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Ekstase bei Wales nach dem 2:1 durch Hal Robson-Kanu im EM-Viertelfinal gegen Belgien.
Bild: Martin Meissner/AP/KEYSTONE

Hal Robson-Kanu: Ein arbeitsloser Engländer schiesst Wales in den EM-Halbfinal

Gestern stand der walisische Stürmer Hal Robson-Kanu so richtig im Rampenlicht. Er schoss auf wundervolle Art den vorentscheidenden zweiten Treffer für Wales und brachte sein Team so in den EM-Halbfinal. Einen Klub hat der 27-Jährige aber seit gestern nicht mehr.

02.07.16, 13:45 02.07.16, 15:30
Janick Wetterwald
Janick Wetterwald

Gestern Abend wurde wieder eine dieser schönen Geschichten rund um den Fussball geschrieben. Wales zog sensationell gegen Belgien in den Halbfinal der Europameisterschaft ein. Ein Kapitel dieses Märchens ist besonders spannend. Jenes mit dem Titel: Hal Robson-Kanu. 

Das Märchen für Wales und Robson-Kanu geht weiter.
Bild: Petr David Josek/AP/KEYSTONE

Wer ist dieser walisische Stürmer eigentlich, der den belgischen Verteidigern gestern den Kopf verdrehte? Thomas Henry Alex Robson-Kanu, wie er mit vollen Namen heisst, ist 27 Jahre alt und in London geboren. Als Aktivfussballer spielte er bisher – abgesehen von ein paar Ausleihen – nur für den FC Reading. Bis gestern, denn sein wohl schönster Abend in seiner Fussballkarriere war gleichzeitig sein erster ohne Verein. 

Von den «Three Lions» zum Fussballzwerg

Dass Hal Robson-Kanu seit 2010 für die Nationalmannschft von Wales spielt, ist seiner walisischen Grossmutter zu verdanken. In seinen Jugendjahren spielte der Angreifer für die U19- und U20-Mannschaften der englischen Landesauswahl. 

Früher spielte Robson-Kanu (rechts) selber für England. An der EM spielte er in der Gruppenphase mit Wales gegen die «Three Lions». Bild: Kirsty Wigglesworth/AP/KEYSTONE

Doch er entschied sich dann, lieber für Wales spielen zu wollen. Nach drei Einsätzen für die U21 machte Robson-Kanu sein erstes Länderspiel für die A-Nationalmannschaft am 23. Mai 2010 in einem Testspiel gegen Kroatien. Er war danach nicht immer erste Wahl und sein erstes Tor schoss er erst knapp drei Jahre später im Duell mit Schottland. 

Während der Qualifikation für die EM 2016 fehlte der Stürmer nur in einem Spiel und gegen Zypern gelang ihm sein zweites Goal im Dress der «Dragons». Wales qualifizierte sich souverän für die Endrunde in Frankreich und in eben dieser gelingen Hal Robson-Kanu dann gleich zwei weitere, eminent wichtige Tore für sein Land. 

Der Siegtreffer in der Gruppenphase gegen die Slowakei

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Das geniale Tor gegen Belgien im Viertelfinal

streamable

Mit Wales reitet er nun auf einer Erfolgswelle, während die «Three Lions» nach der Schmach gegen Island ausgeschieden sind. Jetzt haben die Waliser und Robson-Kanu noch mindestens eine Möglichkeit, auf der grossen europäischen Fussballbühne für Furore zu sorgen.

«Goodbye» nach 12 Jahren

Auf Vereinsebene startete der Offensivspieler in der Jugend mit zehn Jahren beim FC Arsenal. Nach fünf Jahren schloss er sich 2004 dem FC Reading an. Nach weiteren drei Jahren in der Nachwuchsabteilung wurde er ein Teil der ersten Mannschaft. Sein erstes Tor in der League One, der dritthöchsten Spielklasse in England, erzielte er als 18-Jähriger gegen Nottingham Forest.

«Ich war sehr loyal zu meinem Klub, zwölf Jahre lang. In diesem Jahr habe ich beschlossen, die Zusammenarbeit zu beenden.»

Hal Robson-Kanu

Das Engagement in der 70 km westlich von London gelegenen Stadt wurde zur grossen Liebe über ganze zwölf Jahre. Insgesamt stehen für den Stürmer in 228 Spielen für den FC Reading 30 Tore und 26 Vorlagen auf dem Konto. «Ich war sehr loyal zu meinem Klub, zwölf Jahre lang. In diesem Jahr habe ich beschlossen, die Zusammenarbeit zu beenden. Es war wichtig für mich und meine Familie, meine Vertragssituation in der eigenen Hand zu haben. Das ist die Situation», sagt er selbst dazu.

Zwölf Jahre lang trug Robson-Kanu das blau-weisse Dress des FC Reading. Bild: Carl Recine/REUTERS

Nun sucht Hal Robson-Kanu nach der EM einen neuen Arbeitgeber. Er hat in den bisher fünf Spielen seine Visitenkarte auf der ganz grossen Fussballbühne abgegeben. Englische Premier-League-Vereine wie Watford, Swansea oder Southampton sollen ihr Interesse bekundet haben. 

Zuerst wird jetzt aber das walisische EM-Märchen weitergeschrieben. Den «Drachen» wird nach dem starken Auftritt gegen Belgien nun auch ein Sieg gegen die portugiesische Auswahl zugetraut. Hal Robson-Kanu hätte bestimmt auch nichts dagegen, wenn der Halbfinal nicht das letzte Kapitel in diesem Märchen wäre.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Bluetooth 02.07.2016 18:05
    Highlight Wales schafft mit ihrer erstmaligen Teilnahme bereits das, woran die Engländer seit 20 Jahren nicht imstande sind. Man rätselt immer über Englands ständiges Scheitern und meistens wird Premier League als Grund genannt. Der Erfolg Wales stellt da aber einen Widerspruch. Die Wales Spieler sind kaum von Engländer zu unterscheiden. Gleiche Liga, gleiche Löhne, etc. Irgendwie liegt es eben doch einfach an England.
    6 0 Melden

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