Szene aus dem 260. Clásico hat sich nebst Gareth Bales überirdischem Energieanfall beim 2:1-Siegtor in die Köpfe der Zuschauer rund um den Globus eingebrannt: Mitten im Madrider Jubelsturm steht nach dem Schlusspfiff ein geschlagener Lionel Messi einsam und verzweifelt auf dem Platz. Die Lichtgestalt der vergangenen Fussball-Dekade sieht nach der Finalpleite wie ein Schulbub aus, dem die Mama gerade drei Monate Fernsehverbot aufgebrummt hat: Fassungslos, mit leerem Blick – und den Tränen bedrohlich nahe.

Dann streut Cristiano Ronaldo mit einem seiner unvergleichlichen Auftritte noch zusätzlich Salz in die Wunden des lahmenden Zauberflohs. In feinstem Zwirn, protzig verziert mit Krawatte, Goldklunkern und Baseballcap, schnappt sich die verletzte Madrid-Rakete seinen leidenden Dauerrivalen und legt ihm väterlich tröstend den Arm um die Schulter. Das Bild geht um die Welt – als ob Messis Schmach nicht schon gross genug gewesen wäre. 



Messi ist der grosse Verlierer im Kampf um die wohl letzte Titelchance

Der grosse Verlierer des Abends hat die Barça-Hoffnungen – die beim Copa-Finale wieder einmal fast ausschliesslich auf ihm liegen – bitterlich enttäuscht. Während sich Sturmkollege Neymar beim vergeblichen Kampf um die wohl letzte Titelchance der Katalanen wenigstens bissig zeigt, liefert Messi einen derart uninspirierten Auftritt ab, dass es für seine Massstäbe an Arbeitsverweigerung grenzt. 

Lionel Messis Kurs ist dramatisch gefallen.

Neben Messis fehlendem Einfluss auf das Barça-Spiel, seiner kompletten Verweigerung jeglicher Defensivaufgaben gepaart mit unterdurchschnittlicher Laufbereitschaft, ist vor allem seine Körpersprache besorgniserregend. Messi war nie ein testosterongeladener Emotionsbolzen, aber derzeit scheint es fast, als habe er auch seine unbändige Spiellust und sein Fussballgenie irgendwo in den verschachtelten Katakomben des Camp Nou verloren.

Wer sich beim Final der Copa del Rey in Erinnerung zu rufen versucht, dass dieser lustlos wirkende Schlendrian die Königlichen Ende März beim Jahrhundert-Clásico (4:3 für Barcelona) mit drei Toren noch beinahe im Alleingang abgeschossen hatte, muss sich fragen, was ihm seither zugestossen ist. Wenn der Ball gerade nicht in nächster Nähe ist, wandert Messi oft mit gesenktem Kopf und irgendwie abgeschaltet, ohne jedes Anzeichen von Teilnahme, über den Platz.

Messi ohne Ball – jede Topfpflanze ist derzeit spektakulärer. Bild: Keystone

Die laschen Auftritte häufen sich

Natürlich wird bei einem Spieler von Messis Kaliber nach einigen unterdurchschnittlichen Spielen oft vorschnell das Wort Krise herumgereicht. Fast immer antwortet er darauf mit Toren, wie zuletzt mit einem Doppelpack beim 3:1 gegen Betis Sevilla. Aber je mehr der Niedergang des spanischen Dominators Barcelona fortschreitet, desto klarer wird, dass auch die einstige Lichtgestalt eben nicht mehr sakrosankt ist. Lasche Auftritte wie im Copa-Final, beim 0:1 gegen Granada oder dem unrühmlichen Champions-League-Aus gegen Atlético Madrid, wo Messi auf dem rechten Flügel einen persönlichen Minusrekord an gelaufenen Kilometern verbuchte, häufen sich derzeit.

In der Folge wird Lionel Messi derzeit auch von Journalisten hart angegangen, die sich sonst – im Wissen darum, dass er jederzeit wieder zur Hochform auflaufen könnte – eher auf die Zunge beissen würden, als den Zauberfloh zu kritisieren. Als der Argentinier sich in der Woche vor dem Cupfinal während des Trainings ein Gähnen nicht verkneifen konnte, wurde daraus in Spanien ein ausgewachsener Skandal konstruiert.

Wenn gute Statistiken ein Rückschritt sind

Auch der Blick auf die Statistik zeigt, dass der Messi der aktuellen Saison sich nicht mit demjenigen der letzten vergleichen lässt. Ja, er hat bereits wieder 38 Tore in 41 Pflichtspielen für Barça gebucht – doch an die sagenhafte Marke der Saison 2012/2013, in der ihm in 50 Matches 60 Treffer gelangen, kommt er damit längst nicht mehr heran. In dieser Spielzeit trifft der Argentinier durchschnittlich alle 86 Minuten, letztes Jahr gelang ihm das Kunststück noch nach jeweils 67 Minuten. Auch andere Schlüsselwerte, wie etwa die Anzahl seiner Pässe (durchschnittlich 43 pro Spiel), sind im Vergleich mit seiner besten Saison (70 pro Spiel) dramatisch eingebrochen. Es scheint fast, als entwickle sich Messi mit nur 26 Jahren nicht mehr weiter, sondern zurück.

«Ich habe das Gefühl, dass Lionel Messi geistig nicht klar ist.»

César Luis Menotti Argentinischer Weltmeistercoach

Eine mögliche Erklärung liefert César Luis Menotti, der argentinische Weltmeistertrainer von 1978: «Ich habe das Gefühl, dass Lionel Messi geistig nicht klar ist. Ich habe bei ihm mehr mentale als körperliche Erschöpfung gesehen. Eine Pause könnte ihm helfen, seinen Kopf wieder frei zu bekommen.»

Falls diese Einschätzung zutreffen sollte, wäre dies wohl auch die späte Quittung für das ausufernde Programm in der Vorbereitung zur aktuellen Saison. Im vergangenen Sommer hatte Lionel Messi ein mammutöses Reiseprogramm zu bewältigen. Für Freundschaftsspiele mit Barcelona, die Erfüllung von Marketingverpflichtungen und wohltätige Zwecke flog er kreuz und quer durch 14 Länder auf vier Kontinenten. Von Polen über Thailand bis nach Peru und Senegal. Kaum zuhause angekommen, wollte und musste sich Messi natürlich um sein sieben Monate altes Söhnchen Thiago kümmern – Erholung sieht anders aus.

Lionel Messi tourt zu Promotionszwecken durch die ganze Welt – und fühlt sich sichtbar unwohl dabei. Video: Youtube/Oli Hätimääki

Nach 15 Jahren Ehe mit dem Fussball gelangweilt

Auch gesundheitlich ist Messi in dieser Saison nicht auf dem Zenit. Neben Adduktorenbeschwerden zwangen ihn Muskelbeschwerden im Oberschenkel zweimal zu wochenlangen Pausen. Dazu plagt er sich immer wieder mit mysteriösen Magenbeschwerden, welche sogar wiederholt dazu geführt haben, dass sich Messi mitten auf dem Feld übergeben musste.

Es ist noch zu früh, das Ende der Ära des vierfachen Weltfussballers des Jahres zu verkünden. Dafür ist er zu sehr mit Fussballgenie gesegnet und mit 26 Jahren auch noch zu jung. Doch es wird nicht einfach für ihn, während des anstehenden Barcelona-Umbruchs wieder regelmässig zu alter Konstanz auf allerhöchstem Niveau zurückzukehren. Das sieht auch der argentinische Schriftsteller und Fussballexperte Angel Cappa so: «Fussball braucht enorme Leidenschaft und absolute Liebe zum Spiel. Diese hat Messi verloren. Es ist, als ob er seit 15 Jahren mit dem Fussball verheiratet wäre – und dieser ihn jetzt einfach nur noch langweilt.»

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
6
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • TobiS 18.04.2014 23:12
    Highlight Erinnert mich an die Berichte über Federer als er nicht mehr Nummer 1 war.. Ein paar Wochen später hat er das nächste Turnier gewonnen!
    Es ist fast unmenschlich ein so hohes Niveau konstant über Jahre zu halten. Wer weiss, vielleicht schwächelt ja Ronaldo an der WM? We will see!
    0 1 Melden
  • kiawase 18.04.2014 22:28
    Highlight was soll dieses geschwafel: erst mal schön die WM abwarten. und wer hat schon nicht mal einen schlechten tag bei der arbeit. ... er ist und bleibt der beste
    0 1 Melden
  • FCS1896 18.04.2014 16:28
    Highlight Er ist auch nur ein Mensch...
    0 1 Melden
  • aTvitterBachur 17.04.2014 21:38
    Highlight alles geht mal zu ende...
    2 1 Melden
  • Nosgar 17.04.2014 21:08
    Highlight Wie werden schon wieder einen besseren Messi sehen. Jeder hat mal Schwächen. Und Ronaldos Geste sieht eher ehrlich und sympathisch aus. Aber das wäre ja dann kein gefundenes Fressen für die Medien.
    4 0 Melden
  • SoullessStone 17.04.2014 17:19
    Highlight Vielleicht war die Geste von Ronaldo auch ehrlich?
    8 0 Melden

31 Bilder die beweisen, wie sehr der arme Neymar gegen die Schweiz leiden musste

Die Schweiz schafft mit dem 1:1 gegen Brasilien einen Traumstart in die WM 2018. Schlüssel zu diesem guten Ergebnis war unter anderem, dass es gelungen ist, Superstar Neymar aus dem Spiel zu nehmen. Der Stürmer musste viel einstecken, wie die folgenden 31 Fotos beweisen. Armer Neymar.

(zap)

Artikel lesen