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Hatten das Heu nicht auf der gleichen Bühne: Zdravko Kuzmanovic und FCB-Trainer Urs Fischer.
Bild: EPA/ANSA

Trainer Fischer war der Grund: Kuzmanovic verrät endlich, warum er den FCB verlassen hat

Es war ein Hammertransfer: Zdravko Kuzmanovic zuück zum FCB. Doch lange blieb der Rückkehrer nicht. An einem Morgen während des Trainingslagers in Spanien reist Kuzmanovic ab – per sofort verlasse er das Team. Jetzt spricht er erstmals exklusiv über den Abgang.

02.04.16, 12:36 02.04.16, 13:59

Sebastian Wendel / Nordwestschweiz

Rückblende: Es ist der Morgen des 19. Januar, als der FC Basel während des Trainingslagers in Spanien aufsehenerregende Neuigkeiten verkündet: Zdravko Kuzmanovic verlässt die Mannschaft per sofort, um Verhandlungen mit einem anderen Klub zu führen.

Nur gerade ein halbes Jahr, nachdem der serbisch-schweizerische Doppelbürger unter viel Brimborium zu jenem Verein zurückkehrte, bei dem seine Profilaufbahn begann und bei dem er nun die neue Identifikationsfigur werden sollte, ist das Abenteuer Geschichte.

Ein Missverständnis: Kuzmanovic wird in Basel nach seiner Rückkehr nicht mehr glücklich.
Bild: freshfocus

Per Zufall fliege ich in der gleichen Maschine wie Kuzmanovic zurück in die Schweiz. Am Flughafen in Malaga sprechen wir kurz miteinander, doch offiziell äussern möchte sich der 28-Jährige zu seinem überraschenden Abgang nicht. «Sorry, ich darf und will nicht darüber sprechen. Vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt.»

Tage, Wochen, ja Monate vergehen, in denen Kuzmanovic nichts von sich hören lässt. Stattdessen avanciert er bei Udinese Calcio, wohin er sich ausleihen liess, zur fixen Grösse im Mittelfeld.

In Basel ist sein Abgang, der mehr an eine Flucht denn an überlegtes Handeln erinnerte, schnell einmal kein Thema mehr: Zu unbedeutend war Kuzmanovic’ sportliche Rolle in der Vorrunde. Zu fest verärgert hat er die FCB-Fans, als dass sie ihm eine Träne nachweinen würden.

Bis gestern. Plötzlich leuchtet das Handy auf: SMS von Kuzmanovic. «Willst du eine Aussage? Dann ruf mich an!» So könne er den Fans sagen, was passiert sei.

Kuzmanovic will mit den FCB-Fans reinen Tisch machen.
Bild: KEYSTONE

Wir telefonieren zehn Minuten lang. Zehn Minuten, in denen Kuzmanovic ruhig, aber bestimmt nach monatelangem Schweigen sagt, warum er den FCB damals in Spanien Hals über Kopf verlassen hat.

Bevor wir auflegen, bittet Kuzmanovic darum, ihm seine Aussagen zur Autorisierung zuzuschicken. Als der FCB, notabene immer noch Kuzmanovic’ Arbeitgeber, vom Gespräch erfährt, bittet auch er um die Zustellung der Zitate. Nach langem Hin und Her wurden die Zitate in den folgenden Abschnitten freigegeben:

Fischer als Hauptgrund für den Abgang

Schnell wird klar: Der Grund für den Abgang war einzig und allein Trainer Urs Fischer. Kuzmanovic sagt: 

«Ich bin nicht gegangen, weil ich ein Problem mit dem FC Basel oder mit den Fans hatte. Ich bin gegangen, weil ich gespürt habe, dass ich und der Trainer nicht zusammenpassen. Eine weitere Zusammenarbeit zwischen mir und Urs Fischer hätte keinen Sinn gemacht, das habe ich den Verantwortlichen so mitgeteilt. Es war in meinen Augen auch zwecklos, einen letzten Versuch für eine weitere Zusammenarbeit zu unternehmen.»

Und weiter: 

«Wenn der Spieler und der Trainer nicht auf der gleichen Wellenlänge sind, muss man sich trennen. Ich bin im Sommer gekommen, um zu helfen. Ich hatte andere Vorstellungen als das, wie es in der Vorrunde herausgekommen ist. Darum ist es besser, dass wir uns getrennt haben.»

Bei Udinese ist Kuzmanovic wieder ganz der Alte.
Bild: EPA/ANSA

Auf die Nachfrage, was genau zwischen ihm und Fischer nicht gestimmt habe, antwortet Kuzmanovic: 

«Wir hatten unterschiedliche Meinungen über meine Rolle im Team. Und ich spürte je länger, je mehr, dass er nicht voll auf mich setzen wird.»

Und über das zwischenmenschliche Verhältnis: 

«Es hat einfach nicht gepasst. Das gibt es im Leben. Wichtig ist, dass man ehrlich zueinander ist und daraus die richtigen Schlüsse zieht.»

Danach geht es um die Vorwürfe von Fans, er sei ein Charakterlump, weil er den FCB trotz dem Versprechen, bis zum Karriereende zu bleiben, verlassen hat. Kuzmanovic:

«Dass ich von einigen Fans zum schwarzen Schaf abgestempelt werde, kann ich irgendwo verstehen. Ich hoffe aber, dass sie auch ein wenig Verständnis haben.»

Kuzmanovic betont, er habe Verantwortung übernommen: 

«Ich wollte nicht für Unruhe sorgen und den Erfolg gefährden. Darum habe ich von mir aus entschieden, dass es am besten für alle Parteien ist, wenn ich den FCB verlasse. Ich hätte es mir leicht machen und meinen Vertrag aussitzen können. Aber das wollte ich zu meinem und zum Wohl des FCB nicht.»

Nur selten konnte sich Kuzmanovic in Basel in Szene setzen.
Bild: KEYSTONE

Und die Geschichten in den Medien, wonach er Teamkollegen von oben herab behandelt habe? Kuzmanovic: 

«In meinen Augen war das Verhältnis zu den Teamkollegen intakt. In einer Fussballmannschaft kann nicht jeder dein bester Freund sein – wer das behauptet, lügt. Ich habe mich mit einigen Spielern sehr gut, mit anderen weniger gut verstanden.»

Bis zum Saisonende ist Kuzmanovic ausgeliehen an Udinese. Was passiert danach? Ist eine Rückkehr zum FCB vorstellbar? 

«Urs Fischer und ich, wir werden keine Freunde mehr. Solange er beim FCB Trainer ist, kann ich mir eine Rückkehr nicht vorstellen. Alles andere steht in den Sternen und wird die Zukunft zeigen.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Linus Luchs 02.04.2016 23:25
    Highlight Hüftsteif im Zweikampf, zu wenig kreativ, schwach im Abschluss. Kuzmanovic hat andauernd den Ball gefordert, aber höchst selten Glanzpunkte setzen können. Was er beim FCB gezeigt hat, war schlicht ungenügend. Ein Delgado, der ein gutes Stück älter ist, bringt deutlich mehr. Dass Kuzmanovic jetzt versucht, dem Trainer die Schuld zuzuschieben, ist eine ganz üble Tour. Der muss sich im Joggeli nicht mehr blicken lassen!
    3 1 Melden
  • niklausb 02.04.2016 15:26
    Highlight Was für n Stinkstiefel..... Jetzt ist doch mehr oder weniger Gras über die Sache gewachsen und er geht und giesst Öl in s Feuer...... Mag man zu Fischer stehen wie mab will aber so eine hinterhältige nachtreterei hat keiner verdient. Wenn er so feinfühlig ist wie er tut hätte er bei "vorstellungsgesprächen" wohl schon gespürt das er und der Trainer das Heu nicht auf der gleichen bühne haben... Charakterlump passt da als Bezeichnung durchaus. Und so als Anmerkung ich hoffe das endlich im Titel ist pure Ironie.
    7 11 Melden
  • Löckypöntsch 02.04.2016 14:03
    Highlight Ich mag Urs Fischer nicht! Dies keinesfalls weil er Zürcher ist (er ist ja auch nicht der Erste!). Er hat z.B. auch Gashi vergrault und wie er international spielen liess war nicht nachvollziehbar.
    Es immer sehr einfach über Andere zu urteilen ohne die Hintergründe zu kennen!
    10 15 Melden
    • Retarded Wizard 02.04.2016 15:14
      Highlight Du urteilst hier also nicht über Urs Fischer ohne die Hintergründe zu kennen? :)

      14 2 Melden
  • Gelöschter Benutzer 02.04.2016 13:59
    Highlight Endlich endlich endlich.

    Jetzt kann die Welt beruhigt aufatmen. Gott Kuzmanovic hat gesprochen.

    Moment: Kuzm wer???

    Watson, bitte hört auf mit euren Blick-Titeln.

    Wen interessiert der Abgang eines Nonames? Und noch weniger dessen Beweggründe.

    17 30 Melden
  • Asmodeus 02.04.2016 12:51
    Highlight Buuhuu. Kuzi wollte Captain und wichtigster Spieler sein und hat auf dem Feld überhaupt NICHTS geleistet.

    Zum Glück ist die Diva weg. Danke Urs :)
    45 18 Melden
    • sveinn 02.04.2016 14:34
      Highlight Hab ich auch sofort gedacht, als ich es gelesen habe.
      3 7 Melden
    • Hoppla! 02.04.2016 14:57
      Highlight Ich kenne die Situation zu wenig um ihn als Diva zu bestätigen oder nicht.

      Aber ganz rational betrachtet, auch wenn das für einen Fussballfan meist kaum möglich ist: Wenn ich mit meinem Chef nicht klar komme, wechsle ich den Arbeitgeber. So lösungsorientiert passierte es auch in diesem Fall. So; who cares? Alle sind nun glücklich.
      9 1 Melden

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