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alle wollen juve

Juventus Turin: Dieses obskure Objekt der Begierde. bild: twitter/kardasbaris

Die Reformwut der UEFA kennt keine Grenzen: Jetzt werden die CL-Halbfinalisten im Herzblatt-Verfahren ermittelt  

24.04.15, 05:46 24.04.15, 09:52


Nyon, ein Bürogebäude am Stadtrand. Verglaste Fassade. Drinnen herrscht hektisches Treiben. Kameras werden justiert, Scheinwerfer auf einen Bartresen gerichtet. Dort sitzen vier Klubs auf unbequemen Barhockern. 

Ein Moderator, der frappante Ähnlichkeit mit Rudi Carrell aufweist, ordnet Karteikärtchen und gibt letzte Anweisungen. Die Generalprobe für die CL-Herzblatt-Auslosung ist im Gang.

Moderator: «Ok, Jungs, wir gehen das Ganze einmal durch, damit wir morgen top vorbereitet sind. Denkt einfach daran, welche Antworten wir für euch aufgeschrieben haben, dann kann eigentlich nichts schiefgehen.»

Der Moderator räuspert sich und breitet die Arme aus: «Herzlich willkommen zur Fussball-Version von Herzblatt!»

In this picture dated 18 November 1988, Dutch entertainer Rudi Carrell welcomes the audience to his 'Rudi-Carrell-Show' in Cologne, Germany. Rudi Carrell, who became very popular in Germany with several TV shows, died on Friday 07 July 2006, after suffering from cancer,  his doctor announced on Monday 10 July 2006.  (KEYSTONE/EPA/HERMAN WOESTMANN)

Rudi Carrell: Von den Toten auferstanden, um die Fussball-Herzblatt-Version zu moderieren? Bild: EPA

«Vier Klubs aus Europa suchen ihren Traumpartner fürs Champions-League-Halbfinale. Heute bei uns dabei sind:»

«Ich bitte die Kandidaten, zuerst etwas über sich zu erzählen und unseren Zuschauern mitzuteilen, wieso sie bei Herzblatt mitmachen. Barcelona, darf ich dich bitten anzufangen?»

«Bon Dia, soy Barcelona. Wir kommen aus Katalonien und ähh, wir sind mehr als ein Klub.» Fummelt in seiner Hosentasche nach den Notizen, macht ein hilfloses Gesicht. 

BARCELONA, SPAIN - APRIL 21:  A Barcelona fans poses outside the stadium prior to the UEFA Champions League Quarter Final second leg match between FC Barcelona and Paris Saint-Germain at Camp Nou on April 21, 2015 in Barcelona, Spain.  (Photo by David Ramos/Getty Images)

Barcelona: Bauch raus, Schal raus und ab zur Brautschau.  Bild: Getty Images Europe

Moderator (runzelt die Stirn): «Danke Barcelona, das ist sehr aufschlussreich. Mit welchem von unseren Kandidaten würdest du denn am liebsten im Halbfinal den Wimpel tauschen?»

Im Hintergrund streicht sich Bayern die Haare lasziv aus dem Gesicht und formt einen Kussmund. Barcelona schaut angewidert weg. Das Verhältnis zwischen den beiden ist seit einem 7:0-Gesamtskore für Bayern vor zwei Jahren und einem Trainerwechsel leicht gestört.

«Also, wir würden uns eigentlich ganz gerne mit Juventus treffen. Das letzte Mal (Anmerkung des Moderators: CL-Viertelfinal 2002/03) war nicht so prickelnd. Juventus hat sich einfach aus dem Staub gemacht und uns alleine im Viertelfinal zurückgelassen. Das würden wir jetzt gerne endlich mal ausdiskutieren.»

Moderator: «Vielen Dank Barcelona, wir schauen, was sich machen lässt. Als nächstes ist Real Madrid an der Reihe. Real, darf ich dich bitten, nach vorne zu kommen.»

Real trottet leicht genervt nach vorne. Eigentlich hätte man besseres zu tun. Arrogante Jungtalente zur Räson zu bringen, zum Beispiel. Oder Verletzte zu pflegen. Oder zwei aufgeblähte Egos im Zaum zu halten. Oder einfach neue und bessere Superstars kaufen.

epaselect epa04626080 Real Madrid fans wait for the UEFA Champions League Round of 16, first leg soccer match between FC Schalke 04 and Real Madrid in Gelsenkirchen, Germany, 18 February 2015.  EPA/BERND THISSEN

Real, ein Traumpartner.  Bild: EPA/DPA

«Wir sind Real. Wir sind die Besten. Wir sind die Chaaampions (stimmt die Champions-League-Hymne an).»

«Danke Real, das reicht dann auch auch schon. Eigentlich war das ja anders ausgemacht. Item: Wen würdest du gerne zum Tanz bitten?»

Real wie aus der Pistole geschossen: «Wir nehmen auch Juventus!»

Juventus rutscht unruhig auf dem Barhocker hin und her und nippt nervös am Schirmchendrink. Bei der alten Dame herrscht Gefühlschaos: Einerseits fühlt man sich geschmeichelt, anderseits will man das Etikett des billigen Flittchens vermeiden. 

Der Moderator ist leicht irritiert. «Ok, Juventus, du scheinst ja ziemlich begehrt zu sein, trotz deines hohen Alters. Fahren wir fort: Bayern, komm doch bitte zu mir.»

screenshot/transfermarkt

Bayern trippelt leichtfüssig nach vorne zum Moderator und säuselt dabei ein Liedchen. 

Moderator: «Bayern, euer Selbstbewusstsein scheint ungebrochen. Könntet ihr bei jedem Klub landen?»

Bayern Munich's French midfielder Franck Ribery (front) celebrates with his teammates on Munich's city hall balcony the team's German football league champion's title with the fans gathered at the Marienplatz square after the German first division Bundesliga football match between Bayern Munich and Stuttgart in Munich, southern Germany, on May 10, 2014. AFP PHOTO / POOL / ALEXANDER HASSENSTEIN

Bayern München: Strotzt vor Selbstbewusstsein nach dem 6:1 gegen Porto.  Bild: POOL

Bayern streicht sich die Lederhosen glatt und antwortet in breitem Dialekt: «Jo mei, mia san mia, wisst's. Uns spielt's koa Rolle, wen wir bekomm'n. Hauptsach wir g'winnen.»

Moderator: «Aha. Na dann. Es wird Zeit für die Zusammenfassung von Susi.»

Aus dem Off ertönt ein erotischer Hauch von einer Stimme: «Wer soll dein Herzblatt sein? Kandidat 1, die Tiki-Taka-Truppe von der Costa del Garraf, Kandidat 2, das weisse Ballet aus Madrid, Kandidat 3, die Hollywood-Fussballer aus München, oder Kandidat 4, die alte Dame aus Turin?»

Die Tür zum Senderaum öffnet sich abrupt. Ein UEFA-Funktionär stürmt herein. Atemlos verkündet er, dass die Herzblatt-Idee gestorben sei: «Ihre Exzellenz, Monsieur Le Maestro Platini, will nicht, dass Fussball mit Liebe vermischt wird. Tut mir Leid, Rudi.»

Der Moderator stürzt sich verzweifelt aus dem Fenster. Bayern, Real, Barça und Juve trotten davon. Juve und Barça halten Händchen wie Teenager. Es scheint gefunkt zu haben.

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Und so war's wirklich: Herzblatt-Folge von 1990

video: youtube/vongesternblog

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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