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Nein, fehlender Modegeschmack ist kein Grund.  Bild: KEYSTONE

Nach der Schlappe von Neuer beim Ballon d'Or

Sorry liebe Goalies, wir haben schlechte Nachrichten: Sieben Gründe, wieso nie einer von euch Weltfussballer werden kann

Manuel Neuer vereinte bei der Wahl zum Weltfussballer nur 15,72 Prozent der Stimmen auf sich und landete hinter Cristiano Ronaldo und Lionel Messi abgeschlagen auf dem dritten Platz. Wir haben uns auf die Suche nach plausiblen Gründen gemacht.

13.01.15, 17:05 13.01.15, 17:40

1) Verlierer-Image

Noch heute gibt es im Turnunterricht ein ungeschriebenes Gesetz, wonach der schwächste – meistens auch der dickste  – Schüler im Tor stehen muss. So war es schon früher und es so wird wohl auch immer sein. Deshalb haftet der Position des Goalies ein Verlierer-Image an. Bei jeder Glanzparade haben die Mitspieler so immer noch im Hinterkopf, dass der da eigentlich nur zu schlecht als Feldspieler war. 

2) Statistik-Nachteil

Wie viele Tore hat Lionel Messi geschossen? Wie viele Bälle hat Cristiano Ronaldo per Elfmeter versenkt? All das kann man leicht nachschauen. Der Goalie hat es da wesentlich schwieriger. Die Spiele ohne Gegentor – manchmal auch dem Unvermögen des Gegners geschuldet – lassen sich mit etwas Aufwand auch herausfinden. Wenn man hingegen die durchschnittliche Zahl der Paraden oder die Fangquote wissen will, muss man schon ein Fachblatt konsultieren.

«Ich wusste von vornherein, dass es schwer wird, sich gegen die Stürmer durchzusetzen. Cristiano Ronaldo und Lionel Messi haben in den letzten Jahren so eine Marke aufgebaut – da ist es schwer als Torwart.»

Manuel Neuer spiegel

3) Underdog-Bonus

Die Durchschnittsgrösse der Nummer-1-Torhüter in den 32 Kadern bei der WM 2014 betrug 188 Zentimeter. Die Feldspieler sind statistisch wesentlich kleiner. Und wie schon in der Bibel bei David und Goliath gilt die Sympathie den Kleinen, schliesslich sind sie ja schon körperlich unterlegen. 

Otto Normalverbraucher hält zu den Kleinen.  Bild: FABRIZIO BENSCH/REUTERS

4) Keine Reaktionsmöglichkeit

Wenn Messi mit Barça im Hintertreffen liegt, kann der Argentinier aufdrehen und Tore schiessen, um doch noch zum Held zu werden. Wenn Real Madrid in der Nachspielzeit einen Elfmeter kriegt, kann Ronaldo die Verantwortung übernehmen. 

Wenn hingegen Neuer ein faules Ei kassiert, ist er auf seine Vorderleute angewiesen, die seinen Fehler ausbügeln müssen. So kann der Torwart nicht aus Eigeninitiative agieren, sondern ist zur Passivität verdammt und muss nehmen, beziehungsweise einfach halten, was auf sein Tor zufliegt. 

5) Andere Sportart

Versucht man einem Sport-Muffel zu erläutern, was der Unterschied zwischen einem Handball-Goalie und einem Fussball-Torhüter ist, kommt man in Erklärungsnot. Schliesslich ist die Aufgabe bei beiden Berufsgenossen die gleiche: Bälle halten. 

Und zu allem Übel nehmen sie beide (meist) die Hände und Füsse zur Abwehr. Fazit: Der Goalie-Job im Fussball ist einfach nicht vergleichbar mit den Aufgaben eines Feldspielers. Wobei Manuel Neuer diesen ziemlich nahe kommt.

6) Fehlende Vermarktung

Wie viele Bekannte kennen Sie, die ein Trikot eines Goalies besitzen? Eben. Die wenigen Mitmenschen, die tatsächlich ein Jersey besitzen, sind selbst Goalies. Die langärmligen Trikots sehen selten adrett aus und sind mit den Polstern auch weniger alltagstauglich. Deshalb sieht man in der Fan-Meile auch selten ein grelles Trikot herausblitzen.

Bild: Bongarts

7) Handschuhe

Wer früher in der Dorfdisco mit Handschuhen ravte, war definitiv nicht das hellste Gestirn am Firmament. Die armen Goalies müssen die Handschuhe dazu noch jeden Tag montieren. Wegen der penetranten Duftnote der verschwitzten Kautschuk-Latex-Flossen rümpfen nicht nur die Teamkollegen die Nase.

Screenshot: thegoalkeeperco.com

Fazit: Den idealen Zeitpunkt verpasst

Als bisherig einziger Goalie wurde 1963 der Russe Lew Jaschin zu Europas Fussballer des Jahres gekürt. Bei der Wahl zum Weltfussballer war Vizeweltmeister Oliver Kahn 2002 immerhin Zweiter geworden. Mit Manuel Neuer kam ein Kandidat, bei dem man sich die Frage stellen musste: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Alle Titel gewonnen, ausser der Champions League. In insgesamt 60 Spielen 28 Mal ohne Gegentreffer geblieben und durchschnittliche 45 Ballkontakte. Dazu hat der 1,93 Meter grosse Deutsche nebenbei die Rolle des Torhüters offensiv interpretiert wie noch nie und agierte teilweise als Libero fast an der Mittellinie.

«Wenn man sich ein Fussballspiel anschaut, ist das erste, was man fragt: Wer hat die Tore gemacht – und nicht, wie der Torwart gehalten hat. Das wird auch immer so bleiben.»

Manuel Neuer spiegel

Deshalb wird es bei Beibehalten des Wahlprozederes innerhalb der FIFA nie einen Torhüter als Gewinner des Ballon d'Or geben. Immerhin darf sich Manuel Neuer trösten, dass ihm unter anderem die Captains von Liechtenstein (der unverwüstliche Mario Frick), Laos, Oman, Solomon Islands sowie Surinam die volle Punktzahl gegeben haben. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Tom Garret 14.01.2015 12:36
    Highlight Das Problem ist einfach das wir zwei der besten Fussballer die man je auf dem Platz gesehen hat gleichzeitig bewundern können. Mal ehrlich, denken wir mal Messi und Ronaldo weg, Neuer hätte plötzlich eine super Chance. Denn wer ausser diesen beiden hätte es wirklich verdient? Es ist dasselbe schicksal das all den guten Schweizeraportler wiederfährt während der Karriere von Federer...
    1 0 Melden
  • mastermind 14.01.2015 11:40
    Highlight Auch als Verteidiger oder defensiver Mittelfeldspieler hat man es schwer. Niemand macht die Räume so eng wie Philipp Lahm, hat eine riesen Spielübersicht, seine Fehlpässe kann man an einer Hand abzählen, er rackert und arbeitet sehr viel auf dem Platz. Er schiesst aber zu wenig Tore und wird daher nie Weltfussballer werden...
    6 0 Melden
  • JJ17 13.01.2015 19:35
    Highlight Ich finde man kann einen Torhüter und einen Feldspieler in keinster Weise vergleichen, denn das sind ja schon fast andere Sportarten. Ich finde es teilweise schon schwierig bei einem Stürmer und Mittelfeldspieler, geschweige denn Stürmer und Verteidiger!
    11 0 Melden
  • massi.lucca 13.01.2015 18:07
    Highlight Um dieser ganzen Fairplay.Diskussion zu entgehen, habe ich schon seit Jahren eine Vision: Eine Weltfussballer des Jahres Wahl und eine Welttorhüter des Jahres Wahl. Es gibt ja auch schon eine Welttrainer des Jahres Wahl....

    Somit wäre doch eine ellenlange Diskussion zu Ende, dies auch weil man die Goalies eh schon seit Jahren als eine Art Eigene-AG im Fussballteam sieht :-)
    20 0 Melden
  • quintessenz 13.01.2015 17:28
    Highlight Vielleicht waren Ronaldos Leistung aber auch wirklich noch einen Tick besser und wichtiger als jene von Neuer. Das würd's auch erklären.
    14 11 Melden
    • gsaver 13.01.2015 19:18
      Highlight wohl kaum.
      die lieben stürmer können sich auch mal 10 minuten im team 'verstecken'.
      neuer zeigt aber immer wieder, dass er bereit ist, wenn es ihn braucht. da ist nix mit verstecken.
      13 4 Melden

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