Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

In der Champions League hat Raphael Wicky gut lachen. In der Liga aber harzt es. Bild: KEYSTONE

Auf Champions-League-Abende folgen oft dürftige FCB-Auftritte – das soll sich heute ändern

Am liebsten würde wohl jeder Fussballer immer Champions League spielen. Auf dieser grösstmöglichen Bühne gegen die besten Teams aus ganz Europa. In der Königsklasse ist alles grösser, exklusiver, glanzvoller. Umso schwerer fällt dann auch immer die Umgewöhnung auf den Liga-Alltag.

25.11.17, 08:56 25.11.17, 10:58

Céline Feller / Schweiz am Wochenende

Vor allem, wenn man solche magischen Nächte wie jene des FC Basel gegen Manchester United erlebt hat. Einen 1:0-Sieg gegen den englischen Rekordmeister – der jedoch mit einer Muskelverletzung Geoffroy Serey Dies bezahlt werden musste – will man festhalten.

Stattdessen aber bleibt den Exponenten des FCB kaum Zeit, um sich im Erfolg zu sonnen. Denn zwischen der Sensation und der nächsten Pflichtaufgabe blieben nur drei Tage Zeit. Am Samstagabend müssen die Basler nach Luzern, um dort gegen den Zweitletzten der Liga anzutreten.

Unabhängig vom Trainer

Trotzdem betonte FCB-Coach Raphael Wicky am Freitag: «In dieser schnelllebigen Welt ist es manchmal wichtig, dass man in einem Moment drin sein und diesen geniessen kann. Das habe ich auch der Mannschaft gesagt.» So gestand er sich und dem Team am Donnerstag noch zu, in Erinnerungen zu schwelgen. Schliesslich sei es ein wunderschöner, emotionaler Abend gewesen, und «ich weiss nicht, wie oft ich in meiner Karriere Manchester United noch besiegen werde.»

Doch damit musste das Kapitel geschlossen, der Fokus auf Luzern gerichtet werden. Wie schwer es ist, den Schalter von Champions auf Super League umzulegen, bewies der FCB in jüngerer Vergangenheit mit einer ungewollten Konstanz. Ob nun vergangene Saison unter Urs Fischer oder in dieser unter seinem Nachfolger Wicky: Auf die Abende in der Königsklasse – ob auf ruhmreiche oder weniger geglückte – folgten stets Leistungen, die sich nicht den Zusatz «besonders ansehnlich und überzeugend» verdient haben.

In der Saison 2016/17 waren es beispielsweise das in letzter Sekunde errungene 1:1-Unentschieden gegen den FC Thun – oder das 2:1 gegen Lausanne, das nach einem 0:1-Rückstand ebenfalls erst im letzten Augenblick errungen werden konnte. In dieser Spielzeit stehen der Krampf im Cup-Sechzehntelfinal in Chiasso (1:0-Sieg) oder das ereignisarme 0:0 gegen GC exemplarisch für diese Tendenz. Vor allem das GC-Spiel sorgte nach der 5:0-Gala gegen Benfica Lissabon dafür, dass alle wieder in der Realität angekommen waren.

Fokus komplett auf Luzern

Doch während man es sich in der vergangenen Saison noch eher leisten konnte, nach kräftezehrenden Auftritten in Europa Punkte liegen zu lassen, ist dies aktuell kaum drin. «Uns ist allen klar, dass wir sieben Punkte Rückstand auf YB haben. Daher galt ab Freitag der Fokus wieder komplett Luzern.» Jenem Gegner, auf den der FCB innert fünf Tagen gleich zwei Mal trifft. Zuerst auswärts in der Liga, dann am Mittwoch zu Hause im Cup-Viertelfinal.

«Das Spiel in der Liga ist wichtiger. Das ist unsere Priorität, das ist das Wichtigste für den FC Basel.» Denn nur, wer dort seine Aufgaben erledigt, könne auch weiterhin solche magischen europäischen Nächte wie jene gegen Manchester United erleben. «Das Spiel in Luzern ist extrem wichtig und ich bin mir sicher, dass die Mentalität und der Fokus bei den Spielern da sein werden», sagt Wicky, der ausserdem auf ein baldiges Comeback hoffen kann. Der Holländer Ricky van Wolfswinkel trainiert seit Donnerstag wieder am Ball.

Ein gefeierter Mann beim FCB: Stürmerstar Ricky van Wolfswinkel (Mitte). Bild: KEYSTONE

Wenn also Mentalität und Fokus stimmen, fehlt nur noch das Resultat. Dass dieses auch dem Wunsch der Basler entsprechend sein wird, ist realistischer als nach dem 5:0 gegen Benfica, sagt Sportchef Marco Streller. Aus einem einfachen Grund: «Ich denke, wir sind noch einen Schritt weiter als damals. Die Hierarchie in der Mannschaft musste sich finden, die Spieler ihre Rollen und Persönlichkeiten sich weiterentwickeln.» Dass dies geklappt hat, würden die Beispiele von Michael Lang und Renato Steffen zeigen. All das zusammen habe, so Streller, «zu diesem Niveau, das wir mittlerweile haben, beigetragen.»

Wenn dann auch noch die Genauigkeit, die Geradlinigkeit und die Kaltschnäuzigkeit auf den letzten 30 Metern dazukommen, die intensiv mit der Mannschaft angeschaut worden seien, wie Streller betont, dann «fehlt extrem wenig, um es auch in der Liga so umzusetzen». Beweisen können dies die Basler mit einem überzeugenden Auftritt. Also genau mit dem, was es zuletzt nach Spielen in der Champions League zu selten zu sehen gab.

Eine Szene für die Ewigkeit: FCB-Stürmer Dimitri Oberlin sprintet um sein Leben

Video: Angelina Graf

Unvergessene Champions-League-Geschichten

21.05.2008: John Terrys fataler Ausrutscher: Im ersten rein englischen CL-Final stösst er Chelsea ins Tal der Tränen

12.11.2002: Basel spielt 3:3 gegen Liverpool und Beni Thurnheer schwärmt: «Das müsste man zeigen, wenn ich gestorben bin»

26.05.1999: Sheringham und Solskjaer – zwei Namen und du weisst sofort, worum es hier geht

28.05.1997: Lars Ricken kommt, schiesst und macht Borussia Dortmund zum Champions-League-Sieger

18.04.2001: Das berühmteste Mannschaftsfoto der Welt wird geknipst – wie sich ein ehemaliger Boxer als 12. Mann unsterblich macht

25.05.2005: Liverpool schafft gegen Milan dank «sechs Minuten des Wahnsinns» und Hampelmann Jerzy Dudek die unglaublichste Wende aller Zeiten

23.05.2001: Oli Kahn hält im CL-Final gegen Valencia drei Elfmeter und wird endgültig zum Titan

25.09.1996: Murat Yakin sticht mit seinem Freistoss mitten ins Ajax-Herz und bringt Mama Emine zum Weinen

28.05.1980: Underdog Nottingham überrascht Europa erneut und sorgt für eine kuriose Bestmarke

07.12.2011: Der FC Basel schmeisst Manchester United aus der Champions League und Steini, der Glatte, schiesst den Ball an die Latte

26.09.1995: Luganos Carrasco bringt mit seiner Banane Gianluca Pagliuca und das grosse Inter Mailand zum Weinen

30.09.2009: Dank Tihinens Hackentrick, «abgeschaut bei einem finnischen Volkstanz», bodigt der FC Zürich das grosse Milan

18.03.2003: Der FC Basel schafft gegen Juve nur die «kleine» Sensation – für die grosse fehlen dann doch vier Tore

01.04.1998: Jauch und Reif lassen beim Torfall von Madrid jeden Aprilscherz alt aussehen

29.09.1971: Statt «allzu augenfällig im Spargang» die Pflicht zu erledigen, sorgt GC für den höchsten Schweizer Europacup-Sieg aller Zeiten

04.11.1992: Sion träumt von der Champions-League-Gruppenphase, kassiert trotz ansprechender Ausgangslage in Porto jedoch eine 0:4-Klatsche

20.11.1996: Wegen 20 fatalen Minuten landet Champions-League-Überflieger GC in Glasgow auf dem harten Boden der Realität

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Liebes YB, bitte veryoungboys es noch ein Mal

Liebe Young Boys

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich würde euch den Titel von Herzen gönnen. Obwohl ich kein Fan bin, mag ich euch: das Team, Radio Gelb-Schwarz, die Stadt, den Hütter – und den Spycher sowieso. Spätestens seit ich ihn einmal im grossen Buchladen in Zürich traf. Und nicht etwa in der DVD-Abteilung.

Ich würde euch den Titel echt gönnen.

Aber ich hätte es auch Odysseus gegönnt, dass er nach dem Krieg gegen Troja auf direktem Weg nach Hause gefunden hätte. Doch so funktioniert …

Artikel lesen