Sport

«Sorry Sion, aber jetzt endet euer 50-jähriges Cup-Märchen»

Der FC Sion steht zum 13. Mal im Cupfinal. Bisher hat er alle zwölf Finals gewonnen. Der Cup-Mythos ist gewaltig. So auch der Druck auf die Spieler. Und jetzt geht's gegen Basel. In Basel. Das Ende des Sion-Märchens ist gekommen.

09.04.15, 12:23 09.04.15, 12:54

Sion und der Cup. Es ist eine Liebesgeschichte. Immer wenn die Walliser im Endspiel standen, gewannen sie dieses auch. Doch jetzt, ausgerechnet beim 13. Mal wird die Serie enden. Basel im St.Jakob-Park ist in dieser Saison stärker als der Cup-Mythos der Walliser. 

Am 19. April 1965 gewann Sion erstmals den Cup. Es war ein Überraschungssieg gegen Servette. Damals fertigten die Walliser extra für das Spiel des Jahres neue Trikots an, mit den 13 Sternen der Walliser Flagge (für jeden Bezirk) drauf. Es sollte den Kanton einen. Und es wirkte. Sion siegte 2:1. Die NZZ schrieb am Tag danach vom «Überraschungssieger» und dass selbst die Spieler «lange nicht zu glauben wagten, dass sie den Titel gewinnen würden».

Der Chronist stellte weiter fest: «Wenn eine Mannschaft ihre Mittel aber so geschickt einzusetzen weiss, wenn sie so einsatzwillig kämpft und keinen Ball verloren gibt und dabei doch so gescheit und zweckmässig spielt, dann verdient sie eben auch einen Sieg über eine technisch bessere Elf, wie dies die Genfer waren.»

Der Beginn des Mythos: Oberstkorpskommandant Frick überreicht Sion-Captain Georgy 1965 den Pokal. Bild: nzz

Seither ist im Rhonetal die Hölle los, wenn es um den Cup geht. Auch wenn der FC Sion in den letzten Jahren an Popularität einbüsste, der Cupfinal machte ihn immer zum FC Wallis. So wird dies auch 2015 sein. Unzählige Busse werden Tausende Fans ans Rheinknie karren.

Elf weitere Male setzte sich Sion bisher im Endspiel durch. Der Mythos wurde immer grösser. Dabei dachten viele Beobachter schon öfters: Jetzt erwischt es Sion. Doch der Mythos war immer stärker. 

Immer wieder glaubte man das Ende sei gekommen

Constantin: «Sion dreht Cupfinals immer, das ist schon Tradition»

Präsident Christian Constantin liess sich nach 2009 zu diesem Bonmot hinreissen: «Ich habe meinen Spielern in der Pause gesagt, dass es nichts bedeutet, dass wir zur Halbzeit zurückliegen. Denn Sion dreht Cupfinals immer, das ist schon Tradition.»

Der letzte Cupsieg 2011 gegen Xamax war der vielleicht einfachste. Schon nach sechs Minuten führten die Walliser dank Toren von Giovanni Sio (2.) und Vilmos Vancak (6.) 2:0. Jetzt folgt der schwierigste. Klar, auch gegen YB setzten sich die Walliser als Aussenseiter im Stadion des Gegners durch. Aber YB ist nicht Basel. 

Druck auf die Spieler wird immer grösser

Zudem wird der Druck auf die Spieler immer grösser. Keiner will in der Mannschaft stehen, die erstmals einen Cupfinal mit Sion verliert. Aber je länger die Serie läuft, desto näher rückt ihr Ende. Vielleicht war diese Statistik in den letzten Jahren noch beflügelnd. Jetzt wird der Druck von Mal zu Mal grösser.

Gegen Basel sah Sion in dieser Saison bei zwei 1:1 und einem 2:3 jeweils nicht schlecht aus. Am 18. April steht das vierte Duell an. Es wird die (unwichtige) Generalprobe für den Cupfinal. 

Umfrage

Wer gewinnt den Schweizer Cup 2015?

521 Votes zu: Wer gewinnt den Schweizer Cup 2015?

  • 38%FC Basel
  • 62%FC Sion

Basel – auch wenn Breel Embolo gesperrt fehlt – ist in Kombination mit dem Heimstadion und dem wachsenden Druck auf die Walliser zu stark. Das angestrebte Double der Bebbi kann auch der FC Sion nicht verhindern. Der Mythos wird nach 50 Jahren enden.

Falls es wider Erwarten doch zum 13. Sion-Sieg kommen sollte, kann die NZZ aus dem Archiv von 1965 folgende Zeilen fast eins zu eins übernehmen: «Dieser Cupsieg des krassen Aussenseiters wird grosse propagandistische Wirkung haben, denn er zeigt, was elf Spieler können, wenn sie sich einem Willen unterziehen, sich unterordnen und persönliche Ambitionen hintanstellen. So darf man den FC Sitten zu seinem begeisternden Cupsieg der das Wankdorfstadion elektrisierte, beglückwünschen.»

Rückblick auf den Cup-Final 2014: So feierte der FCZ

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Seit sieben Monaten arbeitslos – was macht eigentlich Urs Fischer?

Urs Fischer (51) ist ein dankbarer Gesprächspartner. Kein gestelztes Gehabe, kein diplomatisches Geschwafel. Nein, Fischer sagt, was er denkt, was er fühlt, was ihn bewegt.

Trotz seiner Erfolge und seiner Popularität ist er normal geblieben. Und normal ist, wenn einen nach sieben Monaten ohne Job auch mal Sorgen plagen. Bei Fischer ist das nicht anders. Aber er sollte nicht öffentlich darüber reden, meint sein Manager. Also werden die entsprechenden Passagen aus dem Interview gestrichen. Dabei ist Fischer keineswegs ein seelisches Wrack. Im Gegenteil.

Als Doublegewinner mit dem FC Basel hat es nicht an Angeboten gefehlt. Warum sind Sie auch sieben Monate nach der …

Artikel lesen