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Britain Soccer Football - Charlton Athletic v Burnley - Sky Bet Football League Championship - The Valley - 7/5/16
Charlton fans protest against owner Roland Duchatelet before the match
Mandatory Credit: Action Images / Adam Holt
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Was, wenn einfach niemand mehr in die Stadien geht? Bild: REUTERS

Englands Fussball-Fans proben den Aufstand gegen Klubbesitzer

Englands Fussball-Fans haben die Schnauze voll: Sie protestieren gegen das kommerzialisierte System und ihre milliardenschweren Klubbesitzer. Sie verbrüdern sich mit einstigen Rivalen, doch wenn sie Erfolg haben wollen, müssen sie auch dem schlimmsten Feind ins Auge blicken: dem sportlichen Niedergang.

10.11.16, 10:27 10.11.16, 18:06


Die englische Premier League ist die reichste Fussball-Liga der Welt. Bei den TV-Einnahmen ist sie längst der Krösus in Europa – der Tabellenletzte kassierte zuletzt beispielsweise mehr als der deutsche Meister. Für die meisten Klubs bedeutet der Geldregen aber nicht nur Segen, sondern Fluch zugleich. 

Die Fernseh-Millionen haben zu einem Wettrüsten geführt. Wer nicht mitmacht, droht sportlich aus allen Traktanden zu fallen. Ein Abstieg wird so zum noch grösseren Horror-Szenario als ohnehin schon. Wer weg ist vom Fenster, ist weg vom Fenster. Die Fernseh-Millionen locken gleichzeitig ausländische Investoren an, welche die Klubs vor allem als Cashcow sehen und dafür die Vereinstraditionen schon mal links liegen lassen.

Britain Soccer Football - Aston Villa v Newcastle United - Barclays Premier League - Villa Park - 7/5/16
Aston Villa fans protest outside the stadium before the match
Action Images via Reuters / Jason Cairnduff
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Sogar die Handy-Generation hat die Schnauze voll. Bild: Jason Cairnduff/REUTERS

Der leidtragende ist der englische Fussball-Fan: Vom Geldsegen für die Klubs und die Liga spürt er rein gar nichts. Im Gegenteil, er zahlt sogar obendrauf: Sowohl die Ticketpreise wie auch die Kosten für ein Pay-TV-Abonnement sind in den letzten Jahren fast durchwegs gestiegen. Schliesslich muss der teure TV-Vertrag ja refinanziert werden.

So ist es mittlerweile keine Seltenheit, dass englische Fans nach Deutschland reisen, um sich Fussball live im Stadion anzusehen. Weil es billiger ist und man leichter an Tickets kommt. Hinzu kommt, dass die Atmosphäre in den Stadien des Kontinents mittlerweile neidisch begutachtet wird. Hier gibt's noch Stehplätze und die Stimmung wird nicht auf Kosten der Sicherheit im Keime erstickt.

Zwar vermelden auch die englischen Klubs meist ausverkaufte Stadien, aber viele Sitzplätze bleiben trotzdem leer – weil die sogenannten Modefans halt nur bei Chelsea gegen Arsenal und nicht bei Chelsea gegen Hull ins Stadion kommen.

Football Soccer - Chelsea v Scunthorpe United - FA Cup Third Round - Stamford Bridge - 10/1/16
Television Presenter Jeremy Clarkson sat in the stands amongst empty seats
Reuters / Stefan Wermuth
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Leere Sitze an der Stamford Bridge, selbst wenn das Stadion ausverkauft ist. Bild: Stefan Wermuth/REUTERS

Die ohnehin schon angespannte Stimmung wird momentan noch weiter gedrückt. Derzeit kursiert das Gerücht, dass Brausehersteller Red Bull nach der Bundesliga nun auch die Premier League erobern will. Leipzig-Manager Ralf Rangnick wurde zuletzt auf der Insel gesichtet. Er soll sich Spiele von Chelsea, Charlton Athletic und Brentford angesehen haben. Als Hauptkandidat für eine Übernahme gilt derzeit aber der zweifache Meistercup-Sieger Nottingham Forest.

Das Gerücht kommt zur Unzeit. Das Verhältnis der Fans zu ihren, meist ausländischen, Klubbesitzern ist fast überall mehr als angespannt. Vor allem in den unteren Ligen proben die Anhänger derzeit sogar den Aufstand gegen die verhassten Millionäre. 

Haben die Fans ein Rezept gefunden?

Zunächst noch isoliert, wie «11 Freunde» berichtet: Die Fans von Leeds United wollen mit der Initiative «Time to go Massimo» den italienischen Klubbesitzer Massimo Cellino loswerden. Beim von Red Bull «bedrohten» Nottingham Forest zeigt man offen den Unmut gegen den kuwaitischen Eigner Fawaz Al-Hasawi, der 2012 mit grossen Versprechen antrat, aber keines gehalten hat. In Blackpool wurde ein «Perfect Storm» unter dem Motto «Not a Penny more» gegen die Besitzer-Familie Oyston lanciert.

grafik: 11freunde.de

Die Hull-City-Fans wehren sich nach wie vor gegen ihren ägyptischen Eigentümer Assem Allam, der den Klub nur zu gerne endlich umbenennen würde. Und in Blackburn verliessen die Fans zuletzt in der 18. Minute das Stadion und kehrten erst in der 75. Minute zurück. Ein klarer Denkzettel an die Adresse der indischen Besitzer-Gruppe «Venky's London», schliesslich wurde der Klub 1875 gegründet.

Der 18/75-Protest in Blackburn. bild: twitter

Doch längst bleibt es nicht mehr bei den isolierten Aktionen. Für Aufsehen sorgten Mitte Oktober die gemeinsamen Proteste der Fans von Charlton Athletic und Coventry City. Gleichzeitig warfen sie kurz nach Anpfiff tausende Plastikschweine («Greedy Pigs», «geldgeile Schweine») auf den Platz, um so gegen ihre verhassten Klubbesitzer Roland Duchatelet (Charlton/Belgien) und den Hedgefond-Betreiber Sisu (Coventry/Finnland) zu protestieren. Die Partie musste unterbrochen werden, um den Platz von den pinken Plastiktierchen zu säubern.

Weitere Aktionen sind geplant: Bei ihrem Direktduell am 19. November wollen die Anhänger von Leyton Orient und Blackpool zusammenspannen.

Wenn die Angst grösser ist ...

Die Fans glauben, die Schwachstelle des auf Kommerz ausgerichteten Systems endlich gefunden zu haben. Sie tragen die Proteste ins Stadion und zwar gemeinsam. Leere Ränge, ständige Störungen des Liga-Betriebs und Boykotte des Bezahlsenders «Sky» könnten tatsächlich fruchten.

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  • 28%Find ich super. Ich glaube aber nicht, dass Fans wirklich was bewirken können.
  • 51%Das ist der einzige Weg. So geht der Fussball bald zurück an die Fans.
  • 7%Ich weiss nicht. Zeigt einfach das Resultat.

Aber was dann? Kann die Entwicklung des modernen Fussballs in eine falsche Richtung tatsächlich rückgängig gemacht werden? Oder sind die Fan-Proteste am Ende doch nur ein Tropfen auf den heissen Stein?

Fakt ist: Solange die Angst vor dem sportlichen Niedergang bei den Fans grösser ist als der Kampfeswille gegen die ausländischen Milliardäre, solange der Reiz von Red-Bull-Millionen und der Champions League grösser ist als die Akzeptanz der tristen Realität in der League 1 oder 2, solange nur die Fans aufmupfen, deren Klubs in ernsthaften Schwierigkeiten stecken, wird sich genau gar nichts ändern. Aller originellen Protestaktionen zum Trotz.

15 von 20 Vereinen in ausländischer Hand: Die Klubbesitzer der Premier League

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Brikne, 20.7.2017
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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • elmono 10.11.2016 21:22
    Highlight Sag ich ja schon lange. Eventfussball mit Güpli-Stimmung. Nicht mehr als heisse Luft die PL.
    12 3 Melden
  • TheMan 10.11.2016 14:31
    Highlight Das gesammte geht doch unter Globalisierung. Ich habe gehört, das ist eine ganz Gute Sache. Dieses Globalisieren.
    34 0 Melden
    • Jol Bear 10.11.2016 19:46
      Highlight Die Engländer haben dem Brexit nicht einfach so zugestimmt. Wenn der Internationalismus überbordet, wird die eigene Identität verwässert. Ab einem bestimmten Ausmass sind nicht mehr alle einverstanden.
      19 0 Melden
  • Amboss 10.11.2016 12:29
    Highlight Ja, wie bringt man ein System ins Lot, das zu erfolgreich ist? Ganz, ganz schwierige Frage.

    Je länger je mehr glaube ich, das heutige, aus der Amateurzeit stammende System mit nationalen Ligen und CL/EL ist falsch für den heutigen Fussball.
    Es führt, wie in der PL entweder zu einem unglaublichen Wettrüsten, aus Angst, die CL zu verpassen oder gar abzusteigen...
    Oder zur Zweiklassengesellschaft (BL, Primera Division, sogar in der CL)

    Wäre nicht der Ausweg ein europäisches (geschlossenes, erweiterbares) Ligensystem?
    Es wäre besser kontrollier- (zB Salary Cap) und vermarktbar.
    11 16 Melden
    • PatCrabs 10.11.2016 14:56
      Highlight Ganz meine Meinung!
      Idealerweise mit ca. 30 Teams, die nur untereinander spielen und faire Bedingungen haben.
      Um die Traditionalisten nicht zu verärgern, könnte man von mir aus auch neue Teams gründen.

      Das Problem ist, dass die Adaption von amerikanischen Modellen (wo die Ligen viel ausgeglichener und fairer sind bez. Finanzen) nicht möglich ist, da die vielen Konkurrenzligen keine Lust haben, da mitzumachen. Sie funktionieren ja.

      Die US-Ligen haben den Vorteil, dass sie sportlich so attraktiv sind, dass sie sich "einigeln können". Ist im Fussball nicht möglich hier.
      4 10 Melden
    • JonathanFrakes 11.11.2016 10:56
      Highlight "Um die Traditionalisten nicht zu verärgern, könnte man von mir aus auch neue Teams gründen."

      Genau, weg mit den Traditionsvereinen, gründen wir neue Vereine. Du bist wohl ein richtiger Fussballkenner ;)
      3 0 Melden
    • PatCrabs 11.11.2016 11:06
      Highlight @JonathanFrakes
      Falsch. Mein Vorschlag wäre eine Idee, um die traditionellen Teams in einigermassen normalem Rahmen weiterspielen zu lassen und die grössenwahnsinnigen Megalomanen unter sich zu vereinen, von mir aus mit dem ganzen kapitalistischen Crap, den wir aus den US-Ligen kennen.
      Damit entfielen die 2-3 superreichen Teams pro Liga, die viel mehr einnehmen als der Rest und den normalen Ligabetrieb zerstören.
      Resultat: Spannendere nationale Ligen und nebenbei eine grosse, geregelte Super-Liga. Was ist daran falsch?
      2 0 Melden
    • Amboss 11.11.2016 12:11
      Highlight @Panzer: Nein, die grossen Teams müssen in dieser Liga natürlich dabei sein. Das sind Weltmarken. Die will man spielen sehen. Und die wollen bestimmt auch, sie vermarkten sich ja bereits heute weltweit. Man kann die Liga erweiterbar gestalten, so dass auch neue Vereine mittun können, wenn sie mit genügend Kapital gesegnet sind.

      Ziel wäre, dass das, was man am modernen Fussball nicht mag in dieser Liga stattfindet. All die Kohle, Scheichs, Gigantismus, nach Fluglinien benannte Stadien, Vermarktung in Asien etc.
      Und die kleineren Vereine können vernünftige nationale Meisterschaften spielen.
      0 0 Melden
  • Ratchet 10.11.2016 11:28
    Highlight Da werden zwei verschiedene Sachen im falschen Zusammenhang gebracht.
    Die fehlende Stimmung und leere Sitzplätze aufgrund überteuerten Preise hat wenig mit den reichen Klubbesitzer zu tun, sondern viel mehr mit den staatlichen Sicherheitsmassnahmen seit der Hillsborough-Katastrophe.
    Dass die Beziehung Fans und Besitzer nicht immer optimal läuft ist nichts neues, besonders wenn es schlecht läuft (siehe FCZ letztes Saison). So lange man die Clubidentität (Name, Wappen, Farbe) nicht berührt, ist es aber oft nur heisse Luft, die mit der Zeit bei sportlichen Erfolg schnell wieder verbläst.
    7 32 Melden
    • Amboss 10.11.2016 12:07
      Highlight Die Sitzplätze sind wegen der Hillsborough-Katastrophe. Die überteuerten Sitzplätze haben hingegen nichts damit zu tun.

      Fanproteste ist immer so eine Sache. Clubführung/Besitzer wissen genau, dass dies eigentlich immer heisse Luft ist und egal, was man macht, die Fans kommen sowieso immer wieder.
      Petric oder Fischer in Basel, Götze in Dortmund. Richtig, da war mal was. Alles längst vergessen.

      Oder wenn es nicht weh tut, wie als Liverpool-Fans gegen die hohen Ticketpreise protestiert haben: Dann gibt man halt nach. Bei dem Geld, das aus dem TV-Vertrag ist das ziemlich wurscht
      9 2 Melden
  • N. Y. P. 10.11.2016 11:04
    Highlight Pervers, was auf der Insel abgeht, mit den Milliarden und Milliardären. Nicht wenige Spieler verdienen über 10 Millionen. Fans, erhebt euch !
    45 4 Melden

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