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Der langjaehrige Fussballmanager Erich Vogel verlaesst das Zuercher Bezirksgericht, am Donnerstag, 20. November 2014, in Zuerich. Vogel und Peter Bozzetti, ein befreundeter Spielervermittler, sollen versucht haben, YB Sportchef Fredy Bickel zu erpressen. Dem Spielervermittler wird vorgeworfen, er habe versucht, den YB-Sportchef um 131'000 Franken zu erpressen. Erich Vogel soll dabei als Gehilfe mitgewirkt haben. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Ein fröhlicher Erich Vogel heute vor dem Bezirksgericht Zürich.  Bild: KEYSTONE

Sein Leben, sein Wirken

Aufstieg und Fall der grauen Eminenz des Schweizer Fussballs

Vom Metzgerssohn zum Spieler, Manager, Sportchef und Vizepräsident bei den Grasshoppers. Der 75-jährige Erich Vogel hat ein bewegtes Leben hinter sich. Nun hat Vogel mit dem Schuldspruch ein neues Kapitel zu seiner Biographie hinzugefügt.

Erich Vogel wächst als Metzgerssohn im Zürcher Industriequartier auf. Der Vater schickt ihn mit dreizehn Jahren zu den Junioren der Grasshoppers, wo er es gemäss dem Tages-Anzeiger zwar ins Kader der ersten Mannschaft schafft, aber nie zum Einsatz gelangt.

Er studiert in Zürich und Paris Literatur, Soziologie und Theater. Doch Karriere macht er doch im Fussball. So arbeitet sich der ehrgeizige Vogel bei den Grasshoppers empor, wird sogar Trainer. Im Jahr 1976 wird er entlassen. «Ich habe zu langfristig gedacht, zu viel auf den Kopf stellen wollen», sagte Vogel einst dem «Sport» über seine Trainerzeit.

Das Trainer-Duo des Grasshopper Clubs Zuerich, Erich Vogel (links) und Istvan Szabo, beobachtet das Spiel seiner Mannschaft von der Bank aus, aufgenommen im August 1973. Nach seiner Entlassung als GC-Trainer 1976 wechselte Erich Vogel 1988 vom FC Aarau erneut zu den Grasshoppers, um dort die Stelle des Sportlichen Direktors einzunehmen. (KEYSTONE/Str)

Das Trainer-Duo des Grasshopper Clubs Zürich, Erich Vogel (l.) und Istvan Szabo im August 1973. Bild: KEYSTONE

Doch Vogel bleibt der einheimischen Fussballszene erhalten: Er wird Coach bei Neuchatel Xamax, später Sportchef beim FC Zürich und in Aarau.

Vogel entdeckt zahlreiche Talente und es gelingt ihm oft, ein konkurrenzfähiges Team zusammenzustellen. Sein Netzwerk und seine Seilschaften bringen den «unbequemen Macher» (O-Ton Vogel) schnell an die Spitze der Schweizer Fussballszene. 

«Ich bin ein Macher und nicht Verwalter. Und ich provoziere gerne, deshalb mögen mich viele nicht besonders.»

Erich Vogel.  zwölf.ch

Beim FC Aarau feiert er grosse Erfolge, ehe er an die alte Wirkungsstätte zurückkehrt und eine neue Ära einleitet: Mit Trainern wie zum Beispiel Christian Gross führt Vogel den Verein zu zahlreichen Triumphen. Die Zürcher brillieren sogar in der Champions League und verpassen am Ende den Sprung in den Viertelfinal nur ganz knapp. 

Dass Vogel im Fussballgeschäft bereit ist, die Grenzen des Erlaubten auszuloten – und teilweise zu überschreiten – zeigt sich in einem Gespräch mit der Weltwoche 2007. So sind bei seinem Joballtag «manchmal Halbwahrheiten, Notlügen, Schummeleien bis zur Lüge durchaus drin.»

Innerhalb von zwei Jahren dreimal entlassen

Wo Erich Vogel ist, ist auch immer Schall und Rauch. Nach elf Jahren bei den Zürchern wird er entlassen. Bei seinem Abgang bei GC 1999 herrscht in der Klub-Kasse ein grosses finanzielles Loch, man spricht von einem Fehlbetrag  von knapp zwanzig Millionen Franken. 

«Sobald es ums Geld ging, war er als Manager überfordert.»

René C. Jäggi. Tages-Anzeiger.ch

Doch trotz angeschlagenem Ruf findet er wenige Monate später beim FC Basel ein neues Experimentierfeld und wird im Jahre 2000 Sportchef.

FC Basel Trainer Christian Gross, rechts, hoert seinem Praesidenten Rene C. Jaeggi, links, an der Pressekonferenz am Dienstag, 29. Mai 2001, in Basel zu, wo bekannt gegeben wurde, dass man sich vom Sportmanager Erich Vogel, Mitte, trennt.  (KEYSTONE/Markus Stuecklin)    ===ELECTRONIC IMAGE===

FCB-Trainer Christian Gross (r.) hört seinem Präsidenten Rene C. Jäggi (l.) an einer Pressekonferenz 2001 zu, wo bekannt gegeben wird, dass man sich vom Sportmanager Erich Vogel trennt. Bild: KEYSTONE

Nach seiner Entlassung in Basel zieht es ihn in gleicher Funktion zum FC Zürich. Nachdem ihm FCZ-Präsident Sven Hotz Kompetenzüberschreitung vorwirft («Vogel hat Spieler zu beeinflussen versucht und den Trainer letztlich mehr frustriert als unterstützt»), wird er innerhalb von nur zwei Jahren beim dritten Klub in der höchsten Schweizer Liga von seinen Aufgaben als Manager entbunden.

Schliesslich landet Vogel 2007 wieder bei GC. Den Verein führt er zu Beginn in Personalunion als Sportchef und Vizepräsident. In der Schweizer Fussballszene lässt die ewige Reizfigur niemanden kalt. Man ist entweder pro oder Contra Vogel. Seine Wegbegleiter halten ihm jahrelang die Treue (beispielsweise die millionenschwere Familie Spross), Feinde versuchen seit jeher ihn zu Fall zu bringen.

Der Mann für alle Fälle

Seine eigentlichen Aufgaben-, Rollen- sowie Berufsbezeichnung bei den Grasshoppers variiert in der Folge stets und bleibt oft unklar. So gibt Vogel einst dem Fussballmagazin «Zwölf» auf die Frage, ob er eigentlich «nur» Vizepräsident sei, die kryptische Antwort: «Ja, aber es war immer klar, dass ich den Klub leite. Die anderen haben beide einen Job, ich bin Vollzeitangestellter. Klar habe ich am meisten Einfluss. Ich habe mir gesagt, ich mache es nur, wenn ich nach oben nicht auch führen muss, denn das ist immer das Schwierigste. Es braucht zu viel Energie, die Oberen zu überzeugen.»

Auch zuletzt in der Affäre Salatic geisterte sein Name noch immer umher. Beim Schweizer Rekordmeister schien Erich Vogel immer noch – trotz fehlender offizieller Funktion – im Hintergrund die Fäden zu ziehen.

Im zarten Alter von 75 Jahren kommt bei der schillernden Figur Erich Vogel ein neues Kapitel hinzu. Weil er zusammen mit Spielervermittler Peter Bozzetti YB-Sportchef Fredy Bickel unter Druck setzte, wurde Vogel im letzten September verhaftet und sass 20 Tage in Untersuchungshaft. Heute ist der ehemalige GC-Manager vom Bezirksgericht Zürich wegen Gehilfenschaft zu versuchter Erpressung zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 150 Franken verurteilt worden. 

Warum die ganze Affäre eskalierte, ist nicht ganz klar. Vogel lobte «Opfer» Bickel 2009 noch in den höchsten Tönen. Auf die Frage, wer in Zukunft seine Rolle einnehmen könnte, antwortete er im Interview mit dem Magazin «Zwölf»: «Es gibt viele fähige Leute, die das aber ganz anders machen. Fredy Bickel ist fähig. Er setzt sich immer auf die Bank und ist immer bei der Mannschaft. Bickel sieht und hört alles, er ist wie ein Assistenztrainer». 

«Fredy Bickel ist fähig. Er setzt sich immer auf die Bank und ist immer bei der Mannschaft.»

Erich Vogel. zwölf.ch

Der langjaehrige Fussballmanager Erich Vogel, rechts, und Peter Bozzetti, rechts, verabschieden sich vor dem Zuercher Bezirksgericht, am Donnerstag, 20. November 2014, in Zuerich. Vogel und Peter Bozzetti, ein befreundeter Spielervermittler, sollen versucht haben, YB-Sportchef Fredy Bickel zu erpressen. Dem Spielervermittler wird vorgeworfen, er habe versucht, den YB-Sportchef um 131'000 Franken zu erpressen. Erich Vogel soll dabei als Gehilfe mitgewirkt haben. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Peter Bozzetti und Erich Vogel. Bild: KEYSTONE

Wie Erich Vogel nach dem Urteil gegenüber Medienvertretern bestätigt, wird er gegen den Richterspruch Rekurs einlegen.



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    Alle Leser-Kommentare
  • Gnaume 28.11.2014 18:06
    Highlight Highlight Was anderes... Sollte es sich bei Syl Batistuzzi nicht um ein Pseudonym handeln, hat der Schreiberling definitiv einen der geilsten Namen, die ich je gehört habe!
    • SylBattistuzzi 29.11.2014 15:09
      Highlight Highlight :) Danke! (auch für den Lachanfall)
      Es ist sogar der richtige Name ...Nur mit dem (richtigen) Aussprechen hapert's bei den Mitmenschen.

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