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Bei den Grossen mitmischen: Rene Weilers Zeit bei Anderlecht war eigentlich erfolgreich. Bild: EPA/EPA

«Irgendwie skurril» – Weiler muss zuschauen, wie Anderlecht von seiner Arbeit profitiert

Die Entwicklung beim RSC Anderlecht beobachtet René Weiler ausschliesslich aus der Ferne. Erstmals seit dem Ende seiner Ära beim belgischen Titelhalter meldet sich der Meister-Trainer zu Wort.

21.11.17, 08:35 21.11.17, 09:23

Vor knapp zwei Monaten braute sich in Brüssel Unappetitliches zusammen. Zwei, drei enttäuschende Ergebnisse, Pfiffe der Geringschätzung, mediale Abrechnungen. Mitten im Zentrum der allgemeinen Entrüstung: René Weiler, Anderlechts Meistermacher und Belgiens Trainer des Jahres. Im Mai hatte ihn die Klub-Ikone Gille Van Binst zum «Hero» erklärt, ein paar Wochen später entzog ihm das unberechenbare Umfeld des Royal Sporting Clubs ohne Vorwarnung die Zuneigung.

Die Aufstellung und die Tore – alles andere bewegt mich nicht mehr.»

René Weiler über Anderlecht

In einem Bistro in Zürich trinkt Weiler einen Cappuccino. Der 44-Jährige ging nach der aufwühlenden Trennung von RSC Anderlecht auf Distanz – nicht nur räumlich. Spiele seines Ex-Klubs schaute er sich keine mehr an. «Ich will nur noch wissen, wer aufgestellt wurde und die Tore geschossen hat. Alles andere bewegt mich nicht mehr.» Er habe viel verarbeitet, die Erinnerungen an das unwürdige Ende verblassen.

Am Mittwoch beschäftigt sich Weiler erstmals wieder ausführlich mit der Thematik Anderlecht. Als Experte des TV-Senders «Sky» beurteilt er das Champions-League-Heimspiel seines früheren Vereins gegen Bayern München. «Irgendwie skurril, oder? Ich sitze in einem Studio und schaue jener Mannschaft zu, die ich in diesen Wettbewerb geführt habe.»

«Die Arbeit bei einem grossen Klub in einem fremdsprachigen Land ist eine erstklassige Erfahrung.»

René Weiler

Mit der teilweise boulevardesken Aufarbeitung befassten sich in erster Linie seine scharfen Kritiker aus den grossen belgischen Verlagshäusern. Die Story bleibt diffus. Das Portal «Sport.be» mutmasste, der Schweizer sei primär aus vereinspolitischen Gründen unter Beschuss geraten. «Im Leben muss man wissen, wer die Macht hat», wurde der seit 2003 als RSC-Sportdirektor Herman Van Holsbeeck einmal zitiert.

Der Erfolg bleibt 

So unnötig sich das vorzeitige Aus im September nach wie vor anfühlt, so sehr bleibt das mehrheitlich erfolgreiche Engagement im persönlichen Palmarès haften. Weiler reanimierte einen stagnierenden Rekordchampion. Er behält eine spannende Bilanz in Erinnerung: «Wir schafften in der Europa League einen ausgezeichneten Parcours. Die Arbeit bei einem grossen Klub in einem fremdsprachigen Land ist eine erstklassige Erfahrung.»

René Weiler kann mit seiner Arbeit in Anderlecht zufrieden sein. Bild: AP/AP

Vorzuwerfen habe er sich wenig, betont Weiler im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. Die Freistellung verändert seine Eigenwahrnehmung nicht. Was gewisse Beobachter in seinem Arbeitskontext dann und wann als «schwierig» auslegen, formuliert der studierte Kommunikator anders: «Ich verfolge nur meine sportlichen Ziele konsequent. Seit Jahren.» Im Notfall ohne Rücksicht auf Reibungsverluste.

Nach Schema F ist nichts verlaufen. Weiler hat couragierte Klubwechsel hinter sich. Wie ein roter Faden zieht sich seine Intuition durch die bereits 16-jährige Laufbahn. Er ist ein- und aus freien Stücken wieder ausgestiegen. Schaffhausen, Aarau, Nürnberg, Anderlecht, seine letzten Klubs eint ein Fakt: Unter Weiler bewegten sie sich alle vorwärts, schafften wirtschaftlichen Mehrwert.

Komplimente von Fachleuten

Shkelzen Gashi, derzeit in der Major League Soccer in Colorado engagiert, erinnert sich an seinen ehemaligen Förderer, der ihm nach komplizierten Saisons in Aarau zum Durchbruch verhalf: «Mich beeindruckte sein Ehrgeiz und starker Siegeswille.» Dank seinem «guten Menschengespür» habe er das Optimum aus dem Team herausgeholt. «Sein Weg überrascht mich aufgrund seiner Qualitäten nicht.»

«René Weiler besitzt einen erstklassigen Ruf.»

Lucien Favre

Auch der international mit Abstand etablierteste Schweizer Coach der letzten Dekade hält für Weiler schöne Komplimente bereit: Lucien Favre kennt den Winterthurer Amtskollegen seit einer zufälligen Scouting-Begegnung in Buenos Aires vor 15 Jahren. Er müsse sich trotz dem bitteren Ende mit Anderlecht nicht zu viele Sorgen machen: «René hat bei einem renommierten Klub einen sensationellen Job gemacht. Er besitzt einen erstklassigen Ruf.»

Favre rät, die Auszeit zur Horizonterweiterung zu nützen: «Er muss reisen und Inputs aufsaugen – nicht nur im Sport, überall!» Zweifel seien nicht nötig: «Seine Quote als Coach ist gut. Er hatte überall Erfolg. Und selbst José Mourinho wurde schon zweimal nach einem Titelgewinn entlassen.»

Zurück in sein Zürcher Lieblingslokal im Kreis 7. Weiler röntgt das Fussball-Business, reiht gedanklich Erfolgsformeln aneinander. Er denkt vernetzt. Und er erwartet auch von anderen Fussball-Spezialisten, komplexe Zusammenhänge erkennen zu können. «Eine gewisse Qualifikation ist die Basis, um mitreden zu können.»

«Er fordert viel von jedem Einzelnen», sagt Gashi über Weiler. Diverse Sportchefs und Journalisten werden die Einschätzung des früheren Super-League-Topskorers bestätigen. Seine Anspruchshaltung endet nicht an den Kreidelinien des Spielfelds. Konfrontationen weicht er nicht aus, die Krisenkommunikation beherrscht er – für sie wurde der Hochschulabsolvent im Rahmen einer über 100-seitigen Masterarbeit sogar diplomiert. (abu/sda)

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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Weil den Bayern die Kaltschnäuzigkeit fehlt. Weil Goalie Sven Ulreich der grösste Patzer seiner Karriere unterläuft, auf den er wohl für immer reduziert werden wird. Aber auch, weil die Schiedsrichter keinen Mut haben, gegen Real Madrid zu pfeifen, wie gegen jeden anderen Klub auch. 

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