Sport

Renato Steffen: Noch ohne Skorerpunkt in dieser Saison. Der Mann ist auch darum ruhiger geworden. Bild: KEYSTONE

Steffen ist kein Sprücheklopfer mehr: «Ohne zu denken, kann man ja auch nicht spielen»

Nicht nur der FCB präsentiert sich aktuell verändert, sondern auch Renato Steffen. Der Aggressivleader und Skorerpunkte-Sammler hat in dieser Saison seinen Tritt noch nicht wirklich gefunden. Aber die grosse Bühne könnte für ihn zur Wende werden.

27.09.17, 14:15 27.09.17, 16:58

Céline feller / aargauer zeitung

Es ist eigentlich nur ein Scherz. Angesprochen auf seine etwas zu stark blondierten Haarspitzen sagt Renato Steffen: «Wenn ich sonst schon nicht auffalle auf dem Platz, dann wenigstens so!» Als müsste er noch deutlich machen, dass er es nicht ganz ernst gemeint hat, lacht er.

Bisschen zu blond geworden. Und mit verschränkten Armen Velo fahren kann er auch noch. Bild: KEYSTONE

Und doch steckt eine Prise Wahrheit in den Worten des 25-Jährigen. Eine Prise Selbstkritik. Vielleicht gar eine Prise Zweifel. Denn noch ist es nicht seine Saison. Er, der im vergangenen Jahr in fast jedem zweiten Spiel mit einem Assist oder einem Tor am Erfolg seiner Equipe beteiligt war, wartet noch auf Skorerpunkte.

Persönliche Lage beunruhigt ihn nicht

An der Pressekonferenz vor dem grossen Spiel gegen Benfica Lissabon wird er genau damit konfrontiert. Steffen lächelt. Er wusste genau, dass ihm irgendjemand diese Frage stellen würde. Denn es ist ja auch die Frage, die er sich selber im Moment immer wieder stellt. «Natürlich ist für mich als offensiver Spieler die momentane Situation auch etwas schwierig. Aber ein Spieler wird nicht nur an Toren und an Torvorlagen gemessen, zumindest bei uns nicht.»

So kannten wir Renato Steffen in den letzten Jahren: Frech, laut, wild. Bild: KEYSTONE

Aufopferung für das Team werde ebenso sehr geschätzt. Das stehe bei ihm zurzeit etwas mehr im Vordergrund. Er versuche, der Mannschaft zu helfen, weil der FCB auch schon in besseren Situationen war. Seine persönliche Lage? Die beunruhige ihn nicht. Aber beschäftigen, das tue sie ihn. «Natürlich. Jeden Tag.»

Die Leichtigkeit ist weg

Ohnehin ist Steffen einer, der mehr hinterfragt als andere seiner Berufskollegen. Wenn ein Schuss wie jener gegen Lausanne nicht im Tor landet, dann kann er es nicht einfach abhaken. Er hadert mit der Situation. Denkt zu viel darüber nach. «Das ist leider so. Aber ohne zu denken, kann man ja auch nicht spielen.» Die schweren Gedanken sieht man ihm an. Auf dem Platz. Neben dem Platz. Seine Schlitzohrigkeit, die er auch seiner Leichtigkeit zu verdanken hat und umgekehrt, ist ihm abgegangen.

Es lief in dieser Saison noch nicht wirklich für Renato Steffen (unten). Bild: KEYSTONE

Das belastet doppelt. Denn Steffen ist feinfühlig, kleinste Änderungen bringen den Mann mit dem sensiblen Gemüt schnell aus der Bahn. Dazu zählen die Veränderungen in und um die Mannschaft, in der alle zu sehr mit sich beschäftigt sind, wie er sagt. Oder seine neu definierte Rolle in Raphael Wickys variierenden Systemen, an die er sich erst gewöhnen muss. Es mag alles ein bisschen viel sein im Moment. Dazu passt auch, dass er noch anfügt: «Wenn ich die ganze Zeit über meine Formkrise nachdenken würde, dann würde es mich kaputtmachen.»

Steffen muss seinen Mann stehen

Über ganz alles, was aktuell nicht stimmt, mag er vor den Mikrofonen nicht reden. Sowieso ist er ruhiger geworden. War er für gewöhnlich der, der in den Trainings zu hören war, nimmt er sich in letzter Zeit zurück. Die Sprüche sind rarer geworden. Er brauche nun mal mehr Zeit als andere, um sich an Neues zu gewöhnen.

Als Renato Steffen noch traf, spielte zum Beispiel auch Matias Delgado noch. Bild: KEYSTONE

Und doch muss er seinen Mann stehen. Er ist Leistungsträger in dieser jungen Mannschaft, deren Hierarchie abgeflacht ist. Er muss vorangehen. Er muss mit dafür sorgen, dass man diesen FCB wieder erkennt. Dass er sein altes Gesicht wiederfindet. Am besten schon gegen Benfica.

Umfrage

Wie endet die Partie Basel – Benfica?

  • Abstimmen

333 Votes zu: Wie endet die Partie Basel – Benfica?

  • 42%Basel siegt
  • 47%Benfica siegt
  • 11%Es gibt ein Remis

Die Spiele in der Champions League, sie waren seit je sein Kindheitstraum. Womöglich kommen sie zum richtigen Zeitpunkt. Sie reissen Steffen und seine Mitspieler aus dem belastenden Alltag. Dass das beflügeln kann, zeigte das Spiel in Manchester – Niederlage hin oder her. Die Leistung war gut. Steffen der Beste. Zufrieden war er trotzdem nicht. Um an diesen Punkt zu gelangen, benötigt er ein Erfolgserlebnis.

Benficas Schwäche, die Steffen zugute kommt

Gegen die Portugiesen wittert er seine Chance. Denn Benfica hat eine Schwäche, die ihm zugutekommen könnte: «Ihre Innenverteidiger sind nicht mehr die jüngsten und daher nicht die schnellsten. Und wir haben schnelle Spieler in der Offensive. Wenn sie uns Räume lassen, dann kommen wir zu Chancen.» Diese gilt es zwingend zu nutzen, nicht wie in Manchester. Die dortige Chancenauswertung hatte Steffen im Nachgang des Spiels moniert.

Benficas Captain Luisao (oben): Kopfballstark ja, schnell nein. Bild: EPA/LUSA

Doch bei aller Kritik nimmt er sich nicht aus. Er weiss, dass er mehr kann. Und sagt: «Wenn wir alle, die wir unserer Form nachlaufen, diese wiederfinden, dann bin ich sicher, dass wir bald wieder den FCB sehen werden, den wir sehen wollen.» Und damit auch den sprücheklopfenden, lockeren Steffen.

Der Wind soll drehen bei Renato Steffen. Da muss er dann aber auch aufpassen:

3m 18s

Betrinken und Beklagen mit Andrea

Video: watson/Emily Engkent

Die grössten Schweizer Europacup-Erfolge im Fussball

Das könnte dich auch interessieren:

Statt Kündigung in Schule geschickt: Unternehmerin hilft Analphabeten

Heil, Heil, Rock'n'Roll: Weshalb fahren gewisse Rocker auf Nazi-Kram ab?

Du streamst gern Serien und Filme? Dann Hände weg von diesen Seiten

Und jetzt erklärt dir die Queen, wie du eine Krone nicht tragen solltest

2Pac als Geist, Snoop Dogg als Professor: #BlackHogwarts verleiht Harry Potter mehr Swag 

Wie die Armee im Kalten Krieg: Die SRG ist die «heilige Kuh» von Mitte-links

Skandal bei PSG-Sieg – hier kickt der Schiri einen Nantes-Spieler und zeigt ihm dann Rot

Was machen vier Schweizer, nachdem sie über den Atlantik gerudert sind?

Ich lösche WhatsApp – und alle sind schockiert 

Er erfand die Champagner-Dusche auf dem Siegerpodest – jetzt ist Dan Gurney tot

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
3
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Loco Floco 27.09.2017 15:50
    Highlight Wir ihr es immer wieder schafft, mit einem Sprüchli am Ende des Textes einen anderen Artikel zu verlinken, imponiert mir schon ein bisschen. 😂
    11 3 Melden
  • Theor 27.09.2017 15:41
    Highlight Ich durfte Steffen vor Jahren einmal persönlich kennen lernen. Er war bereits damals ein Provokateur und sehr schwierig zu handeln. Aber sein Talent war und ist auch riesig und dass er Stehvermögen hat, zeigt sein Werdegang. Nicht viele Spieler haben den Biss, sich nach einem solchen Fehlstart wieder nach oben zu arbeiten.

    Ich mag ihn und würde mir wünschen, dass wir noch lange von ihm hören und mehr sehen.
    8 12 Melden
    • Cachesito 27.09.2017 18:17
      Highlight Ganz Ihrer Meinung. Allez Renato, allez FCB
      1 4 Melden

Alle sagen, moderner Fussball sei super. Ich sage: Im modernen Fussball haben sich Saumoden eingenistet, die mich laufend kotzen lassen

Gestern. Chelsea vs. PSG. Ibrahimovic foult Oscar. Rote Karte. Rudelbildung. Rudelbildung! Gefühlte 45 Minuten Rudelbildung! 

Von den Junioren bis zum Erreichen des Champions-League-Niveaus spielen Profis ungefähr eine Zillion Spiele und erleben dabei eine Zillion strittige Szenen. Und in wie vielen Fällen hat der Schiedsrichter seine Meinung geändert? Nie.

Nie.

Fucking NIE!

Meiner zweijährigen Tochter brauche ich die Dinge zwischen zwei- bis fünfmal zu sagen, bis sie es begreift. Ein Hund …

Artikel lesen