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Eine TV Camera bei dem Spiel FC Bayern Muenchen gegen IFK Goeteborg am 10. Dez. 1997. Der ARD Vorsitzende Fritz Pleitgen gab am Mittwoch, 21. Feb. 2001 in Koel bekannt, dass die Verhandlungen mit Rechte-Inhaber Kirch fuer die Uebertragungsrechte der naechsten Fussball-Weltmeisterschaften gescheitert sind.  (KEYSTONE/AP Photo/Uwe Lein)

Immer ausverkauft? Kameramann beim Champions-League-Spiel Bayern München – IFK Göteborg 1997. Bild: AP

Wie sich die UEFA 1991 die Zukunft des Fussballs vorstellte

Nach den nationalen Ligen nimmt heute Abend auch die Champions League ihren Spielbetrieb wieder auf. Längst haben wir uns daran gewöhnt, dass jede Partie live im Fernsehen gezeigt wird. Wir können deshalb kaum glauben, wie die UEFA-Haltung zu Live-Übertragungen 1991 aussah.



Wenn heute Abend der FC Basel den souveränen englischen Meisterschaftsleader Manchester City zum Achtelfinal-Hinspiel der Champions League erwartet, dann werden weltweit hunderte Millionen zuschauen. Schafft der Schweizer Serienmeister gegen den übermächtigen Favoriten eine Sensation? Klar, dass so ein Spiel überall im Fernsehen kommt.

Klar?! Nur nach heutigen Massstäben. Vor 27 Jahren sah das noch anders aus. Da sagte UEFA-Generalsekretär Gerhard Aigner Sätze wie diesen hier:

«Zu viel Fernsehen macht den Fussball kaputt!»

Gefunden hat die Aussage ein deutscher Fussballfreund, der beim Durchstöbern alter Kicker-Ausgaben darauf gestossen ist. Der hochrangige UEFA-Funktionär Aigner beklagt sich darüber, wie sehr das Fernsehen dem Sport schade:

«Heute erfährt der Zuschauer im Fernsehsessel doch viel mehr als durch einen Stadionbesuch: Zeitlupe, tolle Perspektiven – wenn er Glück hat, sogar eine Antwort auf die Frage, was der Linienrichter zum Mittag gegessen hat. Auch wenn das Gewinnstreben der betroffenen Klubs, die nur den kurzfristigen Erfolg sehen, manchmal unersättlich ist, müssen wir aufpassen, dass das Publikum nicht übersättigt wird.»

Der UEFA-Generalsekretaer Hans Bangerter, links, wurde am 18. Dezember 1988 in Bern aus seinem Amt, das er waehrend 29 Jahren ausgeuebt hatte, offiziell verabschiedet. Seine Nachfolge wird am 1. Januar 1989 sein langjaehriger Mitarbeiter, Gerhard Aigner, rechts, antreten. (KEYSTONE/Str)

Gerhard Aigner (rechts) 1988 mit seinem Vorgänger Hans Bangerter. Bild: KEYSTONE

27 Jahre später haben wir noch viel mehr Perspektiven und noch detailliertere Zeitlupen, wenn wir Fussball im TV anschauen. Und je nach Sender erfahren wir auch, was die Linienrichter vor dem Spiel gegessen haben.

Aigner erklärt weiter, die UEFA habe das Problem erkannt, welches immer akuter werde. Problematisch sei im Besonderen die Tatsache, dass immer mehr TV-Sender über Satelliten und damit grenzüberschreitend ausstrahlen würden.

«Die Folge: Jeder kann bald, egal wo er sich in Europa befindet, beliebig oft Fussball-Übertragungen empfangen. Er braucht nur den Fernseher einzuschalten. Eine schlimme Vision.»

Längst ist die Vision zur Realität geworden. Wir können in der Schweiz live dabei sein, wenn in der portugiesischen, belgischen oder schottischen Liga gespielt wird. Theoretisch zumindest, praktisch machen das nur wenige.

Aigner nennt in seiner Kolumne von 1991 ein Beispiel, vor dem er warnt. Wenn Inter Mailand mit dem deutschen Trio Jürgen Klinsmann, Lothar Matthäus und Andreas Brehme am Sonntagnachmittag live über den Bildschirm flimmere, dann könnte der Amateurfussball in Deutschland auf der Strecke bleiben. «Was also tun?», fragt der UEFA-Generalsekretär, und er schlägt vor:

«Wir müssen ein wöchentliches Zeitraster erstellen, das für ganz Europa gilt. Wir müssen also Phasen einführen, eventuell ganze Wochentage bestimmen, an denen in ganz Europa im Fernsehen kein Fussball übertragen werden darf.»

Mach' diesen Vorschlag mal heute! 😂

Dass die Umsetzung dieses Vorhabens eine schwierige Aufgabe sei, war sich Aigner schon damals bewusst. Aber spätestens in der zweiten Jahreshälfte 1991 werde man konkrete Verhandlungen führen. Denn:

«Die Zeit drängt.»

From left to right Austrian Friedrich Stickler, Austrian U19 soccer player Susanne Gahleitner, UEFA Chief Executive Gerhard Aigner, Swiss U17 soccer player Philippe Senderos and Swiss Ralph Zloczower, right, President of Swiss football Federation, ASF, after the handing over of the bid documents during a ceremony to promote the joint Austria-Switzerland bid to host the Euro 2008 European soccer championships, at the UEFA headquarters, in Nyon, Switzerland, on Wednesday, June 19, 2002. Seven different countries or groups of countries are candidates for the 2008 European soccer championship.(KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Gerhard Aigner 2002 mit Philippe Senderos und SFV-Präsident Ralph Zloczower bei der Präsentation der Kandidatur Schweiz/Österreich für die Euro 2008. Bild: KEYSTONE

In besagtem September 1991 gibt Gerhard Aigner dem «Tages-Anzeiger» ein längeres Interview, in dem er den UEFA-Standpunkt erneut bekräftigt. Man sei im Dauerclinch mit der EG (Europäische Gemeinschaft, der Vorläufer der Europäischen Union). Aigner erklärt, dass die Bestimmungen des Fussballverbands so seien, dass ein nationaler Fussballverband das Recht haben muss, eine Übertragung aus dem Ausland abzulehnen, wenn beispielsweise Meisterschaftsspiele der eigenen Liga angesetzt sind. Für die EG sei das nicht akzeptabel, jederzeit müssten auf dem nationalen Markt auch die internationalen TV-Bilder konkurrieren dürfen.

«Im Klartext bedeutet das: Es können unaufhörlich Spiele in grosser Zahl ausgestrahlt werden. Dagegen wehrt sich die UEFA: Wir wollen weniger Fussball am Fernsehen.»

Tatsächlich, das hat er gesagt: «Wir wollen weniger Fussball am Fernsehen.» Man kann es kaum glauben. Aigner holt erneut zum Rundumschlag gegen das Satellitenfernsehen aus.

«Das Satelliten-TV ist zweifelsohne das grösste Gift für den Sport. Die bezahlen erstens nichts und streuen ihre Bilder zweitens wahllos überall. So wird der Fussball total degradiert. Die bringen ihn am Morgen, während der Mittagspause, die zeigen das Spiel vom letzten Jahr, das Vorspiel der Junioren. Die zeigen einfach alles, wahllos, ohne Konzept. Da drehen sich die Leute über kurz oder lang einfach weg vom Fussball, weil sie total übersättigt sind.»

UEFA Executive Director Gerhard Aigner during the Euro 2004 draw at Atlantico pavillon in Lisbon, Sunday 30 November 2003.  EPA/TIAGO PETINGA

Gerhard Aigner 2003 bei der Gruppen-Auslosung für die EM 2004. Bild: EPA LUSA POOL

Zwischen den Zeilen wird klar, was die UEFA wirklich will: Die Hoheit über die Bilder. Sie hat erkannt, dass mit diesen Rechten viel Geld gemacht werden.

«Wir wollen selbständig entscheiden können, was, wann, wo im Fernsehen gezeigt wird.»

Ein Meilenstein ist in diesem Zusammenhang die Gründung der Champions League, die 1992/93 starten wird. Die Fernsehrechte hat sich die UEFA selber zugeschanzt. Sie vermarktet die Champions League, nicht die Klubs, keine Landesverbände, keine Fernsehstationen.

«Die UEFA hat keine andere Wahl. Wenn sie nicht die Kontrolle übernimmt, dann macht dies jemand anderer, und bestimmt nicht zum Wohl des Sports, sondern einzig aus kommerziellen Interessen.»

Das Resultat ist bekannt: Die Champions League wird zur einzigartigen Erfolgsgeschichte. Und zur Gelddruckmaschine, die der UEFA und den beteiligten Klubs Millionen in die Kassen spült. In der laufenden Saison rechnet der europäische Fussballverband mit Europacup-Bruttoeinnahmen von 2.35 Milliarden Euro.

Ein Problem ist aber immer noch das gleiche wie vor 27 Jahren: Nämlich die Gefahr, dass sich Zuschauer übersättigt vom TV-Fussball abwenden. Bloss scheint das heutzutage allen Beteiligten egal sein. Die Zitrone wird weiter ausgepresst, solange sie noch Saft hat.

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    Alle Leser-Kommentare
  • nJuice 14.02.2018 04:48
    Highlight Highlight Senderos mit Haaren o_O

    Zum Artikel: Neben Dauerübertragung und exorbitanten Preisen (in allen Bereichen) trägt auch die Professionalisierung der Jugend dazu bei, dass Fussball langweilig wird.
    Ab 12 werden die Jungs in Akademien gesteckt und auf Linie gebracht, Individualismus und Ecken/Kanten werden underdrückt und weggeschliffen. Rauskommt Einheitsbrei, passé die Zeiten, in denen noch Strassenfussballer die Ligen auffrischten.

    Der einzige Verein, der dem ich Geld gebe, ist der FC Winti. Das kann man mitunter zwar auch nicht als Fussball bezeichnen, es ist aber noch einigermassen ehrlich.
  • Toerpe Zwerg 13.02.2018 20:19
    Highlight Highlight Tja, wenn Sendungsbewusstsein und Sachverstand negativ korellieren ...
  • Bruno S. 88 13.02.2018 19:57
    Highlight Highlight "Wir können in der Schweiz live dabei sein, wenn in der portugiesischen, belgischen oder schottischen Liga gespielt wird. Theoretisch zumindest, praktisch machen das nur wenige."

    Das bezweifle ich doch sehr stark, dass in der Schweiz der portugiesische Fussball kaum geschaut wird...wenn man bedenkt wieviele portugiesen hier leben! 😂 Mich eingeschlossen!
    Morgen übrigens Porto gegen Liverpool in der Champions League. Die langweiligen Portugiesen aus Porto haben es wieder in die KO Runde geschafft und sind unter den Top 10 Teams mit den meisten Teilnahmen der KO Phase CL! 😎
  • Ohniznachtisbett 13.02.2018 19:38
    Highlight Highlight Ich bin längst übersättigt. Schaue deutlich weniger Fussball. Keine Identifikationsfiguren, keine Vereinstreue, nichts mehr. Die gierigen Neymars und Aubameyangs sind Nutten die für den Höchstbietenden Spielen und ihre Zuhälter (nennen sich Berater) sahnen kräftig ab. Wo sind die Spieler die auch für eine Mio weniger spielen, dafür zur Vereinslegende werden?
  • bobi 13.02.2018 18:13
    Highlight Highlight Interessant die Aussage. Ich finde es jedoch nicht unbedingt i.o., wie der Kommentar ein Stück weit ins lächerliche gezogen wird. Insbesondere für kleinere Ligen hat das Fernsehen den Fussball kaputt gemacht. Ich bin überzeugt, dass die Super League ohne internationalen Fussball im Fernsehen mehr Zuschauer in den Stadien hätte!
    • Binnennomade 13.02.2018 20:04
      Highlight Highlight Absolut einverstanden. Wobei ich gestehen muss, dass mir jeweils graust, wenn ich in ein Nati A Spiel reinzappe. Ist halt schon nicht gleich geil zum zuschauen wie die englische Liga oder die deutsche.
    • w'ever 13.02.2018 20:30
      Highlight Highlight evt hätte die super leage mehr zuschauer in den stadien wenn im tv weniger internationale ligen gezeigt werden würde, aber vielleicht liegt es auch an den eintrittspreisen, gewissen stadien, der familienunfreundlichkeit, der vermarktung und(!) der berichterstattung (zbsp sportpanorama und live), dass es nicht mehr zuschauer hat
    • bobi 13.02.2018 23:29
      Highlight Highlight @ Binnennomade: Dann wüssten wir nichtmal, dass die Schweizer Liga schlechter ist ;)
  • rööni 13.02.2018 17:23
    Highlight Highlight Würde gerne wissen ob er heute immernoch hinter seiner damaligen Meinung steht oder ober jezt auch die finanziellen vorteile für den sport gesehen hat die von den ganzen übertragungen reinkommen?
  • Zwingli 13.02.2018 17:05
    Highlight Highlight «Zu viel Fernsehen macht den Fussball kaputt!»

    wie recht diese aussage war.
    • Bruno S. 88 13.02.2018 17:50
      Highlight Highlight Ich habe keine Zeit und kein Geld meinen Leiblingsclub bei jedem Spiel im Stadion zu unterstützen. Trotzdem möchte ich sehen wie sie spielen. Warum soll Fussball im TV was schlechtes sein?! Es besteht doch ganz klar ein Bedürfnis der Zuschauer den Fussball und alles drum herum im TV und im Internet zu verfolgen.
  • 4TheHorde 13.02.2018 17:05
    Highlight Highlight Naja, ich verstehe ihn ja schon, ich meine : Dass Internet, welches für uns alle Neuland ist, ist doch sowieso nur so ein Jugend-Hype ... der geht bald vorbei - ist nur so eine phase ... :)

    Mein Opa sagte immer : internet ist nur eine modeerscheinung ...


    :'D :'D :'D
    #Neuland

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