Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Der Moment, in dem Neil Taylor das 2:0 für Wales erzielt. Bild: Andrew Medichini/AP/KEYSTONE

Wales-Torschütze Neil Taylor: Als er das letzte Mal traf, sahen dies in der 5. Liga nur 300 Zuschauer

Der walisische Linksverteidiger Neil Taylor reihte sich gestern als Torschütze zwischen die beiden Stars Aaron Ramsey und Gareth Bale. Bemerkenswert: Sein letztes Tor schoss Taylor vor mehr als sechs Jahren in der fünfthöchsten englischen Liga.

21.06.16, 10:50 21.06.16, 14:23
Janick Wetterwald
Janick Wetterwald



Mein Trainer sagte kürzlich in einer Teamsitzung: «Der Schwachpunkt einer Mannschaft ist oft der linke Aussenverteidiger.» Ganz unrecht hat er damit bestimmt nicht, denn auf keiner Position gibt es weniger Weltklasse-Spieler. 

Taylor feiert den Sieg gegen Russland mit seinen Kindern. Bild: VINCENT KESSLER/REUTERS

Ein solcher Linksverteidiger machte gestern aber positiv auf sich aufmerksam: Neil Taylor. Bis vor dem Russland-Spiel kannte den 27-jährigen walisischen Nationalspieler fast niemand – bis er gegen die Sbornaja das vorentscheidende 2:0 für sein Land erzielte und den Traum vom Einzug ins Achtelfinale realer werden liess.

Es war sein erstes Tor als Profi seit dem 10. April 2010. 

Das 2:0 von Neil Taylor im Spiel gegen Russland.
streamable

Umweg über Wrexham

Mit neun Jahren wechselt der in Ruthin (Wales) geborene Neil John Taylor in die Jugendmannschaft von Manchester City. Nach sieben Jahren beim englischen Spitzenverein zwang ihn eine Verletzung zu einem Transfer. Trotz guten Aussichten auf einen Platz in einem neuen Topteam der Premier League wechselte der Verteidiger mit indischer Abstammung – seine Mutter kommt aus Kalkutta – zum FC Wrexham.

Neil Taylor im Einsatz für den FC Wrexham.
dailypost.co.uk

Wrexham ist nur 30 Kilometer von seiner Heimatstadt Ruthin entfernt und der Fussballklub spielt in der fünfthöchsten englischen Liga. Im Jahr 2007 schaffte der Defensivspieler den Sprung vom Jugendteam in die erste Mannschaft des Provinzvereins. Nach drei Jahren wurde sein Abgang bekannt und im letzten Spiel für Wrexham schoss Taylor sein bisher letztes – und bis dahin drittes – Tor als Profi. Vor 300 Zuschauern.

Taylor trifft für Wrexham zum 2:0 gegen Grays Athletic.
streamable

Aufstieg in die Premier League

Der damals 21-Jährige wechselte anschliessend zu Swansea City. Eigentlich war der Linksverteidiger ablösefrei zu haben, doch weil er noch nicht 24 Jahre alt war, musste Swansea 150'000 Pfund nach Wrexham überweisen. Zudem sicherte sich der alte Verein 10 Prozent aller zukünftigen Transfererlöse ihres Juwels – ein Deal, der sich noch lohnen könnte.

«Immer wenn ich Swansea spielen sah, hat mich das Team begeistert.»

Neil Taylor vor seinem Wechsel zum FC Swansea

Neil Taylor im Dress von Swansea gegen Willian vom FC Chelsea.
Bild: Getty Images Europe

Denn der Aufstieg von Neil Taylor ging weiter. Er spielte sich sofort in die Startformation bei Swansea und das Team machte den Aufstieg in die Premier League perfekt. Im September 2012 verletzte sich der Waliser am Knöchel und musste operiert werden – in der gleichen Saison holte sein Team den League Cup. Diesen Rückschlag steckte der Defensivmann gut weg und wurde wieder zum Stammspieler. Sein Vertrag bei den «Schwänen» verlängerte er gerade erst bis ins Jahr 2019 und sein Marktwert steht bei fünf Millionen Franken. Aktuell ist Taylor auch der einzige Spieler in der Premier League mit indischer Abstammung.

Marktwertentwicklung von Neil Taylor

printscreen: Transfermarkt.com

Der geduldige Weg in der Nati

In der Nationalmannschaft von Wales durchlief Taylor ab der U17 sämtliche Jugendauswahlen. Sein Debüt für die A-Nati gab er knapp einen Monat nach seinem bisher letzten Tor im Mai 2010 in einem Freundschaftsspiel gegen Kroatien. Danach war der Verteidiger aber lange nicht immer gesetzt – bis zur Qualifikation zur EM-Endrunde in Frankreich

Das ganze Team feiert den Torschützen Neil Taylor. Bild: MICHAEL DALDER/REUTERS

In dieser Qualifikation verpasste Neil Taylor nur das letzte Spiel, als Wales das Ticket für die EM bereits gelöst hatte. Auch in den bisher drei EM-Spielen stand der 27-Jährige jeweils über die vollen 90 Minuten auf dem Platz. Die Krönung folgte gestern mit seinem Tor nach einer Durststrecke von insgesamt 208 Spielen (Klub und Nationalteam) ohne Treffer.

Und schon wird Taylor mit den Stars verglichen ;)

Mit seinem 2:0 ebnete Taylor für Wales den Weg ins Achtelfinal an der EM – da geht nun also die Geschichte des Linksverteidigers weiter. 

WAGs im Stadion an der Euro 2016

EM 2016: Wichtige Infos zum Fussballturnier in Frankreich

Hier wird gespielt: Die 10 Stadien der Fussball-EM 2016 in Frankreich

Der Spielplan der Fussball-EM 2016 in Frankreich: Die Gruppenphase

So schnitt die Schweizer Fussball-Nati bei ihren bisherigen EM-Auftritten ab

Das Maskottchen der EM 2016 in Frankreich: «Salut, je m'appelle Super Victor!»

«Beau jeu» – der offizielle Ball der EM 2016 verspricht ein schönes Spiel

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

Abonniere unseren Daily Newsletter

1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • OBJ 21.06.2016 11:00
    Highlight Für solche Geschichten liebe ich den Sport. Danke Watson!
    26 1 Melden

Aus der Provinz zurück ins Rampenlicht: Xherdan Shaqiri ist jetzt Liverpooler

Xherdan Shaqiri vollzieht innerhalb von England einen bemerkenswerten Wechsel. Premier-League-Absteiger Stoke City einigt sich mit dem FC Liverpool auf einen 17-Millionen-Franken-Deal.

Der nächste Profi mit Super-League-Erfahrung nach der Liga-Attraktion Mohamed Salah (ex Basel) betritt ein schwieriges Pflaster. Die Erwartungen beim Finalisten der letzten Champions-League-Saison sind um ein Vielfaches höher als in Stoke-on-Trent. Dem FC Liverpool folgen rund um den Globus mehrere 10 Millionen Anhänger.

Shaqiri wird bei Liverpool mit der Rückennummer 23 spielen – so wie auch in der Schweizer Nationalmannschaft.

Jürgen Klopp dirigiert in Anfield einen Klub, der im letzten …

Artikel lesen