Sport

Die Young Boys beim Abschlusstraining im Olympiastadion von Kiew Bild: KEYSTONE

«Wir haben eine realistische Chance» – schon die erste Hürde ist für YB hoch

Für die Young Boys ist schon die erste Hürde auf dem Weg in die Champions-League-Gruppenphase eine hohe. In der 3. Qualifikationsrunde treffen sie auf den Traditionsklub Dynamo Kiew. Heute Abend steigt das Hinspiel in der Ukraine.

26.07.17, 09:01

Eine Parallele zwischen den in der internationalen Wahrnehmung unterschiedlichen Klubs war am Wochenende auszumachen. Beide spielten in ihren noch jungen Meisterschaften gegen den jeweiligen Meister und siegten ohne Gegentor: YB daheim gegen Basel 2:0, Dynamo Kiew bei Schachtar Donezk 1:0.

«Wir gehen als Aussenseiter ins Spiel.»

Adi Hütter, Trainer YB

YB und Dynamo sind in den europäischen Klubwettbewerben noch nie aufeinandergetroffen. Dafür dürfte es vielen noch in frischer Erinnerung sein, dass die Berner vor einem Jahr ebenfalls in der 3. Qualifikationsrunde das innerhalb der Ukraine dominierende Schachtar Donezk im Penaltyschiessen aus dem Rennen warf. Mit einer ähnlich guten Gesamtleistung wird die Mannschaft von Trainer Adi Hütter auch gegen Dynamo nicht chancenlos sein. Schachtar gewann die letzte Meisterschaft der Ukraine mit elf Punkten Vorsprung auf Dynamo.

Hütter zog an der Pressekonferenz nach dem Abschlusstraining ein kurzes Fazit: «Wir gehen als Aussenseiter ins Spiel, haben aber eine realistische Chance.»

David von Ballmoos spricht nach dem Abschlusstraining. Video: YouTube/BSC Young Boys

Die Berner haben aus dem vorzüglich geglückten Meisterschaftsstart vor mehr als 31'000 Zuschauern Moral und Selbstvertrauen geschöpft, wie Adi Hütter sagte. Für ihn sei es vor allem wichtig gewesen zu sehen, dass die Mannschaft gegen Basel kaum nennenswerte Chancen zuliess und zu null spielte. «Gerade dieses Zu-Null ist für uns sehr wichtig», sagte der Vorarlberger weiter.

Yoric Ravet spricht über den Erfolg gegen Basel und das Duell mit Kiew. Video: YouTube/BSC Young Boys

Der junge, vom FC Winterthur aus der Challenge League zurückgeholte Goalie David von Ballmoos spürt schon das Vertrauen seiner Vorderleute. Er strahlte im Match gegen Basel viel Sicherheit aus. Seine Parade beim Stand von 2:0 kurz vor Schluss – er entschärfte mit den Fingerspitzen einen platzierten und scharfen Flachschuss von Michael Lang – war von erster Güte. Es scheint, dass der Emmentaler das Potential hat, um den in die Bundesliga gezogenen Yvon Mvogo zumindest auf die Dauer vollwertig zu ersetzen.

Das pure Gegenteil von Schachtar

Mit dem aktuellen Meister Schachtar Donezk hat sich Dynamo Kiew 25 von 26 Meistertiteln seit der Unabhängigkeit der Ukraine und der Gründung der «Premjer Liha» geteilt. Dynamo wurde 15 Mal Meister – von 1993 bis 2001 ohne Unterbruch –, Schachtar 10 Mal. Im Unterschied zu Donezk setzen die Hauptstädter vorwiegend auf einheimische Spieler. Als sie am Wochenende das Schlagerspiel in Donezk – die Meisterschaft ist erst zwei Runden alt – 1:0 gewannen, hatten sie zwölf ukrainische Spieler im Kader, sieben von ihnen in der Startformation.

Der Star und Captain der Mannschaft ist der in der Ukraine eingebürgerte Stürmer Andrej Jarmolenko aus St. Petersburg. Trotz seiner erst 28 Jahre steht der Ausnahmespieler bereits in seiner zehnten Saison in Kiew. In dieser Zeit traf er 81 Mal für Dynamo und 63 Mal für die Nationalmannschaft.

Andrej Jarmolenko ist der unbestrittene Leader von Dynamo Kiew. Bild: AP/AP

Blickt man in die frühere Vergangenheit zurück, entpuppt sich Dynamo als Schwergewicht im osteuropäischen Fussball und als Schwergewicht im europäischen Fussball überhaupt. Zu den Zeiten der Sowjetunion wurde Dynamo von 1961 bis 1991 in einer starken Konkurrenz 13 Mal Meister. 1975 und 1986 gewann es den Europacup der Cupsieger. Im Meistercup respektive in der Champions League stiess die Mannschaft dreimal in die Halbfinals vor (1977, 1987, 1999).

Drei Legenden, die jeder kennt

Drei Namen sind untrennbar mit der Klubgeschichte verbunden: Stürmer Oleg Blochin, mittlerweile 65 Jahre alt, stürmte ab 1969 während 19 Saisons für Dynamo. Stürmer Andrej Schewtschenko, heute 41-jährig und ukrainischer Nationalcoach, wurde bei Dynamo gross, ehe er ab 1999 bei Milan sieben grossartige Jahre erlebte.

84 Tore für Dynamo Kiew: Andrij Schewtschenko hat den ukrainischen Vorzeigeklub lange geprägt. Bild: AP

Der langjährige, 2002 verstorbene Stürmer Waleri Lobanowski machte sich vor allem als Nationaltrainer der UdSSR und der Ukraine einen Namen. Ab 1997 coachte er fünf Saisons lang seinen Stammklub Dynamo. Alle drei – Blochin, Schewtschenko, Lobanowski – sind Persönlichkeiten im Weltfussball. (pre/sda)

Die grössten Schweizer Europacup-Erfolge im Fussball

Unvergessene Schweizer Fussball-Geschichten

25.11.2009: Das beste Fussball-Musikvideo aller Zeiten erscheint auf Youtube – über den FC Aarau

15.11.2009: Die Schweiz ist Fussball-Weltmeister! Die U17-Nati setzt ihrem Höhenflug die Krone auf

22.02.2004: St.Gallens Kultfigur «Zelli» muss in der Not ins Tor und kratzt den Ball in «seiner» Ecke

30.09.2009: Dank Tihinens Hackentrick, «abgeschaut bei einem finnischen Volkstanz», bodigt der FC Zürich das grosse Milan

07.12.2011: Der FC Basel schmeisst Manchester United aus der Champions League und Steini, der Glatte, schiesst den Ball an die Latte

05.12.2004: Paulo Diogo gewinnt mit Servette wichtige Punkte im Abstiegskampf – und verliert dabei einen Finger

12.11.2002: Basel holt gegen Liverpool ein 3:3 und Beni Thurnheer schwärmt: «Dieses Spiel müsste man zeigen, wenn ich gestorben bin»

01.11.1989: Nur durch einen Witz-Penalty zwingt Diego Maradonas Napoli die tapferen Wettinger in die Knie

21.10.2013: Pajtim Kasami hämmert «einen der schönsten Volleys überhaupt» ins Crystal-Palace-Tor und verzückt sogar Andy Murray

08.10.2010: Vucinic lässt der Schweiz die Hosen runter und trägt sie als Kopfschmuck

07.10.1989: Der «Fall Klötzli» – vier Wettinger gehen auf den Schiri los, weil dieser Sekunden vor dem Ausgleich abpfeift

20.11.1996: Wegen 20 fatalen Minuten landet Champions-League-Überflieger GC in Glasgow auf dem harten Boden der Realität

25.9.1996: Murat Yakin sticht mit seinem Freistoss mitten ins Ajax-Herz und bringt Mama Emine zum Weinen

10.09. 2008: Luxemburgerli vernaschen? Denkste! – Die Schweizer Nati kassiert die bitterste Niederlage ihrer Geschichte

07.09.2005: Nati-Goalie Zuberbühler kassiert auf Zypern ein Riesen-Ei und schiebt die Schuld dafür dem «Blick» in die Schuhe

29.09.1971: Statt «allzu augenfällig im Spargang» die Pflicht zu erledigen, sorgt GC für den höchsten Schweizer Europacup-Sieg aller Zeiten

01.09.2007: Mit dem letzten Spiel im Hardturm-Stadion gehen 78 Jahre Geschichte zu Ende

11.08.2010: Moreno Costanzo schiesst mit seiner ersten Ballberührung als Natispieler gleich den Siegtreffer

09.08.2009: Basel-Goalie Costanzo wird für drei Spiele gesperrt – nach einer Attacke auf den eigenen Mitspieler

26.06.1954: Die Schweiz kassiert gegen Österreich in der «Hitzeschlacht von Lausanne» eine ihrer bittersten Niederlagen

26.06.2006: «Züngeler» Streller leitet das peinliche Schweizer Penalty-Debakel ein

30.07.2000: Nur GC-Milchbubi Peter Jehle steht noch zwischen FCB-Legende Massimo Ceccaroni und seinem allerersten Tor

03.05.1994: Mit dem Sonderflug zur spontanen Aufstiegsfeier auf den Barfi

01.05.1993: Marc Hottigers Knallertor versenkt Italien – und er verärgert die Azzurri danach mit einer frechen Leibchentausch-Bitte 

30.04.2011: Cabanas fordert vom Basler Schiri Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

26.04.2003: Colombas Goalie-Goal lässt Razzetti alt aussehen und den FC Aarau unabsteigbar bleiben

13.11.1991: Weil die Schweizer Nati in der «Hölle von Bukarest» auf 0:0 spielt, vergeigt sie die EM-Qualifikation im letzten Moment doch noch

16.11.2005: Die Nacht der Tritte und Schläge – einer der grössten Nati-Erfolge verkommt zur «Schande von Istanbul»

26.09.1995: Luganos Carrasco bringt mit seiner Banane Gianluca Pagliuca und das grosse Inter Mailand zum Weinen

24.04.1996: Das Ende von Nati-Trainer Artur Jorge nimmt ausgerechnet mit dem einzigen Sieg seiner kurzen Ära den Anfang 

12.04.2004: Der grosse Robbie Williams führt den kleinen FC Wil zum Cupsieg gegen GC

16.04.2009: «Jawoll, jawoll, jawoll, jawoll … YB isch im Göppfinau!»

30.05.1981: Der Wolf und seine «Abbruch GmbH» entfachen mit dem 2:1-Sieg gegen England eine neue Fussball-Euphorie

18.06.1994: Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

07.03.2007: Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Alle sagen, moderner Fussball sei super. Ich sage: Im modernen Fussball haben sich Saumoden eingenistet, die mich laufend kotzen lassen

Gestern. Chelsea vs. PSG. Ibrahimovic foult Oscar. Rote Karte. Rudelbildung. Rudelbildung! Gefühlte 45 Minuten Rudelbildung! 

Von den Junioren bis zum Erreichen des Champions-League-Niveaus spielen Profis ungefähr eine Zillion Spiele und erleben dabei eine Zillion strittige Szenen. Und in wie vielen Fällen hat der Schiedsrichter seine Meinung geändert? Nie.

Nie.

Fucking NIE!

Meiner zweijährigen Tochter brauche ich die Dinge zwischen zwei- bis fünfmal zu sagen, bis sie es begreift. Ein Hund …

Artikel lesen