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Das hat sich nicht gelohnt: Douglas kostete den FC Barcelona im letzten Sommer 5,5 Millionen Euro. Bild: EPA/EFE

Douglas beim FC Barcelona: Ein 5,5-Millionen-Euro-Mann, der geholt wurde, um nicht zu spielen

Rechtsverteidiger Douglas kostete den FC Barcelona im letzten Sommer 5,5 Millionen Euro. Spielen darf er jedoch fast nie. Was als Märchen begann, endet wegen zwielichtigen Transfermechanismen als Drama – nicht für die Hintermänner, aber für den Spieler.

06.05.15, 10:26 06.05.15, 16:18

Er war im Sommer 2014 der letzte Transfer des FC Barcelona vor der einjährigen Transfersperre, welche die FIFA wegen der Verpflichtung von Minderjährigen über den Klub verhängte. Doch wie beim Transfer von Thomas Vermaelen, der für zehn Millionen Euro von Arsenal kam und wegen Oberschenkelproblemen noch keine Minute spielen konnte, bewiesen die Katalanen auch bei Douglas Pereira dos Santos kein gutes Händchen.

5,5 Millionen Euro kostete der 24-jährige, brasilianische Rechtsverteidiger. Er unterschrieb einen Fünfjahresvertrag und wurde schnell als designierter Nachfolger von Dani Alves hochstilisiert. Doch davon ist Douglas noch weit entfernt. Trainer Luis Enrique scheint nicht viel von ihm zu halten: Nur viermal kam er in seiner ersten Saison für Barcelona bislang zum Einsatz, insgesamt während 236 Minuten: Dreimal in der Copa del Rey, einmal in der Meisterschaft, wo er am 5. Spieltag gegen Granada nur durch seine 31 Rückpässe auffiel.

Einer von vier Einsätzen: In der Copa del Rey darf Douglas gegen Huesca Flanken schlagen. Bild: EPA/EFE

Überrascht über Douglas' Reservisten-Rolle ist aber höchstens sein Berater. Barça sei nicht gerecht mit ihm umgegangen, wetterte er neulich beim spanischen Radiosender RAC1. Fans und Experten runzelten dagegen schon bei der Bekanntgabe des Transfers im letzten August die Stirn. Kein Wunder: Der Rechtsverteidiger, der einst als grosses Talent galt, war bei seinem vorherigen Klub – dem FC Sao Paulo – nicht einmal Stammspieler.

Der Ablauf des Transfers war ebenfalls alles andere als alltäglich: Die Barça-Scouts wurden eigentlich nach Brasilien geschickt, um den jungen Innenverteidiger Rodrigo Caio zu beobachten. Dieser zog sich jedoch einen Kreuzbandriss zu und so verpflichteten die Katalanen kurzerhand seinen Mannschaftskameraden Douglas.

Traurig, aber wahr: Der Brasilianer ist bei den Barça-Fans mittlerweile zur Witzfigur geworden. Was Nicklas «Lord» Bendtner in England oder Deutschland ist, ist Douglas in Spanien

Zwielichtige Transfergeschäfte

Aber warum hat Barcelona Douglas überhaupt geholt? Etwas Licht kommt ins Dunkel, wenn man sich die Karriere des Vielgescholtenen etwas genauer ansieht. Der zwölffache U20-Nationalspieler spielte in seiner Jugend für den Goias EC und kam dort ab 2008 in der ersten Mannschaft zum Einsatz. 2012 übernahm der Werksklub Desportivo Brasil die Transferrechte.

Der Klub, der vor allem Junioren-Teams stellt, wiederum gehört zu Traffic, einer mächtigen Agentur im brasilianischen Fussball. Traffic besitzt nicht nur eigene Klubs (neben Desportivo Brasil auch den portugiesischen Erstligisten Estoril Praia), sondern hält auch einen Grossteil der TV-Rechte, veröffentlicht Sendungen sowie Zeitungen und ist extrem aktiv auf dem Spielermarkt.

Bei der Vorstellung in Barcelona hat Douglas noch gut lachen. Bild: Manu Fernandez/AP/KEYSTONE

Der wichtigste Geschäftsteil ist mittlerweile aber die hauseigene Akademie. Dort werden Jugendliche an den Profifussball herangeführt, um sie mit 18 Jahren wieder gewinnbringend abzugeben. Daraus macht niemand einen Hehl: «Wir sind Geschäftsleute. Uns interessiert nur der Profit», gab Vize-Präsident Rodolfo Canavesi 2013 gegenüber 11freunde.de unverblümt zu.

Meist werden die Talente an Palmeiras abgegeben, mit dem brasilianischen Erstliga-Klub hat man einen Vertrag abgeschlossen. 80 Prozent der Transfers werden untereinander abgewickelt. Werden die Spieler weiterverkauft, hält Traffic weiter Anteile, meist 40 Prozent. Spekulation mit Talent lautet das Erfolgsrezept. 

Interesse an den brasilianischen Talenten zeigen nämlich auch europäische Grossklubs. So ist Manchester United an der «Academia Traffic de Futebol» als Scouting-Partner beteiligt und hält das Vorverkaufsrecht auf fünf Nachwuchstalente aus dem grossen Pool.

Nicht der erste Traffic-Transfer von Barça

Aber zurück zum FC Barcelona: Ob die Katalanen auch eine Vereinbarung mit Traffic haben, ist ungewiss. Sicher ist: Der Douglas-Wechsel war nicht der erste Überraschungs-Transfer des 22-fachen spanischen Meisters, bei dem Traffic mitwirkte: 2008 fädelte die Agentur den Wechsel des Brasilianers Henrique ein. Er kam für zehn Millionen Euro von Palmeiras, dem Partnerverein von Traffic.

Ein Jahr später nahm die «Blaugrana» den jungen Stürmer Keirrison für 14 Millionen Euro unter Vertrag. Beide Spieler wurden später mehrfach ausgeliehen, ehe sie ohne einen Einsatz in der Primera Division nach Brasilien zurückkehrten.

Barças Flop-Brasilianer

Drahtzieher bei allen drei Transfers war Andre Cury, ein enger Vertrauter von Barcelonas Ex-Präsident Sandro Rosell. Cury war früher bei Nike tätig, dann Direktor von Traffic. Seit 2012 ist er offiziell Südamerika-Beauftragter des Klubs. Auch beim Neymar-Transfer hatte er seine Finger im Spiel. Er war die Person, welche den Katalanen dazu riet, im Voraus zehn Millionen Euro an den FC Santos zu überweisen, um einen Transfer zu Real Madrid zu verhindern.

Selbst wenn Alves geht, ist kein Platz für Douglas

Wie bei Neymar soll auch beim Douglas-Transfer nicht alles mit rechten Dingen zu- und hergegangen sein. Rund 6,5 Millionen Euro sollen auf dem Weg nach Brasilien verschwunden sein. Laut dem Radiosender Cadena Ser soll sich mittlerweile die spanische Staatsanwaltschaft eingeschaltet haben.

Verpflichtet Barça im Sommer Torinos Matteo Darmian? Bild: EPA/ANSA

Was mit Douglas am Ende der Saison passiert, ist unklar. Sein Berater betonte zuletzt: «Wir haben aktuell keine Absichten, Barcelona zu verlassen.» Vielleicht hoffte er da noch auf einen Abgang von Dani Alves. Doch der 77-fache brasilianische Nationalspieler, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, könnte nun doch bei Barça bleiben.

Und selbst wenn Alves wechselt, sind die Tage von Douglas wohl gezählt. Die Katalanen haben ihre Fühler nämlich nach Matteo Darmian vom FC Torino ausgestreckt. Und so bleibt für Douglas vermutlich nur die Rückkehr nach Brasilien, zurück in die Versenkung, aus der er im letzten Sommer gekommen ist. Barcelona hätte sich sicherlich gewünscht, dass sich der Rechtsverteidiger besser entwickelt. Aber doch wird man das Gefühl nicht los, dass Douglas nie eine echte Chance hatte. Dass er bloss geholt wurde, um nicht zu spielen.

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • c_meier 06.05.2015 13:55
    Highlight ein anderer FCB kauft ab und zu auch Spieler, um nicht zu spielen...
    als Beispiel Stephan Andrist, 2011 Topstürmer beim FC Thun, beim FCB kam er danach nicht mehr viel zum Einsatz... http://www.transfermarkt.ch/stephan-andrist/leistungsdatendetails/spieler/59991/verein/26
    8 2 Melden
    • 's all good, man! 06.05.2015 15:31
      Highlight Das ist überhaupt nicht vergleichbar und hat mit den dubiosen Machenschaften wie hier beschrieben mal rein gar nichts zu tun. ^^

      Was genau bewog dich nun zu diesem Kommentar? Persönlich immer noch angepisst, dass Muri nicht auf ihn setzte? Man sieht ja nun, was für ein absoluter Topstürmer er geworden ist...

      P.S. Super Artikel!
      7 4 Melden
  • droelfmalbumst 06.05.2015 12:06
    Highlight Sage ja.. FC Hollywood 2 dieses Barçelona
    7 14 Melden
  • Boixos 06.05.2015 11:47
    Highlight War von Anfang an klar, dass hinter diesem Transfer keine sportlichen Absichten waren.

    Passt aber leider wunderbar zu Barcelonas Geschäftstätigkeiten seit Sandro Rosell bzw. Bartomeu Präsident ist (u.a. Neymar Deal und Qatar-Geschichte).
    19 2 Melden
  • Illuminati 06.05.2015 10:33
    Highlight Spannender Artikel. Bitte mehr davon, Danke!
    40 1 Melden
    • Ilovepies 06.05.2015 11:07
      Highlight Sehr. Bringt etwas licht in diese undurchsichtige und zwielichtige branche.
      28 2 Melden

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