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Was kommt da noch auf Ronaldo und Co. zu? Bild: EPA/LUSA

Football Leaks: So wird das wahre Gesicht des Fussballs in den nächsten Wochen offenbart

Am Anfang waren die Daten. Viele davon. Doch wie findet man etwas im grössten Fussball-Leak aller Zeiten, wenn man nicht einmal weiss, wonach man sucht?

04.12.16, 16:16 05.12.16, 08:13


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Was für die entfesselte Fussballbranche gilt, gilt auch für Football Leaks: Alle Zahlen werden immer grösser. Seit sieben Monaten werten 60 Journalisten von zwölf europäischen Medienhäusern einen riesigen Datensatz aus der Welt des Fussballs aus. In dieser Zeit ist die Dokumentensammlung auf etwa 1,9 Terabyte angewachsen, aus drei grossen Geschichten sind drei Wochen voller Geschichten geworden. Auf den Startschuss zu dieser Serie haben mittlerweile über 100 Journalisten, Programmierer, Grafiker und Kameraleute hingearbeitet. Nun ist es soweit.

Was in den vergangenen sieben Monaten entstanden ist, hätte sich zu Beginn kaum jemand vorstellen können. Was die Football-Leaks-Macher antreibt, verriet einer von ihnen hier im Interview. Nach langen Gesprächen über verschlüsselte Kommunikationskanäle hatte Spiegel-Redakteur Rafael Buschmann von den Betreibern der Enthüllungsplattform Football Leaks zwei Festplatten erhalten.

Toni Kroos durfte auch schon im Internet lesen, wie viel er genau verdient. Bild: EPA/EFE

Wie findet man, wenn man gar nicht weiss, was man sucht?

Wer sich durch die unzähligen Ordner und Dateienlisten klickte, erkannte schnell: Hier versteckt sich brisanter Stoff. Doch wie findet man etwas in Millionen von Dokumenten, wenn man selbst nicht weiss, wonach man überhaupt sucht?

Unzählige E-Mails, Verträge und Präsentationen auf Englisch, Deutsch, Spanisch, Portugiesisch und Französisch, tausende Suchergebnisse zu Profi-Spielern von Bundesliga, Premier League und Primera Division, Gehälter von Weltmeistern, Kontoauszüge von Europameistern – wer, wenn nicht ein europäisches Netzwerk aus erfahrenen Investigativjournalisten und versierten Sportexperten, sollte sich um diese Daten kümmern?

Im April nehmen die Mitglieder des Recherchenetzwerks European Investigative Collaborations (EIC) die Arbeit auf. Neben dem Spiegel beschäftigt sich bald die belgische Tageszeitung «Le Soir» mit dem Material, ebenso Kollegen aus Dänemark («Politiken») England («Sunday Times»), Frankreich («Mediapart»), Italien («L'Espresso»), aus den Niederlanden («NRC Handelsblad»), Österreich («Falter»), Portugal («Expresso»), Rumänien (RCIJ, «The Black Sea»), Serbien («Newsweek Srbija») und Spanien («El Mundo»).

Neymar und Co. werden in den nächsten Wochen wohl viele unangenehme Dinge über sich lesen. Bild: Manu Fernandez/AP/KEYSTONE

Erstes gesamteuropäisches Rechercheprojekt

Das Ergebnis ist das erste gesamteuropäische Rechercheprojekt, mit sehr verschiedenen und vielseitigen Projektpartnern: Reine Online-Redaktionen treffen auf reine Print-Titel, Journalisten arbeiten in alteingesessenen Medienhäusern oder am Laptop im eigenen Schlafzimmer, unweit der Atlantikküste vor Lissabon oder im Spiegel-Gebäude an der Hamburger Ericusspitze.

Während sich der Spiegel einer professionellen Software für Datenforensik bedient, bauen IT-Experten rund um den rumänischen Programmierer Alex Morega mit Unterstützung des Spiegels für die EIC-Partner eine eigene Suchdatenbank auf.

Die erweitern sie in den nächsten Monaten und schaffen sich so selbst ein gut nutzbares Raster-Programm. Auf einer verschlüsselten Online-Plattform und in regelmässigen Videokonferenzen tauschen die Rechercheure ihre Suchergebnisse aus. Zunächst gehen sie wie mit einer groben Harke durch die digitalen Dokumente und lassen sie gegen Listen mit Namen von Fussballvereinen, Spielern und Sponsoren laufen, immer auf der Suche nach Auffälligkeiten: Wo häufen sich die Treffer? Lassen sich Muster erkennen?

Selbst Experten verschlägt es die Sprache

Selbst erfahrenen Sportreportern verschlägt es bei diesen Suchdurchläufen die Sprache. Sie haben gewusst, dass der Fussball von Gier beherrscht und von korrupten Funktionären nachlässig kontrolliert wird. Sie haben geahnt, dass sich hinter den astronomischen Gehältern und exponentiell hochschiessenden Ablösen dunkle Profiteure verbergen. Doch Football Leaks eröffnet ihnen einen ungeschönten und umfassenden, einen einmaligen Einblick in den Maschinenraum der Gelddruckerei Fussball.

Gareth Bale wurde von Football Leaks auch ins Visier genommen. Bild: Steven Governo/AP/KEYSTONE

Viele Wochen nach Beginn des Projekts fügen sich tausende Puzzleteile zu einer Geschichte über den wohl grössten und bekanntesten Fussballspieler der Welt zusammen: Cristiano Ronaldo. Begriffe wie «Steuerprüfung», «British Virgin Islands», «Bildrechte» tauchen ab Juli zunehmend in der Trefferliste der Rechercheure auf. Währenddessen arbeitet jeder von ihnen an mehreren Themen gleichzeitig, versucht relevante Verträge zu sammeln, Geldflüsse nachzuverfolgen und Firmenkonstruktionen zu entschlüsseln.

Anwälte versuchten Veröffentlichung zu verhindern

Ohne die Austauschplattform und den EIC-Koordinator Stefan Candea hätte nun wohl die Gefahr gedroht, dass der Datensatz den Journalisten über den Kopf wächst. Doch Candea legt das wohl wichtigste Werkzeug für die Recherche an: Das interne EIC-Lexikon auf einer verschlüsselten Plattform, die nur von EIC-Partnern genutzt wird.

Mehr als 500 Einträge über Personen, Firmen und Vorgänge sammeln die europäischen Partner in gemeinsamer Arbeit im Lauf der folgenden Wochen. So wächst ein Schatten-Wikipedia, das die Erkenntnisse der Recherche-Profis bündelt. Die Wiki-Seiten bilden schliesslich die Grundlage für die Geschichten, die ab dem 2. Dezember europaweit zu lesen sein werden.

Monatelang hat ein Rechercheteam beim Spiegel zusammen mit seinen europäischen Partnern in grösster Geheimhaltung, in abgeschlossenen Räumen und mit verschlüsselten Tools an diesem Projekt gearbeitet. Die grössten Fussballstars der Welt schweigen zu den Fragen, die ihnen vorab gestellt wurden. Mehrere Anwaltskanzleien haben versucht, die Medienhäuser einzuschüchtern und an einer Veröffentlichung zu hindern. Die Recherchen haben das wahre Gesicht der Fussballbranche offenbart. In den nächsten Wochen werden die EIC-Partner es der Welt zeigen.

Die ältesten Fussballvereine der Welt

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • trio 04.12.2016 23:16
    Highlight Irgendwie befürchte ich, dass ganze bringt ausser ein paar Skandale und Empörungen keine Veränderungen. Oder wie war das mit der letzten Enthüllung, off shore Firmen auf den Bahamas zwecks "Steueroptimierung". Davon hört man nichts mehr!
    22 2 Melden
  • Michael Mettler 04.12.2016 20:10
    Highlight Mich erstaunt das Erstaunen...
    49 1 Melden
    • érdnA 05.12.2016 11:01
      Highlight Genau wie alle erstaunt waren, wie "vulgär" Trump über Frauen denkt... :-D! huch..
      4 4 Melden
  • pamayer 04.12.2016 18:26
    Highlight Wenn der Sepp nicht mehr dabei ist, heisst das nicht, dass der Fussball nun sauber ist.
    Und getürkte (ein rassistischer Alltagsausdruck, türken = schummeln!) Spiele gehören schon lange zum Stoff für Krimis. Und Krimiautoren müssen den Stoff suchen, wo er vorhanden ist...
    41 6 Melden
    • welefant 04.12.2016 21:33
      Highlight tragisch, dass man eine solche erläuterung beifügen muss.:)
      23 5 Melden

Herr und Frau Mötzli, können wir uns nicht einfach mal freuen?!

Die Schweiz schlägt Serbien hochdramatisch 2:1. Schlagzeilen machen aber die Doppeladler beim Jubel von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. Die Gesten waren unüberlegt und unnötig. Aber auch verständlich für Spieler, bei denen sich so viel um Identität und Zugehörigkeit dreht.

Als sich Xherdan Shaqiri nach seinem 2:1 in der 90. Minute gegen Serbien dazu entschied, seine Hände zum Doppeladler zu formen, da wurde er innert Sekunden vom Helden zum Deppen. 

Zumindest für ganz viele Schweizer Fans. Die Freude über den Sieg wurde schnell gedämpft. Dürfen sich Schweizer da überhaupt noch freuen? Das war doch Hochverrat!

Zum Glück, so muss man fast sagen, haben Shaqiri und Xhaka mit dem Doppeladler für einen kleinen Skandal gesorgt. Sonst, man stelle sich vor, hätten …

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