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Real Madrid forward Cristiano Ronaldo, from left, tries to get past Manchester United defenders Alexander Buttner, Tyler Blackett, and Phil Jones during a Guinness International Champions Cup soccer match at Michigan Stadium in Ann Arbor, Mich., Saturday, Aug. 2, 2014. Manchester United won 3-1. (AP Photo/Paul Sancya)

Volle Stadien, attraktive Spiele, zugkräftige Superstars: Für die Veranstalter ist der Champions Cup schon vor dem Final ein grosser Erfolg. Bild: Paul Sancya/AP/KEYSTONE

Zwei Redaktoren, zwei Meinungen

Was sollen wir nur von diesem Champions Cup halten? Grosses Spektakel oder doofe Werbetour?

Mit dem Final zwischen Manchester United und dem FC Liverpool endet in der Nacht auf morgen der International Champions Cup. Die Mini-Champions-League polarisiert – auch in der watson-Redaktion.

04.08.14, 14:04 04.08.14, 15:30

Erst drei Wochen sind seit dem WM-Final in Rio de Janeiro und dem Titelgewinn Deutschlands vergangen und schon steht das nächste hochkarätige Fussball-Endspiel an. In Miami treffen im Final des International Champions Cup in der Nacht auf morgen (Schweizer Zeit) Manchester United und der FC Liverpool aufeinander. 

Seit dem 24. Juli kämpfen acht europäische Spitzenvereine (Manchester United, Liverpool, Manchester City, Real Madrid, Inter Mailand, AS Rom, AC Milan und Olympiakos Piräus) um den ersten Titel der Saison und um neue Absatzmärkte. Die Zuschauer in den plötzlich soccer-verrückten USA sind in Scharen gekommen und haben beim Spiel zwischen Real Madrid gegen ManUnited gar für einen neuen Zuschauerrekord gesorgt. 109'318 Fans strömten für das letzte Gruppenspiel der beiden Hochkaräter ins Michigan Stadium von Ann Arbor, so viele wie zuvor noch nie an einem Match in den Vereinigten Staaten zugegen waren.

Ausverkauftes Haus in Ann Arbor. Bild: Getty Images North America

Auf der Strecke blieb die seriöse Vorbereitung. Spieler und Trainer beklagten sich über die grosse Belastung und die unnötigen Reisestrapazen. Was ist also von der Mini-Champions-League zu Saison-Beginn zu halten? Ein Streitgespräch zweier watson-Redaktoren.

Spektakel vs. Strapazen

Philipp Reich: Ist das nicht toll! Drei Wochen sind seit dem WM-Final erst vergangen und schon werden wir wieder mit fussballerischen Leckerbissen versorgt. Manchester United gegen Real Madrid, die AC Milan gegen ManCity und jetzt die Red Devils gegen Liverpool im Final. Was wünscht sich das Fussballer-Herz mehr?

Ralf Meile: Die Begegnungen klingen in der Tat verheissungsvoll. Aber es geht um rein gar nichts in dieser Phase der Vorbereitung. Natürlich, der Sieger wird einen Pokal in die Höhe stemmen können – aber das ist völlig unbedeutend. Da nützt es auch nichts, wenn das Freundschafts-Turnierli «Champions Cup» heisst. Was wirklich zählt, sind Meisterschaft und Champions League. Bei diesem Anlass geht es nicht primär um den Sport und schon gar nicht um die Sportler, sondern um die fette Kohle, welche die Klubs einstreichen.

Philipp Reich: Klar geht es für die Klubs vornehmlich darum, Geld zu verdienen. Die Einnahmen aus dem Turnier und der damit verbundenen besseren globalen Vermarktung kommen sicherlich gelegen. Für die Fans im Stadion oder vor den TV-Bildschirmen zählt in der erster Linie aber das Spektakel. Auch wenn die Mannschaften wegen der WM noch nicht in Bestbesetzung antreten und bei Real Madrid beispielsweise Toni Kroos, James Rodriguez und Cristiano Ronaldo gar nicht oder nur zu Kurzeinsätzen kommen, die Aufstellungen können sich sehen lassen und das Niveau ist trotz fehlender Vorbereitung beachtlich. Die Klagen der Spieler kann ich nicht nachvollziehen. Die Reisestrapazen und die grosse Belastung gehören nun mal zu ihrem Job.

Die acht Mannschaften des Champions Cup 2014. Bild: internationalchampionscup.com

Ralf Meile: Für die Fans sind die Spiele natürlich ein Hit – auf den ersten Blick. Oft halten sie aber nicht, was man sich von ihnen verspricht. Ich habe schon so viele Testspiele gesehen, dass ich mir das mittlerweile nur noch sehr selten antue. Die Spieler selber werden wohl auch lieber Matches absolvieren, anstatt zu trainieren – doch leider ist das vor einer langen, Kräfte zehrenden Saison notwendig. Ich bin mir sicher, die Trainer würden mit ihren Spielern lieber drei Wochen unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainieren, anstatt Showturniere spielen zu müssen. Bei der Vielzahl der Pflichtspiele, die anstehen, wäre es angebracht, mal abzuschalten und die Batterien aufzuladen. Der Jetlag raubt Kraft, die auf unnötige Art verloren geht – wenn es im Frühling um die wichtigen Titel geht, sind das vielleicht die entscheidenden drei, vier Prozent, die dann fehlen.

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Philipp Reich: Eine optimale Saisonvorbereitung sieht sicher anders aus, aber bei der Breite ihrer Kader können sich Real, ManU und Co. den Abstecher nach Übersee locker leisten. Ohnehin: Die Konkurrenz reist auch viel. Ob die Testspiele nun in Miami, London, auf Schalke oder in Rapperswil stattfinden spielt am Ende keine grosse Rolle mehr. Ich bleibe dabei: Der Champions Cup ist eine echte Bereicherung für die sonst eher langweilige, von Transfergerüchten geprägte Zwischensaison. Die Mini-Champions-League hat ein gutes Format und bietet attraktive Partien. Der Zuschaueraufmarsch ist der beste Beweis dafür.

Ralf Meile: Die Zwischensaison soll man als Fussballfan lieber mit dem Besuch von Super-League-Spielen nutzen. Ab Oktober muss man ja in der Schweiz bereits wieder die langen Unterhosen montieren. Eine Bereicherung? Ich bleibe dabei: Testspiele ohne Wert. Nur YB freut sich, wenn es den Uhrencup gewinnt und so immerhin alle paar Schaltjahre einen neuen Titel auf den Briefkopf drucken kann.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Androider 04.08.2014 23:53
    Highlight C'mon Reds!
    1 0 Melden
  • pierolefou 04.08.2014 17:44
    Highlight Verstehen wir das als Entwicklungshilfe für die USA
    was soccer anbelangt?
    0 0 Melden

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