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Fredy Bickel kündigte nach der Cup-Niederlage gegen Zweitligist Buochs an, dass die YB-Spieler mit einem Lohnabzug rechnen müssten.  Bild: KEYSTONE

YB nach der Cup-Blamage als Paradebeispiel

Lohnkürzungen und Mehrjahrespläne – die «Propaganda-Lügen» des Mannschaftssports

Wer eine schmähliche Niederlage erleidet, muss seine Kunden, allen voran Sponsoren, und Zuschauer beruhigen. Am wirksamsten mit einer Propaganda-Lüge.

23.09.14, 10:22 24.09.14, 10:07

In Zeiten der Krise oder der Blamage gibt es keine populärere Massnahme als die Lohnkürzung. Da rockt der Stammtisch, wenn verkündet wird, dass den Stars die Bezüge gekürzt werden. Jawoll, so ist es recht. Da wird durchgegriffen und gut gemänätscht.

Soeben hat auch YB nach der grössten Blamage in der Geschichte des Schweizer Cups (0:1 in Buochs) Lohnkürzungen in hoher vierstelliger Summe angekündigt. Das kommt gut an beim Publikum.

Die Cup-Niederlage kam unerwartet und traf YB in Mark und Bein. Bild: KEYSTONE

Dabei handelt es sich bei juristischem Lichte besehen um eine reine «Propaganda- Lüge». Um Opium fürs Publikum. Um reinen Populismus, wie er sonst nur von den Politikern zelebriert wird. Um schlaues Ablenken von den wahren Ursachen der Probleme.

Die Schweiz ist ein Rechtsstaat mit einer der fortschrittlichsten und arbeitnehmerfreundlichsten Gesetzgebungen der Welt. Eine Kürzung von Löhnen ist gar nicht möglich und wird auch nie gemacht. Da braucht es nur eine SMS von einem Anwalt an den Sportchef und der Spuk ist vom Tisch. Wer Löhne kürzen möchte, müsste den Arbeitsvertrag fristgerecht kündigen und neu verhandeln. So ist eine Lohnkürzung bei Spielerverträgen, die mindestens bis Ende Saison oder darüber hinaus laufen, gar nicht machbar.

Es gibt aus der jüngeren Geschichte Beispiele von freiwilligen Lohnkürzungen in Zeiten der Krise, um zur wirtschaftlichen Rettung eines Klubs beizutragen. Aber auch in diesen Fällen wurde gehörig geschwindelt. Die Lohnkürzungen wurden meistens später wieder zurückerstattet.

Verpasste Prämien ≠ Lohnkürzungen

Hingegen entgehen den Spielern und Trainern durch Niederlagen, bzw. durch ein Ausscheiden aus einem Wettbewerb, definitiv Prämien. Das ist nicht gelogen. Die meisten Fussball- und Hockeyklubs kennen in den Arbeitsverträgen ein Bonus/Malus-System. Die Entschädigungen hängen von messbaren Leistungen (wie Tore), Siegen, Niederlagen, Punkten, Klassierungen oder Zuschauerzahlen ab. Aber mit Lohnkürzungen hat das alles nichts zu tun.

Marco Wölfli kann seinem Torhüter-Kollegen nur gratulieren.  Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

Ein weiterer reiner Propaganda-Trick sind sogenannte Mehrjahrespläne. Sie sind bei Sportunternehmen mit schwach entwickelter Leistungskultur (wie etwa bei YB) en vogue. Mehrjahrespläne kennen wir aus dem untergegangenen realen Sozialismus. Dort waren bei der staatlich gelenkten Planwirtschaft solche Pläne üblich – meistens in Form von sogenannten «Fünfjahresplänen».

Erfolg ist nicht planbar

Im Sportbusiness lebt diese Errungenschaft aus dem Sozialismus weiter. Ironie der Geschichte: Sehr oft sind es Erzkapitalisten, die sich im Sportbusiness solche Mehrjahres- oder Mehrstufenplänen unterjubeln lassen, u.a. die Gebrüder Rihs bei YB. Die Sportchefs gaukeln vor, der Erfolg könne man nicht sofort erwarten, es brauche Zeit, und in ferner Zukunft, in zwei oder drei Jahren, werde man Meister – was natürlich nie der Fall ist.

Aber der Leistungsdruck ist erst einmal in eine ferne Zukunft verschoben. Mehrjahrespläne haben, wie wir aus der Geschichte wissen, in der Wirtschaft nicht funktioniert und sind, erst recht für ein so dynamisches Geschäft wie es der Sport ist, völlig untauglich. Der Erfolg ist sowieso nicht planbar.

Die Gebrüder Rihs wollen mit YB endlich den ersten Titel seit 1987 gewinnen. Bild: KEYSTONE

Die Kunst des Sportmanagements ist es, jederzeit aus den vorhandenen wirtschaftlichen und sportlichen Möglichkeiten ein Maximum herauszuholen, dabei einer Unternehmensphilosophie treu zu bleiben und so für Kontinuität zu sorgen.

Wir können uns also merken: Wenn von Lohnkürzungen und Mehrjahresplänen fabuliert wird, ist grösstes Misstrauen angebracht.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Andreas Meier (3) 24.09.2014 23:49
    Highlight "Mehrjahrespläne haben, wie wir aus der Geschichte wissen, in der Wirtschaft nicht funktioniert."
    Ach jaa? Als Controller einer Firma trifft mich dieser Satz! Jeden Tag setze ich mich mit Zahlen auseinander und prüfe, ob die gesetzten Ziele erreicht wurden. Strategiepläne existieren in jeder Unternehmung. In der westlichen Wirtschaftstheorie geht man sogar soweit, dass man sagt, dass beim Fehlen einer Strategie eine sogenannte "strategische Lücke" entsteht und diese Unternehmen tendenziell schrumpfen.
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  • nikolas 23.09.2014 15:23
    Highlight Und einmal mehr, verstehe ich nicht warum Watson dern Klaus Zaugg engagiert hat - den hätte man besser bei 20min. gelassen.
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  • Heini_Kalt 23.09.2014 13:02
    Highlight wie bitte? "Die Schweiz hat ... einer der fortschrittlichsten und arbeitnehmerfreundlichsten Gesetzgebungen der Welt" Hallo? 2 - 3 Monate Kündigungsfrist, that's it. Nicht dass ich die teuren Fussballer in Schutz nehmen will, aber für die einfachen Angestellten und Büezer sieht's dann nicht so rosig aus.
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  • dave1771 23.09.2014 10:35
    Highlight Naja von Fussball keine Schimmer! YB hat dies vertraglich geregelt, dass bei einem Cup-Ausscheiden der Lohn gekürzt wird, ist also alles rechtlich!
    Zudem braucht es auch einen Mehrjahresplan im Fussball, dies beinhaltet bei YB nicht nur das sportliche, sondern auch das finanzielle! Zudem ist es gut, wenn man sich Ziele setzt! Ohne Ziele kann man auch nichts erreichen!
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    • dario lüdi (2) 23.09.2014 12:48
      Highlight Lieber Dave, Herr Zaugg korrekterweise gesagt, dass eine Lohnkürzung nicht rechtens ist und dass es bei der vorgegaukelten Lohnkürzung lediglich um nicht bezahlte Prämien handelt. Du hast Recht, wenn Du sagst, dass es im Sport einen Mehrjahresplan braucht. Nur hätte ein solcher bereits vor dem blamablem Ausscheiden bestehen sollen. Das Problem bei YB ist, dass man sich jedes Jahr zum Kreise der Titelanwärter zählt und sich damit übernimmt. Es reicht nicht, Spieler mit Geldscheinen zu sich zu locken, wenn dahinter kein Konzept steht. Fredy Bickel ist in seiner Arbeitsweise mindestens vor 5 Jahren stehen geblieben und kauft sich Spieler ohne Potential zusammen, die er aus seiner früheren Tätigkeit beim FCZ kennt hat. So wird das leider nichts und Schweiz kann sich weiterhin darauf einstellen das der BSC jede kommende Saison "veryoungboyst" und weit hinter den Erwartungen zurück bleibt. Kein Wunder, verabschieden sich die talentieren, jungen Spieler wie Frey Gonzalez so früh ins Ausland. Es gilt nun nicht den Trainer zu hinterfragen, sondern das unfähige Management und die lustlosen Spieler!
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    • dave1771 23.09.2014 15:55
      Highlight Das mit den Lohnkürzungen ist heikel, da wir nicht genau wissen, wie dies abläuft! YB hatte ganz klar einen Mehrjahresplan seit Bickel übernommen hat! Er hat gesagt, dass er innerhalb von 3 Jahren einen Titel gewinnen will! D.h. bis Ende Saison 15/16! Die Rihs Brüder sind momentan nicht mehr bereit das Geld aus dem Fenster zu werfen, YB soll wieder selbsttragend sein, zuminstest zum grössten Teil! Gonzalez ging nicht in Ausland, das war Martinez! Und jeder Club in der Schweiz gibt junge Talente ab, wenn grössere Club kommen und Millionen zahlen!
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    • dave1771 23.09.2014 15:58
      Highlight Das ist in der CH so, da wir eine "Ausbildungsliga" sind! Basel hat ja auch nicht entäuscht und Spieler wie: Shaqiri, Xhaka, Dragovic usw. abgegeben, das ist der Lauf der Dinge! Ich finde Bickel macht nich sooo schlechte Arbeit! Er kann nicht jeden Spieler holen, den er möchte! Bickel holt gerne Spieler die die Super League kennen, das ist auch richtig so! Zudem hat sich YB diese, wie auch letzte Saison sicher nicht als Titelanwärter bezeichnet! Nicht alles glauben, was die Medien sagen! Wenn YB 2./3. wird kann man zufrieden sein! Veryoungboysen ist wenn man Cupfinal 2:0 führt und verliert!
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    • dario lüdi (2) 23.09.2014 20:27
      Highlight Keine schlechte Arbeit? Naja, ein Rochat kennt zwar die Liga, seine Leistung dennoch bei weitem ungenügend!

      Wenn YB 2./3. wird, kann man zufrieden sein? Genau das ist das Problem. Seid zufrieden, mit dem was Ihr macht, der Rest der Schweizer Fussballwelt wird es euch danken. Ohne radikalen Umbruch wird YB noch Jahre in der Liga rumdümpeln. Der Kanton Bern kann froh sein, gibt es noch den FC Thun, der vorbildliche Arbeitet leistet!
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    • dave1771 24.09.2014 08:31
      Highlight Klar ist mitelfristig das Ziel der Meistertitel! Aber man muss auch realistisch sein! YB wollte nach der Entlassung von Petkovic endlich einen Meistertitel gewinnen, hat aber mehr kaputt gemacht, als aufgebaut! Leider schweben die verlorenen Cupfinals und Finalisimas noch über dem Wankdorf! Klar Rochat hat bisher nicht wirklich überzeugt (ausser Offensiv), aber er wurde auch nur als Ergänzungsspieler geholt!
      Radikale Umbrüche hatte YB ja in den letzten Jahre zu genüge, was hat es gebracht? Nichts! YB muss konstant arbeiten und Ruhe haben um etwas Grosses aufzubauen!
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    • dario lüdi (2) 24.09.2014 13:09
      Highlight Ohne Fundament lässt sich leider auch nichts aufbauen!
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