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Xherdan Shaqiri nimmt das Stadion in Maribor beim Abschlusstraining in Augenschein. Bild: KEYSTONE

Kein Selbstläufer

Fünf Gründe, weshalb das Spiel in Maribor für die Schweizer Nati eine heisse Sache wird

Die Schweiz steht nach der Niederlage gegen England unter Zugzwang und geht heute Abend gegen Slowenien (20.45 Uhr) als klarer Favorit ins Spiel. Doch die drei Punkte sind noch nicht im Trockenen. Wovor muss sich Vladimir Petkovics Mannschaft beim Gegner in Acht nehmen?

09.10.14, 08:54 09.10.14, 09:14

Das 0:2 gegen England zum Auftakt der EM-Kampagne war kein Beinbruch. Darin ist sich auch die Schweizer Nati einig. Juve-Star Stephan Lichtsteiner meint stellvertretend: «Wir dürfen nicht nervös werden. Es ist rein gar nichts verloren.» Klar ist aber auch, dass das zweite Pflichtspiel gegen Slowenien für Trainer Vladimir Petkovic heute zum ersten echten Gradmesser wird. 

Vladimir Petkovic muss gegen Slowenien die ersten Punkte sammeln. Bild: KEYSTONE

Bei einer Niederlage in Maribor dürfte das Spiel gegen San Marino am nächsten Dienstag zum Kellerduell zweier punkteloser Habenichtse werden – keine angenehme Vorstellung. Denn nicht nur für Xherdan Shaqiri ist klar: «Wenn wir uns am Ende nicht qualifizieren, wäre das schon fast eine Katastrophe.»

Mit einem Erfolg gegen Slowenien könnte sich die Schweiz wieder in ruhigeres Fahrwasser manövrieren. Auf dem Papier ist die Aufgabe lösbar. Der Gastgeber, in der Weltrangliste auf Platz 53 klassiert, hat 2014 noch kein Tor zustande gebracht und alle Spiele verloren. Wir sagen, weshalb Slowenien heute trotzdem nicht zu unterschätzen ist.

1. Das Stadion

Die schmucke «Arena Ljudski vrt» heisst übersetzt «Volksgarten» und ist auf den ersten Blick nicht wahnsinnig furchteinflössend. Nur 12'881 Zuschauer finden auf den bunten Sitzen Platz und die Wände sind mit hübschen Graffitis verziert. 

Für die Slowenen ist es trotzdem ein magischer Ort. Hier, wo der Meister NK Maribor die Champions League aufmischt, hat auch die Nationalmannschaft eine unheimlich gute Bilanz. Zwei Drittel aller Heimspiele konnten die Gastgeber mit den heissblütigen Fans im Rücken gewinnen – die Bilanz in Ljubljana sieht wesentlich düsterer aus.

Auch für Köln-Verteidiger Miso Brecko ist der Volksgarten ein idealer Ort für den slowenischen Befreiungsschlag: «Ich glaube, wir haben hier acht der letzten neun Spiele gewonnen. Diese Statistik spricht für sich.»

Ein hübscher kleiner Hexenkessel: Die Arena Ljudski vrt in Maribor.  Bild: KEYSTONE

2. Die Erfahrung

Ohne Schummelei hätten die meisten Schweizer Fussballfans wohl Mühe, fünf Spieler aus der slowenischen Nationalmannschaft zu nennen. Mit unserem Quiz bringen Sie Ihr Fachwissen rechtzeitig zum Anpfiff auf Vordermann.

Das heisst aber nicht, dass die Slowenen wirklich Nobodys sind. Herausragend sind derzeit sicher Flügelflitzer Kevin Kampl von RB Salzburg und Inter-Goalie Samir Handanovic. Doch auch der Rest des Kaders muss sich nicht verstecken. Die Gastgeber verfügen über jede Menge internationaler Erfahrung und kommen zusammen auf über 500 Spiele in der Bundesliga und der Serie A.

Slowenien-Keeper Handanovic weiss, wie man Weltklassestürmer stoppt. Bild: AFP

3. Das verletzte Ehrgefühl

Eigentlich herrscht in Maribor derzeit Fussballeuphorie. Als letzte Höhepunkte durften die Fans in der Champions League zwei überraschende Unentschieden des Stadtklubs gegen Sporting Lissabon und Schalke bejubeln. Doch bei der Nationalmannschaft sieht es derzeit düster aus. Die meisten Fans können sich kaum mehr an das letzte slowenische Länderspieltor erinnern. Geschossen hat es Valter Birsa beim 1:0 gegen Kanada – das war vor 324 Tagen!

Auch Köln-Captain Miso Brecko ist im Stolz verletzt: «Es tut weh, wenn man so viele Spiele hintereinander verliert. Das muss sich ändern. Wir haben uns mit den Jungs aus der Mannschaft zusammengesetzt und uns ausgesprochen.» Auch wenn die Slowenen der Schweiz spielerisch unterlegen sind: Sie werden sich während 90 Minuten wie die Löwen wehren, um ihre Ehre zu verteidigen.

Miso Brecko legt sich mit Thomas Müller an – welchen Schweizer trifft es heute? Bild: Bongarts

4. Der Schiedsrichter

Heute hat die deutsche Schiedsrichter-Ikone Wolfgang Stark auf dem Platz das Sagen. Seit 17 Jahren pfeift der 1,90-Meter-Mann in der Bundesliga, seit 15 Jahren auf dem internationalen Parkett. Dabei hat sich der 44-Jährige aber nicht nur Freunde gemacht. Der Grund: Er wird oft gefeiert, ist aber auch immer wieder für einen Aussetzer gut.

Die Liste von Starks Aufregern ist fast endlos. An der EM 2012 verweigert Stark dem kroatischen Team in der Partie gegen Spanien einen klaren Penalty. Urs Meier bezeichnet die Aktion als «Riesenfehler» – der Kroate Vedran Corluka nennt den Schiri einen «Blindfisch».

In Deutschland musste Stark schon einige Wochen zuvor heftig untendurch. Im Relegationsspiel zwischen Düsseldorf und Hertha BSC verliert er die Kontrolle über das Spiel. Im Kabinengang verpasst ihm der Berliner Lewan Kobiaschwili einen Faustschlag an den Kopf und wird für sieben Monate gesperrt.

Den schlimmsten aller Vorwürfe bekommt der Deutsche aber vom FC Barcelona. Nachdem Stark im Champions-League-Viertelfinal von 2013 ein Offside-Tor von PSG-Star Zlatan Ibrahimovic gelten lässt, beschweren sich die Katalanen mit einem Brief bei der Uefa. Die Anklage: «Dieser Schiedsrichter kennt die Regeln nicht.»

Tranquillo Barnetta ist sich Diskussionen mit Schiri Stark aus der Bundesliga gewohnt.  Bild: Bongarts

5. Der streitlustige Trainer

Als Spieler war Srecko Katanec bei Partizan Belgrad, Stuttgart und Sampdoria Genua ein gefürchtetes Raubein. Und auch als Nationaltrainer räumt er derzeit mächtig auf.

In seiner ersten Amtszeit bei Slowenien führte Katanec das kleine Land mit zwei Millionen Einwohnern an die EM 2000 sowie die WM 2002 und entfachte damit eine regelrechte Fussball-Euphorie. Nach einem Machtkampf mit dem divenhaften Star Zlatko Zahovic musste er anschliessend trotzdem den Hut nehmen.

Seit 2013 hat Katanec wieder das Sagen und dieses Mal greift er frühzeitig durch. Wegen mangelnder Teamfähigkeit rasiert er Angreifer Josip Ilicic von Fiorentina nach der peinlichen 0:1-Niederlage gegen Estland. An der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die Schweiz legt er sich mit den Medien an.

Die Spieler wissen: Dieser Mann macht keine Kompromisse. Wer gegen die Schweiz nicht genügend Kampfgeist zeigt, der kann seine Sachen packen.

Srecko Katanec nimmt seine Mannschaft in die Pflicht. Bild: ANTONIO BAT/EPA/KEYSTONE

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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Wer auch immer gegen Seferovic gepfiffen hat – schaut in dieses Gesicht und schämt euch!

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