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FILE - In this Monday, Sept. 4, 2017 filer, Poland's Robert Lewandowski,left, celebrates scoring their third goal from the penalty spot with Kamil Grosicki during the World Cup Group E qualifying soccer match between Poland and Kazakhstan at National stadium in Warsaw. (AP Photo/Czarek Sokolowski, File)

Torjubel Marke «Austin-Powers»-Schurke Dr. Evil: Polens Goalgetter Robert Lewandowski. Bild: AP

Dank diesem Schlupfloch hat sich Polen in Topf 1 der WM-Auslosung getrickst

Wieso ist eigentlich Polen morgen bei der Auslosung der WM-Gruppen eine gesetzte Nation und Spanien nicht? Weil die Osteuropäer das Reglement gut studiert haben und es darauf angelegt haben, als Gruppenkopf gesetzt zu sein.



Mit Weltranglisten ist es immer so eine Sache. Rafael Nadal ist der beste Tennis-Spieler des Jahres 2017 – auch wenn besonders das Schweizer Gefühl sagt, dass das doch eher Roger Federer sein müsse. Schliesslich gewann der «Maestro» alle vier Direktduelle in dieser Saison und holte einen Titel mehr (bei je zwei Grand-Slam-Triumphen). Grundsätzlich ist die Weltrangliste im Tennis jedoch weit herum anerkannt.

Auch im Fussball existiert eine Weltrangliste. Ihr Stellenwert ist allerdings nicht gross. Viele Fans schütteln jeweils den Kopf, wenn allmonatlich das neuste FIFA-Ranking erscheint. Wichtig ist die Rangliste aber trotzdem. Denn sie bestimmt, wer bei Auslosungen in welchem Lostopf ist.

epa06355352 Chinese tourists pose in front of a clock counting down to the opening match of the FIFA World Cup 2018 on Manezhnaya Square in front of Moscow Kremlin in Moscow, Russia, 28 November 2017. The Final Draw for the FIFA World Cup 2018 in Russia will take place in Moscow on 01 December 2017.  EPA/SERGEI ILNITSKY

Der Countdown läuft: In Moskau wird morgen gelost und in 189 Tagen beginnt bereits die WM. Bild: EPA

So schaffte es für die WM 2018 in Russland mit Polen ein Team in Topf 1, das vor vier Jahren in Brasilien nicht einmal dabei war. Dafür findet sich Spanien, immerhin Weltmeister 2010, Europameister 2008 und 2012, nur in Topf 2 wieder (wie die Schweiz). Wie kommt es dazu?

Diese Frage hat sich auch das deutsche Fachblatt «Kicker» gestellt – und eine Antwort gefunden. Die Arithmetik der Weltrangliste ist ein Faktor, das in diesem Fall clevere Verhalten des polnischen Verbands der zweite.

So kommt die Rangliste zustande

Für das Erstellen der Weltrangliste werden Resultate, die Bedeutung der Partie sowie die Qualität und Herkunft des Gegners zusammengerechnet. Das klingt komplizierter als es ist. Die Formel lautet P = M x I x T x C. Für jedes Spiel gibt es Punkte (P), die zustande kommen durch Multiplikation von Resultat (M), Wichtigkeit des Spiels (I), Position des Gegners in der Weltrangliste (T) und welchem Teilverband der Gegner angehört (C). Anschliessend werden diese Punkte nicht addiert, sondern es wird ihr Durchschnitt genommen. Weshalb dies entscheidend ist, sehen wir gleich.

Poland's Robert Lewandowski celebrates scoring with teammates during the World Cup Group E qualifying soccer match between Poland and Montenegro at National stadium in Warsaw, Poland, Sunday, Oct. 8, 2017. (AP Photo/Czarek Sokolowski)

Fans und Mitspieler feiern den 16-fachen Qualifikations-Torschützen Lewandowski (Zweiter von rechts). Bild: AP

Das System hat seine Schwächen, «haarsträubend» nennt sie der «Kicker». Manche Nationen würden sich diese ganz offensichtlich systematisch zunutze machen, um im Ranking aufzusteigen. Auch deshalb schaffte es Polen, sich in Los-Topf 1 für die WM-Auslosung zu schmuggeln. Denn Polen, das in der Qualifikation starke 25 von möglichen 30 Punkten holte, vermied jegliche Testspiele. Kein einziges trugen Robert Lewandowski und Co. zwischen dem 15. November 2016 und dem 9. November 2017 aus.

Zu grosse Gefahr, in einem Test Punkte liegen zu lassen

Die Polen verzichteten auf Freundschaftsspiele, um ihre tolle Bilanz nicht zu gefährden. Gewinnen lässt sich für die Weltrangliste eh nicht viel in einem Testspiel. Sie werden mit dem Faktor 1 berücksichtigt, Partien in der WM- oder EM-Qualifikation hingegen mit dem Faktor 2,5. Konkret: Ein 8:0-Sieg gegen Gibraltar ist zweieinhalb Mal wertvoller, wenn er in einem Pflicht- und nicht in einem Testspiel erfolgt. Aber die Gefahr ist gross, dass der Punkteschnitt bei einem Unentschieden oder einer Niederlage sinkt. Denn für die Weltrangliste ist jedes Spiel gleich wertvoll, ob es nun der WM-Final ist oder Test-Kick. Wenn die Punkte aller Partien addiert werden und der Schnitt davon genommen wird, dann zählt jedes Spiel als ein Spiel.

So verlor Italien 2013 Plätze, weil es in einem Benefiz-Länderspiel gegen das bescheidene Haiti bloss 2:2 spielte. Die Italiener dürften die Partie nicht überaus ernst genommen und die Weltrangliste kaum im Kopf gehabt haben. Und England testet zwar oft gegen andere grosse Nationen, kriegt dabei aber öfter aufs Dach. Das zieht den Schnitt herunter – Topf 2 morgen in Moskau ist die Folge.

Polen profitierte davon, dass auch Rumänien den Trick anwendete

Dass es sich lohnt, auf die Weltrangliste zu achten, haben die Polen bewiesen. Sie sind aber nicht die erste Nation, die das Schlupfloch in der Weltranglisten-Berechnung entdeckt und ausgenutzt hat. Der «Kicker» nennt Wales, das zwischen Herbst 2014 und Herbst 2015 keine Testspiele bestritt und in die Top 10 der Weltrangliste kletterte. Oder Rumänien, das es bis auf Rang 7 schaffte. Nutzniesser davon: ausgerechnet Polen. Denn die Rumänen waren so in der Qualifikation für die WM 2018 plötzlich als Gruppenkopf gesetzt. Polen, das nur in Los-Topf 3 war, hätte mit Deutschland oder Portugal wohl wesentlich mehr Mühe gehabt.

epa05627736 Poland's Kamil Glik (L) and Romania's Alexandru Chipciu (R) in action during the 2018 FIFA World Cup Russia qualifier soccer game between Romania and Poland, held on National Arena stadium, in Bucharest, Romania, 11 November 2016.  EPA/ROBERT GHEMENT

Polens Glik (oben) im Qualifikationsspiel gegen Rumänien. Bild: EPA

Die Schwäche der Weltrangliste bekommen stets auch die Austragungsländer von Turnieren zu spüren. Weil sie vorqualifiziert sind, können sie keine Punkte in Pflichtspielen holen – und büssen deshalb an Terrain ein. Das war schon bei der Schweiz vor der Euro 2008 der Fall und ist es nun auch bei Russland. Es ist innerhalb von zwei Jahren von Platz 24 auf Platz 65 abgestürzt. Was für die WM keine Rolle spielt, kommt in der nächsten EM-Qualifikation zum Tragen. Die FIFA, welche die Kritik an ihrer Weltrangliste kennt, kündigte unlängst an, die aktuelle Berechnungs-Methode zu überdenken.

Die Einteilung morgen:

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Video: watson/Angelina Graf

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    Alle Leser-Kommentare
  • Nelson Muntz 30.11.2017 22:51
    Highlight Highlight Bleibt nur eine Frage: In welchem Topf ist Italien?
  • mob barley 30.11.2017 17:15
    Highlight Highlight "Ein 8:0-Sieg gegen Gibraltar ist zweieinhalb Mal wertvoller, wenn er in einem Pflicht- und nicht in einem Testspiel erfolgt."

    "Denn für die Weltrangliste ist jedes Spiel gleich wertvoll, ob es nun der WM-Final ist oder Test-Kick."

    Das ist ein Widerspruch. Die Wichtigkeit des Spiels wird doch mit dem Faktor I in der oben genannten Formel gewichtet (WM-Final = uuuhuren wichtig, Freundschaftskick gegen Gibraltar = 0,001).
    • Philler_sg 30.11.2017 17:41
      Highlight Highlight Bei einem Sieg in einem Testspiel gibt es sehr wenige Punkte (kleine Wichtikeit)

      Um am Schluss den Durchschnitt auszurechnen, wird das Spiel trotzdem dazugerechnet.

      Sprich: wenn du gewinnst, nützt es praktisch nichts. Wenn du jedoch verlierst, büsst du einige Punkte ein.
    • maxi 30.11.2017 18:08
      Highlight Highlight wenn du gegen gibraltar verliest hast du zuvorderst auch nichts verloren;)
    • Ehringer 30.11.2017 19:12
      Highlight Highlight Hier ein Zahlenbeispiel, das das Problem klarer machen sollte:
      Stell dir vor, du schlägst Spanien in einem Pflichspiel 10x in Folge 1:0. Weil es Spanien ist kriegst du trotz dem knappen Sieg 10 Punkte. Nach 10 Spielen hast du also 10x10=100 Punkte, was einem Schnitt von 10 entspricht (diese 10 Punkte sind nun relevant für die Weltrangliste). Nun spielst du ein Testspiel gegen Gibraltar. Dieses gewinnst du zwar 10:0, kriegst aber nur 2 Punkte, weil es ein Testspiel und ein schwacher Gegner ist. Du hast nun also 11 Spiele und 102 Punkte, was einem Schnitt von 9.27 entspricht. (1/2)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Rock'n'Rohrbi 30.11.2017 17:00
    Highlight Highlight Egal, wer in welchem Lostopf ist ...am Ende gewinnt nur einer der sieben die bisher und dies nach sieben Spielen. Vermutlich lässt es sich aber sogar auf drei reduzieren.
    Deutschland, Spanien, Brasilien. Italien hätte ich den Sambatänzer noch vorgezogen, aber die sind ja wahrscheinlich nicht dabei 🤓
    • greeZH 30.11.2017 17:36
      Highlight Highlight Deutschland, Spanien, Brasilien und Frankreich.
  • satyros 30.11.2017 15:43
    Highlight Highlight Auch wenn solche Rankings immer ein bisschen Spielerei sind, halte ich die ELO-Weltrangliste für um einiges aussagekräftiger. Die Rangliste ist "ewig" und man kann in jedem Spiel Punkte gewinnen oder verlieren.

    http://www.eloratings.net/world.html
    • McStem 30.11.2017 16:44
      Highlight Highlight Gebe dir grundsätzlich Recht, dass ein ELO-System angewendet werden sollte, allerdings finde ich diese Liste etwas unausgeglichen. Die Niederlande, die seit zwei Jahren kein Bein vor das andere bringt, ist zum Beispiel auf Rang 11 anzutreffen.
  • Saubihun 30.11.2017 15:28
    Highlight Highlight Imagine:
    Polen bekommt morgen Spanien zugelost.
    ich könnte mir ein schadenfreudiges Grinsen nicht verkneifen.
    Schande über mein Haupt!
    • JoeyOnewood 30.11.2017 16:22
      Highlight Highlight Ich hoffe, wir kriegen Polen zugelost und revanchieren uns für 2016
  • Ziasper 30.11.2017 15:03
    Highlight Highlight Der Fakt, Freundschaftsspiele zu vermeiden ist schon seit langem bekannt. Auch die Schweiz profitiert davon, da sie kaum Freundschaftsspiele spielt.
    • messanger 30.11.2017 16:17
      Highlight Highlight oder man macht Freundschaftsspiele, wechselt aber mehr als 6 mal. Dann wird das Spiel von der Fifa nicht anerkannt. Hat z. B. Belgien schon so gemacht.
  • Pana 30.11.2017 15:03
    Highlight Highlight Nunja, dieses Schlupfloch funktioniert aber auch nur, wenn man in der Quali sehr gute Resultate einfährt. Darauf zu spekulieren, und keine Testspiele zu absolvieren, kann auch in die Hosen gehen.

    Wie auch immer, Testspiele werden ja ab nächstem Jahr (Nations League) obligatorisch.
    • Amboss 30.11.2017 20:58
      Highlight Highlight Naja, Testspiele würde ich die Nations League nicht nennen. Vielleicht für die grössten Verbände, einverstanden...
      Aber für ca zwei Drittel der Verbände ist die Nations League eine Erlösung. Endlich geht es jetzt in Länderspielen mal um was.
      Das ist eine richtig gute Sache.

Herr und Frau Mötzli, können wir uns nicht einfach mal freuen?!

Die Schweiz schlägt Serbien hochdramatisch 2:1. Schlagzeilen machen aber die Doppeladler beim Jubel von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. Die Gesten waren unüberlegt und unnötig. Aber auch verständlich für Spieler, bei denen sich so viel um Identität und Zugehörigkeit dreht.

Als sich Xherdan Shaqiri nach seinem 2:1 in der 90. Minute gegen Serbien dazu entschied, seine Hände zum Doppeladler zu formen, da wurde er innert Sekunden vom Helden zum Deppen. 

Zumindest für ganz viele Schweizer Fans. Die Freude über den Sieg wurde schnell gedämpft. Dürfen sich Schweizer da überhaupt noch freuen? Das war doch Hochverrat!

Zum Glück, so muss man fast sagen, haben Shaqiri und Xhaka mit dem Doppeladler für einen kleinen Skandal gesorgt. Sonst, man stelle sich vor, hätten …

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