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«Dr Cupfinal gheert nach Bärn» – Manifestation der Muttenzerkurve am letzten Sonntag. Bild: KEYSTONE

Hooligan-Alarm

Hickhack um den Cupfinal: Bern fürchtet den Fussball-Krawall

Der Fussball-Cupfinal zwischen Basel und Zürich am Ostermontag macht die Berner Behörden nervös. Eine Bewilligung für das «Hochrisikospiel» liegt noch nicht vor – und die Zeit drängt.

Stellen Sie sich vor, es ist Cupfinal und keiner weiss wohin. Keine zwei Wochen sind es bis zum Anpfiff des Fussball-Highlights am Ostermontag um 14 Uhr. Noch aber ist unklar, wo die Partie zwischen den Erzrivalen FC Basel und FC Zürich stattfinden wird. Eigentlich steht das Stade de Suisse in Bern als Austragungsort fest. Die Berner Stadtregierung jedoch bekam kalte Füsse – eine Absage oder Verlegung wurde zum Thema.

Anlass waren martialische Einträge in Fanforen. «Vor dem Cupfinal legen wir die Stadt in Schutt und Asche», drohte ein anonymer Fan im FCB-Forum. Dies verstärkte die ohnehin vorhandene Nervosität in der Bundesstadt, denn der Klassiker FCB gegen FCZ gilt als «Hochrisikospiel». Mehrfach kam es in den letzten Jahren zu gewalttätigen Ausschreitungen von Hardcore-Anhängern. Im Mai 2011 etwa wurden im Zürcher Letzigrund bei Krawallen sieben Personen verletzt. Erst am Montag wurde ein FCB-Fan deswegen zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt.

Berner Ja zum Hooligan-Konkordat

Wegen der kriegerischen Rhetorik erwägt die Stadt Bern, dem Cupfinal die Bewilligung zu verweigern. Dies ist unter dem verschärften Hooligan-Konkordat möglich – das Berner Stimmvolk hat ihm im Februar mit 78,2 Prozent zugestimmt. Die Berner sind «gebrannte Kinder»: Vor dem letztjährigen Cupfinal zwischen Basel und den Grasshoppers hatten sich militante Fans der beiden Klubs in der Innenstadt eine wüste Schlägerei geliefert.

Fans of Grasshopper Club Zuerich march through the streets of Bern, prior to the Swiss Cup final soccer match between FC Basel and Grasshopper Club Zuerich at the Stade de Suisse stadium in Bern, Switzerland, Monday, May 20, 2013. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Marsch der GC-Fans am letztjährigen Cupfinal in Bern. Bild: KEYSTONE

Der um markige Worte nie verlegene Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) verkündete damals: «Das war der letzte Fanmarsch durch Bern.» Gemeint sind die Umzüge der Fangruppen zum Stade de Suisse, die zu einer Tradition geworden sind. Meist sind diese laut, manchmal kommt es zu Sachbeschädigungen und auch zu Krawallen, wie im letzten Jahr. Nause befürchtet wohl nicht ohne Grund, dass es zwischen FCB- und FCZ-Anhängern erneut krachen könnte.

SFV setzt weiter auf Bern

Deshalb laufen Gespräche zwischen der Stadt, den beiden Klubs und dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) als Veranstalter. Diese seien noch nicht abgeschlossen, erklärte SFV-Medienchef Marco von Ah auf Anfrage von watson. Für ihn aber ist der Fall klar: «Der Cupfinal wird in Bern stattfinden.» Ein Plan B in Form einer Verlegung nach Basel sei kein Thema. Es habe in dieser Sache eine Anfrage gegeben, mehr aber nicht: «Es handelt sich um den ersten Cupfinal in einem Konkordats-Kanton, deshalb müssen einige Fragen geklärt werden.»

«Der Cupfinal wird in Bern stattfinden.»

Marco von Ah, Medienchef Fussballverband

Bei der Stadt Bern gibt man sich zugeknöpft. Informationschef Walter Langenegger bestätigte nur, dass die Gespräche im Gang sind und noch keine Bewilligung für das Spiel vorliegt. Zum Thema Fanmärsche wollte er sich nicht äussern. Diese sind ein heikles Feld. Zwar könnte man die Extrazüge im Bahnhof Wankdorf in der Nähe des Stadions anhalten lassen. Doch es lässt sich kaum verhindern, dass die Fans die regulären Schnellzüge zum Hauptbahnhof benützen.



Trotzdem ist es wahrscheinlich, dass der Cupfinal in Bern stattfinden wird. Denn die Zeit drängt: Am Dienstag hat der FC Zürich mit dem Vorverkauf für seine Saisonkarten-Inhaber begonnen. Die Tickets sind auf das Stade de Suisse programmiert. Auf der Website des FC Basel heisst es dazu: «Informationen folgen rasch möglichst.» 

Die FCB-Fans stehen ohnehin unter Beobachtung. Das Viertelfinal-Hinspiel in der Europa League gegen Valencia am letzten Donnerstag musste im St.-Jakob-Park vor leeren Rängen ausgetragen werden, weil Chaoten im Achtelfinal-Rückspiel bei Red Bull Salzburg Gegenstände auf den Rasen geworfen und einen Unterbruch provoziert hatten.

«Befreyigsschlag» der FCB-Fans

Die Uefa bestrafte den vorbelasteten FC Basel mit besagtem «Geisterspiel» und einem weiteren auf Bewährung. Dies führte am letzten Sonntag vor dem Super-League-Heimspiel gegen Thun zu einer bemerkenswerten Aktion: Fans aus der Muttenzerkurve, in der sich der «harte Kern» des FCB-Anhangs versammelt, verteilten eine achtseitige «Broschüre» mit dem Titel «Befreyigsschlag» an die Matchbesucher. 

Valencia's and basel's players play the ball, during the UEFA Europa League quarter final first leg soccer match between Switzerland's FC Basel 1893 and Spain's Valencia CF behind closed doors at the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, on Thursday, April 3, 2014. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Das Geisterspiel zwischen Basel und Valencia am letzten Donnerstag. Bild: KEYSTONE

Sie ist im Internet nicht zugänglich und wurde von der «Basler Zeitung» in Auszügen veröffentlicht. «Wir befinden uns in einem dynamischen Spannungsfeld: Zwischen jener Fraktion, die sich radikalere Positionen wünscht und denjenigen, die sich mehr Zurückhaltung wünschen», heisst es in dem Papier. Gleichzeitig betont die Muttenzerkurve, dass sie für ihre Vorstellung von Fankultur einstehen will – «auch gegen Widerstände und notfalls sogar gegen den Club».

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    Alle Leser-Kommentare
  • Älü Täme 09.04.2014 12:34
    Highlight Highlight «auch gegen Widerstände und notfalls sogar gegen den Club». Dem "Club" ist es ja sowieso egal, das hat die Vergangenheit zu genüge gezeigt. Hier muss der Staat durchgreifen, der SFV und die Clubs versagen seit Jahren. Und das Volk will, dass der Staat eingreift, das sieht man an der hohen Zustimmung zum Hooligankonkordat.
  • DonMollardo 09.04.2014 12:18
    Highlight Highlight Erstaunlich dass fast keinem auffählt dass Herr Nause schon die Jahre zuvor jeden Fanmarsch unterbinden wollte, mit ausnahme von letztjährigen Cupfinale als er es als volksfest bezeichnete. Komisch nicht? Ach nei das war ja kurz vor der Abstimmung im berner Parlament zum Hooligankonkordat. Und komischerweise liess man die beiden Fanlager sich, nur durch eine baustelle getrennt, besammeln. Das damit eine eskalation gefördert wurde um sie als argument im parlament zu nutzen interessiert anscheinend niemand.
  • enti 09.04.2014 10:55
    Highlight Highlight Bewilligen aber die beiden Vereine in die Verantwortung einbinden. Sollte es eskalieren haben die Clubs die finanziellen Konsequenzen zusammen mit dem SFV mitzutragen.

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